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Veröffentlicht am 29.06.2025

Spannende Melange aus Spionage-, Polit- und literarischem Thriller

Felsengrund
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"Felsengrund" von Aslak Nore stellt den 2. Teil der geplanten Trilogie dar und ist nicht minder packend wie der Vorgänger (Meeresfriedhof), in der die fiktive Historie der reichen Reederfamilie Falck und ...

"Felsengrund" von Aslak Nore stellt den 2. Teil der geplanten Trilogie dar und ist nicht minder packend wie der Vorgänger (Meeresfriedhof), in der die fiktive Historie der reichen Reederfamilie Falck und des Unternehmens plus Stiftung SAGA weitererzählt wird.

Erschienen ist der literarische Thriller im KiWi-Verlag (brosch., 2025), Köln; übersetzt wurde er von Dagmar Lendt.


Im 2. Teil der "Falck-Saga" geht es spannend, mitunter hochspannend weiter; das Buch ist in 4 Teile untergliedert und es liegt eine gewisse Steigerung der Spannung vor, die bis zum Schluss von "Felsengrund" gehalten wird. Wie zuvor, sind die Charaktere vielschichtig und komplex, ebenso wie die Handlung, die größtenteils in (Nord)norwegen, aber auch in Russland verortet ist. Es geht um die Zukunft von SAGA, um Rederhaugen und die zerstrittene Familie um den Bergenser Zweig (Hans Falck) und den Osloer Zweig (Olav Falck). Sasha, die den Vorsitz von SAGA von ihrem Vater Olav, für den sie sein Augenstern war und ist, übernimmt, kann viel verlieren, wenn Hans seine Ansprüche (die aus dem verschollen geglaubten Testament von Vera Lind hervorgehen), erhebt; zum einen den SAGA Vorsitz und zum anderen Rederhaugen, wo sie zeitlebens wohnte. Während die anderen Figuren der Familie oft schwer zu fassen sind, ist Sasha für mich die Glaubwürdigste, deren Handlungen ich am ehesten nachvollziehen kann.


Die Kluft zwischen den einzelnen Familienmitgliedern ist groß; die Spannung vor der Hauptversammlung von SAGA wächst, denn das 'Zünglein an der Waage' könnte Conny Knarvik, das schwarze Schaf der Familie und früher drogenabhängig, spielen: Hans scheint sie abgrundtief zu hassen, Sasha auch nicht unterstützen zu wollen. Ihre Aktienanteile sind gering, doch wem wird sie letzten Endes ihre Stimme geben und was wird aus dem umworbenen Grundstück Adventgarden, das Conny gehört? Es ist strategisch eigentlich fast unbezahlbar, was sie sehr wohl weiß....


Und welche Rolle spielt hier Johnny Berg, der den Maulwurf bei SAGA, der sich eingeschlichen hat, aufdecken und zu Fall bringen soll? Bei dieser Aktion wird die Gefährlichkeit klar, die Doppelagenten eingehen und das Tor zur Welt der Geheimdienste wird ein kleines Stück aufgestoßen, wenn auch nur sehr klein: So geht es um "Einflussagenten" und Züge hochbrisanter, erschreckender und aktueller Zeitbezüge von Realpolitik. Darum, wie weit Staatsmächte und auch mächtige Familien- und Konzerndynastien gehen, um ihre Macht und ihre Pfründe zu sichern!

In diesem Zusammenhang ist die Suche nach dem Maulwurf hochspannend und geopolitische Spannungen um das Gebiet der Arktis (siehe Besuch Vance vor einiger Zeit in Grönland) spielen hier eine gewichtige Rolle. Denn wenn das Polareis weiter schmilzt, könnten neue Handelswege erstehen, die Verschiffungen nach Ostasien z.B. sehr verkürzen... Hier ist es eine zentrale Frage, wo SAGA steht: Ist es so, wie Olav seiner Tochter Sasha erklärte, dass SAGA immer die Speerspitze im Dienst norwegischer Interessen und Beschützerin der Freiheit war? Ist es wirklich die "letzte Verteidigungslinie der Demokratie"? Oder verhält es sich in Wahrheit ganz anders.... Ich bin auf jeden Fall sehr auf den finalen Teil dieser hochinteressant zu lesenden und spannenden literarischen Thrillerserie gespannt!


