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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2026

Unsympathisch kann spannend sein – hier leider nicht

Ein unheimlich guter Mensch
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Lillian steht kurz vor ihrem 29. Geburtstag, fühlt sich in ihrem Job festgefahren und klammert sich an die Hoffnung, dass ihre Beziehung zu Henry endlich die große Liebe sein könnte. Doch als ...

Lillian steht kurz vor ihrem 29. Geburtstag, fühlt sich in ihrem Job festgefahren und klammert sich an die Hoffnung, dass ihre Beziehung zu Henry endlich die große Liebe sein könnte. Doch als ihr sorgfältig aufgebautes Leben ins Wanken gerät, wird sie gezwungen, sich mit sich selbst, ihren Entscheidungen und den Menschen in ihrem Umfeld auseinanderzusetzen.

Was mir durchweg gefallen hat, war der Schreibstil. Die Autorin schreibt modern, direkt und sehr flüssig. Die Kapitel lesen sich schnell weg, und obwohl mich die Geschichte zunehmend frustriert hat, bin ich förmlich durch die Seiten geflogen.

Leider konnte mich die Protagonistin überhaupt nicht überzeugen. Selten hat mich eine Hauptfigur so sehr genervt wie Lillian. Dabei habe ich grundsätzlich kein Problem mit unsympathischen Protagonisten – im Gegenteil, solche Figuren können sehr spannend sein. Für mich brauchen sie jedoch zumindest ein kleines Fünkchen Liebenswürdigkeit oder Eigenschaften, die dafür sorgen, dass man trotzdem mit ihnen mitfiebert. Genau das hat mir bei Lillian gefehlt.

Anfangs wirkte sie auf mich noch chaotisch und unsicher, doch mit jeder Seite wurde sie für mich unsympathischer. Sie urteilt ständig über andere Menschen, behandelt selbst ihre Freundinnen oft herablassend und erkennt ihre eigenen Fehler kaum. Besonders störend fand ich die enorme Doppelmoral: Während sie das Verhalten anderer kritisiert, rechtfertigt sie ihr eigenes Handeln immer wieder oder schiebt die Verantwortung von sich weg.

Der Roman wird als bissig, schwarzhumorig und urkomisch beschrieben. Den Ansatz dahinter habe ich durchaus erkannt, für mich war die Figur jedoch so überzeichnet, dass der Humor irgendwann nicht mehr funktioniert hat. Statt zu schmunzeln, habe ich häufig nur noch genervt den Kopf geschüttelt. Vieles wirkte auf mich eher anstrengend als witzig.

Hinzu kam, dass ich bis zum Schluss auf eine Entwicklung der Protagonistin gehofft habe. Leider blieb diese für mein Empfinden weitgehend aus. Dadurch fiel es mir schwer, eine emotionale Verbindung zur Geschichte aufzubauen oder mit Lillian mitzufühlen.

Trotzdem möchte ich der Autorin zugutehalten, dass es auch eine Leistung ist, bei Leserinnen und Lesern so starke Gefühle hervorzurufen. Lillian hat bei mir zwar überwiegend Frust, Ärger und Unverständnis ausgelöst, aber gleichgültig war sie mir nie. Eine Figur derart konsequent zu zeichnen, dass sie eine so starke Reaktion hervorruft, ist durchaus bemerkenswert.

Schade, denn der Schreibstil ist wirklich stark und sorgt dafür, dass sich das Buch sehr leicht lesen lässt. Mit einer anderen Hauptfigur oder etwas mehr Selbstreflexion hätte mir die Geschichte vermutlich deutlich besser gefallen.

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Veröffentlicht am 28.05.2026

Atmosphärisch, bewegend und voller Hoffnung

Der Club der Unbeugsamen
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Mississippi im Jahr 1933: Die Weltwirtschaftskrise bestimmt den Alltag der Menschen und viele Familien kämpfen ums Überleben. Auch Birdie reist deshalb nach Oxford, um ihre vermeintlich wohlhabende ...

Mississippi im Jahr 1933: Die Weltwirtschaftskrise bestimmt den Alltag der Menschen und viele Familien kämpfen ums Überleben. Auch Birdie reist deshalb nach Oxford, um ihre vermeintlich wohlhabende Schwester um Hilfe zu bitten. Doch vor Ort merkt sie schnell, dass hinter der Fassade der Familie längst nicht alles so geordnet ist, wie es scheint. Gleichzeitig lernt man die junge Meg kennen, die in einem strengen Waisenhaus lebt und dort täglich mit Ungerechtigkeiten und Schikanen zu kämpfen hat. Nach und nach kreuzen sich die Wege verschiedener Frauen, die alle versuchen, sich in einer von Männern und gesellschaftlichen Erwartungen dominierten Welt zu behaupten. Dabei geraten sie immer wieder in Situationen, die Mut, Zusammenhalt und ungewöhnliche Entscheidungen verlangen.

