Profilbild von Ryria

Ryria

Lesejury Star
offline

Ryria ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Ryria über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2026

So geht Charakterentwicklung!

Prinzessin der tausend Diebe – Chosen
0

Ohne große Umschweife knüpft das Buch an den ersten Band an und wirft uns in eine ziemlich düstere Situation:
Sora wurde getötet, unheimliche Monster überrennen die Städte, die Welt steht am Abgrund.
Jia ...

Ohne große Umschweife knüpft das Buch an den ersten Band an und wirft uns in eine ziemlich düstere Situation:
Sora wurde getötet, unheimliche Monster überrennen die Städte, die Welt steht am Abgrund.
Jia wird zur Protagonistin der Geschichte und sieht nur noch eine Lösung: Eine Zeitreise in die Vergangenheit, um die Ursache der Monster zu finden und auszulöschen. Doch wird sie ihren Plan dort auch umsetzen können?

Inhaltlich ist dies zwar eine Fortsetzung, jedoch könnte man es denk ich auch gut einzeln lesen, da diesmal ja Jia im Zentrum der Handlung steht. Für das volle Erlebnis empfehle ich aber trotzdem mit Band 1 zu beginnen, einfach um Jias Charakterentwicklung noch besser verfolgen zu können. Diese ist nämlich außerordentlich gut gelungen - von der ehemaligen Gegenspielerin wandelt sie sich zur Antiheldin und schließlich irgendwie sogar zu einer richtigen Heldin. Dies findet in einem angemessenen Tempo und schleichend statt, als Leser*in kann man wunderbar verfolgen, wie sich durch besondere Begegnungen und Erlebnisse ihre Ansichten und Denkweisen ändern, wie sie mehr Gefühle zulässt und langsam zu sich selbst findet.
Ihre Gefühlswelt konnte auch mich emotional echt packen, ich habe mitgefiebert und auch ein paar Tränchen vergossen.
Dazu ist sie auch einfach ein echt cooler Charakter, sie ist quasi der Inbegriff von "Badass" - was es umso schöner macht zu beobachten, wie ihr Herz erweicht wird.

Doch nicht nur Jia konnte mich als Charakter überzeugen, auch die Nebencharaktere und der Mann an ihrer Seite waren toll geschrieben und haben mein Herz erobert. Man hat hier immer wieder Found Family Vibes gespürt, sie alle hatten ihre Eigenarten, aber waren authentisch geschrieben und hatten einen wunderbaren Zusammenhalt.
Ich war richtig traurig, als die Geschichte vorbei war und hätte noch viele Kapitel mehr über diese Gruppe und die Liebesbeziehung lesen können.
Auch das Tempo war sehr angenehm, im ersten Band konnte ich manchmal nicht so gut folgen, das Problem hatte ich hier diesmal gar nicht - also falls euch Band 1 nicht so komplett zugesagt habt, gebt diesem Buch auf jeden Fall eine Chance!
Mein einziger Kritikpunkt bezieht sich auf die Logik hinter der Zeitreise bzw. einige Fragen, die nicht so ganz beantwortet wurden.
Ich mag konkrete Antworten generell lieber als offene Fragen, daher fand ich es etwas schade, jedoch auch passend zum koreanischen Stil.
Aus emotionaler Sicht bin ich echt begeistert, daher kann ich es verschmerzen, jedoch könnte es etwas unbefriedigend sein, wenn man für alles logische Erklärungen möchte.
Insgesamt ein toller Abschluss der Dilogie, der mir sogar noch besser gefallen hat als der Vorgänger!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy
Veröffentlicht am 04.03.2026

Geschichtsstunde mit Schwächen

Alma
0

In den Siebzigern wächst Alma in Triest auf, zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen, mit einem Vater, der selten da ist, und dem Jungen Vili, der zu ihrer ersten großen Liebe wird.
Als ihr Vater stirbt ...

In den Siebzigern wächst Alma in Triest auf, zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen, mit einem Vater, der selten da ist, und dem Jungen Vili, der zu ihrer ersten großen Liebe wird.
Als ihr Vater stirbt und das Erbe verteilt werden soll, kehrt sie viele Jahre später dorthin zurück und die Erinnerungen nehmen ihren Lauf.
Bei diesem Buch hatte ich leider komplett andere Erwartungen und ein falsches Bild, ausgelöst durch Cover, Klappentext und Zitate.
Statt einer sommerlichen Erzählung über Triest und Almas Familiengeschichte standen hier immer wieder historische und politische Ereignisse und Schilderungen im Vordergrund.
Die Konflikte und der Krieg rund um Jugoslawien waren zugegebenermaßen ein komplett neues Thema für mich, ich war jedoch interessiert und durchaus lernwillig. Ungünstig war nur, dass der Roman irgendwie gefühlt ein gewisses Vorwissen fast voraussetzt, um der Handlung optimal folgen zu können. Ist man jedoch ahnungslos, versteht man so manchen Textabschnitt nicht in seiner Gänze.
Hilfsmittel wie ein Glossar, eine Karte oder ein Zeitstrahl sind leider ebenfalls nicht vorhanden, sodass ich selbst im Internet nebenbei recherchieren musste, um die Handlung besser einordnen und die Hintergründe verstehen zu können.

