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Veröffentlicht am 13.09.2020

Vergiss den Koi-Teich im Flugzeug!

Crazy Rich Girlfriend
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Vergiss den Koi-Teich im Flugzeug!

Bei dem ersten Band habe ich noch den Vergleich zu Sex and the City gezogen, aber wer Band zwei gelesen hat, wird feststellen, dass die Girls von Sex and the City nur ...

Vergiss den Koi-Teich im Flugzeug!

Bei dem ersten Band habe ich noch den Vergleich zu Sex and the City gezogen, aber wer Band zwei gelesen hat, wird feststellen, dass die Girls von Sex and the City nur arme Aschenputtel waren. Kaum zu glauben, aber die Dekadenz und das BlingBling sind noch zu toppen. Es funkelt und glitzert auf jeder Seite, die Namen der Top-DesignerInnen werden nur so umhergewirbelt und ich als Leser mittendrin. Manchmal mit dem Gefühl in einer Dauerwerbesendung zu sitzen und oft mit dem Gefühl (nein, mit dem Wissen), dass ich in einer völlig anderen Welt lebe. Aber Kevin Kwan schafft es, dass man voller Faszination die Geschichte liest.

Superreich zu sein, bedeutet harte Arbeit. Man kann nicht einfach mal den Jogger aus dem Schrank holen, nein, es muss dann mindestens der Jogger von XY sein. Sehen und gesehen werden, stets gescannt zu werden, was man trägt und mit wem man sich trifft. Immer die Unterschiede zwischen Festlandchinesen und Hongkong-Chinesen wissen und den Inner Circle Tanz beherrschen. Für mich klingt es nach Stress, den man nicht braucht. Aber es macht Spaß, die anderen beim Balztanz, beim Abchecken und Geldausgeben zu beobachten.

Kevin Kwan weiß, wovon er schreibt. Er selbst stammt aus einer reichen asiatischen Familie und plaudert quasi aus dem Nähkästchen. Und das sind bekanntermaßen die besten Geschichten. Sein Schreibstil ist so leicht und flüssig, dass man sogar gern die vielen Fußnoten in Kauf nimmt. Sie sind gut, um sich bei den vielen chinesischen Gepflogenheiten und Regeln zurecht zu finden.

Sehr unterhaltsam und interessant, so darf der dritte Band bitte auch sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.09.2020

In diesem Fall wäre weniger mehr gewesen.

Terrorland
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Der sechste Fall für den Kommissar de Bodt und sein Team ist in erster Linie laut, explosiv und leider übertrieben.

"Christian v. Ditfurth ist mit seinen Actionthrillern den sonst vielgerühmten amerikanischen ...

Der sechste Fall für den Kommissar de Bodt und sein Team ist in erster Linie laut, explosiv und leider übertrieben.

"Christian v. Ditfurth ist mit seinen Actionthrillern den sonst vielgerühmten amerikanischen Autoren dieses Genres mindestens ebenbürtig" (Hessischer Rundfunk)

Dieses Zitat hätte mich hellhörig machen müssen, denn amerikanische Actionthriller meide ich. Sie sprechen mich nicht an. Und nun das. Christian von Ditfurth auf den Pfaden der amerikanischen Action-Autoren. Ich hoffte auf eine Übertreibung, aber nein, es war keine. Es knallte und explodierte, es wurde entführt und geschossen und es wurde immer verworrener und unglaubwürdiger. Frankreich, Russland, USA und Deutschland - alle sind dabei. Alle rühren in einem Topf, aber keiner vertraut irgendwem. Bei manchen Szenen hatte ich ein Déjà-vu, da sie mich an die vorherigen Fälle erinnert haben. Und warum nur hat der Autor Bob wieder herausgekramt?

Es war diesmal etwas anstrengend und je weiter die Geschichte voran ging, desto schwerer fiel es mir dem Autoren die Geschichte abzunehmen. Einzige Hoffnungsschimmer waren der grummelige und zynische Lebranc und sein junger Kollege Floire sowie die Teamkollegen von de Bodt Silvia Salinger und Ali Yussuf und deren ständiger verbaler Schlagabtausch.

In diesem Fall wäre weniger mehr gewesen.

Veröffentlicht am 30.08.2020

Interessanter Blick hinter die Kulissen

Der Raum, in dem alles geschah
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Sprachlos, mit leichten Nackenschmerzen vom Kopfschütteln habe ich das Buch nach dem Lesen zur Seite gelegt. Was man bisher aus den Medien gehört und gelesen hat, ist nur ein Bruchteil von dem, was John ...

Sprachlos, mit leichten Nackenschmerzen vom Kopfschütteln habe ich das Buch nach dem Lesen zur Seite gelegt. Was man bisher aus den Medien gehört und gelesen hat, ist nur ein Bruchteil von dem, was John Bolton in diesem Buch erzählt.

John Bolton weiß, wie man das Spiel "Weißes Haus" spielt. Er kennt die ungeschriebenen Gesetze und Regeln, er kennt das politische Parkett und weiß, wie man Menschen auf seine Seite zieht. Er ist also, genauso wie Trump, ein Mann der Macht.

