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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2023

Eindringlich, spannend - wenig Sci-Fi

The Violence – Wie weit wirst du für deine Freiheit gehen?
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Die Inhaltsangabe klang erstmal abschreckend. Amerika in der Zukunft? Ist das überhaupt etwas für mich? Doch letztendlich bin ich froh, der Story eine Chance gegeben zu haben. Anfangs sah es allerdings ...

Die Inhaltsangabe klang erstmal abschreckend. Amerika in der Zukunft? Ist das überhaupt etwas für mich? Doch letztendlich bin ich froh, der Story eine Chance gegeben zu haben. Anfangs sah es allerdings nicht so aus, als ob das Buch und ich gute Freunde werden. Die Story begann sehr holprig, mit langatmigen Erklärungen und auch etwas tapsig. Wenn man das über ein Buch so schreiben kann. Als ob die Autorin sich langsam vortastet, schaut, wie weit sie noch gehen kann, wie viel sie den Lesenden noch zumuten kann. Doch je länger man liest, desto energischer wird sie. In der Erzählung, den Beschreibungen. Je näher Chelsea ihrem Ziel kommt, desto sicherer wird der Erzählfluss. Jetzt weiß die Autorin endlich, wie sie die Story vorantreiben kann, was der Leser lesen möchte. Und vor allem: Wie sie ans Ziel kommt.

Hauptsächlich verfolgt man die Geschichte aus der Sicht dreier Generationen. Großmutter, Mutter, (Enkel)Tochter – Patricia, Chelsea und Ella. Jede kämpft mit bzw. gegen ihre eigenen Dämonen, möchte dem eigenen Teufelskreis entkommen und alles hinter sich lassen. Aber wie? Jeder Erzählstrang ist auch in gewissem Sinne eine Reise zu den früheren Ichs der Figuren. Wo in ihrem Leben, fragen sie sich, haben sie die falsche Abzweigung genommen?

„Irgendwo hat sie mal gelesen, dass Frauen im Schnitt sieben Versuche brauchen, um sich aus häuslicher Gewalt zu befreien. Sie fand das immer lächerlich. Man muss schließlich nur aufstehen und gehen. Bis es einen selbst betrifft.“

Und genau aus diesem Grund fällt es mir so schwer, die Figuren zu bewerten. Verhalten sie sich realistisch? Naiv? Man selber vermutet, wie man sich in einer solchen Situation verhalten würde – bis man sich selbst darin wiederfindet. Die Themen Missbrauch und häusliche Gewalt sind alltäglich, allgegenwärtig – und dennoch schwer zu greifen. Stellenweise habe ich mich beim Lesen hilflos gefühlt, wollte einfach nur aus dieser Situation entkommen. Durch die bildliche Sprache wird wenig der Fantasie überlassen.

Fazit: Eindringlich und gleichzeitig spannend. Der Science-Fiction-Aspekt ist für mich sehr in den Hintergrund gerutscht. Wenn du dich zuerst also auch dadurch hast abschrecken lassen: Gib dem Buch eine Chance! Ich habe es trotz der anfänglichen Skepsis innerhalb kurzer Zeit verschlungen.

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Veröffentlicht am 16.03.2023

Heißer Leckerbissen

The Ravenhood - Flock
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Dark Romance lese ich hin und wieder sehr gerne. Eine düstere Liebesgeschichte, gespickt mit heißen erotischen Szenen, definitiv nichts für reine Thriller/Krimi Fans. Die Spannung war/ist vorhanden, und ...

Dark Romance lese ich hin und wieder sehr gerne. Eine düstere Liebesgeschichte, gespickt mit heißen erotischen Szenen, definitiv nichts für reine Thriller/Krimi Fans. Die Spannung war/ist vorhanden, und es gibt einiges zu entdecken, vieles hat mich überrascht.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive verfolgt, weshalb ich mich der Protagonistin näher fühlte als sonst. Ihre Gedanken und Gefühle konnte man direkt nachvollziehen, wenn auch diese nicht immer jugendfrei waren. Die Autorin hat einen eigensinnigen Schreibstil, sie scheut sich nicht vor Worten und detaillierten Szenen. Dessen sollte man sich bewusst sein, bevor man mit diesem Buch startet. Mir hat es gefallen.

Cecelia ist eine junge Frau, die weiß, was sie will. Sie ist stark und selbstbewusst, hat aber mit vielen Problemen zu kämpfen. Sie trägt einige Geheimnisse mit sich herum, welche nur nach und nach enthüllt werden. Ein Buch voller Mysterien, auch auf der Seite der beiden männlichen Charaktere Dominic und Sean. Richtig gelesen: Es gibt gleich zwei Männer, was die ganze Sache ein wenig schärfer macht. Beide könnten nicht unterschiedlicher sein, dennoch heizen sie beide unserer weiblichen Protagonistin ordentlich ein. Mein Favorit war Dominic, für mich einfach der interessantere Charakter, da er mich von vornherein mit seiner geheimnisvollen und düsteren Ader überzeugen konnte. Allerdings haben alle Protagonisten Ecken und Kanten, wirken daher authentisch und auch rebellisch.