Fazit:


Eine spannende Lesereise nach Norwegen, die eine sehr mächtige Reeder-Familiendynastie beleuchtet, deren umstrittene gesellschaftspolitischen dubiosen Machenschaften hier von Aslak Nore aufs Korn genommen werden: Der Bezug zu realpolitischen Zusammenhängen, die Arktis betreffend und evtl. See- und Handelswege, die durch den Klimawandel und das schmelzende Eis zukünftig vermutlich erschlossen werden können, werden hervorragend beschrieben. Gesellschaftskritisch, spannend, unterhaltsam, vielschichtig und komplex: Eine gelungene Mischung zwischen Polit-, Geheimdienst, - Spionage- und literarischem Thriller, den ich absolut weiterempfehlen möchte.


4 ****

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Neues vom Bücherschiff des Monsieur Perdu

Die geheime Sehnsucht der Bücher
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"Die geheime Sehnsucht der Bücher" von Nina George ist der 3. Teil der Geschichte um Jean Perdu, der mit 18 Jahren sein 'Bücherschiff' baut, damit eines Tages in den Süden fährt, wieder zurück nach Paris ...

"Die geheime Sehnsucht der Bücher" von Nina George ist der 3. Teil der Geschichte um Jean Perdu, der mit 18 Jahren sein 'Bücherschiff' baut, damit eines Tages in den Süden fährt, wieder zurück nach Paris kommt und hier vor Ort 'den Menschen nicht die Bücher verkauft, die sie wollen, sondern jene, die sie brauchen'. Schließlich handelt es sich um eine "Pharmacie Littéraire", einer Buch-Apotheke, die nun auch eine ebenso buchbegeisterteAuszubildende mit viel Feingefühl und Verve hat (Pauline Lahbibi, die hier neben Perdu eine Hauptrolle spielen soll): Sie brachte frischen Wind auf das Bücherschiff, da Monsieur Perdu nun auch online ist und Videoberatungen gegen jedwede "Infektionen des Gemüts" anbietet und einen online-shop sein eigen nennt.

(Verlegt wurde das Buch im von mir geschätzten Droemer Knaur-Verlag; München 2025, HC, 329 S.).

Wer die Vorgänger der Wortakrobatin und Sprachpoetin Nina George, die zu meinen Lieblingsautorinnen zählt, bereits kennt, wird hier einige Personen (und Katzen) wiedertreffen, die bereits bekannt sind. Ich empfehle die chronologische Reihenfolge (Das Lavendelzimmer, Das Bücherschiff des Monsieur Perdu) einzuhalten, dann hat man als LeserIn noch mehr Vergnügen an diesem neuen Roman!

Hier lernen wir Francoise Bellanger kennen, 12 Jahre alt, bücherhortend und "bücherverfressen", die jedoch auch voller Angst ist, dass man ihr und ihrer Mutter Cleo 'draufkommt', denn das würde bedeuten, dass sie in ein Heim kommt, was sie aus Büchern lernte. Die Mutter wird im Roman nach und nach sichtbarer und Perdu rettet ihr gar das Leben (und das nicht nur einmal), als sie endlich auf Wunsch von Francoise (die hofft, dass Perdu ihre Mutter 'heil machen kann') das Bücherschiff betritt. Cleo ist eine sehr interessante Figur, wenn auch der Hintergrund sehr dramatisch ist und erst nach und nach klar wird, weshalb hier die Rollen (Tochter und Mutter) vertauscht erscheinen. Francoise ist ebenso wie Marie, die sie später kennenlernt, ein wirklich mutiges und tolles Mädchen, jedoch habe ich diesmal einen 'kleinen' Kritikpunkt: Ein Mädchen von 12 Jahren stelle ich mir doch noch als Kind vor, hier scheint sie für ihr Alter, mir fast unrealistisch erscheinend, sehr erwachsen zu sein. Eine 14 oder 16Jährige käme da meine Vorstellung schon näher, die Handlungen und Sichtweisen von Francoise nachzuvollziehen.

Eine weitere Hauptrolle spielt Pauline, die Azubine mit algerischen Wurzeln: Sie liebt Emile (den Bretonen) und fühlt sich auch zu Kofi, dem Pflegesohn von Mdme. Bomme, hingezogen: Wird sie ihr Herz sprechen lassen und sich für den Richtigen entscheiden?