Kathryn Stockett hat einen unglaublich angenehmen Schreibstil, der sich flüssig lesen lässt und gleichzeitig sehr bildhaft und atmosphärisch ist. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, mitten im Mississippi der 1930er Jahre zu sein. Man spürt die Hitze, die Sorgen der Menschen und die gesellschaftlichen Spannungen, die über allem liegen.

Besonders gefallen haben mir die vielen unterschiedlichen Frauenfiguren. Sie wirken lebendig, authentisch und entwickeln im Verlauf der Geschichte immer mehr Tiefe. Selbst Figuren, die zunächst eher schwierig oder distanziert wirken, werden nach und nach greifbarer und nachvollziehbarer. Vor allem Birdies Entwicklung fand ich spannend, da sie immer wieder vor Entscheidungen gestellt wird, die sie an ihre persönlichen Grenzen bringen.

Trotz ernster Themen wie Armut, Ungerechtigkeit und gesellschaftlichem Druck verliert der Roman nie seine Wärme. Immer wieder gibt es humorvolle und hoffnungsvolle Momente, die die Geschichte auflockern und den Figuren noch mehr Leben verleihen. Gerade die Dynamik zwischen den Frauen und ihr Zusammenhalt machen das Buch besonders.

Auch die über 800 Seiten haben mich am Ende überhaupt nicht abgeschreckt, denn durch den lebendigen Schreibstil und die interessante Handlung fliegt man regelrecht durch die Geschichte. Trotzdem sollte man sich bewusst Zeit für dieses Buch nehmen, denn die Geschichte und die Entwicklung der Figuren kommen besonders gut zur Geltung, wenn man sich wirklich auf sie einlässt.

„Der Club der Unbeugsamen“ ist für mich ein bewegender und atmosphärischer Roman über starke Frauen, Freundschaft, Zusammenhalt und den Mut, sich gegen gesellschaftliche Grenzen zu stellen. Für mich definitiv eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Psychologisch interessant, aber nicht ganz packend

Ungelöst – Die erste Zeugin
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Mit „Ungelöst – Die erste Zeugin“ erzählt Arno Strobel die Geschichte der jungen Medizinstudentin Luisa Menkhoff, die nach vielen Jahren plötzlich wieder mit einem traumatischen Ereignis aus ...

Mit „Ungelöst – Die erste Zeugin“ erzählt Arno Strobel die Geschichte der jungen Medizinstudentin Luisa Menkhoff, die nach vielen Jahren plötzlich wieder mit einem traumatischen Ereignis aus ihrer Kindheit konfrontiert wird. Damals wurde sie von dem Psychiater Joachim Lichner entführt, der sich an ihrem Vater rächen wollte. Als nun eine Frau verschwindet, die ebenfalls mit den damaligen Geschehnissen verbunden war, und kurz darauf weitere Mädchen verschwinden, beginnt für Luisa und die Ermittler ein gefährliches Spiel aus Manipulation, Erinnerungen und falschen Identitäten.

Der Einstieg in die Geschichte hat mir grundsätzlich gut gefallen. Arno Strobel schreibt wie gewohnt sehr flüssig und angenehm lesbar, sodass ich schnell durch die Seiten gekommen bin. Besonders die psychologische Grundidee rund um Manipulation, verdrängte Erinnerungen und Luisas fotografisches Gedächtnis fand ich interessant. Auch die späteren Wendungen und Enthüllungen waren teilweise durchaus clever konstruiert.

Trotzdem konnte mich der Thriller leider emotional nie wirklich packen. Über weite Strecken fehlte mir die echte Spannung und vor allem die Nähe zu den Figuren. Die Charaktere waren zwar nicht unsympathisch, blieben für mich aber eher distanziert und funktional, sodass ich kaum mit ihnen mitgefiebert habe. Gerade zu Beginn zog sich die Handlung für meinen Geschmack etwas zu sehr über Ermittlungsarbeit, Gespräche und Andeutungen, ohne dabei den typischen „Ich-muss-unbedingt-weiterlesen“-Sog auszulösen.

Erst im späteren Verlauf nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf und entwickelt einige interessante Wendungen, die das Ganze komplexer und psychologisch spannender machen. Obwohl die Geschichte gegen Ende noch einige interessante Wendungen bereithält, konnte sie mich nicht komplett überraschen, da ich viele Entwicklungen schon relativ früh vorhergesehen habe.

Insgesamt ist „Ungelöst – Die erste Zeugin“ für mich ein solider Ermittlerthriller mit interessanter Grundidee und einigen gelungenen Twists, dem jedoch die emotionale Intensität und die echte Sogwirkung gefehlt haben. Leserinnen und Leser, die ruhig aufgebaute Ermittlerthriller mögen, werden hier vermutlich besser abgeholt als Fans sehr temporeicher Psychothriller à la Fitzek oder Freida McFadden.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Atmosphärischer Psychothriller mit Längen

Home Before Dark
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Vor vielen Jahren verschwindet ein junges Mädchen spurlos aus einem kleinen Ort – ein Fall, der nie vollständig aufgeklärt werden konnte. Jahre später kehrt ihre Schwester zurück und beginnt, ...

