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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.08.2026

Grantige Ermittlerin trifft Seniorenheim

Adelaide Peel: Rheuma, Mord und Rauhaardackel
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Nachdem die 83-jährige Adelaide Peel versehentlich ihr eigenes Haus niedergebrannt hat, bleibt ihr nichts anderes übrig, als mit ihrem Rauhaardackel Broderick ins Seniorenheim Three Willows zu ...

Nachdem die 83-jährige Adelaide Peel versehentlich ihr eigenes Haus niedergebrannt hat, bleibt ihr nichts anderes übrig, als mit ihrem Rauhaardackel Broderick ins Seniorenheim Three Willows zu ziehen. Begeistert ist sie davon natürlich überhaupt nicht. Als dann kurz nach ihrer Ankunft eine Mitbewohnerin stirbt, ist für Adelaide schnell klar: Das war Mord. Also beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln – sehr zum Leidwesen der anderen Bewohner.

Mit Adelaide musste ich am Anfang erst einmal warm werden. Mit ihrer grantigen Art war sie mir zunächst nicht unbedingt sympathisch. Das hat sich aber ziemlich schnell geändert und irgendwann hatte ich sie genauso ins Herz geschlossen wie die vielen skurrilen Bewohner des Seniorenheims. Gerade die unterschiedlichen Charaktere und der trockene Humor haben mir richtig gut gefallen und mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht.

Ein paar kleine Kritikpunkte gab es für mich trotzdem. Zwischendurch hatte die Geschichte ein paar Längen und auch das Ende zog sich etwas. Außerdem wurde der Running Gag um Brodericks Blähungen meiner Meinung nach etwas zu oft aufgegriffen. Anfangs war das noch witzig, irgendwann war es einfach nur noch zu viel.

Trotzdem hat mich der Cosy Crime insgesamt gut unterhalten. Die Mischung aus ungewöhnlicher Ermittlerin, liebenswerten Figuren und einer guten Portion Humor macht einfach Spaß. Wer humorvolle Krimis mit skurrilen Charakteren mag, sollte sich Three Willows: Mord und Häkeldeckchen auf jeden Fall einmal anschauen.

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Veröffentlicht am 29.07.2026

Eine Liebeserklärung an Sizilien

Nostalgia Siciliana
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Als Tita die Nachricht erhält, dass ihr Onkel in Sizilien verstorben ist und ihr das Familienanwesen Magní hinterlassen hat, reist sie nach vielen Jahren in die Heimat ihres verstorbenen Vaters zurück. ...

Als Tita die Nachricht erhält, dass ihr Onkel in Sizilien verstorben ist und ihr das Familienanwesen Magní hinterlassen hat, reist sie nach vielen Jahren in die Heimat ihres verstorbenen Vaters zurück. Mit jedem Schritt über die Insel werden Erinnerungen an ihre Kindheit wach und sie beginnt, sich mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Parallel erzählt der Roman vom Leben ihres Vaters Gianni, der einst als einer der ersten Gastarbeiter Sizilien verließ, um sich in Deutschland eine Zukunft aufzubauen. Zwischen Heimweh, Neuanfang und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit entfaltet sich eine berührende Familiengeschichte über zwei Generationen.

Schon nach wenigen Seiten hat mich der Roman nach Sizilien entführt. Die Landschaften, die kleinen Orte, die Gerüche und die kulinarischen Köstlichkeiten werden so lebendig beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, selbst durch die Gassen zu schlendern oder unter der sizilianischen Sonne zu sitzen. Dabei gelingt es der Autorin, nicht nur die Schönheit der Insel einzufangen, sondern auch ihre Gegensätze und Eigenheiten zu zeigen.

Besonders gut gefallen hat mir der Erzählstrang rund um Gianni. Seine Geschichte als junger Mann, der seine Heimat verlässt, in Deutschland ein neues Leben beginnt und dennoch nie ganz mit Sizilien abschließen kann, hat mich sehr berührt. Seine Zerrissenheit zwischen zwei Welten, das Heimweh und der Wunsch, sich gleichzeitig eine Zukunft aufzubauen, werden authentisch und nachvollziehbar geschildert. Dass der Roman auf der Familiengeschichte der Autorin basiert, verleiht ihm zusätzlich eine besondere Glaubwürdigkeit.

Auch Titas Rückkehr nach Sizilien hat mir gefallen. Nach und nach setzt sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinander und entdeckt die Heimat ihres Vaters neu. Themen wie Familie, Herkunft, Identität und Zugehörigkeit ziehen sich dabei durch die gesamte Geschichte und verleihen ihr viel Wärme und Tiefe.

Etwas stärker fand ich allerdings die Vergangenheitsebene. Giannis Lebensgeschichte konnte mich emotional deutlich mehr fesseln als Titas Gegenwartshandlung. Diese verläuft stellenweise etwas ruhiger und Tita blieb für mich insgesamt etwas blasser als ihr Vater.