Auch der Schreibstil war nicht immer leicht zu lesen, so manchen Satz musste ich doppelt lesen, aber gleichzeitig mochte ich ihn auch irgendwie. Es war mehr ein Erlebnis, mit schönen Beschreibungen, anstatt eines schnell zu lesenden Textes.
Es ist auf jeden Fall kein Roman, den man mal nebenbei lesen kann, man muss sich konzentriert auf die Zeilen einlassen.
Ständige Zeitsprünge und ein fehlender roter Faden verstärken dies nur noch mehr.
Die Handlung rund um Alma fand ich interessant, allerdings konnte ich bis zum Schluss keine wirkliche Beziehung zu den Charakteren aufbauen, sie blieben (bedingt durch den Schreibstil?) doch recht distanziert, sodass ich auch nicht groß mitgefühlt habe.
Ein durchaus interessantes und künstlerisches Buch, auch wenn es meinen persönlichen Geschmack jetzt nicht so sehr getroffen hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.03.2026

Aktuelles und wichtiges Thema spannend verpackt

Up in Smoke - Was tust du, wenn die Wahrheit nicht zählt?
0

Was für uns meistens weit entfernt ist, ist für viele Menschen z.B. in den USA leider trauriger Alltag: (Polizei-)Gewalt und ständiger Rassismus.
In diesem Buch begleiten wir einige Schwarze Jugendliche, ...

Was für uns meistens weit entfernt ist, ist für viele Menschen z.B. in den USA leider trauriger Alltag: (Polizei-)Gewalt und ständiger Rassismus.
In diesem Buch begleiten wir einige Schwarze Jugendliche, die in eine schlimme Situation hineingeraten: Während Monique auf einer Black Lives Matter Demonstration friedlich ihre Meinung kundgibt, nutzt ihr großer Bruder Jason die Gelegenheit zum Plündern. Eher unfreiwillig mit dabei ist auch Cooper, der heimlich für Monique schwärmt. Als Jason kurz darauf wegen Mord verhaftet wird, liegt es an Cooper und Mo, den wahren Täter zu finden.

Besonders beeindruckt hat mich an der Geschichte die Authentizität: Der Autor ist selbst Schwarz und hat die Gedanken und Ängste der Menschen eindrucksvoll beschrieben. Es ist eine Sache, von der Situation mit genügend Abstand in den Nachrichten zu hören, aber eine ganz andere, die Gedanken eines Schwarzen Jungen zu lesen, der Angst hat, dass ein Polizist ihn wegen einer falschen Bewegung einfach erschießt.
Ein gesellschaftlich relevantes Thema wird einem hier in unterhaltsamer Form nähergebracht, denn gleichzeitig ist es auch ein spannender Jugendthriller. Man kann toll miträtseln, wer denn jetzt der wahre Mörder ist, mit vielen falschen Fährten und Überraschungen.
Auch ein bisschen Romance ist vorhanden, jedoch im angemessenen Maße und passend zu einem Jugendbuch.

Der Schreibstil ist recht schnörkellos und angenehm zu lesen, die Sprache hat sich für mich auch recht authentisch jugendlich angehört.
Cooper und Monique erzählen abwechselnd aus ihren Perspektiven, beide waren mir überwiegend sympathisch, sie erschienen reflektiert für ihr Alter, aber gleichzeitig auch noch unüberlegt in ihren Entscheidungen manchmal.
Das Erzähltempo war ebenfalls schön hoch, nur das Ende ging mir leider doch etwas zu schnell bzw. hätte ich mir dort noch etwas mehr gewünscht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.03.2026

Gelungene Fortsetzung

Die Rätsel meines Großvaters
0

Masateru Konishi nimmt uns wieder mit nach Japan und es gibt ein Wiedersehen mit all den Charakteren, die einem schon im ersten Teil ans Herz gewachsen sind.
So ist der Aufbau auch wieder sehr vertraut: ...

Masateru Konishi nimmt uns wieder mit nach Japan und es gibt ein Wiedersehen mit all den Charakteren, die einem schon im ersten Teil ans Herz gewachsen sind.
So ist der Aufbau auch wieder sehr vertraut: Aus einer Alltagssituation entwickelt sich ein Rätsel, über das man anschließend selbst zusammen mit den Protagonisten nachdenken kann. In einem Gespräch mit Kaedes Großvater werden zuletzt mögliche Auflösungen besprochen und diskutiert.
Währenddessen gibt es immer wieder schöne Einblicke in die japanische Kultur und das Leben der Charaktere.

Eigenarten der Sprache sowie japanische Begriffe werden dabei oft im Original belassen und nicht übersetzt, was ich sehr mochte. Mit entsprechendem Vorwissen lassen sich so weiterhin kulturelle Feinheiten gut herauslesen, trotzdem sollte es auch für Neulinge überwiegend gut verständlich sein.
Nichtsdestotrotz wären vielleicht manchmal kurze Anmerkungen toll gewesen, wie beispielsweise bei der Weihnachtsthematik (Heiligabend in Japan ist quasi wie bei uns Valentinstag).

Durch ebensolche Szenen und Details wird hier auch das Love Triangle weiter vertieft, was ich sehr mochte. Die Liebesgeschichte drängt sich nicht in den Vordergrund, aber ist doch im genau richtigen Maße immer noch vorhanden.
Gleiches gilt auch für die Demenzthematik, auch hier hat man wieder interessante Einblicke erhalten.
Generell knüpft das Buch gut an den Vorgängerband an, die Charaktere werden nochmal kurz vorgestellt und vorherige Fälle entweder erwähnt oder zusammengefasst, in genau dem richtigen Maße, um die Erinnerung wieder aufzufrischen.
Aufgrund der episodenartigen Form ist es vermutlich auch möglich, mit diesem Buch zu starten, jedoch würde ich die Lektüre von Band 1 trotzdem empfehlen, da es sich so wie ein Wiedersehen mit alten Freunden und eine Rückkehr nach Japan anfühlt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.03.2026

Momentaufnahmen eines Sommers

Schwarzer September
0

Schwarzer September ist vermutlich ein Opfer seines doch eher misslungenen Klappentextes: Dort wird zwar von dem Sommerurlaub des zwölfjährigen Gigio und seiner Strandfreundin Astel berichtet, aber gleichzeitig ...

Schwarzer September ist vermutlich ein Opfer seines doch eher misslungenen Klappentextes: Dort wird zwar von dem Sommerurlaub des zwölfjährigen Gigio und seiner Strandfreundin Astel berichtet, aber gleichzeitig auch schon verraten, dass später ein Mord passieren wird.
Meine Erwartungen waren dementsprechend, dass wir vielleicht eine kurze Einführung bekommen, es danach schnell an den Strand geht und kurz darauf der Mord geschieht, der dann im Zentrum der Handlung steht - dem war jedoch nicht so, stattdessen wird es zwar immer wieder angedeutet, um Spannung aufzubauen, allerdings ja auch wiederum schon im Klappentext verraten.

Man muss daher mit anderen Erwartungen in dieses Buch starten: 50 Jahre später erzählt Gigio von seiner Kindheit und diesem Sommer, der Schreibstil ist daher zwischendurch erwachsen, aber der Sicht eines Jungen nachempfunden.
Auch berichtet er von sich selbst, dass er autistische Züge hat, was in Kombination mit seinem Alter zu vielen Endlossätzen führt, die quasi wie aufgeschriebene, sprunghafte Gedanken wirken und dabei auf alle möglichen Details fixiert sind.

Dieser Schreibstil ist wirklich Geschmackssache, einerseits wird die damalige Zeit und Italien durch die unzähligen Details sehr zum Leben erweckt und man kann sich alles super vorstellen, andererseits führt es doch auch manchmal zu einigen Längen. Für das Kind war es vermutlich extrem spannend, wer welchen Sportwettkampf gewonnen hat, für den heutigen (jüngeren) Leser ist es jedoch eher oft uninteressant. Nichtsdestotrotz hatte dieser Stil auch seinen ganz eigenen Charme, der mir doch überwiegend gut gefallen hat.
Wer eine spannende Erzählung über einen Kriminalfall erwartet, sollte vermutlich eher zu einem anderen Buch greifen. Für alle, die einfach ein wenig in das damalige Italien eintauchen und einem Jungen beim langsam erwachsen werden zuschauen möchten, ist dieses Buch aber durchaus zu empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere