Profilbild von Ryria

Ryria

Lesejury Star
offline

Ryria ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Ryria über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.05.2026

Wolliges Wohlfühlbuch

Widdersehen
0

Schäferin Rebecca ist plötzlich verschwunden - Grund genug für die Herde, sich auf eine abenteuerliche Suche zu begeben und dabei auch noch einen Ersatzschäfer zu suchen.
Was für ein schönes Widdersehen ...

Schäferin Rebecca ist plötzlich verschwunden - Grund genug für die Herde, sich auf eine abenteuerliche Suche zu begeben und dabei auch noch einen Ersatzschäfer zu suchen.
Was für ein schönes Widdersehen das war! All die "wollbekannten" Schafe sind wieder mit dabei, dazu aber auch einige neue Schafe und Menschen, sodass sowohl für Neueinsteiger als auch Fans der Vorgängerbücher viel geboten wird und man schnell in der Geschichte drin ist.
Die Schafe werden hierbei toll charakterisiert, jedes hat seine ganz eigenen Stärken und Macken und es dauert nicht lange, bis man sie alle in sein Herz geschlossen hat.
Aber auch die Menschen bekommen ein paar schöne Momente, insbesondere die Interaktionen mit den Schafen haben mir hier sehr gut gefallen.

Der Krimianteil ist auch vorhanden, bleibt aber doch hinter der ganzen Wolle zurück, was aber überhaupt nicht stört - er sorgt für Spannung, lenkt aber nicht von den Schafen ab.
Stattdessen stehen der großartige Humor, die Schafsperspektive sowie die lustigen Wortspiele im Vordergrund und können auch total überzeugen. Die Gedanken und Reaktionen der Schafe sind unglaublich süß und ich habe Wortneuschöpfungen wie "Wollidarität" geliebt.
Ich bin durch die Seiten geflogen und war richtig traurig, als das Buch schon wieder ausgelesen war - ein Krimi, der in Wirklichkeit auch ein absolutes Wohlfühlbuch ist. Wo kriege ich jetzt meine eigene Schafsherde her?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.05.2026

Schön zum Miträtseln

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
0

Auf zwei Zeitebenen, 1989 und 1994, begleiten wir Polizistin Gunni in Schweden. In beiden Jahren werden kleine Jungen ermordet aufgefunden, doch sie ist die Einzige, die einen Zusammenhang sieht.
Währenddessen ...

Auf zwei Zeitebenen, 1989 und 1994, begleiten wir Polizistin Gunni in Schweden. In beiden Jahren werden kleine Jungen ermordet aufgefunden, doch sie ist die Einzige, die einen Zusammenhang sieht.
Währenddessen können wir auch Gunnis persönliche Entwicklung verfolgen und ihre Familie besser kennenlernen.
Das Buch liest sich wirklich gut, selbst wenn man eher wenig Ahnung von Schweden hat. Kurze Kapitel mit wechselnden Charakteren sorgen für einen tollen Lesefluss, besonders weil sie gerne mit kleinen Cliffhangern und Überraschungen enden.
Auch die Beschreibungen der schwedischen Dörfer und Landschaften fand ich gelungen, ebenso wie die ganze Atmosphäre und die Stimmung der damaligen Zeit.

Eine große Stärke der Geschichte ist, dass man von Anfang an gut miträtseln kann: Es werden zahlreiche mögliche Täter angeboten, in jedem Kapitel gibt es neue Hinweise, der eigene Verdacht ändert sich ständig.
Im Mittelteil fühlte sich dies jedoch kurzzeitig auch mal ein wenig nach "im Kreis drehen" an, wodurch das Tempo etwas gelitten hat.
Im Großen und Ganzen wurde die Spannung jedoch schön aufrecht erhalten.
Gunni als Ermittlerin mochte ich auch sehr, sie ist eine starke Frau mit Biss, die ihren Weg noch finden muss, dabei aber schon tolle Fortschritte macht. Generell haben sich die Kapitel über ihr Privatleben passend in die Handlung eingefügt und neugierig auf eine Fortsetzung gemacht.
Einen neuen Fall würde ich sofort wieder lesen, trotz der kleinen Schwächen hat mich dieses Buch super unterhalten, auch wenn einige Szenen echt traurig geschrieben waren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.05.2026

Die Fehler der Vergangenheit und ihre Wiederholungsgefahr

Der Fährmann
0

Ende des 19. Jahrhunderts werden vier Kinder geboren, deren Leben in den nächsten Jahren untrennbar miteinander verknüpft werden sollten, auf gute und auch schlechte Weise.
Das Buch ist anders als erwartet, ...

