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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.10.2025

Spuren, die die Zeit nicht auslöscht

Stonehenge - Die Kathedrale der Zeit
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Es gibt Geschichten, die sich langsam entfalten und dabei eine Tiefe entwickeln, die man nicht erwartet. Dieses Buch gehört für mich dazu. Mit jedem Kapitel öffnete sich eine Welt, in der die Menschen ...

Es gibt Geschichten, die sich langsam entfalten und dabei eine Tiefe entwickeln, die man nicht erwartet. Dieses Buch gehört für mich dazu. Mit jedem Kapitel öffnete sich eine Welt, in der die Menschen noch ganz im Rhythmus der Natur leben, getragen von Glauben, Angst und der Sehnsucht nach etwas Dauerhaftem. Ken Follett lässt diese Zeit so lebendig werden, dass man fast den Staub der Erde riecht und die Hitze auf der Ebene spürt, in der Seft seine Feuersteine bearbeitet und davon träumt, etwas zu erschaffen, das bleibt.
Seft ist eine dieser Figuren, die man nicht vergisst. Er ist still, beharrlich, verletzlich. Sein Können als Feuersteinhauer ist zugleich Gabe und Bürde. Seine Liebe zu Neen wirkt zart und echt, gerade weil sie im Schatten von Not und familiären Spannungen steht. Joia dagegen trägt eine andere Art von Leidenschaft in sich: die Vision eines Bauwerks, das Himmel und Erde verbindet. Sie denkt größer, weiter, mutiger, und damit bringt sie etwas in Bewegung, das viele Leben verändert.
Ich spürte auf jeder Seite, wie gründlich der Autor recherchiert hat. Rituale, Werkzeuge, Abläufe, das alles wirkt durchdacht und glaubwürdig. Diese Genauigkeit macht das Buch beeindruckend, verlangt aber auch Geduld. Manche Passagen ziehen sich ein wenig, gerade wenn die Handlung zugunsten der Detailfülle in den Hintergrund tritt. Trotzdem bleibt am Ende das Gefühl von Staunen und Respekt, dass selbst in einer harten, von Entbehrung geprägten Zeit etwas entstehen konnte, das uns heute noch berührt. Es ist ein kraftvoller, bildreicher Roman, der vielleicht nicht an allen Stellen mitreißt, dafür aber mit Tiefe und Authentizität überzeugt. 4 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 24.10.2025

Eine stille Erzählung voller Wärme

Hoffnungssterne am Adventsbaum
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Es ist gerade so, als öffne sich die Tür zu einer stillen, vergangenen Welt. Die Atmosphäre in der Diakonissenanstalt von Kaiserswerth ist so lebendig beschrieben, dass man das geschäftige Treiben und ...

Es ist gerade so, als öffne sich die Tür zu einer stillen, vergangenen Welt. Die Atmosphäre in der Diakonissenanstalt von Kaiserswerth ist so lebendig beschrieben, dass man das geschäftige Treiben und den leisen Ernst jener Zeit fast vor sich sieht. Besonders Anna, die erst seit kurzer Zeit dort lebt, wirkt nahbar und echt. Man begleitet sie auf ihrem Weg zwischen Pflichtgefühl, Glauben und dem Wunsch nach innerer Ruhe.
Die Idee des Adventsbaums, an dem Tag für Tag ein Stern mit einer biblischen Verheißung aufgehängt wird, ist schlicht, aber tief berührend. Dieses Bild bleibt beim Lesen im Kopf und trägt eine warme Stimmung durch die Geschichte. Schön ist, wie sich die Botschaft des Buches leise entfaltet, dass Hoffnung oft in kleinen Dingen zu finden ist.
Brigitte Liebelt erzählt mit ruhiger Hand und spürbarer Wertschätzung für historische Details. Man merkt, wie sorgfältig sie sich mit dem Wirken Theodor Fliedners und der Diakonissenarbeit auseinandergesetzt hat. Dadurch bekommt die Erzählung eine feine, glaubwürdige Tiefe.
Beim Lesen stellte sich eine wohltuende Ruhe ein, wie man sie in der Adventszeit selten findet. Der Stil ist klar und natürlich, die Gefühle zurückhaltend, aber spürbar. Nur an wenigen Stellen hätte ich mir etwas mehr Einblick in Annas Gedanken gewünscht, um sie noch näher kennenzulernen.
Am Ende bleibt ein Gefühl von Frieden und Hoffnung. Eine berührende Geschichte, die Herz und Sinn gleichermaßen erreicht. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 23.10.2025