Vor vielen Jahren verschwindet ein junges Mädchen spurlos aus einem kleinen Ort – ein Fall, der nie vollständig aufgeklärt werden konnte. Jahre später kehrt ihre Schwester zurück und beginnt, die Ereignisse von damals neu zu hinterfragen. Dabei stößt sie auf alte Geheimnisse, verdrängte Erinnerungen und Verbindungen, die weit in die Vergangenheit reichen.

Das Buch hat mich insgesamt gut unterhalten, auch wenn ich zwischendurch ein paar Schwierigkeiten damit hatte. Besonders am Anfang mochte ich die Atmosphäre sehr gern: ruhig, etwas düster und mit diesem unterschwelligen Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Die Geschichte entwickelt sich eher langsam, was grundsätzlich gut zur Stimmung passt, für mich aber stellenweise auch ein wenig zu langatmig war.

Was mir wirklich gefallen hat, ist, wie sich die verschiedenen Handlungsstränge nach und nach miteinander verbinden. Man bekommt immer wieder neue Hinweise, die das eigene Bild verändern, und genau dieses Miträtseln hat für mich einen großen Reiz ausgemacht. Ich war mir bis zum Schluss nicht sicher, in welche Richtung sich alles auflösen wird – und das passiert mir tatsächlich nur sehr selten.

Auch die psychologische Komponente fand ich spannend. Es geht weniger um klassische Spannung oder Action, sondern eher um Wahrnehmung, Erinnerungen und das Gefühl, dass man sich nicht auf alles verlassen kann. Dadurch entsteht eine besondere, teils auch beklemmende Atmosphäre.

Allerdings hatte das Buch für mich auch einige Schwächen. An manchen Stellen wirkte der Erzählfluss etwas holprig, als würden Informationen fehlen oder Übergänge zu schnell passieren. Das hat mich teilweise aus dem Lesefluss gerissen. Außerdem gab es immer wieder Passagen, die sich etwas gezogen haben, wodurch die Spannung zwischendurch nachgelassen hat.

Die Auflösung fand ich insgesamt passend zur Geschichte – eher ruhig und tragisch als spektakulär. Sie fügt sich gut in das Gesamtbild ein, hat mich aber emotional nicht komplett abgeholt.

Insgesamt ein solider, atmosphärischer Psychothriller mit einer interessanten Idee und viel Raum zum Miträtseln, der für mich aber durch Längen und kleinere Schwächen in der Umsetzung nicht ganz überzeugen konnte.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Sommerliche Backfreude mit einfachen Rezepten

Sunny Baking Time
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„Sunny Baking Time“ von Theresa Haubs ist genau das, was der Titel verspricht: ein Gute-Laune-Backbuch voller sommerlicher Rezepte, die Lust machen, direkt den Ofen anzuwerfen. Schon beim Durchblättern ...

„Sunny Baking Time“ von Theresa Haubs ist genau das, was der Titel verspricht: ein Gute-Laune-Backbuch voller sommerlicher Rezepte, die Lust machen, direkt den Ofen anzuwerfen. Schon beim Durchblättern bekommt man richtig Appetit auf Erdbeeren, Rhabarber & Co. – und genau so ging es mir dann auch beim Nachbacken.

Ich habe bereits einige Rezepte ausprobiert, darunter „Rhabarber mit Streuselns“, „Käsekuchen auf schnell“ und das „Blaubeer-Bananen-Brot“. Alle Rezepte ließen sich problemlos umsetzen und sind gut gelungen. Besonders gefreut hat mich, dass mein erster selbstgebackener Rhabarberkuchen direkt funktioniert hat. Die Anleitungen sind übersichtlich, verständlich formuliert und auch für weniger erfahrene Hobbybäckerinnen und -bäcker gut geeignet. Die Autorin legt großen Wert auf einfache, schnelle Rezepte mit Zutaten, die man meist ohnehin zu Hause hat oder problemlos bekommt .

Sehr angenehm ist zudem der Schreibstil: locker und modern, ohne übertrieben zu wirken. Dadurch macht nicht nur das Backen, sondern auch das Lesen Spaß.

Auch die Vielfalt im Buch überzeugt. Von klassischen Kuchen über Muffins bis hin zu Desserts ist alles dabei, sodass für jeden Geschmack etwas Passendes zu finden ist . Ich habe mir bereits viele weitere Rezepte markiert, die ich in nächster Zeit ausprobieren möchte.

Fazit: Ein gelungenes Backbuch für alle, die unkomplizierte, gelingsichere und sommerliche Rezepte suchen. Besonders für Einsteiger geeignet, aber auch für alle, die sich inspirieren lassen und neue Ideen ausprobieren möchten.

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