Ende des 19. Jahrhunderts werden vier Kinder geboren, deren Leben in den nächsten Jahren untrennbar miteinander verknüpft werden sollten, auf gute und auch schlechte Weise.
Das Buch ist anders als erwartet, aber hat mich dadurch sehr positiv überrascht. Statt nur über den Fährmann zu berichten, wird die Geschichte aus allen vier Perspektiven erzählt, über die Jahre hinweg. Dies hat den großen Vorteil, dass die Charaktere mehr Tiefe bekommen, man verschiedene Blickwinkel erhält und sich die Handlung auf die wichtigsten Ereignisse fokussiert.
Während ich sonst bei diesem Stilelement immer eine favorisierte Perspektive habe, hatte ich dieses Gefühl hier gar nicht, jeder Charakter hatte seinen eigenen Reiz, auch die inhaltlich schweren Kapitel waren doch irgendwie auch wichtig.
Dies soll auch vorweg gesagt werden, das Buch ist keine leichte Kost, Themen wie häusliche Gewalt, Missbrauch und Krieg sind allgegenwärtig und werden auch nicht beschönigt.
Gerade deswegen rüttelt es den Leser aber umso mehr wach, man ist emotional voll dabei und zieht unweigerlich auch öfters Parallelen und Vergleiche zu unserer heutigen Zeit.

Durch die Geschichte zieht sich so auch der Fluss, der schön und einladend aussieht, aber unter seiner Oberfläche Gefahren und Tod verbirgt, ähnlich wie das Buch selbst und einige der Charaktere.
Wir bekommen einen authentischen Einblick in das Leben der damaligen Zeit, in die Bauernhöfe, das Wirtshaus und in das Fährgeschäft. Der Schreibstil passt dabei super zu der Zeit und auch dem Handlungsort, was sich auch im Dialekt der Dialoge widerspiegelt.
Die Charaktere sind nicht eindimensional, sondern wir erleben Stück für Stück mit, warum ihr Leben so verläuft, welche Erlebnisse dazu geführt und ihre Persönlichkeit geprägt haben.
Lediglich manchmal erschienen mir manche von ihnen jedoch ein wenig Schwarz-Weiß, Gut und Böse waren teils sehr deutlich dargestellt.

Sehr gut dargestellt ist jedoch die Rolle der Frau zu der damaligen Zeit: Die Beziehungen der Mütter zu ihren Kindern, die Erwartungen an eine Ehefrau, die ständigen Vorurteile und Diskriminierungen wenn man aus der Rolle fällt, die Machtlosigkeit, die Freundschaften und (fehlende) weibliche Solidarität... das alles war sehr emotional zu lesen und hat auch heute noch Relevanz, genau wie das Plädoyer gegen den Krieg.
Manche Kleinigkeiten waren vielleicht ein wenig unrealistisch, aber überwiegend war dies nicht der Fall, sodass mich diese Ausnahmen auch nicht gestört haben.
Das Buch nimmt einen gefangen wie der Fluss, man gerät in einen Lesesog und kommt am Ende lebend heraus, aber emotional aufgewühlt und mit vielen Gedanken im Kopf.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.05.2026

What happens in Vegas...

Illusion – A Lie Worth Believing
0

Stella jobbt als Sängerin und Kellnerin in einer kleinen Bar, doch das Publikum hört ihr nur halbherzig zu und der Lohn reicht kaum für die Miete.
Als jedoch der Illusionist Levin im Publikum sitzt und ...

