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Veröffentlicht am 08.09.2019

Alex ist nicht für jeden was...

Midnight Blue
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Der Klappentext:

Indigo Bellamy zögert nicht lange, als sie das Jobangebot erhält: Sie soll Alex Winslow, den größten Rockstar der Welt, auf seiner Tournee begleiten und dafür sorgen, dass er nicht wieder ...

Der Klappentext:

Indigo Bellamy zögert nicht lange, als sie das Jobangebot erhält: Sie soll Alex Winslow, den größten Rockstar der Welt, auf seiner Tournee begleiten und dafür sorgen, dass er nicht wieder auf die schiefe Bahn gerät. Doch das ist leichter gesagt als getan. Nicht nur ist Alex alles andere als begeistert von der Babysitterin, die ihm an die Seite gestellt wird – vom ersten Moment an knistert es zwischen ihm und Indigo heftig. Dabei haben beide mit den Dämonen ihrer Vergangenheit zu kämpfen und sind nicht bereit, ihr Herz erneut zu riskieren …

Das Cover:
Ich weiß nicht, ob es euch aufgefallen ist, aber das Buch ist bereits 2018 mit einem anderen Cover erschienen. Darauf der obligatorische halbnackte Kerl. Da bin ich dann doch froh, dass das neue Cover von Kerlen Abstand nimmt:) Stattdessen passt es nun wunderbar zum Titel , zur Geschichte und zu Alex, den ihr euch beim Lesen des Buches genauso vorstellen werde, wie auf dem Cover abgebildet. Das Bild verdeutlicht einfach, dass es hier um die Worte geht, die aus seiner Seele kommen und in seine Songtexte fließen. Dies ist ein großer Teil der Geschichte, auch wenn es nicht ganz so einfach ist, wie es jetzt vielleicht klingen mag.

Der Schreibstil:
L. J. Shen schreibt flüssig und leicht lesbar. Das ist Fakt. Dieses Mal bin ich auch wirklich durch die Seiten geflogen und habe die ein oder andere Situation, den ein oder anderen Schlagabtausch bewundert. Besonders genossen habe ich Alex Passagen, die einfach so wunderbar zu seinem Charakter passen. Es fühlte sich an, als würde er einem die Worte vor die Füße spucken. Seine Mentalität war nicht zu verleugnen.
Und dann sind da natürlich noch die wunderbaren Songtexte, die wunderbaren Worte der Liebeserklärung und alles andere, was für die Geschichte gar nicht so wichtig ist, uns Leser aber verzaubert. Der Schreibstil hat mir also wirklich gut gefallen:)

Sogar der Schmerz, den er mir verursacht, war kostbar, weil es zugleich sein eigener war.“

MIDNIGHT BLUE – L. J. SHEN
Die Charaktere:
Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Hauptprotagonisten Indie und Alex erzählt.

Indie ist zu Anfang das kleine, schüchterne Mäusschen, dass alles für ihre Familie tun würde. Überraschenderweise ist sie dafür bereit mit allem, was sie hat, zu kämpfen. So passt sie gut zu Alex, dem sie anfangs immer wieder Paroli bietet. Ich mochte ihre unkonventionelle Art, die Tatsache, dass sie sich stets bewusst war, worum es ging, und ihren großen Willen, der ihr dabei geholfen hat, ihren Stolz zu bewahren.
Anfangs fand ich sie somit super sympathisch und genau richtig für die Rolle. Dann kam jedoch die Wendung. Schneller, als ich es für möglich gehalten hatte, verliebt sie sich in Alex. Es ist, als würde sie einfach über all seine Macken hinwegsehen und Licht sehen, wo keines ist. Denn mir als Leser wurden zu der Zeit noch keine Lücken in Alex´ Panzer aufgezeigt. Er war einfach Alex. Respektlos, gemein, selbstbezogen und ein Lügner. Da fing es dann an mit meiner Skepsis gegenüber Indie? Sieht sie etwas, das ich nicht sehe? Reicht das äußere Bild des Rockstars, um tiefe Gefühle zu entwickeln? Offenbar schon. Ich habe es dann einfach hingenommen, weil es ja früher oder später eh so kommen musste. Aber ich hätte mich doch gefreut, ein bisschen mehr von ihr über ihre Gefühle zu erfahren… Und so geht es dann weiter. Indie schrumpft in der Geschichte. Sie wird immer mehr zum Mitläufer. Jemand, der an Alex klebt, sich herumschubsen lässt, sich nach einem kleinen Aufstand sofort wieder beruhigt. Und als sie dann endlich wieder eine Rolle bekommt, bleibt diese dem Leser vorenthalten. Alles konzentriert sich auf Alex, von Indies Reaktionen bekommt man nichts mit. Dabei wären die so wichtig gewesen, um das Ende authentischer, aufwühlender und auch emotionaler zu machen.

