Idee Top, Umsetzung nicht meines
Die Farm der MädchenIch habe dieses Buch wirklich wollen mögen. Die Grundidee der Farm trifft einen Nerv. Dieser Ort, an dem man Dinge tun kann, die sonst nirgendwo auf der Welt ungestraft bleiben würden, solange die richtigen ...
Ich habe dieses Buch wirklich wollen mögen. Die Grundidee der Farm trifft einen Nerv. Dieser Ort, an dem man Dinge tun kann, die sonst nirgendwo auf der Welt ungestraft bleiben würden, solange die richtigen Menschen wegschauen oder mitmachen… das hat etwas sehr spannendes.
Wer Band 1 kennt, hat einen deutlichen Vorteil. Wer Band 1 aber nicht gelesen hat, kommt trotzdem halbwegs mit, weil es immer wieder ausreichend Rückblenden und Erklärungen gibt.
Der Schreibstil hat mich dieses Mal richtig ermüdet. Ich kenne Rosenfeldt anders. Hier war alles irgendwie… zäh. Die Worte wollten nicht fließen. Ich kann gar nicht genau festmachen, woran es lag – an der Satzstruktur, am Rhythmus, an der Wortwahl? Ich weiß es nicht. Erst als ich auf das Hörbuch umgestiegen bin, lief es deutlich flüssiger und angenehmer.
Und dann die Figuren… Gott, so viele. Jede einzelne trägt ein riesiges, schwarzes Bündel Trauma mit sich herum – und das wird dann auch noch sehr ausführlich ausgebreitet. Das macht das Ganze leider ziemlich unübersichtlich. Besonders Hannah hat gefühlt alle nur denkbaren Traumata (Entführung, Verlust, Mord, Schuldgefühle …) selbst erlebt – Irgendwann konnte ich ihre Schmerzen nicht mehr lesen – sie waren zu groß, zu viele, zu laut. Statt Mitgefühl kam Leere.
Was mich am meisten irritiert hat: Es gibt immer wieder sehr alte Rückblenden, die für die aktuelle Handlung absolut keinen spürbaren Mehrwert hatten. Die haben mich regelmäßig rausgerissen und ich habe mich gefragt: „Wozu benötige ich die Informationen gerade?“ Wird aber auch nicht weiter aufgeklärt. So, als wenn Rosenfeldt etwas geschichtliches zu dem Ort beitragen möchte.
Spannungstechnisch war es für mich auch eher mau. Der Anfang hatte noch Biss, aber danach wurde es still. Zu still. Zu seicht. Zu viel Alltag, zu viel Reden, zu wenig Druck. Der typische Rosenfeldt/Hjorth-Thrill und Drive, den ich sonst so schätze, fehlt hier leider oft. Es bleibt alles etwas zu seicht, zu vorsichtig, zu langsam.
Fazit
Ich wollte dieses Buch lieben. Die Idee der Farm ist stark, das Grundgerüst ist clever und düster – es hätte so viel Potential gehabt. Aber es hat mich emotional nicht erreicht, nicht richtig. Für Fans der Reihe und wer mit vielen Figuren und Rückblenden gut klarkommt, ist es sicher lesenswert (daher auch keine schlechte Bewertung). Für mich persönlich war es aber insgesamt zu zäh, zu überladen und zu wenig packend – vor allem im Vergleich zu den vorherigen Büchern desselben Autors.
Hörbuch-Empfehlung klar vor Print, zumindest bei diesem Band.