Erschütternd, roh und lesenswert
Gott, hilf dem KindInhalt:
Als ihre Tochter Lula Ann als tiefschwarzes Baby zur Welt kommt, bröckelt die ganze Existenz von Sweetness dahin. Während Lula Anns Vater aus ihrem Leben verschwindet, lehnt Sweetness ihre Tochter ...
Inhalt:
Als ihre Tochter Lula Ann als tiefschwarzes Baby zur Welt kommt, bröckelt die ganze Existenz von Sweetness dahin. Während Lula Anns Vater aus ihrem Leben verschwindet, lehnt Sweetness ihre Tochter zuerst ab und bringt ihr danach bei, sich unterwürfig und unauffällig zu verhalten, um sich und die ganze Familie vor rassistischen Übergriffen zu schützen.
Lula Ann legt dieses Verhalten aber ab, als sie älter wird. Sie steht für sich ein, ändert ihren Namen, macht Karriere und versucht auf diese Weise, sich von Vorurteilen, alten Verletzungen und ihrer Familie zu lösen.
Meine Meinung:
Schon seit sehr langer Zeit wollte ich endlich, endlich einmal ein Buch von Toni Morrison lesen und habe mir im Mai endlich dieses Buch gekauft und innerhalb von wenigen Stunden verschlungen. Brides Geschichte (so nennt sich Lula Ann selber), hat mich erschüttert und bewegt. Bride ist in einem Umfeld von sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt aufgewachsen und hat es all diesen Umständen zum Trotz geschafft, sich ein eigenes, unabhängiges Leben aufzubauen. Dies hat mich fasziniert und zugleich war ich tief berührt von der Kehrseite dieser Erfolgsgeschichte: Bride hat kaum mehr Kontakt zu ihrer Familie, kämpft immer noch gegen Vorurteile an und ist nach wie vor nicht sicher vor Angriffen. Auch hat mich die in die Geschichte integrierte Liebesgeschichte, die so roh und echt ist, wirklich überzeugt. Wer grosse romantische Gesten oder gar Kitsch sucht, ist mit diesem Buch definitiv falsch beraten und genau deshalb wirkt es so besonders realistisch.
Sprache:
Mit einer packenden Sprache, die manchmal nüchtern von Gewalt und Missbrauch erzählt und dann wieder die schönsten sprachlichen Bilder malt, schildert Toni Morrison die Stärke und Verletzlichkeit ihrer Figuren. Sie schreibt von Liebe und Schmerz, Verletzungen, Enttäuschungen, Schuld und Vergebung und davon, was es heisst, geliebte Menschen zu verlieren. Diese Schilderungen haben mich berührt und erschüttert und trotzdem atemlos eine Seite nach der anderen umblättern lassen.
Meine Empfehlung:
"Gott, hilf dem Kind" macht auf Missstände aufmerksam und obwohl sich die Zeiten zum Glück mittlerweile wenigstens teilweise geändert haben, so sind immer noch viel zu viele (schwarze) Menschen von Rassismus betroffen und strukturell benachteiligt. Nur, wenn wir uns konsequent antirassistisch positionieren und verhalten, können wir selber etwas beitragen und die Welt ein kleines Stück besser machen. Lest deshalb dieses Buch. Und auch, weil es einfach grandios geschrieben ist.