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Veröffentlicht am 24.08.2025

Kindgerechte Sensibilisierung für ein wichtiges Umweltthema

Der Regenbogenfisch in Gefahr
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Auf den ersten Blick gibt es ein freudiges Wiedererkennen des Regenbogenfisches. Doch auch wenn dieses Bilderbuch lustig bunt daher kommt, behandelt ein sehr ernstes Thema, über das sich selbst die meisten ...

Auf den ersten Blick gibt es ein freudiges Wiedererkennen des Regenbogenfisches. Doch auch wenn dieses Bilderbuch lustig bunt daher kommt, behandelt ein sehr ernstes Thema, über das sich selbst die meisten Erwachsenen zu wenige Gedanken machen: die Fischerei mit Schleppnetzen und die Überfischung der Meere allgemein. Deshalb sei voraus geschickt, dass diese Fischereimethode als die destruktivste gilt. Denn sie verursacht erhebliche ökologische Schäden und Zerstörung an den kostbaren Lebensräumen am Meeresboden und trägt zum Verlust der Artenvielfalt im Meer bei. Die Quoten an Beifang sind immens, Lebensräume wie Muschelbänke und Riffe können dadurch schwer beschädigt werden. Ein trauriges Erbe, das wir da unseren Kindern und Enkeln hinterlassen werden.

Doch wie und wann führt man Kinder an ein so wichtiges Thema adäquat heran, das in ihrer Zukunft immer relevanter werden wird? Schauen wir, ob es diesem Bilderbuch gelingt.
Das erste Bilderbuch um den Regenbogenfisch von Marcus Pfister erschien 1992. Wie oft habe ich das bunte schillernde Buch gemeinsam mit meinen Kindern, als sie klein waren, durchgeblättert. Dass mittlerweile im Laufe der Jahre mehrere Bände um den Regenbogenfisch dazu gekommen sind, habe ich allerdings gar nicht mehr mitbekommen.

Das Cover verrät bereits, dass die Thematik dieses Mal dramatischer ist, aber auf jeden Fall gut enden wird. Es wird klar, dass Kinder hier offen über die Probleme der Meere informiert werden sollen. Die Meereswelt ist nicht nur heiter und farbenprächtig, sondern durch Eingriffe der Menschen stark gefährdet.

Wie schon beim allerersten klassischen Regenbogenfisch-Buch überzeugt die Qualität der charaktervollen Illustrationen durch die leuchtenden bunten angenehmen Farben, die ansprechenden, niemals kitschigen Fische mit glänzenden Schuppen, die Kinder schon immer fasziniert haben. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob der Meeresboden wirklich noch so unvermüllt aussieht, wie er so schön illustriert wird.

Wir treffen den Schwarm der Regenbogenfische, die bislang noch idyllische Verhältnisse genießen konnten. Noch schwimmen sie sorglos, ahnungslos und in scheinbar intakter Umgebung. Doch es dringen bereits besorgniserregende Nachrichten herein. Zunächst werden diese vom schillernden Schwarm noch als unglaubwürdige Schreckgeschichten weggewischt. Aber die Realität der bedrohten Ökosysteme holt den Fischschwarm nur zu schnell ein.

Gemeinsam mit anderen flüchtenden Fischen werden die Regenbogenfische von einem Schleppnetz eines riesigen Fischerbootes mitgerissen. Dieses schleift am Meeresboden entlang und reißt auch Korallen und Meerespflanzen mit sich.
Kinderaugen beobachten scharf und werden beim Betrachten des Buches im Beifang auch Meeressäuger und Schildkröten entdecken.

Gut, dass der Regenbogenfisch am Ende der Geschichte mit Hilfe von Freunden im Meer einen Befreiungsplan schmieden und durchführen kann, so dass alle gefangenen Meeresbewohner dem Netz entkommen können. Puh, das war knapp!

Auch wenn es dieses Mal noch mal gut ausgegangen ist, jedoch bleibt die Gefahr nur für den Moment gebannt.
Die Thematik wird kindgerecht dargestellt. Die Kinder fiebern mit ihren Fischfreunden mit und erfassen die Dramatik der spannenden Handlung. Doch es soll ihnen keine Angst gemacht werden, sondern die Aufmerksamkeit für die Bedrohung der Meere geweckt werden. Und das gelingt hier meiner Meinung nach.

