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Veröffentlicht am 04.12.2025

Leidenschaft, Drama, knisternde Spannung

Where Good Girls go to Die (Good Girls 1)
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Meine Güte, was war das bitte für eine emotionale Achterbahnfahrt, mhm? Diese Geschichte hat mich völlig fertig gemacht, mir alles abverlangt – und ich habe jede einzelne, schmerzhaft schöne Seite davon ...

Meine Güte, was war das bitte für eine emotionale Achterbahnfahrt, mhm? Diese Geschichte hat mich völlig fertig gemacht, mir alles abverlangt – und ich habe jede einzelne, schmerzhaft schöne Seite davon verschlungen.

Es ist die Geschichte von Liv und Parker, deren Leben seit Jahren untrennbar verbunden sind, dank ihrer Nähe zu Livs großem Bruder. Doch was mit freundlichen Plaudereien und Besuchen begann, entwickelte sich zu einem gefährlichen Spiel aus heimlichen Blicken und stillem Beobachten, einer ungesagten Wahrheit, die in jedem Herzschlag lauerte. Die Eifersucht, die sich unaufhaltsam in die Herzen fraß, wenn fremde Küsse ausgetauscht wurden, war kaum zu ertragen – ich kann euch versichern: Ich habe mindestens genauso mitgelitten wie die beiden Hauptfiguren!

Wie oft wollte ich in die Seiten greifen, sie anschreien, ihnen eine aufrüttelnde Klatsche verpassen und ihnen zurufen: "Bitte traut euch endlich!" Mein armes, gequältes Leserherz, ehrlich!

Ich erwartete eine romantisch-dramatische Geschichte, aber was ich bekam, war so viel mehr als ein bisschen Geplänkel und ein Tiefschlag. Auf diesen knapp 300 Seiten passiert unfassbar viel – man blättert, hält den Atem an, schluckt, man ist völlig überrumpelt! Die Autorin hat Themen mitten aus dem Leben aufgegriffen und clever in den Strudel der Verzweiflung und des Verlangens eingearbeitet: Wie weit muss man laufen, damit ein gebrochenes Herz endlich heilt? Wie geht man mit den Schatten der Vergangenheit, mit ernsten Themen wie emotionaler Instabilität oder den Auswirkungen einer ungewollten Schwangerschaft um?

War ich mit allem einverstanden, was die Figuren angestellt haben? Ach, um Gottes Willen, nein! Konnte ich es nachvollziehen? Meistens, ja. Und eben weil ich so mittendrin war, sauer wurde, traurig, euphorisch, hoffnungsvoll, hat mich dieses verdam*te Buch total in seinen Bann gezogen. Manchmal habe ich mich sogar dabei erwischt, wie ich Passagen so oft gelesen habe, dass ich sie auswendig konnte. Dann habe ich mich zurückgelehnt, die Augen geschlossen und mir die jeweilige Situation bildlich vorgestellt.

Gab es überhaupt irgendetwas zu kritisieren? Naaaja, es hat mich schon genervt, wie oft hier jemand auf jemand anderen oder gegen etwas "gekracht" ist. Es hätte sehr wahrscheinlich Synonyme gegeben, die man hätte nutzen können. Bei "krachte" bin ich jetzt erstmal raus ...

Ansonsten war dieser Roman eine dreistöckige Kirschsahnetorte mit Schokosplittern und Eierlikörklecks. Mjam! Super unterhaltsam, voller intensiver Leidenschaft, Drama, Nervenkitzel, Knistern und jeder Menge Zeug dazwischen. Am liebsten würde ich Liv und Parker direkt weiterverfolgen – diese Liebe ist unvergesslich! Freue mich schon auf die nächsten beiden Bände, in denen es dann um Livs Bruder Mason und um Brandon, der andere beste Freund von Parker, geht. Ich bin schon ganz aufgeregt!

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Veröffentlicht am 29.11.2025

Coole Joe-Goldberg-Vibes!

Safe Space
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Anna tritt ihre neue Stelle als forensische Psychologin in der JVA Weyer an. Mit Mitte zwanzig ist sie noch recht jung, kann sich aber dennoch unter den starken und gefährlichen Männern behaupten. Was ...

Anna tritt ihre neue Stelle als forensische Psychologin in der JVA Weyer an. Mit Mitte zwanzig ist sie noch recht jung, kann sich aber dennoch unter den starken und gefährlichen Männern behaupten. Was anfangs nach einer tollen Karrierechance aussieht, entpuppt sich schnell als Farce. Denn Anna hat ihre persönlichen Gründe, warum sie ausgerechnet in dieser JVA ihre Arbeit ausüben will. Sie hat einen Plan und ist fest entschlossen, diesen durchzuziehen. Doch sie hat die Rechnung ohne die kriminellen Insassen gemacht. Denn es scheint, als würde einer von ihnen genau wissen, wer Anna ist und was ihre wahren Absichten sind …

Die Story wird aus zwei Perspektiven erzählt. So lernen wir neben Anna auch noch Leon kennen. Die Kapitel von Leon sind geheimnisvoll. Er hat eine tragische Kindheit hinter sich, die immer noch an ihm nagt. Obwohl mir seine Geschichte sehr nahe ging, haben mir seine Handlungen durchaus Joe-Goldberg-Vibes gegeben. Anna Salomon ist keine gewöhnliche Protagonistin. Ganz im Gegenteil! Sie ist die entschlossenste, stärkste und klügste Psychologin, die ich je kennenlernen dufte. Um endgültig mit den Ereignissen ihrer Vergangenheit abschließen zu können, nimmt sie diesen waghalsigen Job an und begibt sich auf ein gefährliches Terrain. Ich fand es nicht nur irre interessant, mal hinter die Gefängnismauern zu blicken, sondern auch den intensiven und tiefgründigen Therapiegesprächen beizuwohnen. Die Autorin hat hier sehr schön dargestellt, dass auch harte Kerle einen weichen Kern haben können.

Der mitreißende Schreibstil von Sarah Bestgen hat mich geradezu durch die Seiten gepeitscht. Die beklemmende Atmosphäre der eiskalten Gefängnismauern hat sie dabei perfekt eingefangen und mir die ein oder andere Gänsehaut beschert. Ich war fasziniert von den Ereignissen und habe das Buch dank der durchweg präsenten Spannung in einem Rutsch weginhaliert. Das ging mir damals bei „Happy End“ übrigens nicht anders - da hat sie mich auch komplett umgehauen und restlos begeistert! Merkt euch diesen Namen für Nervenkitzel-Lektüre: Sarah Bestgen!

Fazit: Düster, geheimnisvoll und voller Spannung erzählt Sarah Bestgen hier eine Story, die mich begeistern konnte und die ich euch unbedingt empfehlen MUSS!

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Veröffentlicht am 26.11.2025

Der Abgrund unter dem Mistelzweig

He Sees You When You´re Sleeping
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Dies ist kein besinnlicher Weihnachtsroman, sondern ein psychologisch aufgeladenes Kammerspiel, das den Leser direkt in den frostigen Abgrund einer grenzenlosen Obsession zieht. Im Zentrum steht die verführerische ...

Dies ist kein besinnlicher Weihnachtsroman, sondern ein psychologisch aufgeladenes Kammerspiel, das den Leser direkt in den frostigen Abgrund einer grenzenlosen Obsession zieht. Im Zentrum steht die verführerische Influencerin Chloe, deren sorgfältig kuratierte Scheinwelt einen dunklen, erotischen Schatten verbirgt. Ihr gegenüber: Jack, der attraktive Feuerwehrmann, der seit zwei Jahren in den Schatten lauert – ein heimlicher, nahezu liebevoller Beschützer, dessen Anwesenheit keine verräterischen Fußspuren im Schnee hinterlässt.

Die eigentliche Faszination des Romans liegt in der verstörenden Dualität dieses Mannes. Ich habe ihn als unwiderstehliche Mischung aus „liebenswert und verrucht“ gefeiert; ein „netter Stalker“, dessen Obsession so verführerisch wie verwerflich ist. Doch genau hier liegt der kritische Kern: Das Buch ist ein idealer, gut geschriebener Einstieg in das Stalker-Genre, der es allerdings vermeidet, den Sprung in die wahre Finsternis zu wagen, die diese Romane sonst auszeichnet. Es ist ein Spiel mit dem Kalkül, das in Jacks packendem inneren Monolog zutage tritt: Seine Rechtfertigungen und sein Kampf gegen die Schuldgefühle sind das eigentliche Drama, bevor die physische Interaktion beginnt.

Die Geschichte, kurz und zügellos, wird von einem fesselnden Schreibstil vorangetrieben und ist ideal, um in einem Zug verschlungen zu werden. Die prickelnde Spannung zwischen Jack und Chloe ist von Anfang an spürbar, besonders als die Verbindung über Chloes geheime, erotische Online-Plattform beginnt – ein Schauplatz, den Jack meisterhaft nutzt, um aus dem Schatten zu treten. Der Leser fiebert dem unvermeidlichen Showdown entgegen, als der virtuelle Schleier fällt und die Grenzen zwischen Retter und Monster endgültig verschwimmen. Cool umgesetzt!

Ich mochte zudem die sympathische Fehlbarkeit der Protagonisten. Sie treffen keine dummen Entscheidungen, sondern wirken menschlich und fehlerhaft. Wie du und ich.

Und das Ende? Unvorhersehbar. Was als brennende Leidenschaft in der Nacht vor Weihnachten beginnt, entwickelt sich zu einem perfiden Spiel mit zwei Protagonisten, deren Liebe keine Grenzen kennt – und das macht dieses Buch zu einer unterhaltsamen, wenngleich entschärften, psychologischen Achterbahnfahrt.

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Veröffentlicht am 26.11.2025

Einstieg in die Welt des großen Dramatikers

Was ihr wollt - die Graphic Novel nach William Shakespeare
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Was passiert, wenn der Meister der Dramatik auf moderne Zeichenkunst trifft? Es entfaltet sich ein hochemotionales, zuckersüßes und doch kritisch zu beleuchtendes Liebeschaos, das selbst die härtesten ...

