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Veröffentlicht am 27.07.2025

Spuren eines Lebens

Wilder Honig
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Nach Johns Tod verschlägt es drei Frauen in den Obstgarten seines Zuhauses und zu seinen Bienenstöcken, jede mit ihren eigenen Sorgen und Erinnerungen an die Vergangenheit.
Die Erzählung wechselt zwischen ...

Nach Johns Tod verschlägt es drei Frauen in den Obstgarten seines Zuhauses und zu seinen Bienenstöcken, jede mit ihren eigenen Sorgen und Erinnerungen an die Vergangenheit.
Die Erzählung wechselt zwischen den Ereignissen in der Gegenwart und den Briefen, die John vor seinem Tod für seine Frau Hannah verfasst hat.
Da John ein Schriftsteller war, muten seine Briefe sprachlich auch besonders poetisch an. Seine Leidenschaft für seine Bienen kommt permanent zum Ausdruck, so erfährt man sehr viel über deren Leben, fast schon als würde man ein Sachbuch lesen, jedoch werden die Bienen auch gleichzeitig als Metaphern für das gemeinsame Eheleben benutzt. Dies fand ich einerseits schön und geschickt geschrieben, andererseits hätte ich mir nach einer Weile vielleicht auch weniger Bienen-Abschnitte gewünscht, jedoch ist das nur persönliches Empfinden.

Weiterhin gab es auch viele interessante Infos über Obstgärten und deren Pflege, vieles davon war mir neu. Generell ist die ganze Geschichte sehr unaufgeregt und überzeugt mit seiner ruhigen Stimmung. Der Fokus liegt nicht auf Spannung, sondern auf menschlichen Emotionen und Beziehungen.
Die Trauerverarbeitung vermischt sich mit den Erinnerungen an die Vergangenheit, aufgedeckte Geheimnisse stellen die Frage, wie gut wir die Menschen wirklich kennen, die uns am nächsten sind.
Hierbei mochte ich, wie sich die Beziehungen und Charaktere weiterentwickeln und ihren inneren Frieden (wieder)finden.
Insgesamt ein sprachlich schönes Buch, das durch seine ruhige Stimmung überzeugt.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Überraschend fesselnd und berührend

Wohin du auch gehst
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Ich bin ohne Vorwissen in die Geschichte gestartet und wurde schnell von der Themenvielfalt überrascht. Dabei hatte ich auch nie das Gefühl, dass ein Thema nur als "Lückenfüller" dient, vielmehr hat alles ...

Ich bin ohne Vorwissen in die Geschichte gestartet und wurde schnell von der Themenvielfalt überrascht. Dabei hatte ich auch nie das Gefühl, dass ein Thema nur als "Lückenfüller" dient, vielmehr hat alles super in die Geschichte gepasst, authentisch gewirkt und eine intensive Betrachtung erfahren.

Zunächst erwähnen sollte man hierbei wohl die zahlreichen Einblicke in das Leben und die Kultur der Menschen im Kongo. Am Ende des Buches gibt es ebenfalls ein tolles Glossar, das viele der verwendeten Wörter und Dinge kurz erklärt. So wird z.B. durchgehend die afrikanische Sprache Lingala in die Dialoge eingebaut. Während mich dies generell manchmal stört, habe ich mich hier erstaunlich schnell daran gewöhnt und konnte mir die Gespräche noch besser vorstellen.

Auch fand ich es super, dass die Geschichte an vielen verschiedenen Orten und über mehr als 20 Jahre hinweg spielt. Als Leser lernt man das Leben in Kinshasa oder Paris in den 80ern kennen, nur um gleich darauf wieder nach London in den 2000ern zurückzukehren.
Die Beschreibungen der Orte und Personen waren dabei großartig, ich fühlte mich immer wieder mitten drin, auch wenn ich noch nie selbst dort war. Hierbei spielte die Sprache auch eine große Rolle, die Beschreibungen wirkten nie überladen und ich bin nur so durch die Seiten geflogen, ohne das Gefühl zu haben, es handele sich um eine "leichte" Lektüre.