Kommen wir zu Alex. Wie oben bereits erwähnt, gibt es viele unschöne Adjektive, mit denen man ihn beschreiben könnte. Aber natürlich lernt man ihn mit der Zeit (es dauert wirklich ein bisschen) immer besser kennen. Er hat Selbstzweifel, ist verloren in seiner eigenen Welt, ihm fehlt der Bezugspunkt und er stürzt sich in Gefühle und eine Situation, die ihm überhaupt nicht gut tun. All das konnte ich nach und nach verstehen. Ich habe immer wieder mit ihm gelitten und versucht, zu begreifen, was das alles mit ihm gemacht hat. Aber es gab dennoch Punkte, an denen ich ihn nicht als zerbrochene Seele sehen konnte. An diesen Punkten verhielt er sich wie der letzte A****. Er benimmt sich Indie und seinen Freunden gegenüber mehr als einmal äußerst respektlos, zeigt oft keinerlei Gefühle, ist geradezu eine glasklare Eiswand. Wenn ich mal das Gefühl hatte, er würde sich ein ganz klein wenig öffnen, machte er es durch die nächste Tat wieder zunichte. So war es für mich gegen Ende, wo er tatsächlich langsam Verstand bekommt, gar nicht einfach, ihm das zu glauben. Liebt er sie jetzt wirklich? Oder ist das nur wieder eine Methode, um sich selbst aus der Schlinge zu ziehen? Zumal ich es noch nie erlebt habe, dass die Sicht auf die künftige Miss Happy End sich innerhalb der Geschichte so dermaßen ändert…
Ich hätte mir einfach gewünscht, dass er schon etwas früher durchblicken lässt, was Indie ihm bedeutet. Ich fand es echt nicht okay, wie er mit ihr umgesprungen ist. Hier und da ein wenig mehr Disziplin, Zärtlichkeit und Ehrlichkeit hätten ihm wirklich nicht geschadet.