Berührend beschreibt George in dieser wiederum sehr warmherzigen Geschichte, wie sich Menschen helfen können - auch mittels Büchern, die Pauline auf ihrer Vespa (Aufschrift: "Eilige Arzneimittel!") z.B. Mister Kenny bringt, der kürzlich "Unsere Seelen bei Nacht" von Kent Haruf las und sich selbiges mit der netten Witwe nebenan vorstellen könnte. Wir erfahren von einem illustren Witwenclub in er Rue Montagnard, die gerne erotische Literatur bei Perdu bestellt und lernen Perdu noch besser kennen, der den Menschen tief in die Seele zu blicken vermag und Neuerscheinungen stets auf das Maß ihrer Tauglichkeit für die Maladien der Seele prüft. (Er hat über 9800 Bücher für ca. 1600 Maladien an Bord). Einige davon erscheinen hier im Roman, die wir alle gelesen haben (sollten), was mir ebenso große Freude machte.

Letztlich wird Jean Perdu zum Samweis Gambschie, der nicht will, dass Pauline dasselbe passiert wie einst ihm... Es ist ein Vergnügen, diesen Roman zu lesen, da Nina George nicht mit skurilen Wortschöpfungen, poetischen Beschreibungen, literarischen Weisheiten (man muss Bücher nach sich rufen spüren!) und Tiefgang sowie warmherzigen und liebenswerten Charakteren gespart hat.

Die Themen sind vielfältig; u.a. geht es natürlich um Liebe, um Freundschaft, um Bücher(liebe), Verzeihen, um anders sein, zueinander finden, zusammenhalten - und um Bibliotherapie.

Das wunderschöne Gedicht am Ende des Romans ("Die Wälder der Zeit") sind für mich ein Highlight, da die Autorin darin ausdrückt, was auch ich empfinde, wenn ich an Bäume denke.

Ich empfehle diesen und die beiden Vorgängerromane (siehe oben) sehr gerne weiter; besondere Freude dürften diejenigen haben, die "Bücher über Bücher" lieben!

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Unkompliziert, einfach, lecker - einfach genial!

Fast & Tasty
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"Fast & Tasty", ein tolles und sehr empfehlenswertes Kochbuch von Achim Oecal, erschien (HC, 168 Seiten) im Becker Joest Volk Verlag (2025, Hilden).


Das ökonomische Prinzip "Maximaler Ertrag bei minimalem ...

"Fast & Tasty", ein tolles und sehr empfehlenswertes Kochbuch von Achim Oecal, erschien (HC, 168 Seiten) im Becker Joest Volk Verlag (2025, Hilden).


Das ökonomische Prinzip "Maximaler Ertrag bei minimalem Aufwand" ist eines meiner Lieblingsmottos, seit ich dies zum erstenmal in der Schule hörte - und lässt sich hier auf wohlschmeckende und wundersame Weise auch in den Bereich der Küche und des Kochens übertragen! Das geniale Kochbuch des Autors, den viele bereits durch Socialmedia-Kanäle als @kitchenachim kennen, enthält eine bunte Vielfalt einfacher, unkomplizierter und sehr leckerer Rezeptideen, die mit wenig Aufwand nachzukochen sind. Außerdem ist es Oecal wichtig, dass das Essen auch optisch etwas dahermacht, was ich auch wichtig finde, da "das Auge immer mitisst"^^, wie wir alle wissen. Alle Rezepte können erweitert, gepimpt und verändert werden, was jeweils informativ unten auf der jeweiligen Rezeptseite angegeben ist - tolle Tipps und ein besonderes "Plus"!

Nach Basics und seiner Küchenphilosophie legt Achim Oecal los mit den folgenden Rubriken:


- Snack Attack (Starter, Snacks, Fingerfood)

- Super Salads (mal leicht, mal deftig)

- Veggie Vibes (Gemüse zum Dahinschmelzen)

- Meat & Beat (deftig mit Fleisch und Fisch)

- Pasta Power (Kraftgerichte mit Nudeln und Reis)

- Sweet Sensations (Süße Belohnungen)


Bei jedem Kapitel ist mit absoluter Sicherheit für jeden Geschmack so einiges dabei, was sich wirklich schnell zubereiten und auf den Tisch zaubern lässt (Koch- und Garzeiten sind angegeben). Unsere bisherigen Favoriten sind z.B.


Frischkäse-Lachs-Rosen; griechischer Kartoffelsalat mit Feta; pikante Eier in Tomatensce; Blumenkohlsteaks, Zucchini-Lasagne, Brokkoli-Quiche, griechische Zitronenhähnchen mit Ofenkartoffeln, mit Spargel gefüllte Hähnchenbrust und Pasta der Provence. Bei den süßen Rezepten Pfirsichrosen, Blaubeertarte und vor allem leckere Puddingteilchen mit Beeren!


