Beklemmend, vielschichtig und psychologisch intensiv
Ein einsames Baby, tot im kalten Wald. Eine Mutter, spurlos verschwunden. Eine Ermittlerin, innerlich zerrissen und bereit, bis an ihre Grenzen zu gehen. Was wie ein klassischer Krimianfang wirkt, entpuppt ...
Ein einsames Baby, tot im kalten Wald. Eine Mutter, spurlos verschwunden. Eine Ermittlerin, innerlich zerrissen und bereit, bis an ihre Grenzen zu gehen. Was wie ein klassischer Krimianfang wirkt, entpuppt sich rasch als tiefgreifendes, verstörendes Puzzle über Verzweiflung, Schuld und skrupellose Machenschaften.
Hans Rosenfeldt, bekannt als Drehbuchautor düsterer TV-Serien, bringt auch in seinem neuesten Roman sein Gespür für komplexe Figuren und dichte Spannung ein. Polizistin Hannah Wester kehrt nach dem Tod ihres Mannes in den Dienst zurück und sieht sich plötzlich mit einem Fall konfrontiert, der nicht nur kriminalistisch, sondern auch menschlich erschüttert.
Zitat S. 32:
"Sie blutete. Heftig. Weinte die ganze Zeit. Wegen der Schmerzen, aber auch wegen des Kleinen. Sie wollte ihn nicht hergeben, bestand darauf, ihn mitzunehmen. Es dauerte lange, sie davon zu überzeugen, dass es unmöglich war. Der Junge war tot. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als ihre Flucht zu zweit fortzusetzen."
Was als scheinbar lokales Verbrechen beginnt, entwickelt sich zu einem aufwühlenden Drama, das Abgründe offenlegt, die weit über das Offensichtliche hinausgehen. Menschenhandel, Angst, Verzweiflung – Themen, die Rosenfeldt nicht beschönigt, sondern mit beklemmender Intensität schildert.
Die Handlung ist vielschichtig, die Figuren facettenreich, und es gibt zahlreiche Ebenen, die ineinandergreifen. Wer nicht aufmerksam liest, verpasst womöglich entscheidende Hinweise. Einige Passagen im Mittelteil wirken zunächst langatmig, sind aber notwendig, um das große Ganze zu erfassen.
Ob es sich um den Auftakt einer Reihe handelt, bleibt offen, doch vieles deutet darauf hin, dass Hannahs Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist.
Fazit: Beklemmend, vielschichtig und psychologisch intensiv. "Die Farm der Mädchen" ist nichts für nebenbei, sondern eher für Leser geeignet, die sich in komplexe Thriller mit Tiefgang fallen lassen wollen. Ein beeindruckender Roman, der nachhallt.