Zur Geschichte allgemein: (Achtung Spoiler!)
Ich hatte nach meinen Erfahrungen mit der Autorin wirklich keinerlei hohe Erwartungen an das Buch. Die einzige Vorstellung, die ich hatte, rührt von dem Buch „Rockstars bleiben nicht für immer“ von Kylie Scott, das ich vor einigen Jahren gelesen hatte. Also waren meine Erinnerungen nicht mehr wirklich frisch, aber ich hatte eben schon eine ähnliche Geschichte gelesen.
Der Anfang bringt gleich alle Protagonisten aufs Parkett, wie sie leiben und leben. Indigo mit ihrem untrüglichen Willen, Geld für ihre Familie zu verdienen, ein Haufen Musiker und Manager, die eigentlich nur ein Problem haben: Alex Winslow, der respektlos und unverschämt daherkommt. Er scheut wirklich vor nichts zurück und überrascht in jeder Situation mit der unmöglichsten Reaktion. Das fing ja schonmal gut an. Ich war total gespannt. Wie bekommt man bitte so einen Typen rum? Ehrlich: Ich hätte ihn nicht mal mit der Kneifzange angepackt. Dafür war er mir einfach ZU heftig. Aber Indie lässt sich drauf ein, sie stürmt in den Kampf.
Danach geht die Geschichte wirklich gut vorwärts. Die Seiten flogen nur so dahin und ich war begierig darauf, herauszufinden, was als nächstes passiert. Zukunftsspannung nennt man sowas. Meistens die Spannung auf eine glücklicherer Zukunft. Das mit dem glücklich lässt hier aber lange auf sich warten. Alex bleibt gewohnt unausstehlich (und das im wirklich negativen Sinne) und Indie muss es irgendwie über sich ergehen lassen. Nur langsam kommen sie sich näher. Natürlich auf gar keinen Fall, weil er sie mag. Nein, Alex Winslow doch nicht. Schließlich gibt es da Fallon, die er nicht vergessen kann. Tja, was das mit Fallon so genau ist, weiß aber weder er, noch man als Leser ganz genau. Sie ist einfach immer präsent. Ich als Leser habe ich also schon einmal vorsichtshalber auf den großen Knall vorbereitet, sollte es je zu einem Aufeinandertreffen kommen. Bis dahin ist aber noch Zeit. Wir hätten nämlich noch Indies Bruder, der nichts als Ärger macht, aber wunderbare Situationen schafft, in denen Alex Indie bezirzen kann, Lucas, der irgendwie was von Indie will, oder vielleicht auch nicht?, und Alex natürlich, der eigentlich immer im Mittelpunkt steht. Es ist also genug Drama vorhanden, trotzdem ist es mir beim Lesen gar nicht soo aufgefallen. Es passte einfach so wie es war in den Handlungsverlauf, auch, wenn ich über die ein oder andere Sache wütende Diskussionen hätte führen können (nicht, weil es schlecht eingefügt war, sondern weil die Protagonisten einfach manchmal ziemlich dumme Sachen (im Sinne von: Müsst ihr der lieben Indie nun solche Probleme bereiten?) gemacht haben).
Gut dargestellt fand ich den Druck, der auf Alex lastete. Als gefeierte Rockstar, der bereits viel riskiert und versiebt hatte, hat er viel wieder aufzuholen und alles und jeder in seinem Leben erinnert ihn daran. Das wird innerhalb der Geschichte nie vergessen. So kommt es, dass die schönsten Szenen während seiner Arbeit entstehen. Wenn ihr es lest: Ihr werdet die Flurszenen lieben:) Aber das ist für ihn natürlich noch kein Grund, nett zu Indie zu sein. Er bleibt immer noch ein Blödmann. So weit sind wir noch nicht.
Durch die zwei Perspektiven kommt man als Leser näher an alles heran, muss aber auch miterleben, wie die Unwissenheit dem anderen gegenüber, demjenigen großen Schmerz beibringt. So gab es wirklich gut gemachte Szenen, in denen Indie Alex oder Alex Indie Dinge vorwirft oder an den Kopf wirft, über die der jeweils andere vorher noch ausführlich nachgedacht hat, sodass man als Leser förmlich spürt, wie das Messer in die Wunde gestochen wird. Auch da hätte es Alex geholfen, wäre er ein bisschen offener.
Das Ende geht dann geradezu flott. Der große Knall, dann geht es im Zeitraffer weiter. Ich freue mich wirklich, dass es so ein schönes Happy End gibt, aber ist das wirklich so realistisch? Es fühlte sich für mich ein wenig zu happy an. Schon vorher ist mir in der Geschichte aufgefallen, dass Dinge, von denen ich gedacht hätte, dass sie zum großen Drama werden, nur mäßig behandelt werden. Das ist einerseits natürlich schön, denn keiner braucht unnötig viel Drama, aber am Ende ist es mir dann doch etwas aufgestoßen, denn erst mit dem UnterdenTeppichkehren des letzten Dramas, verläuft alles happy ab. So war ich mit dem Ende nicht ganz zufrieden, kann es aber so hinnehmen, da Indie es sich wirklich verdient hat. Ich hätte es mit dem Typen jedenfalls nicht ausgehalten. Dafür hat er mir zu wenig geboten. Songtexte schreiben können auch andere. Aber jeder, wie er will:)

Was mich noch wirklich wirklich gestört hat, und das ist jetzt super subjektiv, ist die Tatsache, dass das Buch nur wenig Romantik enthält. Durch Alex`Art muss man sich als Leser mit den kleinen Dingen zufriedengeben. Ein Satz, der nicht böse gemeint ist, ein Fahrradausflug mit mäßig netten Kommentaren oder ein hingeworfenes Geständnis, das im nächsten Moment wieder revidiert wird. Ich habe wirklich die ganze Zeit darauf gewartet, dass er sie einmal in den Arm nimmt, einmal zeigt, dass er Zärtlichkeit ihr gegenüber verspürt. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich das so vermissen könnte.

So und jetzt möchte ich noch einen anderes Thema das Buch betreffend ansprechen: der Drogenkonsum.
Ich habe das Buch zusammen mit einer Freundin gelesen und wir waren uns einig darin, dass der Drogenkonsum hier viel zu wenig verteufelt wird. Damit meine ich nicht, dass man Drogensüchtigen niemals mehr eine Chance geben sollte oder derartiges, sondern den Fakt, dass Alex und seine Ex-Freundin viel mit Drogen zu tun haben. Und dann geht es für drei Monate in eine Klinik und alles ist wieder gut. Das Anfahren von Menschen im zugedröhnten Zustand ist als Gesprächsthema schnell wieder abgehandelt und die Eltern und die Schwester von Alex haben noch andere Probleme, sitzen dort aber mit drei kleinen Kindern, den Alex bloß Geschenke machen will. Ich hätte es mir dann doch gewünscht, dass ein bisschen vehementer gegen das Ganze angegangen worden wäre. Schließlich ist so ein Buch eine gute Möglichkeit, um Gedanken beim Leser in Bewegung zu setzen. So hätte Alex vielleicht mal nicht an sich selbst denken können (von wegen die Kleinen brauchen wie er eine Gitarre), sondern sich darum Gedanken machen, sie von dort wegzuholen oder zumindest mit der Schwester zu reden.
Fallon kommt ebenfalls glimpflich mit ihrer Strafe davon und ist jetzt glückliche Yogalehrerin und Alex hat nach drei Monaten Klinikaufenthalt alles hinter sich.
Ich kenne mich nicht mit Drogen aus, aber ist das wirklich so?

„Ich gehöre dir.“ (…) „Bis zur allerletzten Note.“

MIDNIGHT BLUE – L. J. SHEN
Fazit:
Midnight Blue ist auf jeden Fall ein Buch, mit dem man sich anfreunden muss, da Alex nicht der einfachste Protagonist ist. Er war mir einfach ein wenig to much, ein wenig zu respektlos und hatte einen zu großen Part in der Geschichte. Ansonsten ließ sich das Buch aber gut lesen, die Spannung war da, die Songtexte sind wunderbar und Indie fand ich wirklich süß.
Wer die bisherigen Bücher der Autorin nicht so toll fand (wie ich), der bekommt hier auf jeden Fall nochmal was anderes geboten und kann dann sehen, wie es ihm gefällt. Ich kann nur sagen, dass man zwischen Vicious und Alex definitiv Parallelen ziehen kann und das gefällt mir nicht ganz so gut.

4 von 5 Sterne.



Veröffentlicht am 03.09.2019

Konnte mich nicht überzeugen

Extended trust
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Hier einmal der Klappentext:
Allein die Vorstellung, mit Männern intim zu werden, löst bei Charlotte Young seit Jahren Panik aus. Um sich endlich von dieser zu befreien, wählt sie eine ungewöhnliche Selbsttherapie, ...

