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Veröffentlicht am 13.12.2018

Anpacken und Freiheit genießen

Aufgeräumt macht glücklich!
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Ich habe schon ein paar Bücher bzw. Artikel über Minimalismus gelesen und konnte mich damit mehr oder weniger gut damit identifizieren. Während das Buch von Lina Jachmann sehr auf das Schlüssellochprinzip ...

Ich habe schon ein paar Bücher bzw. Artikel über Minimalismus gelesen und konnte mich damit mehr oder weniger gut damit identifizieren. Während das Buch von Lina Jachmann sehr auf das Schlüssellochprinzip gesetzt hat, d.h. viele anschauliche Bilder von aufgeräumten Wohnungen und sympathischen Bewohnern kommt nun Francine Jay ohne Bilder dafür mit sehr viel Text daher. Beide Bücher haben mir gut gefallen und mich auch immer mehr darin bestärkt den Minimalismus in kleinen Schritten fortzuführen.

Francine gibt erstmal einen kleinen Überblick und baut die Motivation zum Minimalismus auf. Sie zeigt sehr deutlich die Vorteile von einer aufgeräumten und nicht überfrachteten Wohnung und was wir bei der Suche/dem Streben nach Dingen/Konsum an Lebenszeit verschwenden. Manchmal kam es mir vor, als würde sie den Leser einen Spiegel vorhalten. Jedoch macht sie es sehr behutsam und lässt dem Leser noch genug Freiraum, um Luft zu holen und das Gelesene zu verdauen. Sie bedrängt niemanden, sie pocht nicht auf ihren Standpunkt und sie bietet Alternativen an.

Was mir gut gefallen hat, dass sie nicht festlegt, dass Minimalismus mit einer Zahl verknüpft ist z.B. nur noch 100 Dinge besitzen o.ä.. Auch empfiehlt sie, dass man sich langsam herantasten soll und zeigt dafür auch Handlungsmöglichkeiten auf. Sie geht durch jeden Raum und erklärt, wie man am besten die (Minimalismus-)Methode anwendet und zeigt auf, dass auch schon das Ausmisten bzw. Entrümpeln kleinerer Fächer oder Schubladen ein Erfolg sind, wenn man dranbleibt und sie nicht wieder füllt.

Ich habe mich schon innerlich davon verabschiedet, dass die Einführung des Minimalismus in meinen Alltag ein schneller Prozess sein wird. Natürlich kann ich es radikal machen (wie der Finne Petri Luukkainen in seinem Leben und Film) und alles entsorgen, verkaufen und weggeben, aber das widerstrebt mir. Ich werde mich für die recht langsame, aber stetige Variante (und dabei hat mir auch das Buch geholfen) entscheiden.

Zuerst sichten, was kann wirklich direkt weg (kaputt, abgelaufen, noch nie im Leben benutzt) und dann nichts Neues hinzufügen, wenn es nicht notwendig erscheint (die Eins rein – Eins raus Methode). Den gewonnenen Platz genießen und dann schrittweise vorgehen. Vieles habe ich schon angepasst z.B. Kleiderschrank, Bad und kleinere Regale.

An meinen Bücherregalen scheitere ich noch etwas. Und wer meinen SUB sieht, weiß, das kann dauern, aber auch hier habe ich mir vorgenommen – im Jahr 2019 wird dieser einer Prüfung unterzogen und schrumpfen.

Minimalismus ist ein stetiger Prozess, der nie endet. Man muss fast schon Mut haben, sich dem Konsum, dem Marketing der Unternehmen und dem Druck der Gesellschaft entgegen zu stellen, aber ich glaube für den gewonnenen Freiraum und der Unabhängigkeit, die man erzielen kann, lohnt es sich.

Veröffentlicht am 10.12.2018

Der verborgene Sinn

Das kleine Buch der großen Fragen
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Gisela Schmalz versucht mit dem kleinen (und doch recht schweren) Buch große Fragen zu stellen, die dann noch zu einem tiefgründigen Gespräch mit dem Gegenüber führen. Jeseits vom Small Talk. Ich habe ...

