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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.12.2025

Auf jeden Fall spannend, aber es konnte mich nicht wirklich überzeugen

Four Keys – Die Stadt im Schatten
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Violet ist neu in Four Keys, der Geburtsstadt ihrer Mutter. Obwohl sie nur wenig über das Städtchen, das mitten im Wald liegt, weiß, spürt sie schnell, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. ...

Violet ist neu in Four Keys, der Geburtsstadt ihrer Mutter. Obwohl sie nur wenig über das Städtchen, das mitten im Wald liegt, weiß, spürt sie schnell, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Merkwürdige Ohnmachtsanfälle überkommen sie, von jetzt auf gleich findet sie sich in fremden, graugetränkten Wäldern wieder, der tote Kater ihrer Tante erwacht unter ihren Händen zum Leben und als wäre das nicht genug, ranken unzählige Geheimnisse um drei ihrer gleichaltrigen Mitschüler. Justin, Harper und Isaac – Nachkommen der sogenannten Gründerfamilien, die von den Stadtbewohnern wie nahezu Heilige behandelt werden. Bald findet Violet heraus, woran das liegt: Die Vorfahren der Gründerfamilien waren vor vielen Jahrzehnten die einzigen, die eine namenlose Bestie bannen konnten. Diese ist nun an das Städtchen gefesselt und verlangt von den Gründerfamilien, ihre jeweils einzigartigen Fähigkeiten dem Schutz der ahnungslosen Bewohner zu widmen. Auch Violet gehört einer der vier Gründerfamilien an. Doch obwohl sie immer mehr Mysterien lüftet, bleiben die hartnäckigsten Heimlichkeiten bestehen – nicht zuletzt in ihrer eigenen Familie. Das alles rückt in den Hintergrund, als sich die Bestie von Four Keys mit frischer Kraft und neuen Plänen aufbäumt – und Violet, Justin, Harper und Isaac plötzlich zusammenarbeiten müssen, trotz der Klüfte, die zwischen ihnen herrschen.

„Four Keys – Die Stadt im Schatten“ ist der erste Band einer Trilogie (Band 2: „Four Keys – Die Rückkehr der Sullivans“, Band 3: „The Drowning Summer“ – allerdings nicht ins Deutsche übersetzt). Das Einzigartige an diesem Buch sind die verschiedenen Genres, die sich vermischen: zum einen Urban-Fantasy, zum anderen sind auch Thriller-Elemente vorhanden. Der Mix aus den zwei Genres trägt zu einer unleugbaren Spannung bei. Und bei der Spannung bleibt es nicht – ich würde sagen, es ist auch eine gehörige Portion Grusel dabei. Morbide Beschreibungen sind keine Seltenheit, ebenso wenig wie extreme Wendungen. Die Spannung hat es mir sehr angetan – es ist nie langweilig, immer passiert etwas, sodass man häufig atemlos auf die nächste Seite blättert –, die Wendungen hingegen waren für mich persönlich kein Highlight. Ich konnte fast alle Ereignisse voraussehen, teilweise waren sie ein wenig klischeehaft. Dann wiederum waren überhaupt keine Klischees vorhanden und ich habe über den Einfallsreichtum der Autorin gestaunt. Das Buch beinhaltet beides: Klischees und Einzigartigkeiten.
Obwohl die Fantasy-Elemente in die reale Welt integriert wurden, so kommt doch einige Dinge vor, die, wie erwähnt, wirklich erfindungsreich sind. Mir gefällt, dass die Handlung immer am roten Faden festgehalten hat und nie durcheinandergeraten, beziehungsweise chaotisch geworden ist, wie es bei manch einer Fantasy-Lektüre der Fall ist. Sehr verlockend waren auch die Geheimnisse, die unter der Oberfläche schwelen und nach und nach enthüllt wurden. Da sie dem Leser sehr beiläufig präsentiert werden, lässt der überraschende Effekt jedoch manchmal zu wünschen übrig.
Eine Atmosphäre ist auf jeden Fall vorhanden und geprägt von Grusel, Düsternis und der Stimmung, die in einem dichten Wald herrscht, aber auch von herbstlichem Sonnenschein. Die Wetterbedingungen wurden sehr gekonnt eingesetzt, um das Erschaffen einer individuellen Atmosphäre zu unterstützen. Mir persönlich hat sie nicht sehr gut gefallen, aber das ist natürlich Geschmackssache. Ein Wort, das häufig vorgekommen ist, ist „faulig“, was eigentlich alles über den Eindruck aussagt, den man beim Lesen oft gewinnt.