Das Buch ist aus seiner Sicht geschrieben, das muss man stets bedenken. Aber die Abgründe werden deswegen nicht flacher oder weniger. Die Details, die der Leser erfährt, können aufgrund der vielen Namen und ungewohnten Begrifflichkeiten vielleicht anfangs etwas verwirren, aber je länger man Bolton und Trump folgt, umso mehr und besser versteht man die amerikanische Politik und die Zusammenhänge des Weltgeschehens.

Bolton lässt tief in das Weiße Haus blicken und belegt, was viele Menschen schon ahnen oder sehen, dass der amtiertende Präsident der USA dem Land nicht gut tut.

Veröffentlicht am 26.08.2020

Abtauchen in New York

Manhattan Transfer
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Dieses Buch lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite fand ich die Beschreibungen von New York, der Sehnsuchtsstadt vieler Menschen, sehr gut und auch sehr lebendig. Die Charaktere waren ...

Dieses Buch lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite fand ich die Beschreibungen von New York, der Sehnsuchtsstadt vieler Menschen, sehr gut und auch sehr lebendig. Die Charaktere waren vielfältig und aus allen Schichten. Sie haben alle versucht ihren Traum vom Leben in NY zu finden und zu erhalten. Die Lebensläufe waren so unterschiedlich und interessant, dass man sich gern die Zeit genommen hat, ihnen zu folgen.

Auf der anderen Seite waren die vielen Ein- und Ausstiege. Immer wieder sprang der Autor zwischen den Charakteren hin und her. Ich empfand es als anstrengend, immer wieder aus der aktuellen Geschichte herausgerissen und in die neue andere Geschichte gestoßen zu werden. Es erschwerte das Verständnis für die gesamte Geschichte.

Man muss sich Zeit nehmen für dieses Buch und man sollte sich auf die Zeit einlassen, denn das Buch wurde 1925 geschrieben. Es gibt einiges, was man aus der heutigen Zeit nicht mehr kennt, was aber die Geschichte umso interessanter und spannender macht. Der Autor hat einen schönen Schreibstil, der sich gut lesen lässt und so kann man mit dem Buch durchaus auch ein paar schöne Lesestunden verbringen.

Veröffentlicht am 21.08.2020

Unterhaltsames, interessantes und anregendes Buch

Projekt Green Zero
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Das Buch von Dirk Gratzel hat mich sehr gereizt. Im positiven Sinne, denn ich wollte es unbedingt lesen und ich wurde (bis auf eine Stelle - die Kosmetik) auch nicht enttäuscht. Sein Schreibstil ist sehr ...

Das Buch von Dirk Gratzel hat mich sehr gereizt. Im positiven Sinne, denn ich wollte es unbedingt lesen und ich wurde (bis auf eine Stelle - die Kosmetik) auch nicht enttäuscht. Sein Schreibstil ist sehr gut und leicht zu lesen. Der Humor ist genau meins.

"Autos habe ich beim Kauf mit einer Akribie sondiert, getestet und beobachtet, ausgesucht, konzipiert, konfiguriert, kalkuliert und dann herbeigesehnt - hätte meine Frau sich mit der Partnerwahl so sorgfältig beschäftigt wie ich mich mit der Entscheidung für den nächsten Dienst-Pkw, ich wäre wohl heute noch unverheiratet." (S. 31)

Wer sein eigenes Handeln und Denken mit soviel Ironie und Humor reflektiert, kann kein staubtrockenes Sachbuch schreiben. Diese kleinen humorvollen Einschübe gab es immer wieder und oft war nicht nur Lachen, sondern auch Kopfnicken bei mir dabei. Viele Dinge konnte ich nachvollziehen, z.B. seine Erfahrungen mit der Deutschen Bahn haben meine Lachmuskeln gut strapaziert, aber leider konnte ich sie gut nachvollziehen - warum wohl liebe DB?, einiges auch nicht, aber es war nie langweilig oder belehrend. Interessant fand ich die eingefügten Informationskästen mit wissenschaftlichen Daten, Fakten und Zahlen.

Ich habe seinen Willen zur radikalen Änderung wirklich bewundert, denn die Veränderungen waren schon enorm. Einige Anregungen kann man ohne Probleme in den eigenen Alltag mitnehmen und auch relativ leicht umsetzen. Ich glaube jedoch nicht, dass jeder seinen ökologischen Fußabdruck wiedergutmachen kann, denn, was mir auffiel waren, die vielen doch recht kostspieligen Erneuerungen, Korrekturen und Sanierungen am Haus, auch die selbstfinanzierte Studie, die er mit der TU Berlin gemacht hat (herrlich die Beschreibung der über Tage gehenden Inventur aller! Dinge im Haus), ist nicht für jede Brieftasche zu stemmen. Trotzdem ziehe ich den Hut vor dieser Familie, die den Mut hatte, diesem Schritt zu wagen und finde es gut, dass er die Erfahrungen teilt und zum Nachdenken anregt.