Gisela Schmalz versucht mit dem kleinen (und doch recht schweren) Buch große Fragen zu stellen, die dann noch zu einem tiefgründigen Gespräch mit dem Gegenüber führen. Jeseits vom Small Talk. Ich habe mich gefragt, wen sie meint. Geschäftspartner, Kollegen oder neue Bekanntschaften? Sind sie für diese Fragen geeignet? Aus meiner Sicht eher nicht.

Freunde, Familie und Partner? Das hat mich zugegebenermaßen überrascht, denn gerade mit diesen Personen pflege ich keinen Small Talk zu führen. Wir unterhalten uns selten über das Wetter (nur wenn es einen erheblichen Einfluss in unserem Leben hatte z.B. Hochwasser oder Schneesturm), sondern gehen direkt in die Vollen und diskutieren, was uns bewegt bzw. was wir erlebt haben. Ich habe es ausprobiert und die großen Fragen gestellt und zum größten Teil irritierte und fragende Blicke geerntet. Eine Antwort war: „Es ist mir egal, ob du lieber einen Schnabel oder ein Maul haben würdest, wenn du ein Tier wärst. Du wirst kein Tier werden. Könnten wir uns auf das momentan wichtige konzentrieren und überlegen, wie wir das Garagentor reparieren können?“ Und selbst nach der Reparatur konnten wir so viele Themen finden und besprechen, dass die Zeit leider nicht einmal dafür ausreichte.

Was will ich damit sagen? Wir haben das Buch mit den großen Fragen nicht gebraucht. Wir waren uns noch nicht einmal sicher, ob das wirklich Fragen sind, die man überhaupt braucht. Vielleicht sind wir nicht die richtige Zielgruppe für dieses Buch, da wir selbständig gute und tiefsinnige Gespräche führen können (nicht nur über Garagentore) und zudem eher an der Realität, den echten und direkten Geschehnissen als an den Was-wäre-wenn-Geschichten interessiert sind. Wir sind vielleicht auch etwas zu pragmatisch für diese Fragen.

Für Familien und Freundeskreise mit einer gut funktionierenden Kommunikation, einer gesunden Diskussionsfreude und einem natürlichen Interesse am Leben des Anderen erscheint mir das Buch überflüssig.

Veröffentlicht am 02.12.2018

Sehr detailliert, sehr spannend und gut

Stieg Larssons Erbe
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Ein spannendes und sehr detailiertes Buch über die Recherchearbeit von Stieg Larsson. Man bekommt hier den Geschichtsunterricht in Buchform. Man muss sich etwas für Schweden, deren Politik und die Bücher ...


Ein spannendes und sehr detailiertes Buch über die Recherchearbeit von Stieg Larsson. Man bekommt hier den Geschichtsunterricht in Buchform. Man muss sich etwas für Schweden, deren Politik und die Bücher von Stieg Larsson interessieren, sonst wird es ein trockener und langer Weg durch das Buch.

Mir hat es (bis auf ein paar kleinere Längen) gut gefallen, weil ich die politischen Verknüpfungen und die vielen kleinen Gruppierungen noch nicht kannte. Ich hatte schon einiges von dem Olof Palme Mord gehört, aber diese Fülle an Details kannte ich noch nicht. Wenn man die Vergangenheit der schwedischen Politik kennenlernt, überrascht einen der aktuelle politische Kurs nicht mehr so sehr.

Einige Fakten hatte ich schon gehört oder gelesen (teilweise aus den Stieg Larsson Büchern), andere Details und vorallem die politischen Verbindungen waren mir neu. Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich in der Geschichte zurechtzufinden, was an der Fülle an Informationen und den vielen Namen lag. Man braucht etwas Zeit und Ruhe für dieses Buch, es liest sich nicht nebenher, da man sonst schnell den Überblick verliert, aber es lohnt sich. Es ist spannend, was Stieg Larsson und später der Autor selbst alles herausgefunden haben. Man muss sich beim Lesen immer daran erinnern, dass es damals noch kein Internet, Whatsupp oder E-Mail gab (zumindest nicht für die breite Masse). Es wurden noch Briefe und Notizen geschrieben und Akten angelegt, Recherchearbeit fand noch in der Bibliothek und in den Archiven statt - mit anderen Worten alles ging etwas langsamer voran.

Es ist gut, es ist spannend und anstrengend, es ist voller Fakten und Informationen und es zeigt die andere Seite von Schweden.

Veröffentlicht am 29.11.2018

Adamsberg und der Zorn

Der Zorn der Einsiedlerin
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Wenn Fred Vargas ihrem Kommissar Adamsberg ins Rennen schickt, muss ich dabei sein. An Adamsberg scheiden sich die Geister. Entweder man mag ihn und seine ganz eigene Art zu ermitteln oder man hasst ihn, ...

Wenn Fred Vargas ihrem Kommissar Adamsberg ins Rennen schickt, muss ich dabei sein. An Adamsberg scheiden sich die Geister. Entweder man mag ihn und seine ganz eigene Art zu ermitteln oder man hasst ihn, weil der so anders ist und seine Fälle immer so verzwickt und langsam sind.

Wer mit Adamsberg ermittelt, muss die langsame und bedächtige Vorgehensweise mögen. Was anfangs einfach und logisch erscheint, wird mit jedem Satz komplizierter und verworrener und wenn man meint, man steckt nun endgültig fest, kommt Adamsberg der eine Gedanke, der die Ermittlungen wieder ins Rollen bringt. Es sind wieder viele Fakten, sehr viel Hintergrundwissen und einige Charaktere, die die Geschichte beeinflussen.

Aber nicht nur die Ermittlungen sind spannend und interessant, sondern auch der Konflikt zwischen Adamsberg und Danglard. Der Konflikt schwillt immer mehr an und zeigt eine neue Seite von dem Kommissar und seinem Stellvertreter. Die Unruhe und das Misstrauen der beiden ist so gut von Fred Vargas beschrieben, dass die Stimmung fast greifbar ist. Man muss jedoch die Geschichte zwischen Adamsberg und Danglard kennen, um den Konflikt wirklich zu verstehen.

Es ist kein einfacher Krimi und man muss etwas Geduld und Muße mitbringen, aber wenn man bereit ist, sich auf diese Geschichte einzulassen, wird man eine vielschichtige und spannende Geschichte hören.

Veröffentlicht am 25.11.2018

Leider kein Wunder

Das Weihnachtswunder
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Auf ein kleines Wunder wartet man hier leider vergeblich. Eigentlich mag ich die Bücher von Angelika Schwarzhuber und bisher waren sie neben romantisch auch frech und witzig. Aber diesmal wurde ich enttäuscht. ...

Auf ein kleines Wunder wartet man hier leider vergeblich. Eigentlich mag ich die Bücher von Angelika Schwarzhuber und bisher waren sie neben romantisch auch frech und witzig. Aber diesmal wurde ich enttäuscht. Die Geschichte ist voll mit Klischees. Die pummelige Assistentin Kathi, die für alle da ist, alles macht und eigentlich viel besser als ihre Chefin ist, kämpft um Anerkennung und Beachtung. Die Chefin ist natürlich groß und schlank und furchtbar egoistisch und zickig und hat keine Antenne für die Sorgen von Kathi. Beiden gefällt der schöne und kluge und weitgereiste Fotograf, der hat aber nur Augen für die eine Frau. Welche muss ich nun nicht mehr sagen, denn die Geschichte ist leider sehr vorhersehbar. Es gibt natürlich viele Missverständnisse, die leider nur für Augenrollen sorgen, denn auch diese sind vorhersehbar und weder neu, noch wirklich spannend oder interessant. Da nützt auch der Engel nichts, denn auch die Geschichte von Kathis Mutter hebt sich nicht ab.

Mir fehlte der Witz und der Charme, der sonst die Figuren prägte. Ich hatte das Gefühl, die Geschichte in einer anderen Konstellation schon einmal gelesen zu haben.

Man kann die Geschichte schnell lesen, denn Angelika Schwarzhuber hat einen schönen Schreibstil, aber man darf nicht mehr als eine einfache und sehr leichte Couchgeschichte für ein Schlechtwetterwochenende erwarten.
Leider.