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Veröffentlicht am 21.10.2021

Gesammelte Magie

Ophelia Nachtgesang
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"Bücher sind nichts anderes als gesammelte Magie...Wenn man sie erweckt, fangen sie an zu flüstern."

Wunderbar zauberhaft und düster geht es bei der dunklen Fee Ophelia Nachtgesang zu. Sie scheint allerdings ...

"Bücher sind nichts anderes als gesammelte Magie...Wenn man sie erweckt, fangen sie an zu flüstern."

Wunderbar zauberhaft und düster geht es bei der dunklen Fee Ophelia Nachtgesang zu. Sie scheint allerdings für ihre Aufgabe, Verstorbene ins Totenreich zu begleiten, so wenig geeignet, dass sie als letzte Bewährungsprobe ausgerechnet die Aufgabe erhält, den Magier Augustus Pinlin nach seinem Tod dort abzuliefern. Doch Augustus hat ganz andere Pläne...

Wie Ophelia, Augustus und der Rabe Tiberius sich verbünden müssen, um ihre Ziele zu erreichen, macht bei der wieder einmal überbordenden Fantasie der Autorin wirklich Spaß. Durch die Entwicklung, die Ophelia nimmt, wird das Buch zu einer magischen Coming of age-Geschichte der besonderen Art. Allerdings hätte ich wie bei früheren Büchern von Gesa Schwartz an das Lektorat den Wunsch, endlich einmal die ständig wiederholten Lieblingsredewendungen der Autorin einzufangen. So oft wie hier wieder die Luft eingesogen oder ausgestoßen wird, bekommt man selbst fast Atemnot. Umso verwunderlicher, wenn es in der Geschichte sogar ein Verstorbener tut. Diese Redundanz reißt einfach unnötig aus dem Lesefluss dieser ansonsten wunderbar erdachten Geschichte.

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Veröffentlicht am 17.10.2021

Kann man verlorene Paradiese wiederfinden?

Die Wiederentdeckung des Glücks
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"Die Dinge sind dabei, sich zu ändern, es ist ein beunruhigender Prozess, als würde man sich verpuppen, um etwas Neues zu werden. Ich weiß nicht einmal, ob ich das will."

Dies sind die Gedanken von Nora, ...

"Die Dinge sind dabei, sich zu ändern, es ist ein beunruhigender Prozess, als würde man sich verpuppen, um etwas Neues zu werden. Ich weiß nicht einmal, ob ich das will."

Dies sind die Gedanken von Nora, die mit ihrem Vater Terje nach Madagaskar reist, auf der Suche nach einem ganz besonderem Duft für ein bahnbrechendes Parfüm. Terje war schon mehrmals dort, und wie sehr seine Reisen ihn beeinflusst haben, kann Nora nicht ahnen, da sie weitestgehend ohne ihren Vater aufgewachsen ist. Aber erzählt wird auch die Geschichte vom armen Straßenjungen Biscuit, der Terje in seiner Jugend begegnet ist und durch ihn seine Liebe zum Radsport entdeckte. Und von Maribelle, madegassische Tochter aus reichem Hause, die Biscuit schon in seiner Jugend herumkutschiert, die er wie eine Prinzessin verehrt und zur Liebe seines Lebens machen möchte. Aber es ist auch die Geschichte einer bettelarmen Insel und ihrer Probleme, wo Umweltzerstörung und Recycling das Leben bestimmen.

Antonia Michaelis' Romane sind stets vielschiechtig und oft von einer düsteren Märchenhaftigkeit, die sie zu einer meiner Lieblingsautorinnen gemacht hat. Wie im magischen Realismus verschwimmen Fantasie und Realität oft unmerklich ineinander, so dass die Bücher einen einzigartigen Zauber entfalten. Diese Geschichte um Elend, Fahradrikschas und Rennen kam naturgemäß erst sperriger daher, hat mich aber bald genauso eingefangen wie ihre anderen Romane. Das ist nicht nur der tiefgründigen Geschichte geschildert, sondern auch dem liebenswerten Protagonisten Biscuit, den ich besonders in mein Herz geschlossen habe. Wie er sich aus seiner schweren Kindheit herauskämpft zu einem Leben als erfolgreicher Radrennfahrer, ist einfach nur bewundernswert. Er könnte gut und gern selbst einem Märchen entstammen und braucht natürlich einen Antagonisten von besonderer Bösartigkeit, den die Autorin mit Bravour kreeiert. Dies macht das Buch auch noch außerordentlich spannend.

Antonia Michaelis hat selbst mit ihrer Familie einige Jahre auf Madagaskar gelebt, was man in jeder Zeile merkt. Die Story ist ebenso farbenprächtig wie ernüchternd. Ihren Verdienst aus dem Buch stellt sie völlig einer von ihr mitgegründeten madegassischen Schule und dem Straßenkinderprogramm zur Verfügung.

Die Geschichte wird noch lange in mir nachwirken, ebenso wie die aufgeworfene Frage, ob sich Glück ebenso recyceln lässt wie viele Dinge.

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Veröffentlicht am 12.10.2021

Fuchsfreund

Fuchs und ich
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Tiefe Freundschaft zu Tieren gibt es, daran habe zumindest ich keinerlei Zweifel. Die Autorin Chathrine Raven tut sich in ihrer eigenen Geschichte, die sie in diesem Buch zum Teil erzählt, allerdings damit ...

Tiefe Freundschaft zu Tieren gibt es, daran habe zumindest ich keinerlei Zweifel. Die Autorin Chathrine Raven tut sich in ihrer eigenen Geschichte, die sie in diesem Buch zum Teil erzählt, allerdings damit schwer. Obwohl sie kenntnisreich Flora und Fauna beschreibt, scheint sie einer veranlteten These anzuhängen, nach der Tieren von Instinkten gesteuerte Roboter und auschließlich Menschen zu tiefergehenden Gefühlen fähig sind. Dabei ist zum Beispiel die Tatsache, dass viele Tiere trauern wie Menschen, längst wissenschaftlich erwiesen.

Zudem nimmt sie eine sehr ausschließliche Einteilung der Tierwelt vor. Da gibt es die Haustiere bzw. Tiere in Gefangenschaft, "Tiere in Kisten", wie sie sie nennt, und wildliebende Tiere. Diese sind für sie entweder neutrale Studienobjekte oder aber Jagdwild.

Catherine macht es als Ich-Erzählerin ihrer Leserschaft nicht leicht. Dass sie nicht gesellig ist und lieber allein in einer abgelegenen Hütte in Montana haust, macht sie mir zwar sympathisch, wird allerdings bei gänzlich anders strukturierten Menschen wahrscheinlich Befremden hervorrufen. Aber auch ich hatte manchmal meine Probleme mit ihr, vor allem, wenn sie von ihrem Jagdgewehr schwärmte und verwilderte Hauskatzen regelrecht zu Hassobjekten umfunktionierte.

Dennoch hat für mich die Geschichte fast durchgehend funktioniert und mich gefesselt, auch wenn ich mich immer wieder daran gerieben habe. Äußerst mühselig muss Catherine erkennen, dass es tatsächlich Freundschaft ist, die sie mit einem wilden Fuchs verbindet. Tatsächlich scheint der Fuchs mehr von Freundschaft zu verstehen als Catherine zu Beginn.

Die Erzählung mäandert sowohl zeitlich als auch thematisch dahin und springt auch zu literarischen Anspielungen etwa bezüglich des zahmen Fuches in "Der kleine Prinz". Diese fand ich passend, die sehr persönlichen Verbindungen zu "Frankenstein" und "Moby Dick" waren zwar ebenfalls nicht aus der Luft gegriffen, haben das Lesen aber manches Mal erschwert.

Leider scheint es Tiergeschichten immanent zu sein, dass sie nicht ohne tragische Momente bleiben, was für mich immer schwer erträglich ist, die Geschichte aber nicht schmälert.

Die ausufernden Naturbeschreibungen waren für eine Natur- und Tierfreundin wie mich faszinierend, dürften jedoch anderen zu viel werden, weswegen ich das Buch nur für die genannten Menschen empfehle.

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Veröffentlicht am 10.10.2021

Facettenreich und lebensnah

Annette von Droste-Hülshoff. Dichterin zwischen den Feuern
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Maria Regine Kaiser hat für ihre Biografie der berühmten Dichterin keinen trockenen Sachbuchstil, sondern eher eine szenische, an einer Roman erinnernde Erzählweise gewählt. Manchmal hatte ich den sehr ...

Maria Regine Kaiser hat für ihre Biografie der berühmten Dichterin keinen trockenen Sachbuchstil, sondern eher eine szenische, an einer Roman erinnernde Erzählweise gewählt. Manchmal hatte ich den sehr angenehmen Eindruck, ich folge Droste-Hülshoffs Leben als Theaterstück. Ich fühlte mich durch die lebendige Gestaltung quasi mittendrin.

Wie detailliert hier recherchiert wurde, merkt man der Biografie an. So folgt man als Leserin dem Schicksal der Dichterin von ihrer Geburt, ihrer familiären Verquickung, ihren Reisen, in Liebesleid und -freud bis hin zu ihrem Tod. Großen Raum nimmt positiverweise natürlich die Begabung und Schaffenskraft ein, wobei gelegentlich auch aus Briefen und Gedichten direkt zitiert wird, was den Text zusätzlich belebt. Auch aus heutiger Sicht vielleicht eher negative Aspekte, wie das große Standesbewusstsein der Dichterin, werden nicht ausgespart. Die Autorin geht äußerst dezent vor und lässt Droste-Hülshoff manches Geheimnis, wie beispielsweise bezüglich der Beziehung zu dem viel jüngeren Levin Schücking.

Abgerundet wird das Buch durch einen sehr ausführlich Anhang mit Bildern, Personenverzeichnis, Zeittafel und zusätzlichen Erläuterungen. Letztere hätten aus meiner Sicht auch gern direkt in die Biografie integriert werden können, wo mir manches ein wenig zu kurz kam.

Insgesamt eine sehr erhellende Romanbiografie, die mein Interesse durchgängig gefesselt hat.

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Veröffentlicht am 05.10.2021

Der Fluch des Ifriten

Ministry of Souls – Die Schattenarmee
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Weiter geht es mit dem Ministerium für endgültige Angelegenheiten im London von 1850. Im zweiten Teil der Dilogie, der meiner Meinung nach die Kenntnis von Band 1 voraussetzt, muss Soulman Jack zusehen, ...

Weiter geht es mit dem Ministerium für endgültige Angelegenheiten im London von 1850. Im zweiten Teil der Dilogie, der meiner Meinung nach die Kenntnis von Band 1 voraussetzt, muss Soulman Jack zusehen, wie er sich vom Fluch des geheimnisvollen und übermächtigen Ifriten heilt. Denn dieser lässt ihn immer wieder durchsichtig werden wie Glas und schwinden.

Aber auch Prinzessin Naima, die Jack im ersten Teil kennen- und liebenlernte, gilt es zu schützen, denn der Ifrit zeigt nach wie vor ein großes Interesse ausgerechnet an ihr.

Jack und Naima bleibt nur, London per Schiff zu verlassen und die Antworten auf all ihre Fragen in Naimas exotischer Heimat zu finden. Denn plötzlich sammeln sich immer mehr die Schatten der Toten und die Bedrohung nimmt immer größere Ausmaße an...

Oz, ein verstorbener Archivar, der sich auf mysteriöse Weise mit Palastkater Ramses den Körper teilt, ist für mich der heimliche Star der Serie, der Jack und Naima ein ums andere Mal locker die Show stiehlt. Nicht nur, weil der Kater es immer wieder richten muss, sondern weil er Witz in die märchenhafte Story bringt.

Der zweite Teil des Buches verliert sich meiner Meinung nach etwas zu sehr in den Kampfhandlungen gegen den Ifriten. Hier hätte ruhig mehr Fokus auf die Ausarbeitung der Protagonisten und die atmosphärische Dichte, die ja mit ihren Anklängen an 1001 Nacht viel hergibt, gelegt werden können. Der Autor wartet mit schönen Metaphern auf, die aber zum Teil schon aus "Das Schattentor" bekannt sind, wo bereits das Lampenlicht floss wie verschüttete Milch und der Atem hin und wieder ein weißes Kleid gebahr.

Für Fans märchenhafter Fantasy aus meiner Sicht eine klare Leseempfehlung. Umso schöner, wenn man wie ich sowohl Fantasy als auch Katzen liebt.

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