Die Geschehnisse werden von vier verschiedenen Figuren geschildert, allerdings aus der dritten Person. Diese Perspektive sorgt nicht selten dafür, dass man mit den Charakteren nicht besonders warm wird und sie immer irgendwie distanziert bleiben. Das ist auch hier der Fall. Violet, Justin, Isaac und Harper sind definitiv alle sehr verschieden, aber keiner von ihnen hat mich sonderlich gefesselt oder mich emotional an seinem Schicksal teilhaben lassen. Dass die meisten von ihnen über dramatische Schicksale verfügen, hat sie natürlich spannend gemacht, dennoch hat mir das Gefühlsbetonte gefehlt. Auch sind sie nicht wirklich einzigartig. Ihre Persönlichkeiten könnten auf diese Weise in jedem x-beliebigen Buch als Nebenrolle vorkommen. Was ich wiederum gut fand, war, dass auch gründlich auf die Familien der Protagonisten eingegangen wird. Diese spielen ebenfalls eine große Rolle und tragen zum Gesamtbild der Hauptfiguren bei. Sehr sympathisch war mir allerdings kaum eine der Figuren. Manche hatten für meinen Geschmack etwas zu tiefe Abgründe, zu viele Verluste erlitten, in ihrer Vergangenheit unrealistisch viel erlebt. Wieder andere waren mir von ihrem grundsätzlichen Wesen schlichtweg zu wenig ansprechend.
Was dem Ganzen ebenfalls fehlt: ein paar mehr Details zu den jeweiligen Liebesgeschichten. Diese kommen nur sehr am Rande vor und hätten der Handlung einen zusätzlich reizvollen Beigeschmack gegeben.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist flüssig und mit Metaphern an der richtigen Stelle. Auf Bandwurmsätze werden verzichtet, ebenso auf übertrieben schnörkelige Ausführungen – es wurde ein angenehmer Mittelweg gewählt. Allerdings kommt der Stil eher den Thriller-Elementen zugute, weniger der Fantasy. Bei den fantastischen Elementen hätte die Autorin ruhig ein wenig ausführlicher werden und auf ihre übliche Schlichtheit verzichten können. Unabhängig davon hat mich der Schreibstil jedoch positiv überrascht.

Zusammenfassend ist „Four Keys – Die Stadt im Schatten“ für mich ein interessantes Buch mit einem spannenden Genre-Mix und dunklen Geheimnissen, denen man unbedingt auf die Spur kommen will. Meinem Gefühl nach ist die Autorin eher auf den Krimi- als auf den Fantasy-Anteil fokussiert, weshalb Leser, die das Fantastische bevorzugen, von dem Buch vielleicht enttäuscht sein könnten. Es beinhaltet eine spannende, leicht gruselig-morbide Abenteuergeschichte, mit der man sich gerne einen etwas langweiligeren Alltag versüßt. Besonders anspruchsvoll ist die Geschichte nicht, eher eignet sie sich zum „Nebenher-Abschalten“.
Ich finde es schade, dass ich kein enges Verhältnis zu den Figuren entwickelt habe, außerdem war mir das ganze Setting zu düster, teilweise regelrecht abstoßend. Dennoch habe ich es ganz gerne zu Ende gelesen.

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Veröffentlicht am 30.11.2025

emotional, liebevoll, charmant und witzig

Ein Kater für zwei Herzen
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Kater Karlo – eine Katze, die das Leben zweier Menschen ordentlich umkrempelt, und die obendrein einen weiteren Namen hat: Picasso. Verwirrend? Nicht wirklich, denn für die beiden Namen sind die Zweibeiner ...

Kater Karlo – eine Katze, die das Leben zweier Menschen ordentlich umkrempelt, und die obendrein einen weiteren Namen hat: Picasso. Verwirrend? Nicht wirklich, denn für die beiden Namen sind die Zweibeiner Lina und Lukas verantwortlich, die jeweils davon ausgehen, der Kater gehöre ihnen. Erst nach Jahren fliegt das Doppelleben des Vierbeiners auf und bringt folgenschwere Ereignisse ins Rollen. Weder Lina noch Lukas wollen auf ihren Kater verzichten, weshalb sie sich vorerst auf eine Teilung des Sorgerechts einigen. Doch kann das gutgehen? Beide hegen Geheimnisse und Vergangenheitsballast, hinzukommt, dass die zwei grundverschieden sind. Nun sind sie jedoch gezwungen, einander näherzukommen, was ungeahnte Gefühle in ihnen auslöst. Während Karlo/Picasso also weiterhin zwischen ihnen hin- und herpendelt, beginnt eine Zeit voller Meinungsverschiedenheiten, Zettelkriege, gemeinsamer Unternehmungen und Annäherungsversuche. Obendrein gibt auch die Nachbarschaft der beiden einige Rätsel auf … Wer ist zum Beispiel die »rasende Radlerin«? Warum stellt sich Linas Nachbar taub? Was hat es mit den Gartenzwergen in Frau Winkelmaß’ Garten auf sich? Und wer war Tante Charly, die Lina das Haus vermacht hat, wirklich?