In der Story geht es natürlich sehr viel um heiße und auch eindeutige Szenen, aber diese machten meistens Sinn und passten in den Verlauf der Geschichte. Dazwischen befinden sich viele Szenen mit Mysterien und Geheimnissen, die aufgedeckt werden wollen. Ich war teilweise bei der Auflösung wirklich überrascht und hab vieles nicht kommen sehen. Das Buch hatte Tiefgang und hielt viele Wendungen bereit. Die Autorin hat mich als Leserin nicht nur einmal auf die falsche Fährte geführt.

Fazit: Moral ist fehl am Platz. Ist man eine Person, die nicht ohne kann, dann sollte man die Finger von dem Buch lassen. Wer sich aber darauf einlassen kann, der ist hier genau richtig und wird seinen Spaß mit Cecelia und Co. haben. Ich empfehle das Buch daher sehr gerne an Dark Romance Fans weiter. Ich selbst freue mich schon jetzt auf die beiden weiteren Bände der Trilogie.

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Veröffentlicht am 16.03.2023

Ergreifend, mystisch

Gallant
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Olivia ist eine Kämpfernatur. Als stummes Waisenkind hielt das Leben schon einige Hürden für sie bereit. Alles was ihr geblieben ist, ist das rätselhafte Tagebuch ihrer Mutter, denn an deren Stimme kann ...

Olivia ist eine Kämpfernatur. Als stummes Waisenkind hielt das Leben schon einige Hürden für sie bereit. Alles was ihr geblieben ist, ist das rätselhafte Tagebuch ihrer Mutter, denn an deren Stimme kann sie sich nicht mehr erinnern. Als Olivia jedoch eines Tages unverhofft einen Brief ihres Onkels erhält, glaubt sie, endlich die Chance auf eine richtige Familie zu haben. Sie ahnt allerdings, dass es einen Haken geben muss, denn ihre Mutter ermahnte sie in ihrem Tagebuch, sich von Gallant, dem Stammsitz der Familie, fernzuhalten.

Olivia reist trotzdem zum Anwesen und kann nicht verstehen, warum ihre Mutter sie davor beschützen wollte. Noch nie hatte sie ein so schönes Zuhause - noch nie eine Familie. Doch nachts wird hier alles verriegelt und niemand darf vor die Tür. Man spürt förmlich das Böse, das in der Dunkelheit lauert. Auch im Tagebuch von Olivias Mutter befinden sich düstere Zeichnungen, die ausdrucksstark die geheimnisvolle Atmosphäre widerspiegeln.

Die Figuren sind gut dargestellt und verfügen über Tiefe. So kann man sich in Olivias Stummheit hineinversetzen und ist verzaubert von ihrem Einfallsreichtum, trotzdem zu kommunizieren. Von ihrem Charakter, immer zu kämpfen und nicht aufzugeben. Aber auch von ihrem inneren Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Mit jeder gelesenen Seite kommt man dem Geheimnis um Gallant näher - und auch der Tatsache, dass Olivia nicht irgendein Mädchen ist.

Zitat Pos. 1558:
"Letzte Nacht bin ich hinter die Mauer gegangen. Und ich bin dem Tod begegnet."

Dieses mystische Märchen hat kein richtiges Happy End, ist jedoch authentisch und hinterlässt den Nachklang einer zauberhaften Geschichte von Gut und Böse.

Fazit: Eine gut durchdachte Geschichte aus der Perspektive der stummen Hauptprotagonistin, die einen direkt in das düstere Geheimnis rund um Gallant zieht. Man möchte weglaufen, bleibt aber gefangen zwischen den Seiten. Ergriffen, fröstelnd, nachdenklich. Ganz großes Kopfkino!

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Veröffentlicht am 27.02.2023

Unterhaltsam, mit Tiefgang

Old Country – Das Böse vergisst nicht
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Harry und seine Frau Sasha wollen sich ihren Traum von einer eigenen kleinen Ranch verwirklichen. Als ihnen die Farm in Idaho günstig angeboten wird, können sie ihr Glück kaum fassen. Doch alles hat einen ...

Harry und seine Frau Sasha wollen sich ihren Traum von einer eigenen kleinen Ranch verwirklichen. Als ihnen die Farm in Idaho günstig angeboten wird, können sie ihr Glück kaum fassen. Doch alles hat einen Haken, oder?

Das Buch ist in 5 Teile gegliedert. Während Teil 1 zusammenfasst, was Harry in seiner Zeit in Afghanistan erlebt und mit welchen Traumata er seitdem zu kämpfen hat, widmen sich die weiteren Teile dem Farmleben zu der jeweiligen Jahreszeit.
Die Persönlichkeiten der Protagonisten sind gut ausgearbeitet und verdeutlichen einem Harrys psychische Belastung.
Bereits kurze Zeit nach ihrer Ankunft erfahren sie von dem Geist in diesem Tal, der zu jeder Jahreszeit auf andere Weise erscheint.
Natürlich glauben die beiden kein Wort davon, bis sie es tatsächlich selbst erleben.

Zitat Pos. 987:
"Ich habe gerade zum ersten Mal in meinem Leben ein heidnisches Ritual durchgeführt , um einen bösen Geist abzuwehren, und jetzt gehe ich einfach wieder meiner verdammten Arbeit nach, als wäre nichts passiert. Dieser Satz machte mich richtig wütend. Oder vielleicht entfachte er nur von Neuem meine Scham und meine Wut darüber, dass ich mir vor etwas so Lächerlichem in die Hose gemacht hatte."

Der innere Kampf der beiden, vor allem Harrys, ist interessant zu verfolgen. Sie zweifeln und stellen alles in Frage. Auch Harrys psychische Belastung kristallisiert sich gut heraus. Die verschiedenen Manifestationen, die jede Jahreszeit mit sich bringt, sind einfallsreich und am Ende auch ein Zusammenhang nachvollziehbar erklärt.
Es gibt sowohl schockierende als auch emotionale Momente, die authentisch dargestellt sind, und die wichtige Botschaft, mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Zitat Pos. 3866:
»Sie sind ein Krieger. Das kann Ihnen und Ihrer Familie helfen, auf einem Stück altem Land wie diesem zu leben. Aber ein Krieger muss sein Herz zügeln. Stolz und Wut können einen dummen Mann wie Sie umbringen, vor allem in einem Tal wie diesem."

Auch, wenn es einige Horrorelemente gibt, ist das Buch als Roman betitelt, was man beim Lesen nicht vergessen sollte.

Fazit: Eine unterhaltsame Horror-Story mit Tiefgang, die mir sehr gut gefallen hat und die ich jedem empfehlen möchte, der auf Indianer-Geistergeschichten steht.

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Veröffentlicht am 21.02.2023

Begeisterungsfähige Fantasy-Romance

Dead Romantics
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Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters reist Florence heimwärts und trifft im Beerdigungsinstitut ihrer Familie (der Wortwitz kommt leider nur im Englischen gut rüber – dort heißt es Days Gone Funeral Home) ...

Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters reist Florence heimwärts und trifft im Beerdigungsinstitut ihrer Familie (der Wortwitz kommt leider nur im Englischen gut rüber – dort heißt es Days Gone Funeral Home) ihren Lektor Ben. Den sie sehen kann, obwohl er tot ist – eine Begabung, die in ihrer Familie liegt. Denn Florence ist (haha) Ghostwriterin, die Deadline für ein zu schreibendes Happy End rückt immer näher, aber wie soll sie eine Liebesgeschichte produzieren, wenn sie selbst nicht an die wahre Liebe glaubt?

Und zack steht der Plot.

Florence ist eine wirklich liebenswerte Protagonistin, wenn auch manchmal naiv. Durch die Gabe, die sie mit ihrem verstorbenen Vater teilte, fühlte sie sich als Kind oft eingeengt. Sie kann Tote sehen, die noch eine letzte Aufgabe erfüllen müssen, bevor sie ins Jenseits übertreten können. Als Erwachsene kann sie inzwischen besser damit umgehen. Ihr Weg zur Ghostwriterin war steinig, ihr Schmerz greifbar. Ich habe stellenweise mit ihr gelitten, war ein Teil ihrer Gefühls- und Gedankenwelt, wie eine beste Freundin.

Obwohl das Thema Trauer großen Raum in der Geschichte einnimmt, dreht es sich doch um das Leben und die schönen Seiten daran. Der Tod als Teil des Lebens kommt jedoch nicht zu kurz - wie könnte das auch sein, wenn sich in der Familie Day alles darum dreht. Das Buch steckt voller Witz, ohne makaber zu sein. Ashley Postons Schreibstil ist erfrischend anders und trotzdem irgendwie bodenständig.

Fazit: Fantasy-Romance war ein neues Genre für mich. Florence konnte meine anfängliche Skepsis aber schnell in Begeisterung umwandeln. Eine große Empfehlung für alle, die den Tod auch mal von der anderen Seite sehen wollen.

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