Was passiert, wenn der Meister der Dramatik auf moderne Zeichenkunst trifft? Es entfaltet sich ein hochemotionales, zuckersüßes und doch kritisch zu beleuchtendes Liebeschaos, das selbst die härtesten Herzen wieder zu Romantikern macht – oder zumindest laut auflachen lässt.

Nach einem katastrophalen Schiffbruch strandet die junge Viola, getrennt von ihrem Zwillingsbruder, in einer fremden Welt. Um nicht in Hilflosigkeit zu versinken, muss sie eine radikale Lüge leben: Sie wird zu Cesario, einem Mann, und tritt in die Dienste des schmachtenden Herzogs Orsino. Hier beginnt das Verhängnis: Orsino schickt "Cesario" aus, um für ihn bei der Gräfin Olivia zu werben. Doch während der Herzog seine Gefühle nur aus der Ferne nährt, entwickelt Viola ihrerseits verbotene Zuneigung zu ihrem Dienstherrn. Der wahre emotionale Sprengsatz zündet, als Olivia sich prompt in den charmanten Boten – also in die verkleidete Viola – verliebt! Ein Dreiecksgeflecht aus Täuschung und Sehnsucht, das auf sandigem Boden gebaut ist.

Die Geschichte ist leicht zugänglich und dank moderner Sprache sowie ausdrucksstarker, atmosphärischer Zeichnungen schnell konsumierbar. Die ausdrucksstarken und atmosphärischen Zeichnungen sind das Herzstück der Adaption. Sie bringen die Gefühle der Charaktere – von der verzweifelten Viola bis zum hoffnungslos verliebten Orsino – hervorragend zur Geltung und erwecken die Geschichte zum Leben.

Allerdings: Der Fokus liegt so stark auf der Romantik und dem rasanten Erzähltempo, dass die Geschichte zu gradlinig und zu kurz erscheint – mehr ein charmanter Lückenfüller als ein episches Werk.

Fazit: Für Romance-Fans ist diese herzerwärmende, kitschige Graphic Novel ein netter Zeitvertreib und ein perfekter Einstieg in die Welt des großen Dramatikers.

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Veröffentlicht am 25.11.2025

Fesselnder Thriller mit ungewöhnlicher Perspektive

Was die Toten sehen
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Mit "Was die Toten sehen“ setzt A.K. Turner ihre außergewöhnliche Thrillerreihe rund um die Pathologieassistentin Cassie Raven und Ex-Polizistin Phyllida Flyte gekonnt fort. Auch der vierte Band bleibt ...

Mit "Was die Toten sehen“ setzt A.K. Turner ihre außergewöhnliche Thrillerreihe rund um die Pathologieassistentin Cassie Raven und Ex-Polizistin Phyllida Flyte gekonnt fort. Auch der vierte Band bleibt der bisherigen Messlatte treu: Es wird spannend, emotional und ungewöhnlich perspektivisch.

Phyllida hat sich nach ihrer Polizeikarriere dem IOPC angeschlossen – einer Behörde, die sich mit Fehlverhalten innerhalb der Polizei befasst. Was zunächst nach einem sinnvollen Neuanfang klingt, entpuppt sich schnell als ernüchternd. Doch als sich der Tod des berühmten Musikstars Bronte ereignet, kreuzt sich ihr Weg erneut mit Cassies – und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Die besondere Stärke dieser Reihe liegt im Ermittlungsansatz: Cassie hat ein feines Gespür für Details, die anderen verborgen bleiben – nicht zuletzt, weil sie mit den Toten auf eine sehr eigene Art „kommuniziert“. Ihre Gabe wird von der Autorin eindrucksvoll, aber stets glaubwürdig dargestellt, ohne in Übernatürliches abzudriften.

Zitat S. 12:
„Cassie hatte schon immer mit den Toten in ihrer Obhut geredet, als wären sie noch am Leben. Die Leichenhalle hatte sie stets als ein Schattenland betrachtet, in dem die kürzlich Verstorbenen zwischen Leben und Tod hingen."

Die Handlung rund um Brontes Tod ist spannend konstruiert, mit klugen Wendungen und vielschichtigen Figuren. Besonders gelungen ist, wie A.K. Turner auch das Privatleben ihrer beiden Hauptfiguren nicht ausspart und deren persönliche Entwicklung über die Bände hinweg sichtbar macht.

Zwar ist die Grundhandlung auch ohne Vorkenntnisse verständlich, doch für den vollen emotionalen Tiefgang empfiehlt sich, die Reihe chronologisch zu lesen.

Fazit: Ein fesselnder Thriller mit ungewöhnlicher Perspektive, komplexen Figuren und einer Ermittlerin, die den Toten eine Stimme gibt. "Was die Toten sehen" überzeugt durch Tiefgang, Spannung und Authentizität – eine Leseempfehlung für Fans kluger, emotionaler Thriller.

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