„Ein Kater für zwei Herzen“ ist ein Liebesroman nach Liane-Mars-Art: einfallsreich, chaotisch, witzig und voller Charme. Eines der speziellen Dinge an dem Buch ist, dass die beiden Protagonisten sich per Katzenexpress immer wieder Zettel schreiben. Diese Zettelkommunikation finde ich in Büchern immer toll, da sie das konventionelle Layout durchbricht und für Abwechslung sorgt. Dennoch war ich mir nach den ersten Seiten unsicher, ob mir das Buch gefallen wird – vorerst erschien mir die Handlung ein bisschen platt und vorhersehbar. Mit jedem Kapitel wurde ich jedoch eines Besseren belehrt. Letztendlich habe ich den Roman in wenigen Stunden verschlungen, und ich sage gleich vorneweg: Er hat mich überzeugt. Die Spannung ist insofern vorhanden, dass die Handlung immer wieder unerwartete Schlenker wagt und mit Ereignissen punktet, die sehr überraschend sind. Die Geheimnisse, die hintergründig brodeln, sowohl bei den Haupt- als auch den Nebenfiguren, machen das Lesen zusätzlich reizvoll. Als absolutes Sahnehäubchen fungiert der Kater, der allen Tierliebhabern das Herz höherschlagen lässt und der Geschichte eine wünschenswerte Prise weiches Fell und Schnurren verschafft.
Was ich ebenfalls geliebt habe, ist die Atmosphäre. Sie ist sehr individuell, was ich bei Büchern immer zu schätzen weiß – je einzigartiger die Stimmung, desto tiefer kann der Leser in die Geschichte eintauchen. Dadurch, dass die Handlung über mehrere Jahreszeiten hinweg erfolgt, tritt immer wieder eine neue Atmosphäre ein: Winterstimmung, Frühlingsstimmung, Sommerstimmung und zuletzt Herbststimmung.
Das Setting passt perfekt zu der Handlung, bewirkt ein Gefühl von großer Heimeligkeit und schafft ebenfalls Abwechslung.

Es wird abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten Lina und Lukas erzählt. Da sie nicht aus der Ich-Perspektive berichten, habe ich zu Anfang befürchtet, dass es mir nicht wirklich gelingen wird, mich in die zwei hinein zu fühlen. Diese Befürchtung war allerdings grundlos. Sowohl Lina als auch Lukas sind riesige Sympathisanten und haben sich schnell in mein Herz geschlichen. Sie sind absolut gegensätzlich, jeweils sehr facettenreich und tiefsinnig, was auch der Geschichte nochmals einen tiefergehenden Touch verleiht. Zu verfolgen, wie die zwei sich abwechselnd Zettel schreiben, sich anfeinden, sich annähern, sich wieder hassen und erneut zueinanderfinden, hat großen Unterhaltungscharakter.
Auch aus Karlos/Picassos Sicht wird zwischenrein berichtet, was der Handlung nochmals etwas Kurioses, Witziges gibt.
Die Nebenfiguren sind ebenfalls unglaublich authentisch. Zu Beginn existierten ausschließlich Lina, Lukas und der Kater, was die Figurenkulisse etwas eintönig gemacht hat, aber nach und nach kamen zahlreichere Figuren hinzu und haben die Buchlandschaft vervollständigt. Letztendlich liebe ich die verschiedenen Charaktere, die alle auf ihre Weise unglaublich bezaubernd sind.

Was den Schreibstil angeht, habe ich eine kleine Weile gebraucht, um mich mit ihm anzufreunden. Er erscheint zwischendurch etwas sprunghaft und chaotisch, wie gedankenlos und ohne Tiefe niedergeschrieben. Schließlich ist es mir aber trotzdem gelungen, in ihn hineinzufinden und mich mitreißen zu lassen. Ich bin ganz ehrlich: Es ist nicht mein liebster Schreibstil, dennoch schafft er es ganz hervorragend, den Witz und den Charme zu transportieren und sämtliche Figuren zu tiefsinnigen Kreaturen zu machen.

Fazit: „Ein Kater für zwei Herzen“ ist lustig, chaotisch, stimmungsvoll, emotional und mitreißend – eine ganz andere Art von Liebesroman. Der Anfang war holprig, doch nach und nach wurde ich von der Geschichte eingesaugt und nicht mehr losgelassen. Die Figuren haben mich absolut überzeugt, der Charme der Katze hat nicht lange benötigt, um mein Herz zu öffnen, die Wendungen waren brillant und die Atmosphäre großartig. Ein kurzer und knackiger Abschlusssatz: Wer Lust auf eine unkonventionelle Liebesgeschichte ohne Spice, aber mit großen Gefühlen – und einem Kater – hat, der sollte auf jeden Fall zu „Ein Kater für zwei Herzen“ greifen.

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Veröffentlicht am 25.11.2025

Vertrackte Gefühle und jede Menge Drama

Royal Heist
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Zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können – Darcy, eine Trickbetrügerin, die mit ihrer Crew brillante Raubzüge begeht, und Tristan, Platz zwei in der Thronfolge der britischen Royals. Für ...

Zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können – Darcy, eine Trickbetrügerin, die mit ihrer Crew brillante Raubzüge begeht, und Tristan, Platz zwei in der Thronfolge der britischen Royals. Für Darcy sind die Royals nur eines: der Feind. Sie zerstörten ihre Kindheit und ihr behütetes Leben und trieben sie in das illegale Dasein einer Räuberin. Nun hat es für sie oberste Priorität, Rache auszuüben. Da kommt es gerade gelegen, dass Kronprinz Spencer eine zukünftige Braut sucht. Um sich das Vertrauen der Königsfamilie zu erschleichen, gibt Darcy sich als Heiratskandidatin aus. Doch mit einem hat sie nicht gerechnet: Mit Tristan, Spencers jüngerem Bruder, der ungeahnte Gefühle in ihr weckt. Doch während in Darcy die ersten Zweifel aufsteigen, geht ihr Bruder Linus immer verbissener an die Mission heran und wird in seinem Hass zunehmend leichtsinnig. Nun ist sie hin- und hergerissen zwischen der Loyalität zu ihrem Bruder und ihrer keimenden Liebe zu Tristan … wohlwissend, dass ihre Liebe selbst unter anderen Umständen unter denkbar schlechten Sternen steht.

„Royal Heist“ ist der erste Teil einer Trilogie, deren nächsten Bände im Folgejahr herausgegeben werden (Bd. 2: „Royal Fake“, Bd. 3: „Royal Lies“). Nachdem ich bisher jedes einzelne Buch von Lena Kiefer gelesen und geliebt habe, war für mich ganz klar, dass ich auch vor „Royal Heist“ nicht haltmache. Ich habe es innerhalb weniger Stunden verschlungen und konnte nicht aufhören, mit Darcy und Tristan mit zu fiebern. Dennoch muss ich an dieser Stelle zugeben, dass es nicht mein persönlicher Favorit von Lena Kiefer ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich all ihre Reihen bereits mehrmals durchhabe, aber einige der Wendungen kamen sehr vorhersehbar für mich. Das bedeutet jedoch nicht, dass mir „Royal Heist“ nicht gefällt, im Gegenteil. Die Spannung ist durchweg vorhanden, selbst während Handlungssträngen, in denen gegenwärtig nicht allzu viel passiert. Die Kulisse ist malerisch, altehrwürdig und vielseitig und trägt zweifellos dazu bei, die Unterhaltsamkeit durchgehend aufrechtzuerhalten.
Die Plot-Twists sind auf jeden Fall vorhanden, auch wenn sie für mich – wie bereits erwähnt – nicht gänzlich unvorhergesehen waren. Dennoch haben auch sie das Lesen spannend gemacht, da man bei jedem Blättern fieberhaft wissen wollte, wie es weitergeht. Die Handlung nimmt einen sehr schönen und abwechslungsreichen Verlauf, auch wenn sie, wie ich dazusagen muss, nicht selten klischeebehaftet ist. Manchmal störe ich mich an sich häufenden Klischees, aber in diesem Fall wurden fast ausschließlich Klischees verwendet, die wirklich zu der jeweiligen Passage gepasst haben und einfach dazugehören.
Auch eine Atmosphäre war vorhanden – nicht ganz so präsent wie bei „Westwell“ und „Coldhart“, dennoch hat sie den Leser in das ganz bestimmte Lena-Kiefer-Universum katapultiert, das durchweg ein wunderbarer Ort zum Verweilen ist.

