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Schlaflos

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.10.2017

Düstere Geschehnisse am Brenner

Nachts am Brenner
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Zur Leseerfahrung
In diesen Krimi wurde so ziemlich alles reingepackt, was man sich vorstellen kann: Wir bekommen es mit einem grausamen Mord zu tun mit Verbindung zu Grauners Vergangenheit, aber auch ...

Zur Leseerfahrung
In diesen Krimi wurde so ziemlich alles reingepackt, was man sich vorstellen kann: Wir bekommen es mit einem grausamen Mord zu tun mit Verbindung zu Grauners Vergangenheit, aber auch Schmuggel, Drogen, Flüchtlinge und deutsche Vergangenheit sucht man nicht vergebens. Die einzelnen Aspekte für sich fand ich sehr spannend, allerdings zu viel für einen einzigen Band. Dadurch wurden sie alle nur kurz am Rand angerissen und wirkten teilweise etwas zu konstruiert.
Die Charaktere sind eine Stärke von Lenz Koppelstätter. Besonders den Commissario Grauner schließt man mit seinen Ecken und Kanten schnell ins Herz. Was bei diesem Fall etwas schade ist, dass die Protagonisten größtenteils auf eigene Faust handeln. Ich hätte mich über mehr Zusammenarbeit von Grauner mit seinem neapolitanischen Kollege Saltepete und der Sekretärin Tappeiner gefreut, weil die Charaktere sehr unterschiedlich sind. Bei einer Zusammenarbeit wäre das sicher interessant geworden.
Die Krimis des KiWi-Verlags mag ich besonders aufgrund der atmosphärischen Lokalitäten sehr gerne. Auch bei diesem Band wurde ich in dieser Hinsicht nicht enttäuscht: Koppelstätter versteht es, eine düstere, unheimliche Stimmung entstehen zu lassen, in der die Nacht noch ein bisschen schwärzer erscheint.

Zum Fazit
Dieser Krimi hatte großes Potenzial, welches leider nicht gänzlich ausgeschöpft wurde. Trotzdem freue ich mich auf den vierten Band, der durch einen geschickten Cliffhanger im Epilog versprochen wurde.

Zu den Eckdaten
Titel: Nachts am Brenner
Autor: Lenz Koppelstätter
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3462050080
Seiten: 325
Preis: 9,99 €

Veröffentlicht am 17.06.2017

Was wäre wenn...?

Der Brief
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Zum Inhalt
Marie ist glücklich mit ihrem Leben: Sie führt eine erfolgreiche Beziehung mit ihrer großen Liebe Johanna, kann sich mit ihrem Job als Journalisten gut über Wasser halten und ist rundum zufrieden. ...

Zum Inhalt
Marie ist glücklich mit ihrem Leben: Sie führt eine erfolgreiche Beziehung mit ihrer großen Liebe Johanna, kann sich mit ihrem Job als Journalisten gut über Wasser halten und ist rundum zufrieden.
Diese Situation ändert sich allerdings schlagartig, als sie einen äußerst verstörenden Brief erhält. Adressiert an Marie Kluge, jedoch mit einer Pariser Adresse; versendet von Christine Hausmann –einer Schulfreundin – ebenso mit falscher Adresse. Weitaus verwirrender ist jedoch der Inhalt des Briefes. Es ist die Rede von einem Viktor, mit dem Marie anscheinend glücklich zusammenlebt und Christine erzählt von einem Kind, das nie das Licht der Welt erblicken durfte.
Auf der Suche nach der Wahrheit gerät nicht nur Maries Leben durcheinander, besonders ihre alte Freundin Christine ist sehr getroffen von dem Brief. Als es nicht bei einem Brief bleibt, beschließt Marie, dem Rätsel in Paris nachzugehen – dort, wo sie ja laut Adressat ist. Nun trifft sie auf ein Leben, welches ihr im gleichen Moment unendlich vertraut ist, obwohl es doch völlig fremd sein sollte.

Zur Leseerfahrung
Die gut 200 Seiten habe ich an einem gemütlichen Wochenende im Liegestuhl verschlungen. Die Story fesselt die Aufmerksamkeit des Lesers, der unbedingt verstehen will, was da vor sich geht. Das Erzähltempo empfand ich sehr angenehm, auf langatmige Passagen wurde verzichtet, vielmehr wird die Geschichte temporeich erzählt, ohne dabei hektisch zu wirken. Das Personal ist authentisch und liebenswürdig, der Leser kann so gut mit den Charakteren mitfühlen, miträtseln und mitleiden.
Ein großer Schwachpunkt ist jedoch in meinen Augen das Ende. Ich habe auf eine einfach Erklärung gehofft, die alles auflöst und begreiflich macht. Jedoch sollte man bei diesem Buch keine logische Erklärung erwarten, diese ist schlichtweg nicht vorhanden. Man sollte dieses Buch eher von der philosophischen Sichtweise betrachten und darauf Rückschlüsse auf sein eigenes Leben ziehen.
Dadurch dass ich jedoch die Erwartungshaltung hatte, dass am Schluss alles erklärlich und logisch ist, hatte ich das Gefühl ein wenig in der Luft zu hängen und schloss das Buch nach der letzten Seite etwas enttäuscht.

Zum Fazit
Eine gefühlvolle Geschichte, die weniger erklärbar ist, sondern vielmehr philosophisch hinterfragt werden sollte. Das Buch kann in Kurzform mit diesen Worten beschrieben werden: „Was wäre wenn…“

Zu den Eckdaten
Titel: Der Brief
Autor: Carolin Hagebölling
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3423261463
Seiten: 219
Preis: 14,90 €

Veröffentlicht am 05.05.2017

Facettenreiche Familiengeschichte

Die zwei Leben der Florence Grace
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Zum Inhalt
Die Geschichte dreht sich anfangs um das lebenslustige Mädchen Florrie Buckley. Sie wächst in Cornwall mit ihrem Vater und ihrer Großmutter auf, fühlt sich im Moor zuhause und kann sich nicht ...

Zum Inhalt
Die Geschichte dreht sich anfangs um das lebenslustige Mädchen Florrie Buckley. Sie wächst in Cornwall mit ihrem Vater und ihrer Großmutter auf, fühlt sich im Moor zuhause und kann sich nicht vorstellen, ihr Leben an einem anderen Ort zu führen. Nachdem sie jedoch ihren geliebten Dad verlor und auch ihre Großmutter krank wird, erfährt sie, dass ihre Mutter aus einer wohlhabenden Londoner Familie stammt. Die Großmutter, die ihre Enkelin in guten Händen wissen möchte, fädelt es ein, dass Florrie nach ihrem Tod nach London gehen kann und in der Familie ihrer Mutter aufgenommen wird.
Von da an beginnt das zweite Leben, in dem aus Florrie Buckley die wohlerzogene Florence Grace werden soll. Florrie kämpft nun mit dem Eingesperrtsein in der Stadt, anständigen Manieren und verwirrenden Gefühlen. Der größtenteils gefühlskalte Empfang in der Familie macht ihr zu schaffen und die neue Welt stellt sie auf die Probe. Lichtblicke in ihrem Leben sind der Kontakt zu ihren Cousins Sanderson und Turlington, denn Turlington hat schon in ihrem früheren Leben einen aufregenden Part eingenommen, welcher in London nochmals viel intensiver wird.

Zur Leseerfahrung
Obwohl mir das Buch an manchen Stellen ein bisschen langatmig vorkam, war ich relativ schnell durch damit. Die Geschichte nimmt den Leser gefangen, nimmt ihn mit in diese Zeit und lässt ihn erst wieder los, wenn das Buch wieder aus der Hand gelegt wird.

Zum Fazit
Ergreifende Familiengeschichte mit vielen Facetten, die den Leser in eine andere Zeit entführt.

Zu den Eckdaten
Titel: Die zwei Leben der Florence Grace
Autor: Tracy Rees
Verlag: List
ISBN: 9783471351567
Seiten: 462
Preis: 14,99 €

Veröffentlicht am 02.04.2017

Die vielschichtige Geschichte eines Gemäldes

Das letzte Bild der Sara de Vos
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Zum Inhalt
Passend zum Titel beginnt der Roman mit einer Beschreibung des Bildes ‚Am Saum eines Waldes‘ der Malerin Sara de Vos, die im 17. Jahrhundert in den Niederlanden gelebt hat. Sie wurde für das ...

Zum Inhalt
Passend zum Titel beginnt der Roman mit einer Beschreibung des Bildes ‚Am Saum eines Waldes‘ der Malerin Sara de Vos, die im 17. Jahrhundert in den Niederlanden gelebt hat. Sie wurde für das Malen von Stillleben ausgebildet und war die erste Frau in der Haarlemer Lukas-Gilde. Obwohl ein Gemälde meist seinen Zauber durch das Betrachten erhält, konnte ich mich sofort für das Bild begeistern. Die Beschreibung ist so lebendig, sodass ich das Bild vor meinem inneren Auge Pinselstrich für Pinselstrich sehen konnte.
Viele Jahre später, Mitte des 20. Jahrhunderts, hängt dieses Bild über dem Ehebett des Patentanwaltes Marty de Groot und seiner Frau. Das Gemälde ist schon seit vielen Jahren im Besitz der Familie de Groot und stellt für Marty eher eine Bürde dar. Er gibt ihm die Schuld für alles Unglück, das seitdem der Familie geschehen ist. Aber dennoch hebt er seinen Blick des Öfteren zur gemalten Szenerie und versinkt darin. Entsprechend erschrocken ist er darüber, als er erst ein halbes Jahr später feststellt, dass er nicht auf ein holländisches Gemälde aus dem 17. Jahrhundert blickt, sondern auf eine geschickt gefertigte Fälschung. Der Gedanke, dass jemand dreist in sein Schlafzimmer marschiert ist und ein Gemälde vom Ehebett weg entwendet und ausgetauscht hat lässt ihm keine Ruhe. Daher lässt er Nachforschungen anstellen.
Nun treffen wir auf die australische Kunst-Doktorandin Ellie Shipley. Als ein Bekannter sie bittet, eine Kopie des Gemäldes ‚Am Saum eines Waldes‘ anzufertigen, reizt sie die Schwierigkeit, das Verbotene. Sie macht sich ans Werk und fertigt eine meisterhafte Fälschung.

Nun ist es an dem Leser, diese losen Fäden zusammenzuführen und in die Geschichten der einzelnen Protagonisten einzutauchen.

Zur Leseerfahrung
Schon als ich das Buch das erste Mal in die Hand genommen habe, war ich hin und weg. Man möchte den rauen Stoff zur Seite ziehen, um das glatte Gemälde darunter zu betrachten. Diese Gestaltung passt wunderbar zur Geschichte, die mich schon nach wenigen Sätzen gefesselt hat. Die Handlung ist vielschichtig, spielt in verschiedenen Jahrhunderten, stellt immer wieder eine andere Person in den Vordergrund und wechselt den Handlungsort. Trotz dieser vielen Facetten kann der Leser dem Geschehen ohne Probleme folgen, da jede einzelne Szene gut von den anderen zu unterscheiden ist.
Mich hat an diesem Buch auch sehr gereizt, in die Welt der Malerin einzutauchen. Bisher wusste ich nichts über die Malerei im 17. Jahrhundert, erst recht nichts über holländische Malerei. Diesen Exkurs fand ich sehr spannend, weil das Buch auch absoluten Laien wie mir nicht zu viel zumutet und man trotzdem das Gefühl hat, was dabei gelernt zu haben.

Zum Fazit
Ein Buch wie ein Gemälde: vielschichtig, farbenfroh und faszinierend.

Zu den Eckdaten
Titel: Das letzte Bild der Sara de Vos
Autor: Dominic Smith
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3550081873
Seiten: 345
Preis: 20,00 €

Veröffentlicht am 15.03.2017

Familiengeschichte mit süßen und sauren Überraschungen

Das Brombeerzimmer
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Zum Inhalt
Die Handlung setzt nach dem Tod von Noras geliebtem Ehemann Julian ein. Sie weiß, dass das Leben weiter geht und tingelt zwischen ihrem Job als Ernährungswissenschaftlerin und ihrer Leidenschaft: ...

Zum Inhalt
Die Handlung setzt nach dem Tod von Noras geliebtem Ehemann Julian ein. Sie weiß, dass das Leben weiter geht und tingelt zwischen ihrem Job als Ernährungswissenschaftlerin und ihrer Leidenschaft: dem Marmelade zubereiten. Für die schweren Stunden, in denen sie die Trauer um Julian zu übermannen scheint, stehen Mama und die beste Freundin bereit. Sie meistert ihren Alltag, ohne jedoch besonders viel Freude dabei zu empfinden.
Bis sie ein Jahr nach Julians Tod auf den Brief seiner Großtante Klara stößt. Im Brief verrät Klara das Rezept ihrer Brombeermarmelade und Nora hofft sogleich auf eine Seelenverwandte. Kurzerhand bricht sie zu der alten Dame auf, obwohl Julian sie nicht einmal gekannt hat und auch die restliche Familie nicht viel von diesem Vorhaben hält.
In der Vorpommerschen Boddenlandschaft angekommen trifft Nora auf spannende Menschen, verwobene Geschichten und so manches Geheimnis.

Zur Leseerfahrung
Julians Tod verleiht dem Buch einen zarten Hauch von Melancholie, jedoch auf eine sehr dankbare und friedvolle Weise, ohne den Leser in eine düstere Stimmung zu versetzen. Die Charaktere sind sehr authentisch und ich habe so manche Eigenschaft von mir selbst oder meinem Umfeld wieder erkannt, wodurch man einen persönlichen Bezug zum Buch bekommt.
Die Handlungsorte passen wunderbar zur Geschichte und besonders die Beschreibungen der Vorpommerschen Boddenlandschaft haben mir sehr gefallen. Die Rezepte, die im Buch erwähnt werden, sind schön beschrieben und klingen alle sehr vielversprechend. Überhaupt zieht sich durch die Lesestunden durchgehend das Verlangen nach einem leckeren Marmeladenbrot.
Das Buch ist zusammen mit einem Glas selbstgemachter Marmelade eine schöne Geschenkidee für einen lieben Menschen, der es sich mal wieder gut gehen lassen soll.

Zum Fazit
Eine emotionale Geschichte mit viel Gefühl, die dem Leser die Botschaft mitgibt, dass alles irgendwann gut wird, obwohl manchmal sogar in den süßesten Früchten eine harte Nuss steckt.

Zu den Eckdaten
Titel: Das Brombeerzimmer
Autor: Anne Töpfer
Verlag: List Taschenbuch
ISBN: 978-3548613178
Seiten: 410
Preis: 9,99 €