Überzeugendes und unterhaltsames Gesamtkonzept
Krawall und KekseInhalt:
Die Protagonistin dieses Buches ist Mutter und Autorin, manchmal hat sie die Kontrolle über ihren Alltag und manchmal entgleitet ihr jegliche Ordnung. Eines ihrer Kinder hat selber mehrere imaginäre ...
Inhalt:
Die Protagonistin dieses Buches ist Mutter und Autorin, manchmal hat sie die Kontrolle über ihren Alltag und manchmal entgleitet ihr jegliche Ordnung. Eines ihrer Kinder hat selber mehrere imaginäre Kinder, ein anderes macht einen erfunden Klassenkameraden für seine eigenen Streiche verantwortlich, eines lernt gerade laufen und weitere Kinder werden im Verlauf der Geschichte geboren und in das Alltagschaos integriert.
Eine Nebenfigur in der Erzählung ist das Haus, in der die Familie wohnt. Dem Nachwort habe ich entnehmen können, dass in den Schaureromanen der Autorin ebenfalls Häuser zum Schauplatz und sogar fast zur Hauptfigur stilisiert werden, eine spannende Parallele zum anderen Genre der Autorin.
Meine Meinung:
Das Buch habe ich in einer Adventsverlosung gewonnen und darüber habe ich mich riesig gefreut, weil ich schon lange einmal ein Buch von Jackson lesen wollte. Von der ersten Seite an war ich mitten im Familienchaos angekommen und habe der Protagonistin, die - wohl absichtlich - eher eindimensional blieb gerne über die Schulter geschaut. Besonders gut gefallen hat mir, dass sehr viele äusserst turbulente Familienszenen im Buch zusammengefunden haben. Die einzelnen Kapitel wirken lose zusammenhängend und beim Lesen des Nachwortes habe ich erfahren, dass viele der Texte einzeln in Magazinen erschienen sind und dann für dieses Buch als quasi zusammenhängende Geschichte bearbeitet worden sind.
Jackson, die vor allem für ihre Schauerromane bekannt ist, hat mit ihren humorvoll-kritischen Büchern rund um Familienthemen ebenfalls einen Nerv der damaligen Zeit getroffen und tief in Themen blicken lassen, die andere Menschen nur hinter verschlossenen Türen erlebt haben.
Schreibstil und Aufbau:
Die Familienszenen haben mich in ein anderes Jahrhundert versetzt und die Rollenbilder der 1950-er ziehen sich durch das ganze Buch hindurch. Der Mann unterstützt seine - für die Zeit eher moderne und selbstständig als Schriftstellerin arbeitende - Frau zwar, zieht sich aber oft aus dem Alltagschaos zurück und bleibt während der ganzen Erzählung eher im Hintergrund. Die Protagonistin erzählt aus der Ich-Perspektive und blickt eher neutral auf ihre Kinder und ihre Rolle als Hausfrau und selbstständige Schriftstellerin, die extrem schrägen und humorvollen Szenen sowie die eher kurz gehaltenen Abschnitte haben mich aber wunderbar unterhalten.
Meine Empfehlung:
Nach den sehr unterhaltsamen und auch atmosphärischen Texten hat das Nachwort der Übersetzerin Nicole Seifert mir noch einmal eine ganz andere Perspektive auf das Buch geschenkt und dieses Gesamtkonzept hat mich begeistert und überzeugt und vor allem auf weitere Werke der Autorin neugierig gemacht.