Allerdings würde ich aufgrund der ernsten Thematik und des Schreibstils das Buch für Kinder ab 5 Jahren empfehlen und nicht für Jüngere. Beim Vorlesen kann man manche Wörter und Sachverhalte mit den Fragen der Kinder erklären. Der Umfang des Textes ist für diese Altersgruppe gut überschaubar.

Die Erzählung regt zum Nachdenken an und sensibilisiert für Umweltthemen. Das begleitende Vorlesen ist hier sehr wichtig, denn die Kinder möchten sich über die Thematik mit Erwachsenen austauschen, haben Fragen und möchten Lösungen entwickeln. Die Bereitschaft des Erwachsenen sollte da vorhanden sein. Vielleicht ist dies ein Anlass, sich selber mal Gedanken über Konsumverhalten, Essgewohnheiten und Engagement zu machen.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Starke Frauencharaktere aus Nordschweden

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Kein Wunder, dass dieser Roman in Schweden ein großer Erfolg wurde, weil es der Autorin gelingt, historische und aktuelle schwedische Themen miteinander zu verknüpfen. Diese Themen sind aber nicht auf ...

Kein Wunder, dass dieser Roman in Schweden ein großer Erfolg wurde, weil es der Autorin gelingt, historische und aktuelle schwedische Themen miteinander zu verknüpfen. Diese Themen sind aber nicht auf Schweden begrenzt, sondern bewegen über Grenzen hinweg.
Der Roman erzählt über Freundschaft, Liebe und die persönliche Entwicklung zweier Frauen vor dem Hintergrund der Geschichte Nordschwedens in den letzten hundert Jahren. Zentral sind da die Rechte des indigenen Volkes der Sami („Lappen“) und Konflikte um die schwedischen Wälder, die schon länger und bis in unsere Tage ausgetragen werden.
Zwei starke Frauen verschiedener Generationen prägen jeweils einer der zwei, sich abwechselnden Zeitebenen. In beiden Fällen spielt die Handlung hauptsächlich in der Region um Djupsele, einem fiktiven Dorf in Västerbotten in Nordschweden.

Auf der Ebene der Vergangenheit beginnen wir in den 1930iger Jahren und lernen das Mädchen Siv kennen. Eigentlich träumt sie davon, die weiterführende Schule zu besuchen, um Lehrerin zu werden. Doch ihre Familie ist arm, so muss sie schließlich 17jährig anfangen zu arbeiten. Zunächst hat sie Stellungen in fremden Haushalten und dann wechselt sie auf das Betreiben ihres Vaters, eines Holzarbeiters, ziemlich unvorbereitet als Köchin in einer Waldarbeiterhütte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, ganz allein in der Waldeinsamkeit mit 10 Männern kommt sie mit den Ansprüchen dieses Jobs besser zurecht und beginnt die Eigenständigkeit zu schätzen. In dieser rauen Natur trifft sie einen jungen Rentierzüchter, einen Sami.

Der Erzählstrang der Jetztzeit beginnt 2022: Sivs Enkelin Eva ist weit in den Vierzigern, alleinerziehende Mutter eines Sohnes und arbeitet in Uppsala als PR-Beraterin für ein großes Forstunternehmen. Sie hat ihre Wurzeln und Jugend in Västerbotten verdrängt, als ihre Firma sie wegen Widerständen und Aktivistengruppen gegen ein Abholzungsprojekt genau in den Ort schickt, aus dem ihre Familie väterlicherseits stammt. „Back to the roots“ sozusagen. Die geliebten Großeltern sind zwar verstorben, aber ein geerbtes Waldstück ist ihr hier geblieben – und die Erinnerung an eine Jugendliebe. Ihre beruflichen und persönlichen Positionen geraten nun ins Wanken.

Der Wald prägt die Geschichte Västerbottens und auch die Arbeitswelt beider Frauen. Doch die historischen und heutigen Gegebenheiten haben sich stark gewandelt. Der Wald ist ein großer Teil der Geschichte Norrlands und Västerbottens und auch von Sivs und Evas Lebensgeschichte.

Die Arbeit im Wald ist in der Vorstellung harte Männerarbeit. Aber auch viele Frauen haben in den Wäldern Nordschwedens im letzten Jahrhundert gearbeitet. Als Köchinnen arbeiteten sie vier eiskalte Wintermonate in kleinen Waldhütten und versorgten jeweils zehn Waldarbeiter. Der Arbeitstag begann für die Frauen wie Siv um halb fünf: Zeit, Feuer zu machen und Wasser zu erhitzen, ein sättigendes, reichhaltiges Frühstück zuzubereiten, Mittagessen zum Mitnehmen zu richten, alles zu bieten, damit die Männer die anstrengende Arbeit im Wald bewältigen können. Diese Köchinnen erlebten Wertschätzung, hatten es gut getroffen und erhielten guten Lohn. Das schätzt auch Siv. Wir erleben, wie sie an dieser Aufgabe wächst und die selbstständige Arbeit in der Natur lieben lernt.

Evas Blick auf den Wald ist eher pragmatisch, distanziert und von Regelungen und Bürokratie geprägt. Das Arbeitsleben von Siv und Eva ist inspiriert von der eigenen Familiengeschichte der Autorin Ulrika Lagerlöf. Auch ihre Großmutter arbeitete als Köchin in einer Waldhütte. Selber kann die Autorin auch ihre eigene Berufserfahrung in der Unternehmenskommunikation für die Forstwirtschaft einbringen.

Der forstwirtschaftliche Hintergrund des 2022-Zeitstrangs ist hochaktuell. Denn die Waldflächen Schwedens werden von der schwedischen Forstwirtschaft im Kahlschlag bewirtschaftet. Wir erleben, wie vor allem mit intensiven, billigen und schnellen Prozessen und mit minimaler Rücksicht auf die Belange der Natur gearbeitet wird. Auch Naturwälder mit geschützten und gefährdeten Arten werden abgeholzt. Dabei werden wichtige Rentierweidegebiete zerstört.

Spannend ist, wie die Frauen involviert sind in die Konfliktsituation zwischen den Rentierzüchtern, der Sami und den schwedischen Siedlern, die hinzukamen, sich immer mehr ausbreiteten und in Konkurrenz zu den Weidegebieten der Rentierzüchter traten.
Berührt wird damit die Geschichte des indigenen skandinavischen Volkes der Sami (früher „Lappen“). An dem Charakter des Waldsami Nila werden wir an die Zurückdrängung der Sami und deren Kultur über Jahrhunderte hinweg erinnert.

Noch im Zeitstrang des Jahres 1938 erleben die Sami Schikanen durch den Staat und die schwedische Bevölkerung, Diskriminierung und Entrechtung. Raumgreifende Neusiedlungen, die Suche nach Bodenschätzen und die extremer werdende Waldbewirtschaftung machen ihnen die Weideflächen der Rentiere streitig. Auch die Folgen des Sozialdarwinismus tönen an, der häufig als Grundlage von Rassentheorien diente und dementsprechend negativ für indigene Völker ausgelegt wurde.

Wir erleben, dass Protagonisten den Sami respektlos oder auch voller Verachtung begegnen.
Man merkt, wie gut und persönlich die Kenntnisse der Autorin über das Land und die unterschiedlichen Interessen, heute wie früher sind. Sie weiß ihre Leser*innen durch ihren Erzählstil wunderbar ins Geschehen hineinzuziehen.

Die beiden Frauencharaktere, ihre Konflikte, Widersprüche und Entwicklungen werden sehr intensiv und authentisch dargestellt. Neben ihnen treten auch Nebencharaktere der älteren und jüngeren Generationen auf. Nicht ganz so gut kommen die jugendlichen Aktivisten und Influencer weg, die auf nicht ganz legalen Wegen gegen die Abholzungen angehen.
Am Ende des Buches findet man ein historisches Foto einer Waldköchin wie Siv im Kreise ihrer Waldarbeiter. Ein Foto, das eigentlich perfekt auf das Cover gepasst hätte. Das Cover und der deutsche Titel lassen leider eher an einen Trivialroman denken. Das ist schade, denn der Roman enthält viel mehr.