Zwischen Pflicht und Sehnsucht

ANNA
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Schon zu Beginn spürt man, dass hier eine Geschichte erzählt wird, die aus echtem Leben entstanden ist. Die Sprache ist schlicht und zeitgemäß, sie unterstreicht die Echtheit der Erzählung. Ich konnte ...

Schon zu Beginn spürt man, dass hier eine Geschichte erzählt wird, die aus echtem Leben entstanden ist. Die Sprache ist schlicht und zeitgemäß, sie unterstreicht die Echtheit der Erzählung. Ich konnte mir das Leben im Emmental gut vorstellen, die geschäftige Küche der Krone und den einfachen Rhythmus des Alltags.
Das Leben von Anna, der Ururgroßmutter der Autorin, geboren 1869, gestorben 1944, ist akribisch von Annina Keller recherchiert worden. Sie erzählt die Geschichte einer Frau, die nicht hadert, sondern handelt, und die ihr Leben so meistert, wie es kommt, auch wenn die Entscheidungen oft schwerfallen. Ich habe Anna für ihre Stärke bewundert, aber manchmal hätte ich mir gewünscht, noch tiefer in ihre Gedanken zu blicken. In Momenten, in denen ihr Herz anders wollte als ihr Verstand, blieb sie mir ein wenig zu gefasst. Vielleicht war das aber auch ihre Art, stark zu sein.
Die Autorin erzählt ruhig, ohne Effekthascherei, und lässt somit die Geschichte glaubwürdig wirken. Dass sie auf wahren Begebenheiten beruht, spürt man in jedem Kapitel. Ich fand es beeindruckend, wie Annina Keller das Leben ihrer Vorfahrin mit Achtung und Nähe beschrieben hat.
Was mich besonders berührt hat, ist die Entwicklung dieser Frau, die sich ihrem Schicksal stellt und trotzdem ihren eigenen Weg findet. Ich habe mit ihr gefühlt, auch wenn sie ihre Gefühle selten zeigt.
Für mich ist dies ein ruhiges, warmes Buch über Mut, Pflichterfüllung und das leise Glück, das man sich selbst schafft. Ein lesenswertes Stück Zeitgeschichte, das ohne große Dramatik auskommt und gerade dadurch bewegt. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Stilles Schicksal, stark erzählt – jedoch mit Distanz

Fräulein Hedwig
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Zu Beginn hatte ich etwas Mühe, in die Geschichte hineinzufinden. Die Kapitel über Hedwigs Familie und die Generationen vor ihr zogen sich für mich etwas hin. Erst in den letzten Teilen hat mich das Buch ...