Hier einmal der Klappentext:
Allein die Vorstellung, mit Männern intim zu werden, löst bei Charlotte Young seit Jahren Panik aus. Um sich endlich von dieser zu befreien, wählt sie eine ungewöhnliche Selbsttherapie, die sie geradewegs ins Extended führt – einen exklusiven Club, der sich ausschließlich um die sexuellen Bedürfnisse von Frauen kümmert.
Hier trifft sie auf Trenton Parker: Clubbesitzer, Barkeeper und Callboy. Bei Charlotte spürt er sofort, dass sie keine gewöhnliche Kundin ist. Denn obwohl sie den Vertrag für Mitglieder unterschreibt, weist sie ihn zurück, was nicht nur einen ungeahnten Reiz auslöst, sondern Gefühle in ihm weckt, mit denen er nicht gerechnet hätte …
Er setzt alles daran, aus Charlottes widersprüchlichem Verhalten schlau zu werden und ihr Vertrauen zu gewinnen. Und auch sie sucht immer wieder seine Nähe. Doch was, wenn ihre seelischen Wunden tiefer reichen, als er erahnen kann?

Der Schreibstil:
Eigentlich ließ sich alles recht flüssig lesen, allerdings haben mir immer wieder Beschreibungen gefehlt. Es war für mich nicht nur schwer, mir die Charaktere vorzustellen, sondern auch das ganze Setting. Dazu kam, dass keine Gefühle transportiert wurden. So fühlte sich der Schreibstil ziemlich platt an.
An einigen Stellen hatte ich außerdem das Gefühl, dass er noch ein wenig unausgereift ist

Die Charaktere:
Charlotte war mir am Anfang sehr sympathisch. Ich konnte ihre Gefühle sehr gut nachempfinden und habe wirklich mit ihr mitgefiebert. Dann aber bezieht sich alles immer mehr auf ihre Ängste und ihr Verhalten gegenüber Trenton und ab da kam ich manchmal nicht so ganz mit. Ihr Verhalten war manchmal einfach nicht für mich nachvollziehbar. Zum Beispiel, wann sie Alkohol trinkt, warum Dinge, wie mit ihrer Schwester zu reden, auf einmal so leicht gehen und wann es okay ist, wenn Trenton sie berührt. Mir kam es so vor, als hätte sie zu viele Liebesgeschichten gelesen und suchte nun den einen perfekten Prinzen, der alles so macht, wie sie sich das vorstellt. Wenn dann mal was Unverhofftes geschieht, wirft sie das aus der Bahn. Da fehlten mir bei ihr einfach die Prozesse, die es dem Leser begreiflich machen, und die Authentizität.

Trenton konnte ich gar nicht einschätzen. Erst wird das Bild eines Bad-Boys heraufbeschworen. Lederjacke, Boots, Dreitagebart, Tattoos, grimmiger Blick. Alle stereotypischen Merkmale sind äußerlich da. Anhand seines Verhaltens wird dieser Eindruck jedoch nicht unterstützt. Auch, wenn man sich manchmal wünscht, dass nicht alles so klischeemäßig ablaufen würde, so wurden hier einfach zwei Bilder von Trenton vermittelt, die nicht aufeinander passten. Denn in Wirklichkeit ist Trenton ein weißer Prinz. Und damit genau der, nach dem Charlotte sucht. Er ist einfach perfekt, macht alles richtig, redet mit ihr, hat ein schlechtes Gewissen, ist geduldig. Ich habe wirklich keine Ecken und Kanten gefunden und genau das hat mich gestört, denn die Realität ist nicht immer so abgerundet und da Charlotte schon so märchenhaft daherkam, war es mit Trentons Charakter dann einfach zu viel.

Alle anderen Charaktere kamen mir etwas zu kurz. Sie ploppten kurz auf, waren auch präsent für mich und durchaus charakterisiert, gleichzeitig verschwanden sie aber auch immer so schnell, dass ich sie nicht für voll nehmen konnte. Eigentlich war es nur ihre Aufgabe, zu sagen, dass sie irgendwo hinmüssten (oder ein Baby kommt) und Charlotte allein zu lassen, damit diese sich Trenton zuwenden kann.

