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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.02.2026

Jahreshighlight!

Hazel sagt Nein
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Die 18 -jährige Hazel zieht gemeinsam mit ihrer Familie von New York in die Kleinstadt Riverburg. Hauptgrund ist die Professur, welche ihrem Vater dort am College angeboten wird - darauf hat er schon seit ...

Die 18 -jährige Hazel zieht gemeinsam mit ihrer Familie von New York in die Kleinstadt Riverburg. Hauptgrund ist die Professur, welche ihrem Vater dort am College angeboten wird - darauf hat er schon seit Jahren gewartet. Hazel muss daher ihr Abschlussjahr an einer neuen Highschool absolvieren. Zusätzlich zur eh schon großen Umstellung wird sie direkt am ersten Tag vom Direktor in sein Büro gerufen. Ohne allzu große Umschweife eröffnet er ihr, dass er sich jedes Schuljahr eine andere Schülerin auswählt, mit der er im jeweiligen Jahr Sex haben möchte. Hazel verfällt zunächst in Schockstarre, beweist dann jedoch den Mut und sagt "Nein". Zuhause offenbart sie sich nach längerem Zögern sogar ihren Eltern, welche den Vorfall direkt melden wollen. Die darauffolgenden Ereignisse erinnern an Domino-Steine, welche nach dem ersten Schwung nicht mehr zu bremsen sind. Denn der Direktor von Hazels Highschool ist sehr beliebt in Riverburg, sodass viele der Einwohner auf seiner Seite stehen und das junge, zugezogene Mädchen als Unruhestifterin sehen. Doch nicht nur für Hazel verändert sich auf einmal viel: auch ihre Eltern und ihr kleiner Bruder haben mit mehr Folgen zu kämpfen als geahnt…



Mir fiel der Einstieg in den Roman von Jessica Berger Gross direkt sehr leicht. Sie hat einen sehr bildlichen und zugleich tief in die Charakter und Gefühlswelten der Figuren eindringenden Schreibstil. Super gefiel mir auch, dass man nicht ausschließlich viel über Hazel und ihre Gefühle erfährt, sondern zu allen Familienmitgliedern. Dies unterstreicht nochmal besonders, was für enorme und vielfältige Auswirkungen die Ablehnung und die Öffentlichmachung des unmoralischen Angebotes des Direktors hat. Mein Lieblingscharakter war definitiv Hazels kleiner Bruder Wolf. Er legt innerhalb des Romans eine in meinen Augen unglaubliche Entwicklung hin und ich konnte verschiedenste Emotionen, von großer Freude bis tiefem Schmerz und Zerrissenheit, mit ihm mitfühlen. Hazel selbst ist natürlich ebenfalls eine sehr starke Protagonistin, welche für sich aber insbesondere auch für ihre Familie aber auch ihr Umfeld einsteht.

Ich empfehle das Buch in jedem Fall weiter und würde es sogar zu meinen Lese-Highlights 2025 zählen.

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Ein Amerikaner stolpert ins Abenteuer...

Prince of Germany
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.„Prince of Germany – Die Abenteuer eines ahnungslosen Amerikaners“ ist ein warmherziges, humorvolles und überraschend tiefgründiges Memoir des US-amerikanischen Musikers Jordan Prince. Was als Sammlung ...

.„Prince of Germany – Die Abenteuer eines ahnungslosen Amerikaners“ ist ein warmherziges, humorvolles und überraschend tiefgründiges Memoir des US-amerikanischen Musikers Jordan Prince. Was als Sammlung amüsanter Anekdoten eines Auswanderers beginnt, entwickelt sich zu einer berührenden Reflexion über Identität, Kultur und das Gefühl, irgendwo neu anzufangen.

Prince beschreibt mit spürbarem Charme und Selbstironie, wie er als „ahnungsloser Amerikaner“ in Deutschland landet und dort nicht nur eine neue Heimat, sondern auch eine neue Perspektive findet. Seine Geschichten – mal absurd, mal emotional, mal herrlich peinlich – sind geprägt von einem warmen Blick auf die Menschen und die Eigenheiten des Alltags in Deutschland. Besonders gut gelingt ihm die Balance zwischen authentischem Kulturschock, liebevoller Beobachtung und persönlicher Reifung.

Der Schreibstil ist leicht, eingängig und sehr bildhaft. Man merkt, dass Prince eigentlich Musiker ist: Seine Sprache hat Rhythmus, seine Erzählungen leben von Gefühl und Timing. Immer wieder blitzt auch eine melancholische Tiefe auf, vor allem wenn es um Einsamkeit, Kreativität oder die Suche nach Zugehörigkeit geht.

"Prince of Germany" ist ein charmantes, witziges und ehrliches Buch über das Auswandern, das Anderssein und die unerwarteten Abenteuer, die entstehen, wenn man sich einfach traut. Für alle Fans von humorvollen Memoirs, Reisegeschichten und persönlichen Entwicklungsreisen eine klare Empfehlung.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Wissenschaft humorvoll verpackt

Aus! Die Wissenschaft vom Ende
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Das Buch hat mich schon vom Thema her sofort neugierig gemacht – das „Ende“ in all seinen Formen: das Ende des Universums, des Lebens, aber auch kleinere Enden im Alltag. Ich finde das unglaublich spannend, ...

Das Buch hat mich schon vom Thema her sofort neugierig gemacht – das „Ende“ in all seinen Formen: das Ende des Universums, des Lebens, aber auch kleinere Enden im Alltag. Ich finde das unglaublich spannend, weil es etwas ist, das uns alle betrifft, und die Science Busters schaffen es, das Ganze mit einer Mischung aus Witz und Wissen anzugehen.

Das Cover ist eher schlicht, fast schon nüchtern, aber das passt gut. Es schreit nicht nach Aufmerksamkeit, sondern wirkt sachlich und ein bisschen geheimnisvoll – so, als würde es einen still in die Tiefe ziehen. Ich mag, dass es nicht überladen ist.

Inhaltlich hat mir gefallen, wie locker das Buch geschrieben ist. Die Autorinnen nehmen sich selbst nicht zu ernst und schaffen es, auch komplexe Themen so zu erklären, dass man dranbleibt. Man merkt, dass sie aus der Kabarett-Ecke kommen – vieles liest sich fast wie ein Gespräch auf der Bühne, mit kleinen Seitenhieben und viel Humor. Das macht das Lesen angenehm leicht. Manchmal verliert sich der Text aber ein bisschen in Abschweifungen oder Wortwitz, und da hätte ich mir gewünscht, dass sie wieder klarer zum Punkt kommen.

Ich finde, der Schreibstil passt gut zum Thema, weil er eben nicht trocken ist. Trotzdem hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Tiefe gewünscht – manchmal bleibt es auf der Oberfläche, wo man sich denkt: „Das war jetzt witzig, aber ich hätte gerne noch ein bisschen mehr gewusst.“

Da es sich um ein Sachbuch handelt, gibt es keine klassischen Figuren, aber man spürt deutlich die Persönlichkeit der Autor
innen. Sie wirken echt, neugierig und sympathisch – und genau das macht das Buch glaubwürdig. Es fühlt sich an, als würde man sich mit klugen, leicht schrägen Freunden über das Ende der Welt unterhalten.

Für mich war das Buch interessant, weil es diese Mischung aus Wissenschaft, Humor und Philosophie hat. Ich mag Bücher, die mich gleichzeitig unterhalten und zum Nachdenken bringen, und das gelingt hier meistens sehr gut. Außerdem finde ich es toll, wenn Wissenschaft zugänglich gemacht wird – und genau das tun die Science Busters seit Jahren mit ihren Shows und Büchern.

Insgesamt hat mir Aus! Die Wissenschaft vom Ende gefallen, auch wenn es zwischendurch etwas unstrukturiert wirkt. Es ist kein klassisches Sachbuch, sondern eher eine humorvolle, manchmal absurde, aber immer anregende Reise durch das Thema „Ende“.

Fazit:
Ein Buch für alle, die sich für Wissenschaft interessieren, aber keine trockene Lektüre wollen. Wer Lust hat, über das große und kleine Ende im Leben nachzudenken – und dabei auch mal zu schmunzeln –, ist hier genau richtig.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Mut zur Wahrheit – Elizabeth Gilbert und die Tiefe der Selbstbefreiung

All the Way to the River
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Elizabeth Gilberts neues Werk All the Way to the River: Love, Loss and Liberation hat mich tief bewegt, weil es weit mehr ist als nur eine Erzählung über Trauer und Heilung – es ist ein schonungsloser ...

Elizabeth Gilberts neues Werk All the Way to the River: Love, Loss and Liberation hat mich tief bewegt, weil es weit mehr ist als nur eine Erzählung über Trauer und Heilung – es ist ein schonungsloser Bericht über Abhängigkeit, Liebe und die Suche nach Freiheit. Das Cover hat mich sofort angesprochen: schlicht, in dunklen Tönen gehalten, mit goldener Schrift, vermittelt es auf subtile Weise den melancholischen und zugleich hoffnungsvollen Grundton des Buches. Die Gestaltung mit kleinen Zeichnungen, Gedichtfragmenten und tagebuchartigen Notizen wirkt sehr persönlich und spiegelt die innere Zerrissenheit der Autorin eindrucksvoll wider.

Inhaltlich erzählt Gilbert von einer intensiven, aber auch zerstörerischen Beziehung, von Krankheit, Verlust und den eigenen Schattenseiten. Ohne zu viel zu verraten: Sie beschreibt, wie Liebe und Abhängigkeit ineinander übergehen können und wie schwer es ist, sich selbst inmitten dieses Chaos wiederzufinden. Besonders beeindruckt hat mich, dass sie dabei weder sich selbst noch ihre Partnerin schont. Gilbert zeigt die Widersprüche einer Beziehung, die zugleich tröstet und zerstört. Diese Ehrlichkeit macht das Buch für mich glaubwürdig und kraftvoll. Manchmal allerdings verliert sich die Erzählung etwas in spirituellen oder therapeutischen Betrachtungen, wodurch der Lesefluss leicht stockt. Dennoch ist der emotionale Gehalt so stark, dass man weiterliest, weil man spürt, dass hier jemand wirklich um Wahrheit ringt.

Ihr Schreibstil ist, wie man ihn von Gilbert kennt, sehr persönlich, fast intim. Sie schreibt nicht mit Distanz, sondern lässt den Leser an ihren innersten Gedanken teilhaben. Manche Passagen wirken fast wie ein innerer Monolog, roh und ungeschliffen, aber genau das hat mich überzeugt. Gilbert schreibt mit einem Mut, der selten ist – sie zeigt ihre Fehler, ihre Co-Abhängigkeit und ihre Versuche, sich davon zu lösen. Dadurch wird sie nicht zur Heldin, sondern zu einem zutiefst menschlichen Charakter.

Die Figuren sind authentisch, besonders die Beziehung zwischen Gilbert und ihrer Partnerin ist komplex und glaubwürdig. Die Nebenfiguren bleiben zwar etwas blass, doch das stört kaum, da der Fokus klar auf Gilberts innerem Wandel liegt. Mich persönlich hat das Buch vor allem deshalb interessiert, weil ich Gilbert schon von Eat Pray Love kannte. Dort suchte sie Erleuchtung und Selbstfindung in der äußeren Welt – hier sucht sie sie in der inneren Dunkelheit. Dieser Kontrast hat mich fasziniert und gezeigt, wie sehr sich die Autorin weiterentwickelt hat.