Mit Darcy und Tristan wurden mal wieder Charaktere geschaffen, die unglaublich authentisch, nahbar und sympathisch sind. Gerade die Unterschiede zwischen ihnen machen es sehr dramatisch, zu verfolgen, wie sie sich näherkommen und zueinander hin entwickeln. Es heißt ja, Gegensätze ziehen sich an – und das ist auch hier der Fall. Des Weiteren finde ich es immer wichtig, dass die Charaktere im Laufe des Buches eine Wandlung hinlegen und am Ende immer etwas klüger und innerlich größer sind.
Leider muss ich an der Stelle allerdings auch erwähnen, dass Darcy und Tristan nicht ganz so facettenreich waren wie die meisten anderen Figuren von Lena Kiefer. Vielleicht werden die zwei im Laufe der Trilogie noch vielschichtiger, bislang waren die Taten und Gedanken der beiden jedoch ziemlich kalkulierbar. Auch ähneln sie Figuren, die es bloß in leicht abgewandelter Form in den anderen Reihen der Autorin gibt.
Worüber ich mich wiederum sehr gefreut hat, war die breite und vielseitige Palette an Nebenfiguren. Es kommen in der Tat zahlreiche Nebencharaktere vor, die teilweise eine bedeutende Rolle spielen, jedoch bin ich nicht einmal mit Namen und Gesichtern durcheinandergekommen. Die entsprechenden Figuren weisen allesamt Alleinstellungsmerkmale auf und sind aus dem Gesamtgefüge schlichtweg nicht wegzudenken.

Der Schreibstil wird Lena Kiefer absolut gerecht und ist locker-flockig und absolut flüssig, zugleich mit Tiefe gespickt. Das Besondere an diesem Stil ist, dass er sowohl auf humorvolle, schlagfertige und sarkastische Dialoge spezialisiert ist, als auch auf das Erzeugen von Drama und tiefem Gefühl. Witz und Spannung sind ebenso präsent wie Emotionen. Ich liebe diesen Schreibstil, der ebenso charakteristisch für die Autorin ist wie das einmalige Universum, das sie mit jeder Reihe kreiert (man hört schön, dass ich ein Lena-Kiefer-Fan bin 😉)

Fazit: Eine absolute Leseempfehlung. Spannende Romance mit Krimielementen und nicht zu viel Spice, tolle Figuren und ein atemberaubendes Setting. Dass mir ein bisschen die Atmosphäre und die Einzigartigkeit gefehlt hat, ist nicht gleichbedeutend damit, dass ich „Royal Heist“ nicht erneut lesen würde. Ich bin höchstgespannt auf die Folgebände, vor allem, da der Cliffhanger – Achtung, kleiner Spoiler! – unfassbar gemein ist und es unmöglich ist, nicht wissen zu wollen, was nun erfolgt. Im Großen und Ganzen hat der Roman meine Erwartungen erfüllt und mich sehr gut unterhalten und noch intensiver mitfiebern lassen.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Viel Zauber, aber (noch) wenig Tiefe (die ist dafür ab Bd. 2 präsent)

A Kiss full of Magic
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Seit Jahren lebt Aeri allein im Wald, einsam in einer kleinen Hütte. Kein Wunder, dass sie nach menschlichen Kontakten lechzt. Umso dankbarer ist sie, als sie ihr Leben plötzlich mit Keelin teilt, einem ...

Seit Jahren lebt Aeri allein im Wald, einsam in einer kleinen Hütte. Kein Wunder, dass sie nach menschlichen Kontakten lechzt. Umso dankbarer ist sie, als sie ihr Leben plötzlich mit Keelin teilt, einem wilden Wolf. Doch ist Keelin wirklich so wild und unberechenbar? Als er sich eines Tages unbeabsichtigt in einen Menschen verwandelt, ist Aeri sich da nicht mehr so sicher. Von da an ist es vorbei mit ihrem bescheidenen, ruhigen Alltag im Wald. Eine fremde Gruppe Männer gabelt Aeri auf, die sich als zugehörig zu einer Dorfgemeinschaft voller Magiewesen entpuppen. Sie kennen Keelin und setzen alles daran, ihn zurückzubekommen. Das Problem an der Sache: Keelin hat seine Verwandlungen nicht unter Kontrolle, soll nun jedoch die Führung des Dorfes übernehmen. Ist er nicht dazu in der Lage, wird sein Widersacher die Macht an sich reißen. Der Schlüssel zu der Lösung liegt in der Vergangenheit – gemeinsam machen Aeri und Keelin sich auf den Weg, das Unmögliche zu vollbringen.

