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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.10.2023

Solider Krimi mit Spannung und Humor

Der Botaniker
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Der Botaniker, so nennt man den Serienmörder, der in kürzester Zeit für Wirbel sorgt, denn seine Opfer stehen alle in der Öffentlichkeit. Doch kein einziger von ihnen ist ein echter Sympathieträger, denn ...

Der Botaniker, so nennt man den Serienmörder, der in kürzester Zeit für Wirbel sorgt, denn seine Opfer stehen alle in der Öffentlichkeit. Doch kein einziger von ihnen ist ein echter Sympathieträger, denn vom frauenfeindlichen Incel bis hin zur Verschwörungstheoretiker ist alles dabei. Washington Poe und sein Team tappen im Dunkeln, denn zu allem Überfluss wird auch noch die brillante Pathologin Estelle Doyle des Mordes an ihren Vater verhaftet. Poe setzt alles daran, beide Fälle aufzuklären.
Bereits im Vorfeld hatte ich gehört, dass der Botaniker bereits der fünfte Fall für Washington Poe und sein Team ist, allerdings das erste Buch, das ins Deutsche übersetzt wurde. Das fand ich etwas schade, denn ich hatte den Eindruck, etwas von dem sehr ungewöhnlichen Team verpasst zu haben. Nichtsdestotrotz hat mir dieser Krimi nach kurzen Einstiegsschwierigkeiten sehr gut gefallen.
Der Schreibstil liest sich leicht und flüssig und trotz viel Spannung mit einem gewissen britischen Humor, der mich häufig zum Grinsen gebracht hat.
Der Fall ist absolut knifflig und wirklich richtig gut konstruiert. Gemeinsam mit den Ermittlern tappt man im Dunkeln, denn das, was dieser Serienmörder hier ausheckt, ist brillant. Immer wieder gibt es hier Überraschungen und Wendungen, die man nicht vorhersehen konnte. Das hält natürlich den Lesefluss aufrecht und man möchte einfach mehr über die Zusammenhänge wissen.
Die einzelnen Ermittler, allen voran Washington Poe und Tilly Bradshaw sind absolute Unikate. Poe wirkt wie ein grummeliger Eigenbrötler, der aber immer wieder um die Ecke denkt und der sich gegenüber den Menschen, die ihm etwas bedeuten, zutiefst loyal verhält. Auf Konvention gibt er nur wenig und lässt sich durch nichts von seinen Vorhaben abbringen. An seiner Seite steht Tilly Bradshaw, die im Umgang mit Menschen einfach immer in Fettnäpfchen hüpft, aber ein wahres Genie ist. Ihre Wortwechsel mit Poe und ihre unbedarften Einschübe in Gesprächen haben mich wirklich oft zum Lachen gebracht.
Doch auch die weiteren Charaktere sind einfach jeder für sich etwas besonderes. Von Estelle Doyle bekommt man nicht so viel mit, allerdings spürt man, dass auch sie ein fester Bestandteil des Teams ist. Ich denke, dass man in früheren Bänden mehr von ihr erfährt.
Mein Fazit: Der Krimi liest sich spannend und flüssig und der trockene, englische Humor lockert das ganze auf spezielle Art auf. Mir hat das Buch beste Unterhaltung und spannende Lesestunden beschert. Ich hoffe, dass auch die vorigen Bände noch übersetzt werden, denn von diesem Team würde ich gerne mehr lesen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 11.10.2023

Atmosphärisch

Blinde Tunnel
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Nachdem Daniel in Schweden seinen Job verloren hat, beschließen er und seine Frau Sonja, einen Neuanfang zu wagen. Ein altes Weingut in Tschechien hat es ihnen angetan und kurz darauf gehört es ihnen. ...