Insgesamt ist All the Way to the River ein intensives, emotional tiefes Buch über Verlust, Sucht und Selbstbefreiung. Es verlangt den Leser*innen einiges ab, belohnt aber mit ehrlicher Reflexion und sprachlicher Schönheit. Ich empfehle es allen, die keine seichte Lebenshilfe, sondern echte, schonungslose Auseinandersetzung mit menschlicher Zerbrechlichkeit suchen. Für Fans von Elizabeth Gilbert ist es ein Muss – und für alle anderen ein Buch, das noch lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Starke Frauen in stürmischen Zeiten – ein fiktiver Blick auf die Bonner Republik

Die Frau der Stunde
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„Die Frau der Stunde“ von Heike Specht entwirft ein überzeugendes Gedankenexperiment: Was wäre gewesen, wenn 1978 eine Frau zur Außenministerin und Vizekanzlerin in der Bonner Republik geworden wäre? Catharina ...

„Die Frau der Stunde“ von Heike Specht entwirft ein überzeugendes Gedankenexperiment: Was wäre gewesen, wenn 1978 eine Frau zur Außenministerin und Vizekanzlerin in der Bonner Republik geworden wäre? Catharina Cornelius, Politikwissenschaftlerin und erfahrene Parlamentarierin, wird durch einen politischen Skandal in diese Position gehoben – ein strategischer Schritt, ja, doch mehr als das: Ihre Autorität beruht auf Willenskraft, Fingerspitzengefühl und dem Rückhalt eines starken Netzwerks.

Die Handlung wechselt zwischen Bonn und Teheran, und genau diese Verflechtung von innerdeutscher Politik und internationalen Umbrüchen verleiht dem Roman Tiefe. Die Freundinnen Suzanne und Azadeh stehen nicht nur symbolisch, sondern real als Gegenpole und Spiegel für Catharina: Suzanne kämpft mit alltäglichen Erwartungen an Ehe, Mutterschaft und Karriere, Azadeh mit dem politischen Umbruch im Iran. Die drei Frauen verkörpern unterschiedliche Spielarten von Emanzipation und Freiheit – und die Herausforderungen, die damit verbunden sind.

Sprachlich gelingt Specht vieles: Der historische Hintergrund wird lebendig, die Atmosphäre der späten Siebzigerjahre – in Bonn wie auch in Teheran – spürt man in Mode, Musik, Medien und gesellschaftlichen Konventionen. Der Schreibstil ist flüssig, mitunter elegant und oft eindrucksvoll in politischen Szenen – etwa im Bundestag oder bei diplomatischen Begegnungen. Man spürt, wie wenig Frauen damals zugetraut wurde, und wie sehr sie mit doppelten Standards zurechtkommen müssen.

Bei allem Lob aber auch Kritikpunkte: Die Figuren, insbesondere die Nebenfiguren, sind zahlreich – nicht alle entfalten ihr Potenzial. Einige Perspektivwechsel lenken vom zentralen Strang ab, ohne dass sie immer neuen Erkenntnisgewinn bringen. Ebenso könnte man sich mehr realpolitische Tiefe wünschen: Details zu außenpolitischen Entscheidungen, Machtmechanismen und Parteistrategien bleiben manchmal eher skizzenhaft. Der Fokus liegt stark auf emotionalen und persönlichen Dimensionen, weniger auf der politischen Theorie oder Analytik. Auch endet die Erzählung abrupt; ein Epilog oder ein Blick in die Zukunft hätte das Ganze abgerundet.

Insgesamt besticht der Roman durch sein Thema, die starke weibliche Hauptfigur, seinen historischen Rahmen und die Frage nach Gleichberechtigung – und macht deutlich, wie aktuell vieles davon noch immer ist. Ein lohnender Roman für alle, die starke Charaktere, politisches Drama und ein gutes Stück feministischer Zeitgeist schätzen.

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