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Veröffentlicht am 21.03.2020

Zu hohe Erwartungen

The Grace Year
1

Kim Liggets Roman „The Grace Year" wurde im englischsprachigen Raum ziemlich gehyped, dementsprechend hatte ich hohe Erwartungen. Vielleicht zu hohe.

Eines vorneweg- die Handlung ist durchaus fesselnd ...

Kim Liggets Roman „The Grace Year" wurde im englischsprachigen Raum ziemlich gehyped, dementsprechend hatte ich hohe Erwartungen. Vielleicht zu hohe.

Eines vorneweg- die Handlung ist durchaus fesselnd und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Es gab unerwartete Twists, die Charaktere waren nachvollziehbar und der Schreibstil sehr angenehm. Aber irgendwie hatte ich durchweg das Gefühl, dass alles schon mal da gewesen ist. So ist der feministische Ansatz zwar nach wie vor aktuell, aber eben schon des Öfteren in Kunst und Kultur behandelt worden. Auch die Protagonistin hat mir gefallen, aber sie geht in der Masse von Teenage Heldinnen wie Katniss Everdeen und Tris Prior unter.

Leider kam es mir vor allem gegen Ende auch so vor, als hätte sich die Geschichte im Kreis gedreht. Klar, das Buch wurde Grace Year genannt, und genau um dieses Gnadenjahr geht es auch. Aber um mehr nicht wirklich. Alle Mädchen in einem bestimmten Alter werden für 1 Jahr verbannt, weil sie angeblich eine gefährliche Magie haben, die ihnen ausgetrieben werden muss. Danach entscheiden die Männer, ob sie verheiratet (das ist für die Mädchen erstrebenswert) werden oder sklavenähnlich arbeiten (nicht erstrebenswert) müssen. Die aufmüpfige Protagonistin Tierney (sie zieht die Arbeit einer Heirat vor) ist nun in diesem Alter und wir erleben ihr Gnadenjahr mit ihr.

Die „Welt“ in der die Geschichte spielt, ist sehr begrenzt, so gibt es nur eine Stadt, deren Bewohner scheinbar allesamt in eine Kirche passen, sowie Außenbezirke, die der Leser nicht näher kennenlernt und natürlich die Wildnis, in welcher das Gnadenjahr stattfindet. Hintergründe zu der Gesellschaft, vor allem wie sich diese extreme Geschlechterungleichheit entwickelt hat, werden nicht gegeben. Mein Hauptproblem ist aber, dass sich im Vergleich von Anfang und Ende der Geschichte nicht viel geändert hat. Tierney war schon zu Beginn rebellisch und bleibt das auch, hat also keine große Entwicklung durchgemacht. Und an der Gesamtsituation ändert sich (wenn man von Details absieht, die ich nicht Spoilern möchte) auch nicht viel. Insbesondere nach der letzten Seite kam es mir so vor, als wäre die Geschichte ein einzig langer Prolog gewesen und die interessanten Sachen, von denen ich gerne gelesen hätte, würden vorenthalten bleiben. Vielleicht gibt es ja noch eine Fortsetzung, vielleicht würde ich diese Fortsetzung sogar lesen. Vielleicht aber auch nicht.

Alles in allem habe ich das Buch wirklich gerne gelesen, aber es ist keines, das herausragt und das ich später nochmal in die Hand nehmen werde, um mich nostalgisch an das erste Lesen zurückzuerinnern.
Wer aber auf der Suche nach Action, Spannung, ein wenig Liebe, etwas Revolution in einer dystopischen Welt und einer starken jungen Frauen ist, der wird hier definitiv fündig, und dem lege ich das Buch guten Gewissens ans Herz.

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Veröffentlicht am 20.02.2020

Hat Potential

Im Schatten des Kronturms
2

Ich muss gestehen, dass ich nicht so ganz wusste, worauf ich mich bei diesem Buch einlasse. Mir war einfach mal wieder nach klassischer Fantasy und da kam dieses Buch gerade recht. Dass es sich dabei um ...

Ich muss gestehen, dass ich nicht so ganz wusste, worauf ich mich bei diesem Buch einlasse. Mir war einfach mal wieder nach klassischer Fantasy und da kam dieses Buch gerade recht. Dass es sich dabei um ein Prequel für eine andere Serie des Autors handelt, ist mir erst beim Lesen aufgefallen.
Nichtsdestotrotz kam ich gut in die Geschichte hinein und der Autor hat genug Erklärungen gegeben, falls man sich in der Welt noch nicht auskannte. Dabei hat er größtenteils sehr angenehm geschrieben, aber der Autor ist jemand, der gerne mal eine Sache in zwei Sätzen formuliert, auch wenn es nicht unbedingt sein muss.
Insgesamt war die Geschichte recht spannend, mit einigen interessanten Charakteren und Problemen, die es zu überwinden galt. Der Fokus der Handlung lag aber eindeutig auf der sich entwickelnden Freundschaft zwischen den beiden Protagonisten. Diese könnten beide nicht unterschiedlicher sein und können sich zu Beginn auch gar nicht ausstehen. Wie sie langsam Vertrauen zueinander fassen und ihre Gemeinsamkeiten entdecken, war schön zu verfolgen. Allerdings konnten sie mich leider nicht 100 % fesseln, da ich mich mit keinem von beiden wirklich identifizieren konnte und ihre Art von Charakter in so vielen Varianten in so vielen Büchern schon vorgekommen ist. Es hat einfach etwas der Tiefgang gefehlt und ein paar Alleinstellungsmerkmale. Damit möchte ich nicht sagen, dass die Geschichte schlecht ist, nur ist sie nicht sonderlich originell. Wer aber auf Abenteuer, Hau-Drauf- Leute und Männerfreundschaft steht, wir mit diesem Buch Freude haben.

