Auf jeden Fall spannend, aber es konnte mich nicht wirklich überzeugen
Four Keys – Die Stadt im SchattenViolet ist neu in Four Keys, der Geburtsstadt ihrer Mutter. Obwohl sie nur wenig über das Städtchen, das mitten im Wald liegt, weiß, spürt sie schnell, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. ...
Violet ist neu in Four Keys, der Geburtsstadt ihrer Mutter. Obwohl sie nur wenig über das Städtchen, das mitten im Wald liegt, weiß, spürt sie schnell, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Merkwürdige Ohnmachtsanfälle überkommen sie, von jetzt auf gleich findet sie sich in fremden, graugetränkten Wäldern wieder, der tote Kater ihrer Tante erwacht unter ihren Händen zum Leben und als wäre das nicht genug, ranken unzählige Geheimnisse um drei ihrer gleichaltrigen Mitschüler. Justin, Harper und Isaac – Nachkommen der sogenannten Gründerfamilien, die von den Stadtbewohnern wie nahezu Heilige behandelt werden. Bald findet Violet heraus, woran das liegt: Die Vorfahren der Gründerfamilien waren vor vielen Jahrzehnten die einzigen, die eine namenlose Bestie bannen konnten. Diese ist nun an das Städtchen gefesselt und verlangt von den Gründerfamilien, ihre jeweils einzigartigen Fähigkeiten dem Schutz der ahnungslosen Bewohner zu widmen. Auch Violet gehört einer der vier Gründerfamilien an. Doch obwohl sie immer mehr Mysterien lüftet, bleiben die hartnäckigsten Heimlichkeiten bestehen – nicht zuletzt in ihrer eigenen Familie. Das alles rückt in den Hintergrund, als sich die Bestie von Four Keys mit frischer Kraft und neuen Plänen aufbäumt – und Violet, Justin, Harper und Isaac plötzlich zusammenarbeiten müssen, trotz der Klüfte, die zwischen ihnen herrschen.
„Four Keys – Die Stadt im Schatten“ ist der erste Band einer Trilogie (Band 2: „Four Keys – Die Rückkehr der Sullivans“, Band 3: „The Drowning Summer“ – allerdings nicht ins Deutsche übersetzt). Das Einzigartige an diesem Buch sind die verschiedenen Genres, die sich vermischen: zum einen Urban-Fantasy, zum anderen sind auch Thriller-Elemente vorhanden. Der Mix aus den zwei Genres trägt zu einer unleugbaren Spannung bei. Und bei der Spannung bleibt es nicht – ich würde sagen, es ist auch eine gehörige Portion Grusel dabei. Morbide Beschreibungen sind keine Seltenheit, ebenso wenig wie extreme Wendungen. Die Spannung hat es mir sehr angetan – es ist nie langweilig, immer passiert etwas, sodass man häufig atemlos auf die nächste Seite blättert –, die Wendungen hingegen waren für mich persönlich kein Highlight. Ich konnte fast alle Ereignisse voraussehen, teilweise waren sie ein wenig klischeehaft. Dann wiederum waren überhaupt keine Klischees vorhanden und ich habe über den Einfallsreichtum der Autorin gestaunt. Das Buch beinhaltet beides: Klischees und Einzigartigkeiten.
Obwohl die Fantasy-Elemente in die reale Welt integriert wurden, so kommt doch einige Dinge vor, die, wie erwähnt, wirklich erfindungsreich sind. Mir gefällt, dass die Handlung immer am roten Faden festgehalten hat und nie durcheinandergeraten, beziehungsweise chaotisch geworden ist, wie es bei manch einer Fantasy-Lektüre der Fall ist. Sehr verlockend waren auch die Geheimnisse, die unter der Oberfläche schwelen und nach und nach enthüllt wurden. Da sie dem Leser sehr beiläufig präsentiert werden, lässt der überraschende Effekt jedoch manchmal zu wünschen übrig.
Eine Atmosphäre ist auf jeden Fall vorhanden und geprägt von Grusel, Düsternis und der Stimmung, die in einem dichten Wald herrscht, aber auch von herbstlichem Sonnenschein. Die Wetterbedingungen wurden sehr gekonnt eingesetzt, um das Erschaffen einer individuellen Atmosphäre zu unterstützen. Mir persönlich hat sie nicht sehr gut gefallen, aber das ist natürlich Geschmackssache. Ein Wort, das häufig vorgekommen ist, ist „faulig“, was eigentlich alles über den Eindruck aussagt, den man beim Lesen oft gewinnt.
Die Geschehnisse werden von vier verschiedenen Figuren geschildert, allerdings aus der dritten Person. Diese Perspektive sorgt nicht selten dafür, dass man mit den Charakteren nicht besonders warm wird und sie immer irgendwie distanziert bleiben. Das ist auch hier der Fall. Violet, Justin, Isaac und Harper sind definitiv alle sehr verschieden, aber keiner von ihnen hat mich sonderlich gefesselt oder mich emotional an seinem Schicksal teilhaben lassen. Dass die meisten von ihnen über dramatische Schicksale verfügen, hat sie natürlich spannend gemacht, dennoch hat mir das Gefühlsbetonte gefehlt. Auch sind sie nicht wirklich einzigartig. Ihre Persönlichkeiten könnten auf diese Weise in jedem x-beliebigen Buch als Nebenrolle vorkommen. Was ich wiederum gut fand, war, dass auch gründlich auf die Familien der Protagonisten eingegangen wird. Diese spielen ebenfalls eine große Rolle und tragen zum Gesamtbild der Hauptfiguren bei. Sehr sympathisch war mir allerdings kaum eine der Figuren. Manche hatten für meinen Geschmack etwas zu tiefe Abgründe, zu viele Verluste erlitten, in ihrer Vergangenheit unrealistisch viel erlebt. Wieder andere waren mir von ihrem grundsätzlichen Wesen schlichtweg zu wenig ansprechend.
Was dem Ganzen ebenfalls fehlt: ein paar mehr Details zu den jeweiligen Liebesgeschichten. Diese kommen nur sehr am Rande vor und hätten der Handlung einen zusätzlich reizvollen Beigeschmack gegeben.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist flüssig und mit Metaphern an der richtigen Stelle. Auf Bandwurmsätze werden verzichtet, ebenso auf übertrieben schnörkelige Ausführungen – es wurde ein angenehmer Mittelweg gewählt. Allerdings kommt der Stil eher den Thriller-Elementen zugute, weniger der Fantasy. Bei den fantastischen Elementen hätte die Autorin ruhig ein wenig ausführlicher werden und auf ihre übliche Schlichtheit verzichten können. Unabhängig davon hat mich der Schreibstil jedoch positiv überrascht.
Zusammenfassend ist „Four Keys – Die Stadt im Schatten“ für mich ein interessantes Buch mit einem spannenden Genre-Mix und dunklen Geheimnissen, denen man unbedingt auf die Spur kommen will. Meinem Gefühl nach ist die Autorin eher auf den Krimi- als auf den Fantasy-Anteil fokussiert, weshalb Leser, die das Fantastische bevorzugen, von dem Buch vielleicht enttäuscht sein könnten. Es beinhaltet eine spannende, leicht gruselig-morbide Abenteuergeschichte, mit der man sich gerne einen etwas langweiligeren Alltag versüßt. Besonders anspruchsvoll ist die Geschichte nicht, eher eignet sie sich zum „Nebenher-Abschalten“.
Ich finde es schade, dass ich kein enges Verhältnis zu den Figuren entwickelt habe, außerdem war mir das ganze Setting zu düster, teilweise regelrecht abstoßend. Dennoch habe ich es ganz gerne zu Ende gelesen.