Im Gegenteil, viele Geschehnisse waren doch recht schwere Kost. Man erhält Einblicke in die LGBTQ+ Community, ihren Kampf um Gleichberechtigung und ihre Probleme in der Gesellschaft und verschiedenen Kulturen.
Ein großes Hindernis ist so auch die Religion bzw. diverse Glaubensgemeinschaften, die ebenfalls beleuchtet werden. Statt sie jedoch nur einseitig als die Bösen hinzustellen, wird zwischendurch auch auf positive Aspekte eingegangen.

Zuletzt zu den Charakteren: Im Fokus stehen die lesbische Bijoux, die als Kind nach London geschickt wurde, und Tante Mira, deren Vergangenheit nach und nach offengelegt wird. Immer wieder fragt man sich, wie die Mira der Vergangenheit zu der Mira der Gegenwart wurde, was gleichzeitig spannend, berührend und tragisch zu lesen war. Auch wenn man nicht immer mit den Entscheidungen oder Gedanken der Frauen übereinstimmt, kann man doch mit ihnen mitfühlen und mitfiebern. Die (Familien)Beziehungen wurden durchweg authentisch dargestellt, für mich auch eine Stärke des Romans.
Insgesamt ein schöner Appell an die Menschlichkeit und unser Mitgefühl, ohne dabei jedoch irgendwie belehrend zu wirken.

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Veröffentlicht am 23.07.2025

Cooles Konzept, etwas schwieriger Stil

Das Ministerium der Zeit
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Das Konzept der Geschichte hat mich direkt überzeugt: Eine geheime neue Technik ermöglicht es, Personen aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart zu holen. Dort bekommen sie eine Art Betreuer an die Seite ...

Das Konzept der Geschichte hat mich direkt überzeugt: Eine geheime neue Technik ermöglicht es, Personen aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart zu holen. Dort bekommen sie eine Art Betreuer an die Seite gestellt, der sie an das neue Leben gewöhnen soll.
Hier im Fokus steht Polarforscher Graham Gore, den es fast 200 Jahre in die Zukunft verschlägt.
Interessant und durchaus auch mal lustig zu lesen fand ich seine Erkundung der heutigen Welt. Wir begleiten ihn auf dieser Reise im altbekannten und doch sehr fremden England und entdecken dabei unsere eigene Welt auch wieder ganz neu, das was für uns selbstverständlich ist, war damals noch eine Sensation oder unvorstellbar.
Parallel zu diesen Kapiteln gehen wir aber auch mit auf die Expedition von Gore, bei der er eigentlich damals ums Leben kam. Diese Kapitel fand ich nochmal besonders interessant, da Gore ja eine historische Persönlichkeit ist und die Erzählungen auf wahren Begebenheiten beruhen.

Gleichzeitig hätte ich mir aber auch gewünscht, dass man noch mehr zu den anderen Zeitreisenden/Expats erfährt, hier hätte man das Potenzial ruhig noch mehr ausschöpfen können.
Auch die Liebesgeschichte hat mich nicht ganz abgeholt, es gab zwar immer wieder mal passende Momente, allerdings hab ich die Chemie nicht wirklich gespürt.
Beim Stil und der Sprache bin ich zwiegespalten. Einerseits mochte ich die zahlreichen Abschweifungen von der Haupthandlung teilweise sehr gerne, andererseits habe ich sie zwischendurch auch mal als zäh empfunden.
Themen wie die Macht der Sprache haben mich zum Nachdenken angeregt, während ich gleichzeitig den Schreibstil mit seinen eher ungewöhnlichen Formulierungen manchmal verflucht habe.
Insgesamt war es nicht so ganz das, was ich zuerst erwartet habe, jedoch hat mich die Geschichte doch zum Großteil überzeugen können.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Bevor und danach

Eden
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2017 erschütterte die Nachricht über den Anschlag beim Ariana Grande Konzert die Welt. In "Eden" greift der Autor dies auf und verfolgt das Leben der Familie eines der fiktiven Opfer. Der Tatort ist hier ...

2017 erschütterte die Nachricht über den Anschlag beim Ariana Grande Konzert die Welt. In "Eden" greift der Autor dies auf und verfolgt das Leben der Familie eines der fiktiven Opfer. Der Tatort ist hier Stuttgart statt Manchester, die Sängerin hat einen anderen Nachnamen, aber ansonsten ist alles fast gleich zum realen Vorbild - und dadurch keine leichte Kost und umso bedrückender.

Über mehrere Monate hinweg erfährt man das Geschehen kurz vor dem Anschlag und danach aus den Perspektiven der Eltern des Opfers, Sofie selbst, einem Klassenkameraden und auch dem Täter selbst. Die Gliederung fand ich schön übersichtlich und während beispielsweise die Perspektive des Mitschülers zunächst eher überraschend war, hat es doch gut gepasst.
Ob der Täter tatsächlich ähnliche Gedanken hatte ist wohl schwer zu sagen, die Interpretation des Autors kam mir persönlich teilweise schlüssig, teilweise aber auch ein wenig klischeehaft vor.

Gelungen empfand ich hingegen die Abschnitte, die sich Sofie und Freund Tobias widmen. Bei beiden hat man schön rauslesen können, dass sie noch Kinder sind, aber sich gleichzeitig auch langsam auf den Weg zum Erwachsensein machen und dabei manchmal weiser sind als die richtigen Erwachsenen. Umso heftiger war es dann auch zu verfolgen, wie Sofie ihre letzten Momente erlebt.
Generell sehe ich die Stärke des Buches in den Familienbeziehungen und der Trauerbewältigung, hier konnte man die Gefühle durch bewegende Beschreibungen und Metaphern sehr spüren. Von unsinnigen Handlungen über Verdrängung und Schuldzuweisungen, vieles lässt die Familie authentisch erscheinen.

Nicht so ganz überzeugt haben mich hingegen die Nebenthemen: Hier wurde versucht, die Auswirkungen auf die politische Lage darzustellen, jedoch wurde sich auch nicht wirklich darauf fokussiert, sodass es eher immer wieder mal kurz erwähnt wurde, ohne jedoch wirklich Eindruck zu hinterlassen. Von der AfD über Coronaleugner, Rassismus und Verschwörungstheorien wurde hier einiges angesprochen, ohne irgendwo mal mehr in die Tiefe zu gehen.

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Ergreifendes und ungeschöntes Buch über den Tierschutz und die Personen dahinter

Der traurigste Himmel auf Erden
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Dieses Buch gewährt sowohl Einblicke in die Arbeit und Realität eines Tierschützers als auch in die Geschichte und Gefühlswelt des Autors. Dieser scheint auf Social Media bereits wohlbekannt zu sein, mir ...

Dieses Buch gewährt sowohl Einblicke in die Arbeit und Realität eines Tierschützers als auch in die Geschichte und Gefühlswelt des Autors. Dieser scheint auf Social Media bereits wohlbekannt zu sein, mir ist er jedoch zuerst in diesem Buch begegnet.
Daher fand ich es auch schön und hilfreich, dass man auch seine Vorgeschichte erfährt: Wer ist er, wie ist er zum Tierschutz gekommen? Immer wieder berichtet er auch von seinen persönlichen Ängsten und Unsicherheiten, was ihn sehr menschlich und authentisch wirken lässt und ihn auch "Neulingen" näherbringt.

Die Erlebnisse im Tierschutz selbst fangen klein an in Form einer Taube im Wohnungsfenster, führen innerhalb weniger Jahre jedoch bis hinein in Kriegs- und Katastrophengebiete. Die Schilderungen gehen extrem unter die Haut, die Berichte sind ungeschönt und erschreckend. Man spürt beim Lesen die Gefahr und fiebert gleichzeitig mit, man wünscht sich, dass die Rettung der Tiere gelingt.
Dass dies nicht immer ein gutes Ende nimmt ist leider traurige Realität, vor der weder Malte noch der Leser geschützt werden: Nicht jedes Tier kann gerettet werden, nicht jede Krankheit ist heilbar.
Die guten Geschichten sind dabei genauso wichtig wie die Schlechten und verdeutlichen nochmal die Situation.
Besonders gut gefallen haben mir die zahlreichen Bilder, so konnte man alle Tiere und Malte selbst nochmal besser kennenlernen, und generell sein Schreibstil. Oft benutzt er auch Videospielmetaphern, was ich als geschickte Erzählmethode empfunden habe.
Ein wichtiges Buch, das aufzeigt, dass Tierschutz schon klein anfängt: Man muss nicht in Kriegsgebiete reisen, ein Tier adoptieren oder auch nur die Nachbarstauben füttern kann für diese Seelen schon einen großen Unterschied machen.

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