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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.07.2026

Unterhaltsam, aber mit kleinen Längen

Crime im Heim
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Im Seniorenstift Haus Silberblick soll endlich etwas Leben in den Alltag einkehren. Der ehemalige Feuilletonchef Friedhelm Klemp plant eine Aufführung von Shakespeares Hamlet und trommelt dafür eine Gruppe ...

Im Seniorenstift Haus Silberblick soll endlich etwas Leben in den Alltag einkehren. Der ehemalige Feuilletonchef Friedhelm Klemp plant eine Aufführung von Shakespeares Hamlet und trommelt dafür eine Gruppe Mitstreiter zusammen. Doch schon bei der ersten Probe nimmt das Projekt eine unerwartete Wendung: Der Mops einer Bewohnerin wird tot aufgefunden. Als sich herausstellt, dass das Tier erschossen wurde, beginnt Katia Horenfeld gemeinsam mit ihren Mitbewohnern zu ermitteln. Lange dauert es nicht, bis ein weiterer Todesfall die Senioren auf eine weit größere Spur führt.

Die Idee hinter dem Buch hat mich sofort angesprochen. Ein Seniorenheim als Schauplatz, eine Theatergruppe, die nebenbei einen Kriminalfall löst, und dazu viele schrullige Bewohner – das versprach einen unterhaltsamen Cosy Crime mit einer guten Portion Humor.

Der Schreibstil ist angenehm leicht und flüssig, sodass ich schnell in die Geschichte gefunden habe. Besonders die unterschiedlichen Bewohner des Seniorenstifts sorgen immer wieder für unterhaltsame Momente. Mit ihren Eigenheiten und Spitznamen bringen sie viel Charme in die Handlung und einige Szenen waren wirklich amüsant.

Allerdings braucht die Geschichte etwas Zeit, bis sie richtig in Fahrt kommt. Die Spannung entwickelt sich eher gemächlich und rückt zeitweise hinter den Theaterproben und den zahlreichen Anspielungen auf Hamlet in den Hintergrund. Wer mit Shakespeare vertraut ist, wird daran vermutlich seine Freude haben. Mir waren diese Bezüge stellenweise jedoch etwas zu präsent und sie lenkten mich immer wieder von der eigentlichen Krimihandlung ab.

Auch die große Anzahl an Figuren machte es mir nicht immer leicht. Einige Charaktere bleiben dadurch etwas oberflächlich und ich hätte mir an manchen Stellen eine bessere Übersicht oder etwas mehr Tiefe gewünscht. Hinzu kommt, dass manche Wendungen etwas konstruiert wirken und mich die Auflösung letztlich nicht vollkommen überraschen konnte.

Dennoch bietet Crime im Heim eine originelle Idee, sympathische Senioren und viele charmante Szenen. Wer gemütliche Krimis mit skurrilen Figuren, einem humorvollen Ton und einer Prise Theater mag, dürfte hier gut unterhalten werden. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Spannung und einen stärkeren Fokus auf den eigentlichen Kriminalfall gewünscht.

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Veröffentlicht am 27.07.2026

Mehr Wirtschaftsroman als Thriller

Die Filiale
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Laura Jacobs arbeitet als Wertpapierberaterin bei einer Berliner Bank und führt eigentlich ein ruhiges Leben. Doch innerhalb kürzester Zeit gerät alles aus den Fugen. Nachdem sie bei einem Banküberfall ...

Laura Jacobs arbeitet als Wertpapierberaterin bei einer Berliner Bank und führt eigentlich ein ruhiges Leben. Doch innerhalb kürzester Zeit gerät alles aus den Fugen. Nachdem sie bei einem Banküberfall besonnen handelt und Schlimmeres verhindert, winkt ihr beruflich eine Beförderung. Gleichzeitig erhält sie jedoch die Kündigung für ihr Haus, denn ihre Bank will die gesamte Wohnsiedlung an einen Investor verkaufen. Auf der Suche nach den Hintergründen stößt Laura auf ein Geflecht aus dubiosen Geschäften, Korruption und Machtinteressen, das sie immer tiefer in gefährliche Machenschaften hineinzieht.

Das Cover hat mich sofort angesprochen und auch die Geschichte klang nach einem spannenden Thriller mit einem ungewöhnlichen Thema. Die Kombination aus Finanzwelt, Immobiliengeschäften und Kriminalfall hebt das Buch von vielen anderen Vertretern des Genres ab und machte mich neugierig.

Der Einstieg ist auch wirklich gelungen. Der Banküberfall sorgt direkt für Spannung und weckt die Neugier darauf, wie sich Lauras Geschichte weiterentwickelt. Auch der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist flüssig, die Kapitel sind angenehm kurz und lassen sich zügig lesen.

Im weiteren Verlauf verlor die Geschichte für mich allerdings etwas an Fahrt. Statt die Spannung kontinuierlich zu steigern, nehmen die Einblicke in das Bank- und Finanzwesen immer mehr Raum ein. Man merkt deutlich, dass der Autor sich auf diesem Gebiet bestens auskennt. Die Erklärungen wirken authentisch und gut recherchiert, waren für meinen Geschmack aber häufig zu ausführlich. Dadurch wurde der Lesefluss immer wieder unterbrochen und das Buch fühlte sich stellenweise eher wie ein Wirtschafts- oder Spannungsroman als wie ein klassischer Thriller an.

Laura war mir als Protagonistin durchaus sympathisch, weil sie sich nicht mit Ungerechtigkeiten abfindet und den Dingen auf den Grund gehen möchte. Dennoch blieben sie und auch einige Nebenfiguren für mich etwas blass, sodass ich keine enge Bindung zu ihnen aufbauen konnte.

Zum Ende hin nimmt die Geschichte noch einmal deutlich an Tempo auf und sorgt für einen gelungenen Abschluss. Trotzdem konnte mich die Handlung insgesamt nicht vollständig überzeugen, da einige Entwicklungen recht vorhersehbar waren und ich nach Klappentext und Leseprobe mit mehr Nervenkitzel gerechnet hatte.

Insgesamt bietet Die Filiale eine interessante Geschichte mit aktuellen Themen wie Immobiliengeschäften, Korruption und Finanzkriminalität. Wer sich für wirtschaftliche Zusammenhänge interessiert, wird hier vermutlich mehr Freude haben als ich. Mir fehlte über weite Strecken jedoch die Spannung, die ich von einem Thriller erwarte.

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Veröffentlicht am 24.07.2026

Friends to Lovers mit verschenktem Potenzial

Picking Daisies on Sundays
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Daisy ist schon seit ihrer Schulzeit heimlich in ihren besten Freund Levi verliebt. Doch als er ihr das Herz bricht, bricht sie den Kontakt zu ihm ab. Vier Jahre später laufen sich die beiden ...

Daisy ist schon seit ihrer Schulzeit heimlich in ihren besten Freund Levi verliebt. Doch als er ihr das Herz bricht, bricht sie den Kontakt zu ihm ab. Vier Jahre später laufen sich die beiden zufällig wieder über den Weg. Levi bittet Daisy, ihn als Fake-Freundin zu einer Hochzeit zu begleiten. Obwohl sie weiß, dass das keine gute Idee ist, stimmt sie zu – und merkt schnell, dass ihre alten Gefühle noch längst nicht verschwunden sind.

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, vor allem wegen des Hypes und weil ich Friends-to-Lovers in Kombination mit Fake-Dating eigentlich richtig gerne lese. Die Grundidee hat definitiv Potenzial, leider konnte mich die Umsetzung aber nicht wirklich überzeugen.

Der Schreibstil ist angenehm und leicht zu lesen, sodass ich gut durch die Seiten gekommen bin. Trotzdem hat sich die Geschichte für mich oft gezogen. Es passiert über weite Strecken nicht besonders viel und viele Situationen wiederholen sich. Dadurch fehlte mir irgendwann die Spannung und ich hatte das Gefühl, dass die Handlung auf der Stelle tritt.

Mit Daisy bin ich leider nicht richtig warm geworden. Ihre ständigen Selbstzweifel und die vielen Missverständnisse haben mich mit der Zeit eher frustriert. Auch Levi blieb für mich als Figur etwas blass. Obwohl zwischen den beiden eigentlich große Gefühle im Mittelpunkt stehen sollten, konnte ich das Knistern kaum spüren. Viele Konflikte hätten sich mit einem ehrlichen Gespräch schnell lösen lassen, wodurch manches unnötig in die Länge gezogen wirkte.

Schade fand ich außerdem, dass die Nebenfiguren und die Freundesgruppe kaum genutzt wurden. Hier hätte ich mir deutlich mehr gewünscht, denn sie hätten der Geschichte zusätzliche Dynamik geben können.

Insgesamt ist Picking Daisies on Sundays kein schlechtes Buch, aber für mich blieb es leider nichts Besonderes. Die Idee hat mir gut gefallen, die Umsetzung konnte das Potenzial jedoch nicht ausschöpfen. Teilweise war die Geschichte sogar etwas langweilig und konnte mich emotional nicht richtig mitreißen. Deshalb vergebe ich 2,5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 23.07.2026

Zwischen Abschied und Neuanfang

Der letzte Sommer vor dem Rest unseres Lebens
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In Der letzte Sommer vor dem Rest unseres Lebens begleiten wir Mina und ihren besten Freund Caplan in den letzten Wochen vor ihrem Highschool-Abschluss. Während Mina sich auf ihre Zukunft an ...

In Der letzte Sommer vor dem Rest unseres Lebens begleiten wir Mina und ihren besten Freund Caplan in den letzten Wochen vor ihrem Highschool-Abschluss. Während Mina sich auf ihre Zukunft an einer renommierten Universität vorbereitet, merkt Caplan, dass sich nicht nur ihr gemeinsamer Alltag, sondern auch ihre Gefühle langsam verändern. Zwischen Abschlussball, Freundschaften und den Unsicherheiten des Erwachsenwerdens müssen beide ihren eigenen Weg finden.

Mir hat das Buch insgesamt richtig gut gefallen. Der Schreibstil von Daisy Garrison ist angenehm flüssig, ruhig und gefühlvoll. Die Geschichte nimmt sich viel Zeit für ihre Figuren und deren Gedanken, wodurch alles sehr authentisch wirkt. Gerade die Unsicherheiten, die viele am Ende der Schulzeit begleiten, wurden für mich glaubwürdig und einfühlsam dargestellt.

Besonders Mina und Caplan haben mir gut gefallen. Ihre langjährige Freundschaft steht im Mittelpunkt und entwickelt sich auf eine natürliche Weise weiter. Beide Figuren wirken sympathisch und nicht perfekt, was sie umso greifbarer macht. Auch die Nebenfiguren fügen sich gut in die Geschichte ein und verleihen ihr zusätzlich Leben.

Der Einstieg war für mich etwas ruhiger und die Handlung brauchte eine Weile, bis sie richtig Fahrt aufgenommen hat. Ab der zweiten Hälfte hat mich die Geschichte dann aber deutlich mehr gepackt. Die Emotionen wurden intensiver und ich habe gerne verfolgt, wie sich die Beziehungen zwischen den Figuren weiterentwickeln. Positiv fand ich außerdem, dass die Geschichte ohne übertriebenes Drama auskommt und dadurch sehr glaubwürdig wirkt. Einige ernste Themen hätten für meinen Geschmack allerdings etwas mehr Raum bekommen können.

Insgesamt ist Der letzte Sommer vor dem Rest unseres Lebens ein gefühlvoller Coming-of-Age-Roman über Freundschaft, erste Liebe und den Schritt in einen neuen Lebensabschnitt. Wer ruhige Geschichten mit authentischen Figuren und einer emotionalen Atmosphäre mag, wird hier schöne Lesestunden verbringen.

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Veröffentlicht am 23.07.2026

Eine faszinierende, aber nicht immer sympathische Sisi

Sisi
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In Sisi begleitet man die österreichische Kaiserin Elisabeth in einer späteren Phase ihres Lebens. Statt der jungen Märchenkaiserin steht hier eine selbstbewusste Frau im Mittelpunkt, die sich gegen die ...

In Sisi begleitet man die österreichische Kaiserin Elisabeth in einer späteren Phase ihres Lebens. Statt der jungen Märchenkaiserin steht hier eine selbstbewusste Frau im Mittelpunkt, die sich gegen die Zwänge des Hoflebens auflehnt und ihre Freiheit vor allem beim Reiten und auf ihren Reisen sucht. Als ihre Nichte Marie zu ihrer Vertrauten wird, entwickelt sich zwischen den beiden jedoch eine immer kompliziertere Beziehung, die von Bewunderung, Eifersucht und Macht geprägt ist.

Karen Duve zeichnet ein völlig anderes Bild von Sisi, als man es aus den bekannten Filmen kennt. Die Kaiserin wird weder idealisiert noch romantisiert, sondern als vielschichtige Persönlichkeit mit zahlreichen Ecken und Kanten dargestellt. Gerade das hat den Roman für mich so interessant gemacht. Sisi ist nicht immer sympathisch und trifft Entscheidungen, die man nicht unbedingt nachvollziehen kann. Trotzdem wirkte ihre Figur auf mich glaubwürdig und authentisch.

Besonders gut gefallen hat mir, wie sorgfältig der Roman recherchiert ist. Die vielen historischen Details vermitteln einen lebendigen Eindruck vom Alltag am Kaiserhof und zeigen gleichzeitig, wie eng die gesellschaftlichen Regeln damals waren. Auch die Beziehung zwischen Sisi und ihrer Nichte sorgt immer wieder für spannende Momente und macht deutlich, wie widersprüchlich die Kaiserin sein konnte.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und eher ruhig erzählt. Dadurch wirkt die Geschichte sehr authentisch, auch wenn der Einstieg für mich etwas Zeit gebraucht hat. Manche Beschreibungen sind recht ausführlich, was das Erzähltempo zwischendurch etwas verlangsamt.

Insgesamt hat mir Sisi sehr gut gefallen. Wer eine romantische Geschichte über die berühmte Kaiserin erwartet, wird hier allerdings überrascht werden. Stattdessen bekommt man einen hervorragend recherchierten historischen Roman, der eine faszinierende, widersprüchliche Frau zeigt und einen realistischen Blick hinter die Fassade des Kaiserhofs wirft.

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