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Veröffentlicht am 29.12.2019

Laini Taylor - Tolkiens Erbin

Strange the Dreamer - Ein Traum von Liebe
2

Häufig hat man beim 2. Band einer Trilogie das Gefühl, er wäre nur ein Lückenbüßer, eine Überbrückung bis zum Großen Finale. Bei Laini Taylors Werken ist dies bewiesenermaßen nicht der Fall, sondern sie ...

Häufig hat man beim 2. Band einer Trilogie das Gefühl, er wäre nur ein Lückenbüßer, eine Überbrückung bis zum Großen Finale. Bei Laini Taylors Werken ist dies bewiesenermaßen nicht der Fall, sondern sie schafft es sogar immer wieder, sich noch einmal zu übertreffen.
Ich kann nicht viel über die Handlung schreiben, ohne diesen Band oder seinen Vorgänger zu spoilern, deshalb verrate ich nur, dass die Protagonisten Lazlo, Sarai und die sagenumwobene Stadt Weep erneut den Kern der Geschichte darstellen. Hinzu kommen weitere, liebevoll ausgestaltete Charaktere, die einem schnell ans Herz wachsen und noch lange nach dem Beiseitelegen des Buches beschäftigen. Wie die Autorin es schafft, jeder Figur eine Geschichte zu geben, ihr wirklich Leben einzuhauchen, ist nah dran an wahrer Magie und weit weg von jeglichen Stereotypen der Gut-Böse-Fantasyliteratur.
Auch das Worldbuilding ist schlichtweg beeindruckend. Die Geschichte ist in einer detaillierten Welt angesiedelt mit eigener Mythologie, faszinierenden Ethnien und einer ausführlichen Historie. Mit jeder Seite gibt es etwas Neues zu entdecken, ohne dass es überladen wirkt oder den Leser überfordert. Taylor hat die perfekte Balance zwischen Ausschweifungen, die zum Träumen anregen, und einem atemberaubendem Spannungsbogen gefunden. Wenn ich darf, möchte ich sie an dieser Stelle als Erbin Tolkiens bezeichnen.
Nicht zuletzt ist es aber ihr Schreibstil, der mich persönlich immer wieder fesselt, sobald ich eines ihrer Bücher in die Hand nehme. Auch in diesem Werk erzählt sie poetisch und einfühlsam, manchmal macht sie aber auch nur Andeutungen um der Fantasie des Lesers eigenen Raum zu geben. So entsteht aus einem einzigen Absatz ein Gemälde, mal surreal und mal epischen Ausmaßes, auf jeden Fall nicht von dieser Welt.
Zwiegespalten kann ich es jetzt kaum erwarten, bis der dritte Band erscheint und endlich die letzten großen Geheimnissen gelüftet werden, andererseits möchte ich, dass diese Buchreihe nie endet.
Wer oder was auch immer Laini Taylor inspiriert: Möge es von Dauer sein.

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Veröffentlicht am 10.12.2019

FSK 16

Vicious - Das Böse in uns
1

Ich begann dieses Buch an einem Samstag zu lesen. Und plötzlich war es Montagmorgen.

„Vicious-Das Böse in uns" ist eines dieser Bücher, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man es einmal aufgeschlagen ...

Ich begann dieses Buch an einem Samstag zu lesen. Und plötzlich war es Montagmorgen.

„Vicious-Das Böse in uns" ist eines dieser Bücher, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man es einmal aufgeschlagen hat.
Wer V.E. Schwan kennt, weiß, dass ihre Worte einen in ihren Bann schlagen und auch in diesem Werk verzaubert sie mit einer gewohnt ausdrucksstarken Sprache. Jene passt vom Stil unheimlich gut zur originellen Handlung und auch wenn die Geschichte mehr oder weniger in unserer Welt angesiedelt ist, fühlt man sich, als hätte man sich in eine Fantasiewelt begeben.

Alles beginnt mit zwei brillanten, jungen Medizinstudenten und entwickelt sich zu einem Epos um Rache, Freundschaft, und das Böse in all seinen Facetten. Man hat ein bisschen das Gefühl, hier wird der Grundstein für etwas viel Größeres gelegt, obwohl die Autorin schon mit so vielen Wendungen und Enthüllungen aufwartet, das einem fast schwindelig wird. Ich kann es kaum erwarten, bis die Fortsetzung kommt!

Das faszinierendste an dieser Geschichte sind aber vor allem die beiden Hauptcharaktere. Beide waren einst Freunde, und entwickeln sich zu so unterschiedlichen Menschen, dass sie einen Kampf auf Leben und Tod miteinander beginnen. Dabei sind beide moralisch äußerst fragwürdig, aber ihre Motive werden absolut nachvollziehbar dargestellt, dass man (zumindest teilweise) Sympathie und Verständnis für sie entwickelt. Sie sind eigentlich typische Anti-Helden, aber in ihrer Persönlichkeit und eigenen Geschichte so besonders, was sie mit zu den spannendsten literarischen Figuren macht, über die ich je gelesen habe.

Nichtsdestotrotz sollte man festhalten, dass es eine düstere, brutale Geschichte ist - sowohl Cover als auch Titel deuten das ja schon an. Und auch wenn der Klappentext verrät, dass es um Superkräfte geht, sollte man dabei nicht an Comic Helden denken. Hier wird ein wissenschaftlicher Ansatz gegeben, und man sieht, was passiert wenn die falschen Personen Macht bekommen. Wenn jemand in seiner ethischen Entwicklung noch nicht ganz gefestigt ist, könnte dieses Buch eventuell zu Problemen führen.

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Veröffentlicht am 18.11.2018

Zu viel gewollt.

Believe Me - Spiel Dein Spiel. Ich spiel es besser.
1

Ich liebe Geschichten, bei denen man zu Beginn nicht weiß, was real nd was gespielt ist, wer lügt und wer die Wahrheit sagt. Somit war ich, nachdem ich den Klappentext gelesen habe, sofort Feuer und Flamme ...

Ich liebe Geschichten, bei denen man zu Beginn nicht weiß, was real nd was gespielt ist, wer lügt und wer die Wahrheit sagt. Somit war ich, nachdem ich den Klappentext gelesen habe, sofort Feuer und Flamme für dieses Buch.

Leider habe ich mich jedoch ziemlich schwer getan, in die Handlung reinzukommen.
Das lag zum Einen am Schreibstil: Hier wird zwischen normaler Erzählweise in der Ich-Perspektive und Schilderungen von Dialogen und Settings iin Drehbuchform munter hin und hergewechselt. Die Idee mit der Drehbuchvariante war eigentlich ganz originell und passte dazu, dass die Protagonistin eine Schauspielerin ist. Allerdings hat sich mir nicht immer ganz erschlossen, warum der Autor an bestimmten Stellen die eine oder die andere Schreibweise nutzte, ich hätte mir da etwas mehr Logik gewünscht.
Zum Anderen bin ich mit der Hauptfigur Claire einfach nicht warm geworden. Weder war sie mir sonderlich sympathisch, noch konnte ich mich mit ihr identifizieren. Aufgrund ihrer Kindheit hätte ich beinahe etwas wie Mitleid fü sie entwickeln können, aber ihr berechnender Umgang damit sowie ihre gleichzeitig kaltschnäuzige und labile Art haben mich dann doch wieder nur genervt.Leider hat mein Desintersse an dieser Figur auch dafür gesorgt, dass für mich gar kein richtiger Nervenkitzel mehr aufkam, denn mir war es schlichtweg egal, was mit Claire passierte. Schon die ganze Zeit überlege ich, ob mir nicht doch eine Eigenschaft an ihr einfällt, die lobenswert wäre, aber je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass Claire eigentlich ziemlich charakterlos ist. Sie studiert in New York Schauspiel und würde für Geld und ihre Kunst so ziemlich alles tun. Punkt. Mehr gibt es übe sie eigentlich wirklich nicht zu sagen. Auch konnte ich absolut nicht verstehen, weshalb sie sich so von Patrick angezogen fühlte, aber auf diese Beziehung gehe ich aus Spoilergründen jetzt nicht weiter ein.
Insgesamt hat die Handlung zwar mit einigen überraschenden Wendungen aufgewartet, die ich so wirklich nicht habe kommen sehen, allerdings waren sie dafür, insbesondere nachdem am Schluss die Auflösung kam, rückblickend sehr unrealistisch. Normalerweise habe ich kein Problem mit Verschwörungstheorien, aber die Art wie sie hier dargestellt und am Ende abgehandelt wurden, war dann doch sehr plump- das Ende an sich war schon sehr plötzlich und eigenartig. Generell war es für mich schwer vorstellbar, dass die Polizei auf solche Ermittlungsmethoden zurückgreift.

Leider kann ich "Believe Me" also nicht weiterempfehlen, da es wder ein ernstzunehmender Krimi noch Thriller ist.