„A Kiss full of Magic“ ist der erste Band einer Trilogie (Bd. 2: „A Love full of Magic“, Bd. 3: „A World full of Magic“). Die Bände sind unabhängig voneinander lesbar, auch wenn die Geschehnisse jeweils aufeinander aufbauen und es sich durchaus empfiehlt, die Bände in der entsprechenden Reihenfolge zu lesen.
„A Kiss full of Magic“ mutet im ersten Moment wie ein Märchen an – ein einsames Mädchen im Wald, dazu ein schwarzer Wolf. Tatsächlich ist das Ganze auch ein wenig in eine Märchenatmosphäre getränkt, doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr weicht das Märchenhafte. Dafür nehmen die Fantasy-Anteile zu und der Leser begegnet fremdartigen Magiekreaturen, die definitiv einfallsreich sind. Generell wimmelt das Setting nur so vor magischen Elementen; Magie an allen Ecken und Enden, was dem Buch etwas sehr Sanftes, Zerbrechliches und Schönes einhaucht. „A Kiss full of Magic“ ist wie eine wunderschöne Glaskugel, die man immer wieder schütteln und den Inhalt betrachten möchte.
Dennoch habe ich persönlich auch ein paar Kritikpunkte. So waren die ersten Passagen des Buches ein wenig zäh, vor allem, da die Handlung scheinbar ziellos vor sich hin tröpfelt. Auch ist die Handlung zeitweise ein bisschen diffus – manchmal werden über wenige Seiten hinweg mehrere Jahre abgehandelt, dann wiederum zieht sich ein einziges Ereignis über etliche Kapitel hinweg. Diese Zeitsprünge sind irritierend für den Leser. Des Weiteren ist der Plot zu Anfang wenig komplex. Vorerst scheint alles vorhersehbar. Erst gegen Ende wird alles umfassender und verflochtener. Diese Rezension birgt natürlich viel meiner eigenen Meinung, aber ich habe sehr deutlich gemerkt, dass dieses Buch einst das Debüt der Autorin war. Nichtsdestotrotz war das Lesen wie das Eintauchen in eine fantastische Welt, aus der man nur ungerne in die Realität zurückkehrt. Die Atmosphäre war grandios und absolut einzigartig, geprägt von ganz viel Zauberei und Emotionalität.

Die Hauptfigur Aeri ist eine sehr, sehr sympathische Persönlichkeit. Sie agiert absolut menschlich und immer nachvollziehbar, was sie unfassbar nahbar macht. Ihr Charakter ist ebenso wenig komplex wie der Beginn der Handlung, allerdings ist diese Tatsache kaum bedeutungsvoll. Der Leser kann gar nicht anders, als sie in sein Herz zu schließen. Sie ist mutig und kämpferisch, gleichzeitig sehr feinfühlig und sensibel. Es hätte mir gefallen, noch ein bisschen mehr über ihre Vergangenheit und ihre Befähigungen zu erfahren, aber im Großen und Ganzen gibt sie ein schönes und angenehmes Gesamtbild ab.
Der Charakter Keelin war ein bisschen ausgereifter. Er hat zahlreichere Facetten, die zwischen tiefer Fürsorge und einer aufbrausenden Ader schwanken. Er ist kein klassischer Bad-Boy (wie es sie derzeit zuhauf gibt), was mich natürlich freut – ich bevorzuge die Figuren, die jenseits von Klischees rangieren. Dass seine Persönlichkeit zudem gespalten ist und sich zwischen Keelin, dem Wolf und Keelin, dem Menschen aufteilt, macht ihn noch interessanter und besonderer.
Die Nebenfiguren machen ebenfalls viel her. Sie sind durchgehend authentisch und greifen auf Alleinstellungsmerkmale zurück, die sie sehr individuell machen. Allgemein haben die verschiedenen Magiewesen zu einem Aufrechterhalten der Spannung verholfen. Es tauchen auch nicht zu viele Namen und Gesichter auf, weshalb man sich gut orientieren kann und niemals das Gefühl hat, von den ganzen Gegebenheiten erschlagen zu werden.

Der Schreibstil ist sehr flüssig. Unabhängig davon ist er Liane Mars treu und brilliert zudem mit Witz und Charme. Allerdings ist der Witz und das Lapidare manchmal unangebracht, in erster Linie bei den ernsthaften Passagen, in denen scherzhafte Formulieren nichts zu suchen haben. Abgesehen davon versteht er sich perfekt darauf, die Figuren zu Sympathieträgern zu machen, Emotionen zu transportieren und die magischen Wesen mit einzigartigen Worten zu beschreiben. Das Zauberhafte an dem Buch kommt durch ihn wirklich wunderbar zur Geltung.

„A Kiss full of Magic“ ist ein magischer Roman, der an manchen Stellen leicht eintönig ist, an anderen jedoch durch Einfallsreichtum brilliert. Die Figuren sind unausgereift und agieren zugleich jenseits der Konventionen. Das Setting ist gewöhnlich und zugleich von Zauberhaftigkeit angehaucht. Der Verlauf der Handlung ist einfältig und zugleich mit äußerster Sorgfalt gewebt – es ist offensichtlich, dass ich zwiegespalten bin, was diesen Roman betrifft. Einerseits hat es gedauert, bis ich mich in das Setting hineingefuchst habe, andererseits waren nicht wenige Elemente dabei, die mich durch und durch begeistert haben. Überdies gefällt mir, dass es mal keinen personifiziert bösen Antagonisten gibt, sondern alle Charaktere ihre nachvollziehbaren Beweggründe haben. Auch bin ich sehr angetan von der Liebesgeschichte zwischen Aeri und Keelin – sie gefällt mir wirklich sehr gut. Die Atmosphäre ist und bleibt magisch, des Weiteren – kleiner Spoiler – geht es im zweiten Band bereits ausgereifter und komplexer zu.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Rezension

Of Flame and Fury
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Jede der vier Inseln Saltas wird von einer spezifischen Fabelwesen-Art bevölkert – Cendor ist die Insel der Phönixe; wild, rau und ungestüm. Das spektakulärste Ereignis Cendors waren schon immer die Phönixrennen. ...

Jede der vier Inseln Saltas wird von einer spezifischen Fabelwesen-Art bevölkert – Cendor ist die Insel der Phönixe; wild, rau und ungestüm. Das spektakulärste Ereignis Cendors waren schon immer die Phönixrennen. Auch die siebzehnjährige Kel nimmt an ihnen teil, gemeinsam mit ihrem Team, den Howlers. Sonderlich angetan ist sie allerdings nicht davon, ihrer Phönixdame Savita diese Rennen zumuten zu müssen, und sie ist lediglich deshalb ein Mitglied der Renngemeinde, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Doch urplötzlich fällt Kels Team auseinander und sie ist gezwungen, sich mit Warren „Coup“ Coupers zusammenzutun, ihrem selbstgerechten Kontrahenten. Als schließlich einige turbulente Ereignisse dazu führen, dass die Howlers von dem führenden Technikkonzern Cendors gesponsert werden, muss sie sich dazu herablassen, aus PR-Zwecken eine romantische Beziehung mit Coup einzugehen. Alles nicht so einfach. Des Weiteren muss sich das Team zunehmend fragen, ob es nicht einige weitere Geheimnisse zu lüften gibt – die wilden Phönixe betreffend, die Zähmung der Reittiere, deren Wiedergeburten … Und dann gibt es noch die Armondspest, die erbarmungslos über das Land zieht und zahlreiche Menschen zum Tode verurteilt. Für Kel, Coup und ihre Freunde bricht eine unerwartete Zeit an, die es sich zum Vorsatz gemacht hat, das Team einer Prüfung nach der anderen zu unterziehen.