Trotzdem ist Nostalgia Siciliana ein sehr stimmungsvoller Familienroman, der Fernweh weckt und gleichzeitig zum Nachdenken über Heimat, Familie und die eigenen Wurzeln anregt. Wer atmosphärische Geschichten mit viel Herz und italienischem Flair mag, sollte diesem Buch eine Chance geben.

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Veröffentlicht am 29.07.2026

Unterhaltsam, aber mit kleinen Längen

Crime im Heim
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Im Seniorenstift Haus Silberblick soll endlich etwas Leben in den Alltag einkehren. Der ehemalige Feuilletonchef Friedhelm Klemp plant eine Aufführung von Shakespeares Hamlet und trommelt dafür eine Gruppe ...

Im Seniorenstift Haus Silberblick soll endlich etwas Leben in den Alltag einkehren. Der ehemalige Feuilletonchef Friedhelm Klemp plant eine Aufführung von Shakespeares Hamlet und trommelt dafür eine Gruppe Mitstreiter zusammen. Doch schon bei der ersten Probe nimmt das Projekt eine unerwartete Wendung: Der Mops einer Bewohnerin wird tot aufgefunden. Als sich herausstellt, dass das Tier erschossen wurde, beginnt Katia Horenfeld gemeinsam mit ihren Mitbewohnern zu ermitteln. Lange dauert es nicht, bis ein weiterer Todesfall die Senioren auf eine weit größere Spur führt.

Die Idee hinter dem Buch hat mich sofort angesprochen. Ein Seniorenheim als Schauplatz, eine Theatergruppe, die nebenbei einen Kriminalfall löst, und dazu viele schrullige Bewohner – das versprach einen unterhaltsamen Cosy Crime mit einer guten Portion Humor.

Der Schreibstil ist angenehm leicht und flüssig, sodass ich schnell in die Geschichte gefunden habe. Besonders die unterschiedlichen Bewohner des Seniorenstifts sorgen immer wieder für unterhaltsame Momente. Mit ihren Eigenheiten und Spitznamen bringen sie viel Charme in die Handlung und einige Szenen waren wirklich amüsant.

Allerdings braucht die Geschichte etwas Zeit, bis sie richtig in Fahrt kommt. Die Spannung entwickelt sich eher gemächlich und rückt zeitweise hinter den Theaterproben und den zahlreichen Anspielungen auf Hamlet in den Hintergrund. Wer mit Shakespeare vertraut ist, wird daran vermutlich seine Freude haben. Mir waren diese Bezüge stellenweise jedoch etwas zu präsent und sie lenkten mich immer wieder von der eigentlichen Krimihandlung ab.

Auch die große Anzahl an Figuren machte es mir nicht immer leicht. Einige Charaktere bleiben dadurch etwas oberflächlich und ich hätte mir an manchen Stellen eine bessere Übersicht oder etwas mehr Tiefe gewünscht. Hinzu kommt, dass manche Wendungen etwas konstruiert wirken und mich die Auflösung letztlich nicht vollkommen überraschen konnte.

Dennoch bietet Crime im Heim eine originelle Idee, sympathische Senioren und viele charmante Szenen. Wer gemütliche Krimis mit skurrilen Figuren, einem humorvollen Ton und einer Prise Theater mag, dürfte hier gut unterhalten werden. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Spannung und einen stärkeren Fokus auf den eigentlichen Kriminalfall gewünscht.

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Veröffentlicht am 27.07.2026

Mehr Wirtschaftsroman als Thriller

Die Filiale
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Laura Jacobs arbeitet als Wertpapierberaterin bei einer Berliner Bank und führt eigentlich ein ruhiges Leben. Doch innerhalb kürzester Zeit gerät alles aus den Fugen. Nachdem sie bei einem Banküberfall ...

Laura Jacobs arbeitet als Wertpapierberaterin bei einer Berliner Bank und führt eigentlich ein ruhiges Leben. Doch innerhalb kürzester Zeit gerät alles aus den Fugen. Nachdem sie bei einem Banküberfall besonnen handelt und Schlimmeres verhindert, winkt ihr beruflich eine Beförderung. Gleichzeitig erhält sie jedoch die Kündigung für ihr Haus, denn ihre Bank will die gesamte Wohnsiedlung an einen Investor verkaufen. Auf der Suche nach den Hintergründen stößt Laura auf ein Geflecht aus dubiosen Geschäften, Korruption und Machtinteressen, das sie immer tiefer in gefährliche Machenschaften hineinzieht.

Das Cover hat mich sofort angesprochen und auch die Geschichte klang nach einem spannenden Thriller mit einem ungewöhnlichen Thema. Die Kombination aus Finanzwelt, Immobiliengeschäften und Kriminalfall hebt das Buch von vielen anderen Vertretern des Genres ab und machte mich neugierig.

Der Einstieg ist auch wirklich gelungen. Der Banküberfall sorgt direkt für Spannung und weckt die Neugier darauf, wie sich Lauras Geschichte weiterentwickelt. Auch der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist flüssig, die Kapitel sind angenehm kurz und lassen sich zügig lesen.

Im weiteren Verlauf verlor die Geschichte für mich allerdings etwas an Fahrt. Statt die Spannung kontinuierlich zu steigern, nehmen die Einblicke in das Bank- und Finanzwesen immer mehr Raum ein. Man merkt deutlich, dass der Autor sich auf diesem Gebiet bestens auskennt. Die Erklärungen wirken authentisch und gut recherchiert, waren für meinen Geschmack aber häufig zu ausführlich. Dadurch wurde der Lesefluss immer wieder unterbrochen und das Buch fühlte sich stellenweise eher wie ein Wirtschafts- oder Spannungsroman als wie ein klassischer Thriller an.

Laura war mir als Protagonistin durchaus sympathisch, weil sie sich nicht mit Ungerechtigkeiten abfindet und den Dingen auf den Grund gehen möchte. Dennoch blieben sie und auch einige Nebenfiguren für mich etwas blass, sodass ich keine enge Bindung zu ihnen aufbauen konnte.

Zum Ende hin nimmt die Geschichte noch einmal deutlich an Tempo auf und sorgt für einen gelungenen Abschluss. Trotzdem konnte mich die Handlung insgesamt nicht vollständig überzeugen, da einige Entwicklungen recht vorhersehbar waren und ich nach Klappentext und Leseprobe mit mehr Nervenkitzel gerechnet hatte.

Insgesamt bietet Die Filiale eine interessante Geschichte mit aktuellen Themen wie Immobiliengeschäften, Korruption und Finanzkriminalität. Wer sich für wirtschaftliche Zusammenhänge interessiert, wird hier vermutlich mehr Freude haben als ich. Mir fehlte über weite Strecken jedoch die Spannung, die ich von einem Thriller erwarte.

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Veröffentlicht am 24.07.2026

Friends to Lovers mit verschenktem Potenzial

Picking Daisies on Sundays
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Daisy ist schon seit ihrer Schulzeit heimlich in ihren besten Freund Levi verliebt. Doch als er ihr das Herz bricht, bricht sie den Kontakt zu ihm ab. Vier Jahre später laufen sich die beiden ...

Daisy ist schon seit ihrer Schulzeit heimlich in ihren besten Freund Levi verliebt. Doch als er ihr das Herz bricht, bricht sie den Kontakt zu ihm ab. Vier Jahre später laufen sich die beiden zufällig wieder über den Weg. Levi bittet Daisy, ihn als Fake-Freundin zu einer Hochzeit zu begleiten. Obwohl sie weiß, dass das keine gute Idee ist, stimmt sie zu – und merkt schnell, dass ihre alten Gefühle noch längst nicht verschwunden sind.

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, vor allem wegen des Hypes und weil ich Friends-to-Lovers in Kombination mit Fake-Dating eigentlich richtig gerne lese. Die Grundidee hat definitiv Potenzial, leider konnte mich die Umsetzung aber nicht wirklich überzeugen.

Der Schreibstil ist angenehm und leicht zu lesen, sodass ich gut durch die Seiten gekommen bin. Trotzdem hat sich die Geschichte für mich oft gezogen. Es passiert über weite Strecken nicht besonders viel und viele Situationen wiederholen sich. Dadurch fehlte mir irgendwann die Spannung und ich hatte das Gefühl, dass die Handlung auf der Stelle tritt.

Mit Daisy bin ich leider nicht richtig warm geworden. Ihre ständigen Selbstzweifel und die vielen Missverständnisse haben mich mit der Zeit eher frustriert. Auch Levi blieb für mich als Figur etwas blass. Obwohl zwischen den beiden eigentlich große Gefühle im Mittelpunkt stehen sollten, konnte ich das Knistern kaum spüren. Viele Konflikte hätten sich mit einem ehrlichen Gespräch schnell lösen lassen, wodurch manches unnötig in die Länge gezogen wirkte.

Schade fand ich außerdem, dass die Nebenfiguren und die Freundesgruppe kaum genutzt wurden. Hier hätte ich mir deutlich mehr gewünscht, denn sie hätten der Geschichte zusätzliche Dynamik geben können.

Insgesamt ist Picking Daisies on Sundays kein schlechtes Buch, aber für mich blieb es leider nichts Besonderes. Die Idee hat mir gut gefallen, die Umsetzung konnte das Potenzial jedoch nicht ausschöpfen. Teilweise war die Geschichte sogar etwas langweilig und konnte mich emotional nicht richtig mitreißen. Deshalb vergebe ich 2,5 von 5 Sternen.

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