Totenfrau ist kein Wohlfühlbuch
Totenfrau - Die RacheBlum ist Bestatterin, Motorradfahrerin, Mutter und eine Frau mit großem Herzen und noch größerem schwarzen Humor. Ihr Leben könnte fast zu schön sein – bis ihr Mann Mark, ein Polizist, vor ihren Augen ...
Blum ist Bestatterin, Motorradfahrerin, Mutter und eine Frau mit großem Herzen und noch größerem schwarzen Humor. Ihr Leben könnte fast zu schön sein – bis ihr Mann Mark, ein Polizist, vor ihren Augen bei einem Fahrerflucht-Unfall stirbt. Was zunächst wie ein tragischer Zufall aussieht, entpuppt sich schnell als etwas viel Dunkleres: Fünf einflussreiche Menschen wollten seinen Tod. Und Blum ist nicht der Typ, der trauert und schweigt.
Sie will Antworten. Und sie will Rache.
Was mich an Totenfrau sofort gepackt hat, ist die radikale Konsequenz, mit der Bernhard Aichner die Geschichte erzählt. Der Roman ist kurz, knackig und bleibt fast durchgehend bei den Handlungen. Es gibt kaum ausufernde Innenwelten oder poetische Bildsprache – stattdessen klare, kurze Sätze bzw. Worte. Dieser Stil ist extrem gewöhnungsbedürftig. Manche werden ihn lieben, andere damit hadern. Ich mag es, weil er perfekt zu Blum passt: Sie wirkt dadurch kühl, distanziert, fokussiert und unnahbar – genau wie eine Frau, die ihr Leben lang mit dem Tod arbeitet und nun selbst zur Totengräberin ihrer Feinde wird.
Die Distanz, die Aichners Schreibweise schafft, verhindert zwar ein tiefes emotionales Eintauchen in die Protagonistin, aber genau das macht sie glaubwürdig. Blum ist keine Figur, die man schnell ins Herz schließt. Sie ist pragmatisch, kompromisslos und erschreckend konsequent. Man beobachtet sie eher, als dass man mit ihr fühl.
Manche Wiederholungen und die sehr direkte, fast karge Sprache können auf Dauer etwas ermüdend wirken. Dennoch überwiegen die Stärken bei weitem: ein ungewöhnlicher, stimmiger Ton und eine starke, unkonventionelle Blum.
Wer blutige Rachegeschichten mit starken Frauenfiguren mag und keinen Wert auf gefühlvolle Prosa legt, wird dieses Buch mögen.Band 2 steht schon auf meinem Stapel.