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Veröffentlicht am 09.02.2023

Nervenkitzel pur!

Die Herzchirurgin
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Wow, ich bin geflasht. Und das sage ich doch relativ selten. Die Herzchirurgin konnte mich aus meiner kleinen Leseflaute befreien und hat mich mehr als nur positiv überrascht.

Würde ich für meine Liebsten ...

Wow, ich bin geflasht. Und das sage ich doch relativ selten. Die Herzchirurgin konnte mich aus meiner kleinen Leseflaute befreien und hat mich mehr als nur positiv überrascht.

Würde ich für meine Liebsten töten? Es kommt auf die Situation an. Wäre mein Kind in Gefahr, dann würde ich einfach alles tun, um es zu retten. Vor diesem Scheideweg steht unsere Protagonistin Anna. Sie ist kein perfekter Charakter - und das mochte ich so an ihr. Sie war perfekt unperfekt, bekämpfte Zwänge und Schuld, lebte mitten in einer Scheidung, war total ausgebrannt. Ihr Sohn bedeutete ihr alles, für ihn wäre sie über Leichen gegangen. Doch ihren Eid als Ärztin brechen, Leben zu nehmen statt zu retten? Man konnte ihre innere Zerrissenheit spüren, mit ihr mitfühlen, mitfiebern. Der Autor hat mit ihr eine großartige Hauptprotagonistin geschaffen, lebensecht und doch so fern. Sie wirkte nicht nur authentisch und gut ausgearbeitet, sie war ein Mensch mit einer perfekten Fassade.

Alle Charaktere innerhalb des Thrillers weisen besondere Merkmale auf und sind nicht die 0815-Protagonisten, wie man sie aus anderen Büchern kennt. Das kam für mich spürbar rüber und hat mir daher sehr gut gefallen.

Untypisch für einen Thriller ist die gewählte Ich-Perspektive. Häufig nutzen die Autoren die dritte Form, doch hier hat der Autor scheinbar bewusst diesen Weg gewählt. Man kann besser hinter die Fassade der Charaktere blicken und lernt sie dadurch näher kennen als sonst. Es gibt Kapitel aus der Sicht von Anna, der Chirurgin, aus der Sicht von Margot, ihrer OP-Schwester, und auch noch von weiteren Figuren.

Der Schreibstil wirkte lebensecht, beinahe als wäre man live dabei. Der Autor kann sehr detailliert und erschreckend emotional schreiben und beschreiben, was mich mehr als einmal aus der Bahn gerissen hat. Dies wirkte sich natürlich auch auf die Geschichte selbst aus. Eine kontinuierliche Spannungskurve, die mich von der ersten bis zur letzten Seite mitreißen konnte.

Fazit: Ein sogartiger, düsterer Thriller, der sowohl mit Recht und Unrecht als auch mit der menschlichen Moral spielt. Dieses Debüt konnte mich vollends überzeugen, daher empfehle ich es gern an Thriller/Krimi-Fans weiter. Nervenkitzel pur!

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Veröffentlicht am 30.01.2023

Düstere, solide Adaption

Frau Holles Labyrinth
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Der Einstieg war relativ ruhig, sogar vielleicht ein wenig zu ruhig für mich. Mary und die anderen Nebencharaktere werden vorgestellt. Mary ist das ungeliebte Mädchen innerhalb der Familie gewesen - und ...

Der Einstieg war relativ ruhig, sogar vielleicht ein wenig zu ruhig für mich. Mary und die anderen Nebencharaktere werden vorgestellt. Mary ist das ungeliebte Mädchen innerhalb der Familie gewesen - und ist es immer noch. Sie bleibt ein zurückgezogener Charakter. Innerhalb der Geschichte jedoch gewinnt sie an Stärke und kommt mehr und mehr aus sich heraus. Sie kämpft ums Überleben und zeigt großen Mut. Sie kam sehr authentisch und sympathisch rüber, weshalb sie zu meinem Lieblingscharakter wurde. Allgemein waren die Protagonisten sehr gut ausgearbeitet, obwohl unsere Antagonistin Holle in der Mitte des Buches ein wenig an Faszination verloren hat. Sie wirkte zu stark in den Hintergrund gedrängt und ist weniger aufgetreten als noch zuvor.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Locker, flüssig, daher leicht lesbar. Eine Möglichkeit, unsere Welt für eine kurze Zeit zu vergessen und in diese brutale, düstere Geschichte einzutauchen. Die Autorin konnte detailliert und anschaulich beschreiben. Mir ist nicht nur einmal der Schauer über den Rücken gelaufen.