Stella jobbt als Sängerin und Kellnerin in einer kleinen Bar, doch das Publikum hört ihr nur halbherzig zu und der Lohn reicht kaum für die Miete.
Als jedoch der Illusionist Levin im Publikum sitzt und ihr einen Job in seiner Las Vegas Show anbietet, könnte sich ihr ganzes Leben ändern - doch natürlich ist nichts so, wie es scheint.
Die Gestaltung des Buches ist sehr süß gemacht und mit Liebe zum Detail, zu Beginn gibt es eine Playlist, im Text immer wieder Zeitungsartikel, Chatverläufe, Spielkarten und andere Illustrationen und Grafiken. Diese Kleinigkeiten haben die Geschichte nochmal zusätzlich lebendiger gemacht.

Erzählt wird sie aus den Perspektiven von Stella und Levin, was mir überwiegend gut gefallen hat. Durch Levins Sicht bekommt man schnell einige Antworten, aber auch noch mehr Fragen. Teilweise hat dies geheimnisvoll und spannend gewirkt, teilweise aber auch etwas frustriert. Ich war neugierig auf die Rätsel der Geschichte, aber wollte auch nicht durchgängig daran erinnert werden.
Das Erzähltempo zu Beginn hat mir sehr gut gefallen, im Mittelteil wurde es dann jedoch ein wenig schwächer, generell konnte ich das Buch aber schön flüssig lesen.

Die Idee hinter der Illusionsshow war sehr cool, quasi Magie durch Programmieren und technische Errungenschaften. Manche der Tricks konnte ich mir jedoch nicht ganz so gut vorstellen, dafür fand ich die Atmosphäre in Vegas generell aber gut beschrieben.
Stella als Protagonistin war mir sympathisch, sie hatte eine witzige Art und ich mochte es, dass sie grundsätzlich skeptisch dargestellt wurde. Manche ihrer Handlungen haben dazu dann aber nicht komplett gepasst, auch die Liebesgeschichte ging mir ein wenig zu schnell.
Die Nebencharaktere haben Potential, besonders durch ihre Eigenheiten und Rollen in der Show, hier würde ich aber gerne noch mehr in die Tiefe gehen - vielleicht ja in Band 2 dann?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2026

Beeindruckende Mischung aus Fantasy und historischem Drama

The Poet Empress
0

The Poet Empress ist eines dieser besonderen Bücher, die einen von der ersten Seite an packen und nicht wieder loslassen, weit über die letzte Seite hinaus.
Gleichzeitig ist auch von Anfang an schnell ...

The Poet Empress ist eines dieser besonderen Bücher, die einen von der ersten Seite an packen und nicht wieder loslassen, weit über die letzte Seite hinaus.
Gleichzeitig ist auch von Anfang an schnell klar, dass dies keine leichte Geschichte sein wird, sondern stattdessen von Leid und Grausamkeiten gezeichnet ist.
Yin Wei wächst als Tochter eines Reisbauern in Armut und Hunger auf, sieht aber einen Ausweg, als Konkubinen für den Thronfolger des Kaisers gesucht werden.
Leider nur ist das Leben im Palast voller Gefahren und erinnert immer wieder an historische Erzählungen über Intrigen im chinesischen Kaiserpalast.
Hier gelingt der Autorin eine tolle Mischung: Das wohlbekannte Setting wird mit Fantasy-Elementen nicht nur ergänzt, sondern wunderbar bereichert.
Die Magie wirkt nicht fehl am Platze, sondern fügt sich ganz natürlich in die Welt ein, das System dahinter ist leicht verständlich und doch außergewöhnlich.

Generell hat mich die Atmosphäre durchgängig in ihren Bann gezogen, man ist in jeder Szene mitten drin, kann sich die Kulisse gut vorstellen und fühlt mit den Charakteren mit.
Diese waren auch schön ausgearbeitet - Wei war mir schnell sympathisch, aber auch die Nebencharaktere konnten überzeugen und selbst Prinz Terren lernt man im Laufe der Geschichte besser kennen.
Vereinzelt hätte ich mir noch eine Charakterübersicht gewünscht, aber auch ohne konnte ich mir die wichtigsten Namen recht gut merken.
Auch der Schreibstil war angenehm zu lesen, wenn auch nicht super außergewöhnlich oder poetisch (wie es der Titel vielleicht vermuten lässt), dies hat mich aber gar nicht gestört.
Insgesamt ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen wollte und das mich auf die beste Art an Werke wie "A Song to Drown Rivers" erinnert hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere