Profilbild von Ryria

Ryria

Lesejury Star
offline

Ryria ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Ryria über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.12.2025

Emotional berührend

Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen
0

Als ihr Opa stirbt fällt Romy in ein Loch der Trauer - wie soll ihr Leben nun weitergehen, wenn auf einmal irgendwie alles anders ist?
Während dieser schweren Tage lernt sie zwei unerwartete neue Freunde ...

Als ihr Opa stirbt fällt Romy in ein Loch der Trauer - wie soll ihr Leben nun weitergehen, wenn auf einmal irgendwie alles anders ist?
Während dieser schweren Tage lernt sie zwei unerwartete neue Freunde kennen: Jakob, für den sie Gefühle entwickelt, sowie eine kranke Taube, die ohne ihre Hilfe vermutlich nicht überleben würde.
Dies ist kein super spannendes Buch, aber trotzdem wollte ich immer weiter lesen. Die Geschichte überzeugt vielmehr mit ihren ruhigen Tönen und emotionalen Beschreibungen.
Gerade wenn man selbst schon mal getrauert hat, sind viele Momente hier beinahe schmerzhaft vertraut. Es ist nicht dramatisch, aber entfaltet trotzdem große Wirkung.
Wir haben nur eine Handvoll Charaktere, was ich für die Länge der Geschichte auch sehr passend empfand. Jede:r von ihnen ist auf ganz eigene Art einzigartig, mit kleinen "Macken" und Angewohnheiten. Im Fokus bleibt aber Romy als Ich-Erzählerin und sie hat auf mich auch komplett authentisch gewirkt, von ihren Gefühlen bis hin zu ihrem Alter. Besonders toll fand ich auch, dass sich der Erzählstil ihren Gedanken angepasst hat, in manchen Momenten komplett wild, in anderen poetisch mit kleinen Weisheiten.
Generell mochte ich den Schreibstil auch sehr, in jedem Kapitel gab es mindestens eine Textstelle, die ich besonders schön oder berührend fand und mehrmals gelesen habe.
Ein weiteres Highlight waren die Tauben für mich - diese gibt es auch in der Realität und das hat man wirklich gemerkt. Ich habe viel Neues über Tauben gelernt, ohne mich eine Sekunde zu langweilen, und diese sind mir sogar noch mehr ans Herz gewachsen als vorher.
Insgesamt eine wundervolle ruhige Erzählung über (tierische) Freundschaften und Liebe und wie diese die Dunkelheit der Trauer erhellen können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.12.2025

Märchenwelt mit düsterer Atmosphäre

Das Dreizehnte Kind
0

Neuerzählungen von Märchen sind ein ganz besonderes Genre: Man nimmt eine bekannte Geschichte und interpretiert sie auf seine ganz eigene Art komplett neu. Auch dieses Buch basiert auf einem Märchen, jedoch ...

Neuerzählungen von Märchen sind ein ganz besonderes Genre: Man nimmt eine bekannte Geschichte und interpretiert sie auf seine ganz eigene Art komplett neu. Auch dieses Buch basiert auf einem Märchen, jedoch war es mir vorher diesmal nicht bekannt - und trotzdem spürte man auf jeder Seite das Märchenhafte.
Hazel ist das ungewollte 13. Kind und wurde deshalb schon vor ihrer Geburt dem Gott des Todes versprochen. Wir verfolgen ihre Kindheit, zunächst bei ihrer Familie, später bei ihrem göttlichen Paten, und erleben wie sie zur Heilerin wird und welche Herausforderungen dieser Beruf mit sich bringt.

Der Schreibstil hat mir richtig gut gefallen, Hazel erzählt aus ihrer Perspektive, aber trotzdem wirkt es gleichzeitig auch wie ein Märchen mit teilweise fast poetischen Elementen, das man erzählt bekommt.
Auch die Atmosphäre hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen, es wirkt alles sehr düster, aber trotzdem gibt es immer wieder kleine Lichtblicke, wie Kerzenflammen in der Dunkelheit.
Die angesprochenen Themen und moralischen Konflikte fand ich gut eingebaut: Man wird nicht davon erschlagen, aber trotzdem auch zum Nachdenken motiviert.
Generell hat mir auch das Erzähltempo gefallen, alles wird eher in ruhigen Tönen erzählt, was wiederum gut zur Stimmung beiträgt. Dies führt zwischendurch jedoch auch dazu, dass es doch mal kleinere Längen gibt und sich manche Erzählpassagen ein wenig ziehen.

Hazel als Erzählerin/Protagonistin mochte ich sehr, wir lernen sie als Kind kennen und verfolgen ihre Entwicklung über die Jahre, was natürlich die Bindung zu diesem Charakter verstärkt. Davon mal abgesehen war sie mir aber auch generell sympathisch und ich konnte ihre Entscheidungen und Handlungen oft gut nachvollziehen.
Zwar gibt es auch noch weitere tolle Charaktere, jedoch bleiben sie im Vergleich zu Hazel dann natürlich doch etwas blasser. Bei manchen von ihnen hätte ich mir vielleicht noch etwas mehr Charaktertiefe gewünscht.
Insgesamt eine gelungene Märchenerzählung, die jedoch durchaus auch sehr düster zwischendurch wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.11.2025

Schöne neue Welt

Evermind. Sie kennt dich
0

200 Jahre in der Zukunft leben die Menschen in unterirdischen Städten, die von einer Künstlichen Intelligenz namens MAM gesteuert werden. Tagesablauf, Essen, Beruf, Rolle in der Gesellschaft, alles wird ...

200 Jahre in der Zukunft leben die Menschen in unterirdischen Städten, die von einer Künstlichen Intelligenz namens MAM gesteuert werden. Tagesablauf, Essen, Beruf, Rolle in der Gesellschaft, alles wird durch ihre Berechnungen entschieden.
Die junge Livia bekommt zu Beginn ihren Job zugewiesen, stellt sich jedoch mehr und mehr die Frage, ob MAM wirklich so unfehlbar ist und was sie alles verbirgt...
Auch wenn diese dystopische Handlung recht weit in der Zukunft spielt, ist das Thema vermutlich so aktuell wie nie, bereits angefangen bei der Frage, für welche Berufe man noch Menschen braucht und was auch einfach von einer KI übernommen werden könnte.
Die Überlegungen wie eine solche KI-gesteuerte Zukunft aussehen könnte erscheinen fast durchgängig nachvollziehbar, lediglich an vereinzelten Stellen war die Darstellung und MAMs Aktionen nicht komplett schlüssig aus meiner Sicht.
Generell fand ichs sehr interessant und auch spannend, diese dystopische Welt zusammen mit Livia zu erkunden. Viele Details und gut überlegte Systeme machen alles realistisch und gut vorstellbar.
Teilweise hätte ich mir noch mehr Infos oder Kontext gewünscht, z.b. noch andere Teile der Stadt kennenzulernen, jedoch war dies vermutlich der begrenzten Seitenzahl und der Ich-Perspektive geschuldet.
Auch das Ende erscheint aus selbigen Gründen etwas übereilt mit kleineren Logikfehlern, weshalb ich einen halben Stern abziehe, jedoch ist der Großteil besonders als Jugendbuch echt gut gelungen.

Positiv erwähnen würde ich hier zunächst den Schreibstil: Trotz des leicht technischen Hintergrundes bleibt alles super verständlich, auch lässt sich die Geschichte sehr flüssig lesen. Immer wieder werden auch kleine Liebeserklärungen an das Schreiben und die Macht des Wortes eingebaut, diese habe ich besonders gerne gelesen.
Der Kontrast zwischen technischem Kalkül und unperfekter Menschlichkeit wurde schön eingefangen, besonders auch im Hinblick auf die Entwicklungen der Charaktere.
Livia und Cassian sind ein sehr süßes Duo, ihre Liebesgeschichte war toll zu verfolgen und konnte einige gefühlvolle Momente aufweisen.
Aber auch die Nebencharaktere sind mir teilweise ans Herz gewachsen, mit all ihren Fehlern, die die KI nicht zu schätzen weiß.
Klare Empfehlung für alle, die mal wieder eine interessante Dystopie mit aktuellem Bezug lesen wollen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.11.2025

Frauenbeziehungen

Bestie
0

Delia will sich neu erfinden und raus aus ihrem alten Leben - und wie ginge das besser als direkt mit einem neuen Namen in einer fremden Stadt. Dort zieht sie mit einigen Lügen im Gepäck als Lilly bei ...

Delia will sich neu erfinden und raus aus ihrem alten Leben - und wie ginge das besser als direkt mit einem neuen Namen in einer fremden Stadt. Dort zieht sie mit einigen Lügen im Gepäck als Lilly bei Influencerin Anouk ein und wir verfolgen aus beiden Perspektiven, wie ihre Beziehung sich entwickelt.

Zunächst muss ich unbedingt den Schreibstil hervorheben! Die Geschichte liest sich sehr angenehm und flüssig, aber trotzdem habe ich immer wieder innegehalten, um einzelne Sätze und Textpassagen auf mich wirken zu lassen. Vieles hat einen poetischen Touch, anderes ist eher direkt, aber immer schwingt sehr viel Wahrheit in den Worten mit. Kluge Beobachtungen über die heutige Zeit und Beziehungen aller Art wechseln sich ab mit atmosphärischen Beschreibungen.
Dazu gibt es noch eher experimentelle Kapitel, die ein ungewöhnliches Format wählen.

Delia und Anouk sind alles andere als perfekte Charaktere und gewiss keine makellosen Vorbilder, aber das macht sie oft auch wieder irgendwie sympathisch. Manchmal mag man sie so gar nicht, in anderen Abschnitten kann man dann aber doch mit ihnen mitfühlen. Gerade ihre Fehler machen sie auch authentisch. Teilweise hätte man hier jedoch vielleicht noch ein wenig mehr in die Tiefe gehen können. Insgesamt mochte ich besonders die Darstellung ihrer Freundschaft bzw. ihrer Beziehung generell zueinander sehr.
Auch Themen wie Feminismus oder Social Media kommen nicht zu kurz und runden das Ganze schön ab.
Ein schönes Debüt, das mich neugierig auf die nächsten Werke der Autorin macht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.11.2025

Krimi in der japanischen Kultur

HEN NA IE - Das seltsame Haus
0

Uketsu und sein außergewöhnlicher Stil sind hier ja bereits durch "Seltsame Bilder" bekannt geworden, nun folgt mit dem seltsamen Haus sein Debütwerk. Während das Konzept auch hier wieder überzeugen kann ...

Uketsu und sein außergewöhnlicher Stil sind hier ja bereits durch "Seltsame Bilder" bekannt geworden, nun folgt mit dem seltsamen Haus sein Debütwerk. Während das Konzept auch hier wieder überzeugen kann und ein spannendes Leseerlebnis verspricht, merkt man doch auch, dass Uketsu noch ein wenig Erfahrung fehlte.
Inhaltlich verfolgen wir die Gespräche und Überlegungen einiger Charaktere, denen seltsame Grundrisse von Häusern in die Finger fallen. Schnell entwickeln sie diverse Theorien, warum die Räume etc. so gebaut wurden und welche Bewohner dort gelebt haben könnten.

Der Aufbau des Buches ist wieder sehr ansprechend, man bekommt zur Veranschaulichung viel Bildmaterial wie die Grundrisse und eine Vielzahl an Dialogen fördert den Lesefluss. Dadurch kann man den Überlegungen super folgen und fühlt sich mitten im Geschehen.
In der Printausgabe wurden die Grundrisse jedoch etwas zu häufig abgedruckt, während es im Ebook ganz nett ist.
Zwar kann man sich diese in Ruhe angucken und nach Auffälligkeiten suchen wie komische Fenster, allerdings ist der Miträtsel-Aspekt im Großen und Ganzen leider etwas auf der Strecke geblieben.
Die Charaktere liefern recht schnell Theorien, die dann auch so abwegig sind, dass man niemals auf die Lösung gekommen wäre. Das fand ich etwas schade, auch wenn es trotzdem Spaß gemacht hat, die Schlussfolgerungen zu verfolgen.

Generell war die Geschichte doch sehr japanisch (Überraschung) - mit allen Vor- und Nachteilen. Manches wirkt abstrus und konstruiert, kann dafür aber mit Originalität punkten. Aus westlicher Sicht und ohne Vorwissen mag einiges komisch erscheinen, für japanische Literatur ist es hingegen absolut typisch. Man kann super in die Kultur dort eintauchen, bekommt aber auch keine zusätzlichen Erklärungen. Ich glaube hier wären ein paar Anmerkungen der Übersetzerin noch ganz nett gewesen, denn mit ein wenig Vorwissen wirkt einiges direkt etwas anders.
Insgesamt hatte ich wieder viel Spaß beim Lesen, der Stil mit den Bildern ist einfach sehr erfrischend und bietet kurzweilige, spannende Unterhaltung.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung