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Veröffentlicht am 30.09.2021

Ungekrönt

Krone des Himmels
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Juliane Stadler hat mit "Krone des Himmels" als ins Autorenfach gewechselte Historikerin ein beeindruckendes Werk über den Dritten Kreuzzug ins sog. Heilige Land geschaffen. Der Piper Verlag hat ihren ...

Juliane Stadler hat mit "Krone des Himmels" als ins Autorenfach gewechselte Historikerin ein beeindruckendes Werk über den Dritten Kreuzzug ins sog. Heilige Land geschaffen. Der Piper Verlag hat ihren Debütroman zudem wirklich wunderschön ausgestattet.

Wie gut recherchiert die Geschichte ist, merkt man tatsächlich in jeder Zeile. Dennoch gab es für mich in anderer Hinsicht einige kleinere Mankos, die ein echtes Mitfiebern in Freud und Leid mit den Protagonisten wie etwa in den Romanen von Rebecca Gablé für mich sehr erschwerten.

Stadler lässt bis über die Hälfte des wunderbar dicken Schmökers hinaus die Handlungsstränge von Etienne, dem jungen Wundarzt, und Aveline, die sich als Mann verkleidet als Bogenschützin auf dem Kreuzzug verdingt, parallel laufen. Dies hat für mich persönlich dem Spannungsbogen nicht gutgetan, da die Story erst mit dem Aufeinandertreffen der beiden richtig an Fahrt gewann. Zudem mussten sie sich dann auch sehr schnell näherkommen, um Zeit aufzuholen, was ihrer Zuneigung einen etwas zufälligen Anstrich gab. Während Etienne, wegen seiner körperlichen Behinderung aus gutem Hause verstoßen, eine interessante Figur war, hatte ich große Probleme, Aveline ausreichend ins Herz zu schließen, setzt sie doch zu Beginn ihr einer Vergewaltigung entstammendes Neugeborenes mitten im Wald aus. Diese Tat und der Wunsch, sie zu sühnen, bilden den Aufhänger für ihre Pilgerreise ins Heilige Land. Bei allem Mitempfinden für ihre schlimme Situation kann ich mich diesem katholischen Glaubensgedanken nicht anschließen. So blieb Aveline für mich eine ambivalente, nicht völlig ausgearbeitete Figur.

Integriert wurde auch die Sichtweise Karakushs, des Verteidigers der Stadt Akkon gegen die christlichen Krieger. Seine Perspektive war jedoch nicht im entferntesten gleichwertig und erweckte daher ein noch schlaglichtartigen Eindruck, als er ohnehin schon durch die recht kurzen Kapitel entstand. Immerhin wurde aber den Lesenden ermöglicht, eine eher neutrale Sichtweise einzunehmen und sich immer wieder zu fragen, was all diese Entbehrungen und Kämpfe im Namen der Götter zweier Religionen überhaupt sollen. Letztendlich kann hier niemand eine Krone erringen. Aber diese nüchterne Distanz hat natürlich zwanglsläufig Distanz zur Handlung zur Folge.

Vom Lektorat hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle ein Eingreifen gewünscht, etwa bei der Lieblingsredewendung der Autorin "hier und heute", die gefühlt alle paar Seite auftauchte.

Dennoch hat mich insbesondere das letzte Drittel des Romans ziemlich gefesselt.


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Veröffentlicht am 26.09.2021

Tausendschön

Vergissmeinnicht - Was man bei Licht nicht sehen kann
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Wie schön ist es, wenn mir ein Buch begegnet, bei dem für mich einfach alles stimmt.

Da ist erst einmal die wunderschöne Umschlaggestaltung, die sich darunter auf dem Buch selbst und auch auf den Vorsatzseiten ...

Wie schön ist es, wenn mir ein Buch begegnet, bei dem für mich einfach alles stimmt.

Da ist erst einmal die wunderschöne Umschlaggestaltung, die sich darunter auf dem Buch selbst und auch auf den Vorsatzseiten fortsetzt, gekrönt vom farbigen Buchschnitt in meiner Lieblingsfarbe Blau.

Dann die märchenhafte Story um Matilda und Quinn, deren Welt gleich dreifach auf den Kopf gestellt wird. Matilda schwärmt schon lange für Nachbarsjungen Quinn, während er in ihr und ihren Cousinen nur die biblischen Plagen sieht und sie nicht einmal unterscheiden kann. Als Quinn dann, gejagt von seltsamen Wesen, einen schweren Unfall erleidet und sich im Rollstuhl wiederfindet, bittet Quinns Mutter durch ein Missverständnis ausgerechnet Matilda darum, Quinn auf andere Gedanken zu bringen. Während Quinn versucht, sich zurück in die Gesundheit zu kämpfen, erfahren Matilda und er immer mehr von einer Märchenwelt und deren Bewohnern, die in enger Verbindung zu Quinn zu stehen scheinen. Und dann sind da noch die Vorurteile übereinander, die sie Stück für Stück verlieren. Ist Quinn etwa gar nicht der arrogante Teufelsbraten und Matilda nicht das superfromme Grübchenface?

Die einfache Zusammenfassung wird der fantasievollen Story wirklich nicht gerecht. Kerstin Gier kreiert wieder einmal so sympathische, plastische Protagonisten, dass man ewig weiterlesen möchte. Selbst die Nebenfiguren, wie Matildas Cousin Leopold und Cousine Louise sind so lebensnah scheußlich und gleichzeitig grotesk lustig, dass man sie nur so aus den Seiten schütteln möchte. Überhaupt sprühen Dialoge und Erzählung vor feinem Witz.
Auch die Anderswelt, die hier erdacht wird, hat etwas ganz Eigenes und Unverwechselbares. Oje, ich glaube die drei geplanten Teile sind einfach nicht genug für diese Serie, erst recht nicht, wenn man noch so lange auf den nächsten Teil warten muss. Für mich ist die Serie nicht nur ein Vergissmeinnicht, sondern ein echtes Tausendschönchen!

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Veröffentlicht am 26.09.2021

Franz und Frieda

Meine Schiebebahn-Pappe: Fahr mit auf dem Bauernhof
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Da mein 1 1/2jähriger Neffe sehr gern mit zum Pferdestall kommt, dachte ich mir schon, dass ich auch mit diesem Buch einen Treffer bei ihm landen könnte. Und tatsächlich ist das der Fall. Auf dem Bauernhof ...

Da mein 1 1/2jähriger Neffe sehr gern mit zum Pferdestall kommt, dachte ich mir schon, dass ich auch mit diesem Buch einen Treffer bei ihm landen könnte. Und tatsächlich ist das der Fall. Auf dem Bauernhof ist schließlich jede Menge los für Bauer Franz und Bäuerin Frieda. All ihre Landmaschinen sind da eine große Hilfe und können von kleinen Kinderhänden auch noch spielerisch hin und her bewegt werden.

Da sich das Buch an Kinder ab 18 Monaten richtet, gibt es hier folgerichtig noch mehr zu sehen als vorzulesen. Mir persönlich gefällt besonders gut, dass vor allem Stadtkinder mit diesem Buch erst gar nicht in Gefahr geraten, nicht zu wissen, woher die Milch eigentlich kommt oder nach lila Kühen Ausschau zu halten. Ich wünschte nur, das Bauern- und Tierleben wäre tatsächlich noch so ursprünglich wie in diesem schönen Buch dargestellt. Hier könnte sich manche Realität eine Scheibe abschneiden.


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Veröffentlicht am 23.09.2021

Leben und Tod

Hey, ich bin der kleine Tod … aber du kannst auch Frida zu mir sagen
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Frida und Samuel - zwischen den beiden Kindern liegen buchstäblich Welten. Denn Fridas Aufgabe ist es, Gestorbene abzuholen. Und Samuel kennt Krankenhäuser nur zu gut, ebenso wie Todesangst und die Angst ...

Frida und Samuel - zwischen den beiden Kindern liegen buchstäblich Welten. Denn Fridas Aufgabe ist es, Gestorbene abzuholen. Und Samuel kennt Krankenhäuser nur zu gut, ebenso wie Todesangst und die Angst vor Keimen und anderen Krankheitserregern. Denn aufgrund seines schwachen Immunsystems könnten sie für ihn stets das Ende bedeuten. Und während Frida es zunächst gar nicht erwarten kann, dass Samuel endlich das Zeitliche segnet und sie ihres Amtes walten kann, muss Samuel eigentlich erst einmal lernen, sich nicht zu Hause aus Furcht zu vergraben, sondern anzufangen zu leben...

Wie bringt man ein derartig ernstes, eigentlich todtrauriges Thema kindgerecht rüber? Die Autorin bleibt hier immer wieder humorvoll und schreibt mit einem Augenzwinkern, weswegen man auch Frida nie böse sein kann. Schließlich hat sie selbst mit so einigen Herausforderungen zu kämpfen. Dennoch zieht einen die Geschichte natürlich zwangsläufig ein wenig hinunter. Das lässt sich gar nicht vermeiden, wenn man schon selbst vom Tod eines Liebsten betroffen war. Aber auf alle Fälle eine gelungene Umsetzung!

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Veröffentlicht am 19.09.2021

Metropolis Berlin

Anarchie Déco
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Ja, Berlin ist unheimlich Dem kann ich als gebürtige Berlinerin nur zustimmen. Das hat auch das Autorenpaar schön herausgearbeitet, indem sie das Berlin der Goldenen Zwanziger des vorigen Jahrhunderts ...

Ja, Berlin ist unheimlich Dem kann ich als gebürtige Berlinerin nur zustimmen. Das hat auch das Autorenpaar schön herausgearbeitet, indem sie das Berlin der Goldenen Zwanziger des vorigen Jahrhunderts zum Handlungsort ihres Genre-Mix Urban Fantasyromans machen.

1927 öffnet sich hier quasi eine historische Alternativwelt, als am Kulminationspunkt von Physik und Kunst plötzlich Magie entsteht. Die junge Physikerin Nike Wehner ist Expertin für das neue Phänomen und versteht es auch selbst anzuwenden. Nebenher arbeitet sie für die Polizei, denn die Magie eignet sich hervorragend für Missbrauch. Plötzlich fangen nicht nur Statuen an zu leben, sondern eine vermisste Vermieterin wird versteinert wiedergefundenund ein Politiker steckt tot in verflüssigtem Beton.

Da die Magie die Dualität von Mann und Frau sowie Physik und Kunst braucht, erhalten Nike und die Polizei Unterstützung vom Künstler Sandor.

Nike und Sandor gaben für mich zunächst ein äußerst interessantes Ermittlerduo ab, ebenso wie mich all die Ausflüge in Politik und Baukunst des historischen Berlins fesselten. Leider trennen sich aber ab der Mitte des Buches Nikes und Sandors Wege oft und ich hatte den Eindruck, dass sich die Geschichte von da ab immer mehr auf Genderfragen und -diversitäten, vor allem rund um Nike, fokussiert. Dies war für mich nicht nur unerwartet, sondern auch etwas zu viel. Beinahe jeder deutsche Fantasyroman, den ich in letzter Zeit zur Hand genommen habe, hat dies thematisiert. Nun bin ich zwar sensibler geworden, wie man sich fühlt, wenn man ständig Sexualität vorgesetzt bekommt, die nicht der eigenen entspricht, aber ich finde als heterosexuelle Frau einfach in Fantasy, die nicht den Anspruch hat, alle Facetten des LGBTQ zu illustrieren, nun mal zwangsläufig einfach viel mehr Identifikationspunkte.

Insgesamt hat mich aber die einfallsreiche, innovative Geschichte mit tollem Setting dennoch begeistert.

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