Zu Beginn hatte ich etwas Mühe, in die Geschichte hineinzufinden. Die Kapitel über Hedwigs Familie und die Generationen vor ihr zogen sich für mich etwas hin. Erst in den letzten Teilen hat mich das Buch wirklich erreicht, als Hedwig selbst stärker in den Mittelpunkt rückte. Sie lebt Anfang des 20. Jahrhunderts als Lehrerin auf dem Land, ist oft krank und wird von ihrer Umgebung kaum verstanden.
Ich hätte mir gewünscht, sie noch näher kennenzulernen. Ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihr inneres Erleben. Stattdessen bleibt sie oft auf Distanz. Man spürt zwar das Mitgefühl und auch die Empörung des Autors über das, was ihr widerfahren ist, aber für mich blieb Hedwig als Person etwas verschwommen.
Christoph Poschenrieders Stil ist lebendig, fast wie in einem Gespräch. Man merkt, wie sehr ihm die Geschichte seiner Familie am Herzen liegt und dass er mit diesem Buch etwas wiedergutmachen wollte.
Mich hat berührt, wie Hedwig sich in einer Zeit behaupten musste, in der Frauen kaum eigene Wege gehen durften. Noch stärker hat mich bewegt, wie schnell sie als „nervenkrank“ abgestempelt und schließlich zum Opfer der NS-Zeit wurde. Diese Ungerechtigkeit hallt nach, auch wenn mich das Buch nicht auf jeder Seite fesseln konnte.
Am Ende überwiegt für mich der Respekt vor der Intention des Autors. Er hat einer Frau eine Stimme gegeben, die keine hatte und hat ihre wichtige Geschichte mit einer gewissen Distanz erzählt. 3 Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die ruhige, ernsthafte Geschichten bevorzugen und sich für historische Schicksale interessieren.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Mutig zwischen Herz und Freiheit

Das mutige Mädchen
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Schon der Anfang der Geschichte hat mich direkt gepackt, weil alles so anschaulich beschrieben ist. Die Schilderungen lassen Innsbruck mit seinen engen Gassen, Stoffläden und dem geschäftigen Treiben deutlich ...

Schon der Anfang der Geschichte hat mich direkt gepackt, weil alles so anschaulich beschrieben ist. Die Schilderungen lassen Innsbruck mit seinen engen Gassen, Stoffläden und dem geschäftigen Treiben deutlich vor dem inneren Auge entstehen. Lotte Römer beschreibt die Stadt so lebendig, dass ich mich sofort mitten im Geschehen gefühlt habe.
Elsa ist mir schnell ans Herz gewachsen. Ihre Leidenschaft für das Nähen, ihre stille Entschlossenheit und ihr Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, wirken glaubhaft und berührend. Ich konnte gut nachvollziehen, wie sie zwischen Pflicht und Freiheit, zwischen Gefühl und Vernunft ihren eigenen Weg sucht. Besonders mochte ich, dass sie dabei nicht als makellose Heldin erscheint, sondern als junge Frau, die trotz Rückschlägen an sich glaubt.
Der Kontrast zwischen dem charmanten Richard und dem bodenständigen Clemens sorgt für Spannung, ohne ins Klischee abzurutschen. Ich war neugierig, wem Elsa am Ende wirklich vertrauen kann, und ob ihr Traum von der eigenen Schneiderei wahr wird. Die Szenen, in denen sie an ihren Entwürfen arbeitet, haben mir besonders gut gefallen.
Beeindruckt hat mich auch, wie feinfühlig die Autorin die gesellschaftlichen Grenzen der damaligen Zeit beschreibt. Frauen, die mehr wollten als Heirat und Häuslichkeit, mussten Mut beweisen. Genau das macht Elsa deutlich. Und es war schön, alte Bekannte aus dem ersten Band wiederzutreffen.
Frau Römer erzählt warm und detailreich. Ihre Sprache ist flüssig und ungekünstelt, sie schafft es, die Geschichte lebendig werden zu lassen. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und war bis zum Schluss ganz bei Elsa. Ihre Entwicklung hat mich bewegt, ihr Mut hat mich beeindruckt.
Für mich ist dieser Band sogar noch runder und gefühlvoller als der erste. Die Balance zwischen Romantik, Zeitgeschichte und persönlicher Stärke stimmt einfach. Ich habe das Buch mit einem Lächeln beendet und freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung, die Josefas Geschichte erzählen wird.
Fazit: Ein warmherziger historischer Roman über Mut, Selbstvertrauen und die Suche nach dem eigenen Weg. Voller Gefühl, aber ohne Kitsch. Lotte Römer hat mich erneut mitgenommen in eine vergangene Zeit, die sich ganz nah anfühlt.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung

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