Übrigens: dieser Roman ist der erste Teil einer Reihe, die in der schwedischen Ausgabe „Timmerfolk“ (zu deutsch Holzleute) betitelt wird. Im nächsten Mai erscheint der zweite Teil. Auf den freue ich mich sehr. Schön ist, dass der erste Teil einen sehr zufriedenstellenden Abschluss ohne quälenden Cliffhanger hat. Denn neugierig, wie es nun mit den Protagonisten weitergeht, ist man auf jeden Fall.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Literarische Kostehäppchen

Die Geschichte des Klangs
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Es ist schon länger her, dass ich leidenschaftlich gerne Kurzgeschichten gelesen habe. Vor allem die angelsächsischen Short Stories haben es mir seit meiner Schulzeit angetan. Deshalb habe ich mich auf ...

Es ist schon länger her, dass ich leidenschaftlich gerne Kurzgeschichten gelesen habe. Vor allem die angelsächsischen Short Stories haben es mir seit meiner Schulzeit angetan. Deshalb habe ich mich auf diese Sammlung gefreut, denn genau in diese Tradition tritt Ben Shattuck hier ein. Er verortet seine Geschichten in die amerikanischen Neuenglandstaaten.
Das Coverfoto der beiden jungen Männer hat einen nostalgischen Touch. Das passt zu der einleitenden und titelgebenden Geschichte, die uns auch in das Jahr 1917 führt.

Etwas verwundert war ich über den recht schmalen Umfang des Buches, nur zwei Geschichten auf 104 Seiten! Die englische Originalausgabe „ The History of Sound“ enthält insgesamt zwölf (!) Short Stories auf 308 Seiten. Ich frage mich, warum davon nur zwei Kurzgeschichten ins Deutsche übersetzt wurden? Das ist eigentlich schade, denn deren Qualität ist hoch. Und bei dem Preis des Buches hätte ich auch gerne die anderen Geschichten der englischen Ausgabe genossen.

Verbunden sind diese beiden Short Stories durch ein zartes, empathisches Band. Die Protagonist*innen der beiden Stories kennen sich nicht persönlich. Aber das Mitfühlen der Protagonistin Annie der zweiten Geschichte und ihr Eingreifen, lässt die Einsichten der ersten Geschichte erst möglich werden. Auf diese Weise sind alle Originalgeschichten verwoben, was sie mich in dieser reduzierten Ausgabe noch mehr vermissen lässt.

Die erste Kurzgeschichte des Sammelbandes „Die Geschichte des Klangs“ enthält so viel Potential, dass sie in diesem Jahre unter der Regie von Oliver Hermanus verfilmt worden ist. Sie erzählt im Rückblick die Beziehung zwischen den jungen Studenten des Bostoner Musikkonservatoriums David und Lionel. Beide lernen sich 1917 kennen und finden nach dem ersten Weltkrieg wieder zusammen, um gemeinsam für eine kurze Zeit Folk Songs im ländlichen Maine auf Phonographen aufzunehmen.

Dass Lionel im hohen Alter noch einmal diese intensive gemeinsame Zeit mit David und sein Leben insgesamt rekapitulieren kann, verdankt er einem Charakter der zweiten Geschichte. Annie steht altersmäßig noch mitten in ihrem Leben und an einem entscheidenden Wendepunkt. Ihr gelingt es in einem Moment der Empathie und des Ahnens von Zusammenhängen, einen zarten emotionalen Faden zum unbekannten Lionel zu knüpfen.
Beide Geschichten vermitteln ein Gefühl der Melancholie und werden wunderbar poetisch und einfühlsam erzählt. Der Schreibstil ist ein Genuss. Die Verbindung der Menschen durch Zeit und Raum scheint ein besonderes Thema der Stories zu sein. Um das zu beurteilen, müsste aber die komplette Reihe vorliegen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Short Stories sind wirklich kleine Edelsteine, die aus der Kette herausgefallen zu sein scheinen. Der Verlag sollte sich nicht scheuen, die Geschichte als Einheit komplett übersetzen zu lassen. So bleibt mir nur das Gefühl, ein Appetithäppchen serviert bekommen zu haben. Köstlich – aber wo bleibt der Rest?

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Spürnase im Unruhestand

Detektiv Stanley und das Geheimnis im Museum
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Was für eine herzige und spannende Hommage an Sherlock Holmes und den Maler Piet Mondrian. Ein bisschen fühlte ich mich an Tim und Struppis Detektivgeschichten erinnert. Allerdings haben hier ausschließlich ...

Was für eine herzige und spannende Hommage an Sherlock Holmes und den Maler Piet Mondrian. Ein bisschen fühlte ich mich an Tim und Struppis Detektivgeschichten erinnert. Allerdings haben hier ausschließlich vierbeinige Charaktere den Plot in der Pfote.

Die Geschichte startet an einem klaren Morgen in der Stadt Narlybone. Auf der Dachterrasse frühstücken die frühen Vögel gerade ihre Würmer, während wir Detektiv Stanley durchs Fenster noch schlummernd entdecken. Schließlich ist dies sein erster Tag im Ruhestand. Gestern erst wurde er bei der Kriminalpolizei mit einer Party verabschiedet. Doch das gemütliche Frühstück mit der Pfannkuchentorte wird jäh unterbrochen. Denn da saust mit der Zeitung ein Brief durch den Briefschlitz. Ins Kunstmuseum wurde eingebrochen und die Leiterin lädt Stanley zur Untersuchung ein. Nein, eine Vollblutspürnase kann da nicht widerstehen, Ruhestand hin, Pfannkuchen her.

Dabei möchte man als Leserin lieber noch ein wenig in seiner coolen Stadtvilla verweilen. Es macht so Spaß die faszinierenden und lustigen Details in den Illustrationen zu entdecken. Ich liebe besonders die Gegenstände auf Stanleys Küchenregal.

Auf Detektiv Stanley warten ein mysteriöser Einbruch bei dem scheinbar nichts gestohlen wurde und ein Charakter, der nicht ist, was er scheint. Nach einigen sehr überraschenden Wendungen, einem gut geführter Spannungsbogen und dem Ansprechen aller Sinne mündet die Geschichte in ein sehr zufriedenstellendes Ende.

Als ich die Geschichte einem jüngeren Kind (4 ½ Jahre alt) vorgelesen hatte, sind wir rückwärts durch die Seiten gegangen und haben freudig die Hinweise nachträglich entdeckt. Die Zielgruppe von Lesern ab 6 Jahren wird das Geheimnis vielleicht schon gemeinsam mit Stanley lösen, wenn sie die kleinen Hinweise in den Illustrationen verfolgen. Kinder lieben doch Geheimnisse, erstaunliche Wendungen und mysteriöse Rätsel.

Stanley ist ein Sherlock Holmes in Hundeform, komplett mit seinem britischen karierten Cape und dem typischen Sherlock-Hut. Er ist ein unerschrockener schlappohriger Hund mit ausdrucksvollen Augen, der alleine lebt und total in seinem Job aufgeht. Diese Spürnase gebraucht still und bedächtig seine Fähigkeiten der Beobachtung mit allen Sinnen, um Hinweise zu sammeln. So wird die Spannung bis zum Höhepunkt gesteigert, der Szene, in der Stanley in klassischer Manier elegant alles zusammenführt. Hier merkt man, dass man Stanley nicht unterschätzen darf, denn ihm entgeht kein Detail und über künstlerische Prozesse weiß er auch Bescheid.

Auch die anderen Charaktere sind Tiere: der neidische Kriminalkommissar Shiro (ein Rhinozeros), die scheinbar ratlose Museumsdirektorin Janet (ein Leopard) und einige weitere. Ein spezieller Charakter, der gar nicht persönlich erscheint ist „Zieg Mondrian“, dessen Gemälde gerade in dem Kunstmuseum ausgestellt werden und dessen bedeutendstes Werk eine wichtige Rolle spielt. Natürlich stand hierbei der Maler Piet Mondrian Pate als Inspiration. Die Illustratorin Erica Harrison fängt Mondrians Werk sehr speziell an vielen Stellen in ihren Illustrationen ein. Versteckte Hinweise auf Mondrian sind in den Plot eingebaut. Ja, er bekommt sogar Extraseiten am Ende, so dass die junge Leserschaft kindgerecht mehr von ihm erfahren kann.

Die Zeichnungen mit klaren Linien und unschattierten Farbflächen spiegeln auch ein bisschen die flächigen dynamischen Farben in Mondrians Werk wieder. Die Illustrationen liefern mit ihren lustigen Details der Handlung eine sehr lebendige, humorvolle und persönliche Kulisse.
Die Texte sind kurz gehalten und groß gedruckt. Sie sind sozusagen eine Graphic novel für Anfänger. Das Cover finde ich smart, denn die Kids können schon alle Elemente der Geschichte auf einen Blick erfassen.

Die Geschichte eignet sich für frühe Leser
innen, die Graphic novels, Comics oder illustrierte Geschichten mögen. Bei Vorlesen für Jüngere merkte ich, dass es eine feine Überleitung vom Bilderbuch darstellt.

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Veröffentlicht am 11.07.2025

Ein Frauenleben in einem Tag erzählt

Die Frau des Farmers
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RebanksUps, dachte ich zunächst. Wer definiert sich denn da im Titel als “die Frau von…“ ? Ist das noch zeitgemäß?

Tatsächlich ist so manchem vielleicht der Ehemann der Autorin - James Rebanks – eher ...

RebanksUps, dachte ich zunächst. Wer definiert sich denn da im Titel als “die Frau von…“ ? Ist das noch zeitgemäß?

Tatsächlich ist so manchem vielleicht der Ehemann der Autorin - James Rebanks – eher ein Begriff. Seine Bücher über das Leben auf einer Farm im nordenglischen Lake District („Mein Leben als Schäfer“, „Mein englisches Bauernleben: Die Farm meiner Familie und das Verschwinden einer alten Welt“) sind zu Bestsellern geworden. James Rebanks Wurzeln in der bergigen Landschaft sind tief, seine Vorfahren wirtschaften hier seit sechs Jahrhunderten. Braucht es da noch ein Buch seiner Frau?

Helen Rebanks ist selber auf einer Farm in Lake District aufgewachsen, plant für sich in Kindheit und Jugend aber nie das bäuerliche Leben. Der Teenager Helen empfindet eher Mitleid für ihre abgearbeiteten weiblichen Großfamilienmitglieder, die nichts von der Welt gesehen haben. Obwohl sie nie so werden wollte, heiratet sie später in eine Nachbarfarm ein und findet ganz bewusst in Haushalt und Familie ihren Lebensmittelpunkt.

In ihrem „Memoir“ verwebt Helen Rebanks Vergangenheit und Gegenwart miteinander. Indem sie persönliche Rückerinnerungen in ihre Schilderung eines typischen gegenwärtigen Arbeitstages als Mutter und Landfrau auf einer arbeitsintensiven Farm einbaut, teilt sie mit uns die Tage, die sie geformt haben und immer noch prägen.
Auch wenn die Geschichte mit dem Hahnenschrei am frühen Morgen einsetzt, erwarten uns keine kurzweiligen, lustigen Farm- oder Tiergeschichten. Wir begleiten Helens Tagesablauf vom Aufstehen im Morgengrauen an, in dem sie die Care-Arbeit für die sechsköpfige Familie leistet, und nebenher immer wieder Arbeit vom Hof anfällt, wo sechs Hütehunde, zwei Ponies, 25 Hühner, 50 Galloway Rinder und 500 Schafe leben. Sie muss bei Lämmergeburten assistieren, selbst bei jedem Wetter ein Quad im rauen Gelände fahren, ein nahrhaftes Essen kochen, hoffen, dass der Generator auch bei Schneesturm anspringt, denn die Farm ist nicht ans öffentliche Stromnetz angebunden.

Das Leben in all seiner ungefilterten Fülle strömt uns entgegen mit Entwicklungs- und Familiengeschichten, Studium in Oxford, Geburten, Behördenkram, Bauarbeiten, Rezepten für gutes Essen, Lebensplänen.
Die immer wieder eingefügten reichhaltigen Landrezepte zeigen, dass Helen leidenschaftliche Köchin ist. Sie hat schon als Teenager damit begonnen, selber zu organisieren, Verantwortung zu übernehmen und für ihre eigene Familie zu kochen. Zwar betrieb ihre Mutter auf der Familienfarm ein Bed&Breakfast, Helen empfand deren Versorgung der eigenen Familie aber eher als nachlässig.

Sehr entschieden steht sie heute für die Verwendung von regionalen und saisonalen Produkten ein. Engagiert vermittelt sie, wie wichtig es ist, die Erzeuger guter regionaler, qualitativ hochwertiger, gesunder Lebensmittel von regenerativen Farmen zu unterstützen.
Die vielen Rezepte, die das Buch durchziehen, sollen Inspirationen vermitteln, selber Mahlzeiten zuzubereiten. Sie dienen Helen Rebanks aber auch als Anstoß für spezielle Episoden, von denen sie erzählt.

Die Autorin steht leidenschaftlich hinter dem Farmleben, das sie mit ihrem Mann lebt. Doch im Lauf ihres Lebens hat Helen immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ihr Wunsch Ehefrau, Mutter, und Farmfrau zu sein, abfällige oder negative Reaktionen hervorgerufen hat. So schwingt in dem Buch auch immer wieder der Wunsch mit, das Leben, das sie gewählt hat, zu verteidigen. Die fehlende Wertschätzung dieser Arbeit schmerzt sie am meisten.
Was Helen Rebanks darstellt, ist die harte, anspruchsvolle Arbeit der Frauen die schon immer die Grundlage der englischen Farmen darstellt. “Die Frau des Farmers” ist eigentlich eine notwendige Ergänzung der meist unsichtbaren Arbeit, die die Frauen auf dem Land bewerkstelligen, damit die Landwirtschaft läuft.

Man wird daran erinnert, dass Zufriedenheit und Freude eben nicht in den großen Momenten und Höhepunkten des Lebens liegen, sondern in den einfachen Pflichten und Routinen des Alltags, wenn man ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenkt.
Helen Rebanks Lebensentwurf mag manchen Frauen vielleicht überholt oder provinziell vorkommen. Aber wir sollten akzeptieren, dass die Lebensziele eben unterschiedlich sind und in ihrer Verschiedenartigkeit respektiert werden sollten.
Care-Arbeit gerade von Frauen wird in unserer Gesellschaft zu gering (oder gar nicht) bezahlt, wertgeschätzt und in ihrer enormen Bedeutung unterschätzt.

Ihrem Buch hat die Autorin ein Epigraph vorangestellt. In diesem Zitat aus dem Roman „Middlemarch“ erinnert George Eliot (1819–1880) daran, dass das „Wohl der Welt zum Teil von unhistorischen Taten“ abhängt, von Menschen, die ein „redliches Leben im Verborgenen“ führen. Das klingt zwar etwas hochgegriffen, verweist jedoch auf die damalige Wertschätzung alltäglicher Arbeit, die heutzutage ziemlich verloren gegangen ist.
Da Rebanks einen sehr angenehmen Schreibstil hat, bin ich sehr gern in das Erzählte eingetaucht. Leider geht sie erst im letzten Teil mehr auf die Arbeit auf ihrer Farm und bestimmte Grundlagen der regenerativen Landwirtschaft ein. Davon hätte ich gern mehr gehabt.

Mich haben die eingestreuten Rezepte gelegentlich im Lesefluss gestört. Ich hätte es angenehmer gefunden, wenn sie zu der Rezeptsammlung am Ende des Buches hinzugefügt worden wären.
Die zarten gezeichneten Illustrationen von Eleanor Crow fügten sich atmosphärisch gut ein. Besonders angetan hat es mir das Cover, das mich gleich in diese karge Hügellandschaft versetzt hat.

Zurück zu meiner Frage ganz am Anfang: braucht es noch ein Buch der „Frau des Farmers“? Mir gefiel das sehr ehrliche Porträt des ländlichen Lebens, die authentische Gegenüberstellung der harten Arbeit mit dem Glück, Kinder großzuziehen und eine Familie zu führen. Diese Care-Arbeit der Frau ist oft viel zu wenig sichtbar, unterschätzt und abgewertet. Wir müssen wieder mehr Respekt und Wertschätzung gegenüber den Sorge- und Care-Arbeit haben. Von da her ist es eine wichtige Ergänzung.

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