Die Geschichte selbst hat nichts mehr mit dem klassischen Märchen Frau Holle zu tun. Das Grundkonzept ist ähnlich aufgebaut, doch es steckt etwas völlig anderes dahinter. Frau Holles Magie hat mich schon immer fasziniert; sie nun als ein böses Wesen zu sehen, fiel mir tatsächlich etwas schwerer. Ich fand es jedoch interessant, mal eine andere Seite von ihr zu sehen. Ich wurde in diese düstere Geschichte reingesaugt und habe mitgefiebert. Es tauchten Fragen über Fragen auf und es blieb kaum Zeit zum Luftholen. Zwischendurch gab es ruhigere Szenen, in denen man nachdenken konnte, doch die Auflösung zum Ende hin machte mich einfach sprachlos.

Fazit: Für mich ist dies ein großartiges Buch, auch wenn das Böse selbst noch besser hätte herausgearbeitet werden können. Dennoch gab es tolle und auch überraschende Wendungen, die mich begeistern konnten. Ich empfehle das Buch gern den Dark Fantasy-Fans unter euch weiter, doch ich denke, dass auch Krimi/Thriller-Leser auf ihre Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 30.01.2023

Durchwachsen, cooler Showdown

Endlich allein
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Laura und Liam verbringen ihre Flitterwochen auf einer einsamen schottischen Insel namens Shura. Bereits vor der Überfahrt werden sie von den Einwohnern des Festlandes gewarnt, dass es in Shura spukt, ...

Laura und Liam verbringen ihre Flitterwochen auf einer einsamen schottischen Insel namens Shura. Bereits vor der Überfahrt werden sie von den Einwohnern des Festlandes gewarnt, dass es in Shura spukt, tun dies aber als abergläubisches Gerede ab. Während sie die ersten Tage noch die romantische Atmosphäre der einsamen Insel genießen, stellt sich bald heraus, dass sie dort nicht alleine sind.

Die Autorin startet aus Lauras Perspektive. Offensichtlich ist diese nach dem Tod ihrer Mutter stark depressiv, spielt aber ihrem Ehemann, den sie noch gar nicht so lange kennt, vor, alles sei bestens. Als sich dann rausstellt, dass noch eine weitere Person auf der Insel ist und sie bedroht, bekommt Laura es mit der Angst zu tun. Hier kommt dann auch eine unbekannte Erzählerstimme hinzu. Man versteht allerdings nicht wirklich, worum es eigentlich geht. Es gibt ein paar Spannungsmomente, in die man sich aufgrund der Bedrohung hineinversetzen kann, dann wiederum einige Passagen, die lächerlich wirken.

Zitat Pos. 1579:
"Wenn wir noch drei Tage hier sind und den Strom nicht wieder in Gang setzen können, werden wir die essbaren Lebensmittel rationieren müssen. Uns bleiben ein einziges Brot und ein bisschen Käse, Schinken und Salat. Dann gibt es noch ein Glas Nudelsoße und eine Dose Bohnen, die wir auch kalt essen können, obwohl ich sie aufsparen werde, bis wir wirklich hungrig werden. Cornflakes sind auch noch da. Milch und Butter dürften nicht verderben, da es im Cottage nicht wirklich warm ist."

Ab etwa 70% des Buches beginnt ein zweiter Teil und damit eine Wendung, auf die ich gehofft hatte. Denn endlich wird aufgeklärt, was eigentlich vor sich geht. Mit den letzten 30% und dem Ende habe ich mich gut unterhalten gefühlt, und das Thema dahinter ist auch ein wichtiges. Allerdings reicht das Gesamtpaket aufgrund der ersten Hälfte für mich nicht für eine gute Bewertung.

Fazit: Ein durchwachsener Plot mit einer spannenden Auflösung. Wer bis zum Schluss durchhält, bekommt einen coolen Showdown geliefert.

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Veröffentlicht am 26.01.2023

Detailliert, spannend, uff!

Stigma (Milosevic und Frey ermitteln 1)
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Manchmal fände ich Selbstjustiz gerechtfertigt, da unser Rechtssystem häufig versagt. Einige Prozesse dauern so unheimlich lang und sind dann beinahe schon wieder verjährt, weil die Gerichte zum Beispiel ...

Manchmal fände ich Selbstjustiz gerechtfertigt, da unser Rechtssystem häufig versagt. Einige Prozesse dauern so unheimlich lang und sind dann beinahe schon wieder verjährt, weil die Gerichte zum Beispiel keinen Termin frei haben.

Das, was der Mörder hier in diesem Buch tut, würde ich Selbstjustiz nennen. Er tötet die, die Dreck am Stecken haben. Nicht ein „Opfer“ ist unbescholten, keiner von ihnen wurde je zur Rechenschaft gezogen. Alle sind sie mit den Verbrechen an Frauen davongekommen.

Das Buch beginnt direkt heftig mit einer sehr detailgetreuen Vergewaltigung einer jungen Frau. Die Details und die genauen Beschreibungen ziehen sich durchs ganze Buch, sodass ich nicht nur einmal schlucken musste. Ich kann froh sein, dass ich so etwas selbst noch nicht erleben musste, und habe Mitleid mit all den Frauen innerhalb und außerhalb des Buches. So etwas würde ich meiner ärgsten Feindin niemals wünschen.

Der Schreibstil ist sehr gut, flüssig und locker. Das Autorinnenduo kann gut beschreiben und geht detailliert auf vieles ein, wie eben schon erwähnt.

Hauptsächlich wird aus der Sicht von Milo, der weiblichen Polizistin, berichtet. Dadurch lernen wir sie und ihren Charakter besser kennen. Milo ist Serbin, bereits früh nach Deutschland gekommen und hat sich gut integriert. Besser als ihre Familie zumindest. Sie ist aus dem härtesten Viertel Hamburgs entkommen und hat es weit gebracht bisher. Milo ist allgemein sehr verschlossen, auch gegenüber ihren Kollegen. Sie taut nur langsam auf und wirkt daher häufig ein wenig forsch und unfreundlich.

Vince ist der Partner von Milo und eigentlich das totale Gegenteil. Deswegen vertraut er ihr mehr als sie ihm. Vince ist ein Sonnenschein, bei allen beliebt und allgemein ein sehr offener Mensch. Er trägt das Herz auf der Zunge und weiß genau, wie er was angehen muss. Daher ergänzen sie sich als Partner eigentlich sehr gut.

Die Charaktere sind sehr vielfältig gestaltet worden, es gibt viele ethnische Unterschiede, ein jeder ist anders und auch besonders. Manchmal war mir das zu viel, doch Hamburg ist eben multikulturell. Es wirkte häufig gezwungen, so als wolle das Autorinnenduo diese Vielfalt in den Fokus rücken. Es kommt dann nicht mehr authentisch rüber und wirkt klischeebehaftet.

Die Geschichte fand ich total spannend. Sie hat mich bis zum Ende fesseln können. Ich habe meine Vermutungen immer wieder durcheinanderwerfen müssen, bis kurz vorm Schluss nur wage Vermutungen gehabt und wurde dann mit der Auflösung überrascht.

Fazit: Authentische Charaktere und eine spannende Story, in denen ausnahmsweise mal die Männer das Opfer waren, über deren Ausgang man sicherlich streiten könnte. Ich empfehle das Buch gern Thriller-Fans weiter.

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Veröffentlicht am 18.01.2023

Mir ging ordentlich die Muffe!

Zu wenig Zeit zum Sterben
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Mit diesem Fall hat sich Cavanagh selbst übertroffen. Denn niemand geringeres als die Russen-Mafia hat Eddie Flynn am Wickel. So soll er eine Bombe ins Gericht schmuggeln, um damit einen Zeugen auszuschalten. ...

Mit diesem Fall hat sich Cavanagh selbst übertroffen. Denn niemand geringeres als die Russen-Mafia hat Eddie Flynn am Wickel. So soll er eine Bombe ins Gericht schmuggeln, um damit einen Zeugen auszuschalten. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, haben die Russen auch noch Eddies Tochter Amy in ihrer Gewalt. Für Eddie beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, wobei für ihn nur eins zählt: das Leben seiner Tochter zu retten, egal was mit ihm passiert...

Also mir ging ordentlich die Muffe! Von Anfang bis Ende habe ich gefühlt den Atem angehalten, weil ich so unter Adrenalin stand. Allein die Vorstellung, wie Eddie sich gefühlt haben muss, mit einer Bombe an seinem Körper vor Gericht zu stehen, war schon harter Tobak. So oft dachte ich: "Das ist dein Ende, Eddie!" und wurde eines Besseren belehrt. Was für ein faszinierender Charakter - und definitiv auch (mein) Held!

Zitat:
"Als ich mit geschlossenen Augen in der Limousine saß, während wir auf das Gericht zurasten, wusste ich, dass ich den richtigen Schritt gemacht hatte. Die Russen zu erledigen war der einzige Weg, die Sicherheit meiner Familie zu gewährleisten.“

Eddie gibt in diesem Teil einiges aus seinem Leben preis. Er erzählt über seine Kindheit, wie er sich seinen Lebensunterhalt verdienen musste und wie er seinen Freund und Richter Harry Ford kennenlernte. Dieser spielt auch in diesem Buch wieder eine entscheidende Rolle und beweist erneut, wie wichtig ihm seine Freundschaft zu Eddie ist.

Zitat:
„Harry hatte mich an jenem Tag gerettet, als er mir einen Job anbot. Er hatte mein Schicksal in der Hand gehalten und mein Leben verändert.“

Cavanaghs Schreibstil überzeugt in diesem Teil wieder mit Eloquenz und Spannung. Seine eingebauten Cliffhanger sorgen beim Leser definitiv für Schnappatmung und den perfekten Lesespaß!

Fazit: Eins ist sicher: Wenn ich Mal einen Anwalt brauchen sollte, werde ich definitiv Eddie Flynn engagieren. Wer die Reihe noch nicht begonnen hat, sollte spätestens jetzt einsteigen - und am besten alle Bände hintereinander durchsuchten.

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