„Of Flame and Fury“ ist ein Einzelband – schon mal eine sehr entspannte Gegebenheit, vor allem während der momentanen Phase, die mit einer langen Reihe nach der anderen winkt. Phönixe begeistern mich schon immer, weshalb ich unglaublich gespannt auf „Of Flame and Fury“ war. Um nicht lange um den heißen Brei herumzureden: Auf der einen Seite hat das Buch meine Erwartungen erfüllt, auf der anderen nicht.
Über fehlende Spannung kann man sich auf jeden Fall nicht beklagen. Es passiert immer etwas, ständig kommt ein Spannungshöhepunkt auf. Die Spannung rührt allerdings nicht von den Wendungen her. Um ehrlich zu sein, ist der Großteil der Wendungen sehr vorhersehbar und klischeehaft. Auch die Landschaft ist nicht besonders ausgefeilt. Meiner Meinung nach hätte ein bisschen gründlicher auf die Alleinstellungsmerkmale der Insel Cendor eingegangen werden können – unabhängig von den Phönixen. Ebenfalls bin ich der Ansicht, dass die anderen Inseln ruhig eine kleine Rolle hätten bekommen können. Sie werden lediglich am Rande erwähnt und haben ansonsten überhaupt keine Bedeutung – schade, denn sie haben durchaus Potenzial.
Trotz der Spannungspunkte war das Lesen anfangs zäh. Ich bin nur langsam vorangekommen und konnte mich kaum von der Handlung abholen lassen. Ich war kurz davor, von dem Buch enttäuscht zu sein …, bis das Ende kam. Es war einfach fulminant. Die letzten ca. hundert Seiten haben mit absoluter Atemlosigkeit brilliert und sogar mit unvorhergesehenen Wendungen. Auch das Ende konnte ich nicht vorausahnen, und es hat mir sehr gut gefallen.
Die Grundidee von „Of Flame and Fury“ basiert darauf, die Magie der Phönixe mit hochentwickelter Technologie zu kombinieren. Eine interessante und vielversprechende Idee, die allerdings nicht gänzlich ausgereift erscheint. Die ganze Technik harmoniert kaum mit dem Zauber der Fabelwesen, weshalb dieser letztendlich ein wenig untergeht. Mir wäre es lieber gewesen, wenn mehr auf die Magie eingegangen wäre als auf die Technik, die Politik und den Ertrag, der aus den Phönixrennen zu ziehen ist.

Kel und Coup, die Hauptfiguren, sind sehr sympathisch. Ich bin sofort mit ihnen warmgeworden. Allerdings weisen auch sie, abgesehen von Kels häufiger Mürrischkeit, kaum Alleinstellungsmerkmale auf. Kel ist das verbissene Mädchen, das alles tun würde, um seinen Phönix zu retten, Coup ist der draufgängerische Mädchenschwarm, der ihr ihre Vorhaben unentwegt durchkreuzt – sehr klischeehaft. Obwohl ich die beiden sogleich mochte, ist es mir zu Beginn schwergefallen, ihre Emotionen nachzufühlen. Das könnte daran liegen, dass aus der distanzierten dritten Person berichtet wurde, aber auch hier ist es mir erst gegen Ende des Buches gelungen, die Gefühle nah an mich heranzulassen.
Sehr begeistert war ich von der Allgemeinheit der Howlers, die zudem aus Kels bester Freundin Dira besteht, Coups Bruder Bekn und einem weiteren Mädchen, das sie bei Cristo Industries, ihrem Sponsor, kennenlernen. Die Zusammensetzung des Teams ist sehr klug und fantasievoll. Auch hier hat mir bei den Individuen die Einzigartigkeit gefehlt, aber sie waren auf jeden Fall ebenso sympathisch wie Kel und Coup. Überdies gefällt mir, dass der Bösewicht hingegen von den Klischees abweicht und nicht ausschließlich hinterlistige Absichten hegt.

Der Schreibstil war sehr gewöhnlich – nicht störend, aber an manchen Stellen nicht ganz flüssig. Er hat sich gut darauf verstanden, die Hitze der Phönixe zu beschreiben und Spannung zu produzieren, aber im Allgemeinen sind mir durchaus schon bessere Schreibstile begegnet. Nicht, dass er schlecht war, und ich sollte auch nicht zu streng sein, immer ist dieses Buch das Debüt der Autorin.

Fazit: „Of Flame and Fury“ hat eine tolle Grundidee, einen schönen Hintergrund, nette Figuren und beeindruckende Fantasy-Wesen. Die Spannung war da, die unerwarteten Wendungen – am Ende – ebenfalls, und die Handlung war durchaus mit Geschick gewebt. Es sind viele Klischees dabei, manchmal sehr offensichtlich. Dazu gehört auch die Liebesgeschichte von Kel und Coup, die zwar nicht im Vordergrund steht, aber definitiv präsent ist. Gefallen hat mir, dass das Ganze nicht zu spicy ist – gerade heiß genug, dass das Verhältnis zwischen ihnen prickelt. Sehr deutlich hervorgehoben wurden Kels Zwiespalte sowie ihre innige Beziehung zu Phönixdame Savita, wovon ich ebenfalls angetan war – kein einziges Mal haben die Figuren auf eine Weise reagiert, die nicht nachvollziehbar war. Ein wenig gefehlt hat es mir an dieser speziellen “Phönix-Magie“ und an der Atmosphäre. Ich mag Bücher, die eine ausgeprägte Individualatmosphäre haben, aber die hat hier völlig gefehlt. Letztendlich hat mir das Buch jedoch gut gefallen.

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