Ich bin von der Vielfalt und dem Geschmack der Gerichte, die eben 'fast & tasty' exakt beschrieben sind, sehr begeistert, da ich nicht so gerne stundenlang in der Küche stehe, aber natürlich gerne leckere Gerichte zaubere. Auch der Augenmerk auf das Anrichten gefällt mir gut, das dem Autor wichtig ist und zu Hause auf jeden Fall auch eine Rolle spielt; sei die Zeit auch mal noch so knapp.

Ein Zutaten- und Rezeptverzeichnis rundet das tolle Kochbuch positiv ab, so dass man seine Lieblingsrezepte gut wiederfindet.


Fazit:


Abwechslungsreiche, tolle Rezepte, leicht nachzubereiten, wirklich genial, da sie nicht viel Zeit benötigen und oftmals mit Zutaten nachzukochen sind, die man vielfach bereits im Haus hat. Von mir eine absolute Empfehlung, besonders an alle, die schnell, einfach, lecker und mit wenig Aufwand großartig kochen wollen! Bestnote und 5*

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Des Hauses Hüterin und ihre Nachbarn...

Ms Darling und ihre Nachbarn
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"Ms Darling und ihre Nachbarn" von Freya Sampson erschien (tb, brosch., 365 Seiten) im Verlag Dumont, Köln, 2025 und ist bereits der 3. ins Deutsche übersetzte Unterhaltungsroman der Autorin.


"Die argwöhnische ...

"Ms Darling und ihre Nachbarn" von Freya Sampson erschien (tb, brosch., 365 Seiten) im Verlag Dumont, Köln, 2025 und ist bereits der 3. ins Deutsche übersetzte Unterhaltungsroman der Autorin.


"Die argwöhnische Dorothy Darling ist die älteste Mieterin in Shelley House und hat alles im Blick. Kein Regelverstoß ihrer Nachbarn bleibt ihr verborgen. Die neue Untermieterin von nebenan, die 25jährige Kat mit ihren pinken Haaren und schlechten Manieren, ist der alten Dame gleich ein Dorn im Auge. Doch dann bringt eine schreckliche Nachricht unvorhergesehene Ereignisse ins Rollen: Shelley House soll abgerissen werden, und die Bewohner stehen kurz vor der Zwangsräumung. Jetzt ist es ausgerechnet an Dorothy und Kat, die Dinge gemeinsam wieder ins Lot zu bringen."

(Quelle : Buchrückentext)


Dieses Mal entführt uns Freya Sampson in eine alte viktorianische Villa, dem Shelley House in Chalcot, in der Poet's Road gelegen: Vorstellbar ist es auf dem sehr schönen Cover und signalisiert Alter und Würde, auch wenn so manches im Argen liegt und nicht auf dem neuesten Stand ist, da Alexander Fergus, der Hausbesitzer, ein raffgieriger Immobilienmakler ist und eines Tages allen Bewohnern eine Räumungsklage zukommen lässt: Er will Shelley House abreißen lassen und es durch 24 moderne Wohnungen komplett ersetzen.


Was der Vermieter unterschätzt, sind die wehrhaften Bewohner; allen voran Joseph Chambers, der Kat, der jungen Frau (25), die gerade einzog und aus deren Perspektive der Roman entworfen ist (wie auch aus der Perspektive von Dorothy Darling, 77). Nun ist guter Rat teuer und besonders Joseph und Dorothy möchten ihre Bleibe, die sie schon sehr lange bewohnen, nicht kampflos aufgeben. So zieht Joseph mit einem Megafon und Schildern vor das Büro von Fergus und protestiert auf diese Weise gegen die Räumung; nicht lange danach hat er durchaus Mitstreiter, doch wird es den Bewohnern gelingen, den Abriss des alten historischen Hauses zu verhindern?


Dieser Frage geht dieses Buch nach und zeichnet sehr sympathische Figuren, die allesamt BewohnerInnen von Shelley House sind; allen voran Joseph, Kat (die nicht lange bleiben wollte, warum, wird erst viel später im Roman klar..) und Dorothy, die, stets den Notizblock samt Bleistift in der Hand, alle Mängel des Hauses, die sie finden kann und auch die Mängel im Verhalten der Nachbarn festhält; die jedoch sogar ihre Abneigung gegen Hunde (Flohbündel) überwindet und Reggie, den kleinen Hund von Joseph, übernimmt, wenn Kat arbeitet. Mich hat sie anfangs an eine Art 'Concierge' erinnert; nicht eine der sympathischen. Doch das änderte sich im Laufe der Handlung. So formieren sich die Bewohner, die zuvor recht wenig miteinander zu tun hatten, mehr und mehr gegen die Absicht des Vermieters; es gesellt sich auch ein Journalist hinzu, Will, der den Leuten helfen will, Shelley House zu retten und ganz nebenbei auch an Kat großen Gefallen findet.


Die Themen des Romans, der leicht lesbar und eingängig geschrieben wurde und großen Unterhaltungswert besitzt, sind vielfältig: Es geht um Familienkonflikte, Verlust, Trauer, Nachbarschaft, Solidarität, Vorurteile, Schuldgefühle, Selbstbestrafung, aber auch um Neubeginn und (späte) Liebe. Der Schreibstil von Freya Sampson sagt mir zu; allerdings bemängele ich hier des öfteren eine gewisse Vorhersehbarkeit und dass der Roman leider nicht frei von Klischees ist. Die sehr sympathischen Figuren sind jedoch sehr gut ausgeleuchtet (besonders Dorothy und Kat, deren Veränderungen im Laufe der Handlung nicht zu übersehen ist) und der schöne, gelungene und auch stimmige Schluss versöhnte mich ein wenig damit, dass die ersten zwei Drittel des Romans etwas langatmig und spannungslos verliefen. Dennoch handelt es sich um einen Roman mit Wohlfühlcharakter, der den Lesern vor Augen hält, dass es gut ist, mit eigenen Vorbehalten aufzuräumen und sich solidarisch zu verhalten, und der mit einem schönen und stimmigen Ende aufwarten kann.

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Vergnüglich zu lesender historischer Cosy-Crime!

Der Tote in der Crown Row
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"Der Tote in der Crown Row" von Sally Smith ist das Début der Autorin - und sie tat gut daran, das Manuskript endlich aus der Schublade zu holen und das Licht der Welt erblicken zu lassen: Mir hat dieser ...

"Der Tote in der Crown Row" von Sally Smith ist das Début der Autorin - und sie tat gut daran, das Manuskript endlich aus der Schublade zu holen und das Licht der Welt erblicken zu lassen: Mir hat dieser Cosy "A Case of Mice and Murder" im englischen Original betitelt, nämlich sehr gut gefallen! Erschienen ist der Kriminalroman bei Goldmann (HC, gebunden, 397 S.) 2025. Die Autorin hat selbst viele Jahre als Kronanwältin im Temple-Bezirk in London gearbeitet - und dies merkt man diesem authentisch geschriebenen Krimi auch an! (Ich wusste zuvor nichts von den 4 Bezirken der Gerichtsbarkeit mit jahrhundertealter Tradition im Herzen Londons und finde das Setting außergewöhnlich und interessant; ebenso wie die Zeit, in der der Krimi spielt: Wir schreiben das Jahr 1901....


Sir Gabriel Ward, scharfsinniger und dennoch Barrister und Lordrichter "mit Feingefühl", verschroben, mit neurotischen Macken, der sein ganzes Leben (und das sehr gerne) im Inner Temple lebt, stolpert eines Morgens über eine Leiche: Der Tote trägt einen schwarzen Mantel, die Melone ist ihm vom Kopf gefallen - und er hat weder Strümpfe noch Schuhe an! Wie sich herausstellt, handelt es sich um den Lordoberrichter Norman Dunning.... Da es sich um ein Verbrechen handelt (der Schaft des Messers ragt aus der Brust des Toten), wird schnell klar, dass dies ein Fall für die örtliche Londoner Polizei ist. Da diese im Temple Bezirk (einer mit dem Vatikan vergleichbaren Enklave, in der seit Jahrhunderten eigene Gesetze gelten) keine Befugnisse hat, kommt man überein, Gabriel zu beauftragen, interne Ermittlungen einzuleiten. Er kannte den Lordoberrichter von Kindesbeinen an; sie studierten zusammen im Eton College und die Laufbahnen waren sehr unterschiedlich: während der eine (Dunning) zum Lordoberrichter avancierte und zeitlebens darum fürchtete, für seinen minderen Intellekt 'enttarnt' zu werden, war der andere (Gabriel Ward) dafür bekannt, selbst die vertracktesten Fälle zu lösen, an denen seine Kollegen verzweifelten.


Seitens der Ermittlungen kommt es zu einer Teambildung zwischen Gabriel und dem jungen Constable Wright, der hier eine gute Figur macht und von neuen Ermittlungstechniken (im Gegensatz zu seinem Vorgesetzten, der dies für 'Kokolores' hält) ebenso wie von den Fähigkeiten Gabriels sehr viel hält: So hat er eine blutige Hand an der Mauer fotografiert, die später noch Bedeutung haben sollte. Auch die neue Art, zu ermitteln, die auf Fingerabdrücken basiert, machen sich die beiden ungleichen Männer, die sich wundervoll ergänzen, später zunutze. Denn Temple-intern benötigt es wirklich 'Feingefühl', da einige, die verdächtig erscheinen könnten, sehr an ihrem Ruf, an ihrer Ehre, an ihrem Renomee - und an ihrer Karriere hängen....


Was z.B. liegt im Dunkeln, was bei dem "Kleinen Diner", das der Schatzmeister am Abend des Mordes gab, so dringend besprochen werden sollte? Welche Rolle spielen Lordrichter Brown und Wilson, der Kontrahent bei Gericht (und dennoch fairem Freund) Sir Barton - und der Schatzmeister? Ganz zu schweigen vom Reverend der Temple Church? All' diese Fragen gilt es für Gabriel und Wright, herauszufinden. Und es ist sowohl spannend als auch sehr vergnüglich zu lesen, wie die beiden dies anstellen: Da werden die Herren Lordrichter befragt; frühere Gouvernanten im Hause Dunning, die - zum Leidwesen Gabriels nicht in der näheren Umgebung leben - weshalb kurzerhand Wright in seinen freien Tagen nach Greenwich und nach Bournemuth reisen muss (Gabriel schätzt es überhaupt nicht, sich vom Temple zu entfernen, der ihm existenzielle Sicherheit und Wohlgefühl verschafft: In der Bench Street umgeben von Stapeln von Büchern fühlt er sich zu Hause; zu Frauen hat er ein eher schwieriges Verhältnis. Allerdings gibt es da Ausnahmen: Die Köchin sowie auch Meg, das Küchenmädchen sowie das gesamte Küchenpersonal hat den Anwalt ins Herz geschlossen (was sich in prächtigen Körben als Gruß aus der Küche vor seiner Türschwelle manifestiert). Doch parallel zu dem Mordfall gibt es noch eine weitere 'Ungereimtheit' - Mr. Moore, seines Zeichens Buchhändler und Verleger bzw. dessen kleine Tochter finden ein Manuskript, das ihm jemand vor seine Tür im Verlag legte: "Millie, die Kirchenmaus". Die Tochter ist so entzückt, dass ihr Vater auf die Botschaft im Kinderbuch aufmerksam wird - und es verlegt: Mit solch' einem Erfolg, dass der auf der Kippe stehende Verlag gerettet werden kann! Doch wer ist die Urheberin des Textes? Handelt es sich hierbei um ein Pseudonym? Moore versucht vergeblich, die Autorin bzw. den Autor zu ermitteln, bis es eines Tages zu einem Prozess kommen sollte: Miss Susan Hatching beansprucht das Urheberrecht an "Millie" und möchte sich nicht an den Einnahmen bereichern, sondern es 'ihrer' Kirche zukommen lassen. Doch ist sie wirklich die Autorin?


Diese beiden "Fälle" werden parallel verfolgt und Sally Smith versteht es hervorragend, die subtile Spannung zu halten: Die Figuren werden sehr gut ausgeleuchtet und besonders Wright und Sir Gabriel Ward sind sehr sympathische Ermittler! Mir gefiel z.B. die Neurose Gabriels, das Tintenfass und den goldenen Bleistift immer in derselben Position auf dem Schreibtisch zu wissen, da ich vor ca. 30 Jahren dieselbe Neurose hatte :D. Der Cosy-Krimi hat kurze Kapitel, ist sehr eingängig und mit ironischem Unterton geschrieben, der auch die Atmosphäre dieses geschichtsträchtigen Bezirks zum Ausdruck bringt.


Fazit:


Ein vergnüglich zu lesender historischer Cosy-Krimi, der durch Authentizität sowohl der Lösung der Fälle als auch der Figuren überzeugt. Ich kann "Der Tote in der Crown Row" bedenkenlos und gerne weiterempfehlen und würde mich sehr freuen, wenn die Autorin weitere Fälle für Sir Gabriel Ward (und den jungen Constable Wright) folgen lässt!

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