Nachdem Daniel in Schweden seinen Job verloren hat, beschließen er und seine Frau Sonja, einen Neuanfang zu wagen. Ein altes Weingut in Tschechien hat es ihnen angetan und kurz darauf gehört es ihnen. Das Haus ist jedoch alles andere als in einem guten Zustand und als Daniel bei Renovierungsarbeiten im Keller des Hauses eine Wand einreißt, finden sie neben Weinflaschen aus der Zeit des zweiten Weltkrieges eine Leiche eines Jungen. Dieser trug eine weiße Armbinde und die Polizei scheint sich nicht für die Herkunft des Jungen zu interessieren. Doch Sonja beginnt auf eigene Faust zu recherchieren und lernt dabei Anna kennen. Eine Frau aus England mit deutschen Wurzeln, die ebenfalls Interesse an der Geschichte des Weingutes hat.
Dieses düstere Cover weckte meine Neugier und da ich schon länger etwas von Tove Alsterdal lesen wollte, war ich Feuer und Flamme.
Der Einstieg in diesen Roman fällt sehr leicht, denn die Autorin kann unheimlich gut mit Worten umgehen. Sie erzeugt vom ersten Augenblick an eine düstere Atmosphäre und beschreibt die Umgebung so intensiv, dass man gleich das Gefühl hat, gemeinsam mit der Protagonistin vor Ort zu sein.
Das Setting ist so schön beschrieben und man sieht das alte Gut und die Weinberge regelrecht vor sich. Das Gut ist schon länger verlassen und man hat so ein wenig das Gefühl eines Lost Places. Auch der kleine Ort in der Nähe des Gutes wurde lebendig und all das, ohne daß sich die Autorin zu sehr in Details verliert.
Was mir immer besonders gut gefällt, sind diese Momente, in denen klar wird, daß das Geheimnis eines Ortes in der Vergangenheit liegt. Hier gibt es einen Bezug zur Geschichte der Sudetendeutschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Ich muss hier zugeben, daß mir dieser Teil der Geschichte tatsächlich gar nicht so bekannt war und so habe ich, teilweise, völlig entsetzt gelesen, was sich damals zugetragen hat. Tove Alsterdal hat hier unheimlich gut recherchiert und konnte mich hier absolut fesseln. Auch mit Momenten, in denen Protagonistin Sonja selbst nachforscht und auch auf Zeitzeugen trifft, konnte mich die Autorin begeistern.
Protagonistin Sonja hat mir sehr gut gefallen. Sie versucht Anschluss zu finden, in einem Land, dessen Sprache sie nicht spricht. Trotzdem gibt sie nicht auf, nachzufragen und zu hinterfragen.
Auch die Nebencharaktere sind unheimlich gut gezeichnet und ich habe gespannt ihre Geschichte verfolgt.
Mein Fazit: mit "Blinde Tunnel" hat die Autorin einen tiefgründigen und extrem gut recherchierten Roman geschrieben, der zwar eher ruhig erzählt wird, dadurch aber für mich eine ganz besondere Intensität ausgestrahlt hat. Wer hier einen temporeichen Krimi erwartet, könnte vielleicht enttäuscht werden. Wer allerdings viel Atmosphäre und eine spannende Geschichte rund um die Ereignisse nach dem zweiten Weltkrieg mag, kommt hier voll und ganz auf seine Kosten. Mich konnte die Autorin absolut fesseln und immer wieder überraschen. Ganz klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 10.10.2023

Spannend wie ein Actionfilm

Ein Fluss so rot und schwarz
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Ein Mann wacht auf einem Schiff auf, er weiß nicht, wer er ist und vor ihm liegt eine Leiche, Selbstmord. An Bord des Schiffes befinden sich fünf weitere Personen. Jeder von ihnen trägt ein Tattoo auf ...

Ein Mann wacht auf einem Schiff auf, er weiß nicht, wer er ist und vor ihm liegt eine Leiche, Selbstmord. An Bord des Schiffes befinden sich fünf weitere Personen. Jeder von ihnen trägt ein Tattoo auf dem Unterarm, versehen mit einem Namen. Auf dem Unterarm des Mannes steht Huxley und auch bei allen anderen ist der Name auf dem Unterarm der eines Schriftstellers. Allen fehlt die Erinnerung, doch scheinbar nur partiell, denn das, was sie einst beruflich ausübten ist noch präsent. Sie sind Polizist, Ärztin, Forscher etc. und scheinbar haben sie eine gemeinsame Mission. Keiner weiß, worum es geht, doch dann klingelt ein Satellitentelefon.
Dieses Cover hat mich sofort neugierig gemacht, es wirkt düster und auf seine Art bedrohlich und passt einfach perfekt zur enthaltenen Geschichte. Schon der Einstieg konnte mich hier fesseln, denn die Charaktere sind einfach in jeder Hinsicht genauso ahnungslos wie der Leser. Gemeinsam begibt man sich auf eine Mission, deren wirklicher Grund sich erst nach und nach herauskristallisiert.
Anthony Ryans Schreibstil fand ich einfach nur großartig, während des Lesens lief ein kompletter Film vor dem inneren Auge ab und tatsächlich könnte ich mir diese teilweise unheimliche, teilweise mysteriöse Geschichte absolut auf einer Leinwand vorstellen. Ich könnte mir vorstellen, dass diese End of he World Szenario ein großes Publikum begeistern könnte.
Insgesamt fand ich das Buch unheimlich spannend, es hat zwar noch nicht einmal dreihundert Seiten, doch jede einzelne davon zieht den Leser in seinen Bann. Natürlich ahnt man recht schnell, dass man mitten in ein Endzeitszenario geworfen wird, nichtsdestotrotz hat man keinerlei Vorstellung, was passiert ist. Vieles war durchaus grausam, allerdings fand ich, dass es nicht zu sehr ins Detail geht, wenn es blutig wird. Trotzdem wird auch hier durch die Erzählweise des Autors ein permanentes Kopfkino erzeugt.
Die Handlung bleibt zum großen Teil auf dem Schiff und man fährt gemeinsam mit den Charakteren durch London. Immer wieder gibt es Hindernisse, die geräumt werden müssen und geheimnisvolle Gespräche mit einer Stimme am besagten Satellitentelefon. Doch den Grund der Mission bleibt lange im Dunklen. Können es sechs Personen schaffen, die Welt zu retten?
Die Charaktere haben mir unheimlich gut gefallen. Ihre Beschreibungen der Charaktereigenschaften sind so gelungen, dass man sofort ahnte, was bzw. wer sie waren, bevor man ihnen das Gedächtnis nahm. Jeder verhält sich einfach so, wie man es regelrecht von ihnen erwartet. Mag sein, dass das dem ein oder anderen zu oberflächlich erscheinen könnte. Ich fand es einfach nur passend umgesetzt.
Mein Fazit: ein temporeiches, düsteres Szenario, das einfach zu fesseln weiß, dazu Charaktere, die unheimlich spannend zu beobachten waren und ein Schreibstil, der sich wie Kino anfühlt. Für mich ein absolutes Highlight, das ich an nur einem Abend förmlich inhaliert habe. Für Fans von Endzeitbüchern und Dystopien ein ganz klarer Lesetipp. Aber haltet euch gut fest, hier geht es ganz schön ab.

Veröffentlicht am 10.10.2023

Gelungener erster Teil

Fighting Fate
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Die junge Schauspielstudentin Rio galt schon immer als Sonderling und auch sie selbst glaubt, nicht ganz wie andere zu sein, denn sie sieht merkwürdige Gestalten und diese haben als sie klein war, vor ...

Die junge Schauspielstudentin Rio galt schon immer als Sonderling und auch sie selbst glaubt, nicht ganz wie andere zu sein, denn sie sieht merkwürdige Gestalten und diese haben als sie klein war, vor ihren Augen ihre Mutter entführt. Als sie eines Nachts auf dem Weg nach Hause ist, sieht sie genau diese Gestalten, die in einer Gasse einen jungen Mann bedrängen. Sie hilft ihm, zu entkommen und dieser stellt sich höchstperönlich als Taru, Sohn des Hades und Schattenprinz vor und die Gestalten sind Erinnyen, die abgestellt wurden, um Taru an seine Wohnung zu binden. Es ist seine Strafe für ein lang vergangenes Vergehen und Taru bittet Rio um Hilfe, denn in Rios Begleitung ist Taru für die Erinnyen unsichtbar. Göttermythologien? Da bin ich immer dabei, denn ich liebe Geschichte über die Götter und auf die Umsetzung war ich mächtig gespannt. Dabei muss ich sagen, dass der Einstieg in diesen Urban Fantasy Roman sehr leicht fällt, Autorin Julie Dorne schreibt nämlich sehr bildhaft, flüssig und fesselnd. Die Handlung spielt sich sofort vor dem inneren Auge ab und Gefühle und Gedanken der Protagonisten werden gut transportiert. Auf der Suche nach Hilfe, um Taru vom Fluch zu befreien, reisen Rio und Taru quer durch die Welt und treffen dabei auf sagenhafte Gestalten, wie z. B. Medusa. Dabei wird auch immer wieder etwas erklärt, was diese Figuren in der Saga einst taten und wie der Olymp darauf reagierte. Da gibt es einige spannende Szenen, die den Leser absolut fesseln können. Natürlich gibt es hier auch eine Lovestory zwischen Taru und Rio, eine Slow-Burn-Romance mit vielen, recht typischen ab und downs. Schön ist es, dass wir das ganze in der Ich-Perspektive sowohl durch Taru als auch durch Rio miterleben. Man spürt die innere Zerrissenheit der Beiden und weiß in dem Fall dann auch einfach mehr über die beiden als sie selbst voneinander wissen. Mir war die Liebesgeschichte ein kleines bisschen zu viel, denn sie nimmt hier einen sehr großen Raum der Handlung ein. Ich persönlich hätte gerne mehr über die Götter und die Abenteuer erfahren. Rio ist eine tolle, sympathische Protagonistin, die einem schnell ans Herz wächst. Man möchte mehr von ihr erfahren, wer sie ist und was ihr widerfahren ist. Ich mochte sie sehr gerne und konnte ihre Handlungen nachvollziehen. Taru ist mir genauso sympathisch geworden. Auch er hat mit seiner Vergangenheit zu kämpfen und nicht nur, weil er eine Strafe absitzen muss. Darüber fällt es beiden unheimlich schwer, eine Beziehung zueinander aufzubauen, aber tatsächlich können sie auch miteinander reden. Nebenfiguren gibt es gar nicht so viele, die meisten, wie z. B. die Götter oder mythischen Wesen tauchen nur kurz auf. Das passte hier aber wirklich sehr gut zusammen. Mein Fazit: eine schöne Urban Fantasy/Romantasy Geschichte, die sich wunderbar für kuschelige Lesestunden eignet. Sympathische Charaktere, Slow Burn Romance, ein kleines bisschen Spice und Mythos sind eine gelungene Mischung, die ich gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 10.10.2023

Es war einmal...

Ever & After, Band 1: Der schlafende Prinz (Knisternde Märchen-Fantasy der SPIEGEL-Bestsellerautorin Stella Tack)
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...Eine Nachfahrin von Schneewittchen namens Rain White, soll zu ihrem achtzehnten Geburtstag, wie viele andere Nachfahrinnen der Märchenfamilien, den Prinzen, der seit vielen hundert Jahren schläft, durch ...

...Eine Nachfahrin von Schneewittchen namens Rain White, soll zu ihrem achtzehnten Geburtstag, wie viele andere Nachfahrinnen der Märchenfamilien, den Prinzen, der seit vielen hundert Jahren schläft, durch einen Kuss aufwecken. Die Legende sagt, dass auch die Magie wieder erwachen wird, wenn es gelingt, den Prinzen zu wecken. Doch Rain ist alles andere als glücklich und versucht zunächst, diesem Kuss zu entgehen. Allerdings muss sie sich letztendlich geschlagen geben und ausgerechnet bei ihr scheint der Prinz tatsächlich zurückzukehren. Die Magie, die nun erwacht, ist jedoch nicht das, was die Familien sich erhofft hatten und plötzlich muss Rain, gemeinsam mit Freunden alles daran setzen, sieben Prüfungen zu bestehen, damit die Welt, wie wir sie kennen, nicht untergeht.
Stella Tack konnte mich schon mit einigen ihrer Bücher begeistern und so war ich hier sofort Feuer und Flamme und wollte dieses Buch unbedingt lesen. Auch hier schafft es die Autorin mit ihrem lebendigen und flüssigen Schreibstil den Leser in ihren Bann zu ziehen. Mit genau der richtigen Mischung aus Details und Tempo entsteht ein Kopfkino vom Feinsten.
Ich bin ein großer Fan von Märchenadaptionen und diese hier hat es ganz schön in sich, da die Autorin auch nicht vor blutigeren Details zurückschreckt, Märchen sind halt doch ganz schön brutal.
Der Einstieg beginnt langsam und harmlos, man erhält einen Blick auf die temperamentvolle Rain und ihre Freunde und Familie. Doch kaum hat Rain beim Küssen des verstaubten Prinzen etwas magisches in Gang gebracht, gibt es mehr als genug Action und Tempo. Gemeinsam mit der Protagonistin wird man hier völlig überrascht und überrumpelt und muss so einige Abenteuer bestehen. Wer hat Angst vorm bösen Wolf ist eine durchaus berechtigte Frage.
Das Setting ist ausreichend beschrieben, das Hauptaugenmerk liegt aber hier auf der Handlung, die wirklich jede Menge Abwechslung bietet.
Rain, die Protagonistin, ist mir schnell ans Herz gewachsen und ich mag ihre ganze Art. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und ist clever, durch und durch loyal und mit den Ereignissen überfordert, was sie umso menschlicher macht. Seit ihrer Kindheit hat Rain ein Geheimnis, einen imaginären Freund im Spiegel. Doch wie imaginär er wirklich ist, verrate ich hier nicht.
Alle Nebencharaktere sind einfach toll gezeichnet und man liebt oder hasst sie, je nachdem, wie sie handeln.
Mit dem Ende lässt uns Stella Tack mit einem fiesen Cliffhanger zurück und ich wünschte, ich könnte gleich weiterlesen. Falls Rumpelstilzchen hier also mitliest, was möchtest du für die Fortsetzung?
Mein Fazit: actionreich, spannend, oft unvorhersehbar und auch manchmal zum Schmunzeln und zum Verlieben - mit dieser Geschichte konnte mich die Autorin absolut begeistern und fesseln. Ich sag nur: lies dieses Buch nicht, wenn du noch etwas anderes vorhaben solltest, denn man kann es nur schwer aus der Hand legen.