Zur Geschichte allgemein:
Erst einmal zur Idee. Die fand ich anfangs super. Charlottes Situation kam so echt und unschuldig rüber, dass ich gerne weitergelesen habe. Dazu war ich davon angetan, dass es nicht dieses große Klischee (Bad Boy trifft auf schüchternes, unschuldiges Mädchen, sie ist total verzaubert, er macht sie mutiger, sie bändigt ihn) bediente, denn Trenton ist alles andere als ein Bad Boy.
So waren die ersten Kapitel sehr interessant und spannend. Dann aber ging alles immer schneller. Trenton liebt Charlotte und andersherum. Da gibt es nicht viel zu diskutieren, sie beide wissen es und jetzt muss Charlotte nur noch das „Problem“ bewältigen. Dieses wird groß hervorgehoben, immer wieder betont und in Charlottes Kopf ist sowieso von nichts anderem die Rede.
Ich will nicht bewerten, was jemand nach so einem Erlebnis für Gefühle und Ängste hat. Davon habe ich keine Ahnung, aber ich war zwiegespalten, was Charlottes Verhalten dahingehend angeht. Die Beziehung zu ihrer Schwester und ihre Zurückgezogenheit? Kein Problem, habe ich ihr so abgenommen. Auch, dass sie bei Kerlen vorsichtig ist. Aber danach hätte ich mir in Bezug auf Trenton ein etwas anderes Verhalten gewünscht. Es erweckte bei mir einfach nur den Eindruck, als bräuchte sie Vertrauen, um mit einem Mann intim zu werden und das finde ich nicht unnormal. Ich kann mir vorstellen, dass es so einigen Mädchen/Frauen so geht und vielleicht hat ihr Erlebnis dies unterstützt, aber es war kein Verhalten wie nach einem Trauma. Zumal sie sich ja trotz allem auf den Mann eingelassen hat.
Wer diesen Absatz nicht so sieht, ignoriert ihn bitte, denn es ist meine völlig subjektive Meinung und wie gesagt: Ich habe davon eigentlich keine Ahnung.
Jedenfalls war der interessante Teil nach der Hälfte des Buches vorbei. Ein bisschen Drama noch seitens Trenton, dass dann aber doch nicht so schlimm war und Charlotte macht unglaublich schnell Fortschritte, ohne den Leser richtig mitzunehmen. Ich habe mich ein wenig gelangweilt.
Was ich mir auf jeden Fall noch gewünscht hätte, wäre eine kleine Thematisierung des Altersunterschieds gewesen. Keineswegs denke ich, dass dieser zu groß war, aber Trenton mit seinem Laden und den Erfahrungen mit seinen Eltern, hätte sich ruhig noch etwas älter verhalten können. Es war einfach merkwürdig, dass dies nicht einmal erwähnt wurde. Aber das hat vielleicht auch wieder mit dem Setting zu tun, dass die beiden in einen imaginären Raum gehoben hat, in dem nur ihre Liebe zählte…

Fazit:
Mich konnte „Extended Trust“ nicht vollkommen überzeugen. Die Idee und den Anfang fand ich gut, danach wurde es aber ziemlich langweilig und es haben mir viele Beschreibungen und Informationen gefehlt, die das Ganze authentischer gemacht hätten.

3 von 5 Sterne von mir.

Veröffentlicht am 01.09.2019

Liebe und Action - Was will man mehr?

Golden Dynasty - Brennender als Sehnsucht
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Klappentext:
Unfassbar reich, unglaublich mächtig – und sie füllen die Titelseiten der Boulevardpresse. Nikki Besson weiß nur zu gut, wie die Welt der de-Vincent-Brüder aussieht. Denn als Tochter der Haushälterin ...

Klappentext:
Unfassbar reich, unglaublich mächtig – und sie füllen die Titelseiten der Boulevardpresse. Nikki Besson weiß nur zu gut, wie die Welt der de-Vincent-Brüder aussieht. Denn als Tochter der Haushälterin ist sie gemeinsam mit ihnen aufgewachsen. Aber nie hätte sie gedacht, dass sie einmal auf das Anwesen in Louisiana zurückkehren würde, um selbst für diesen skandalumwitterten Clan zu arbeiten. Dorthin, wo sie sich in Gabriel verliebt hat – den sie seit dieser verhängnisvollen, stürmischen Nacht von damals nie wiedersehen wollte ….

Der Schreibstil:
Die Autorin hat mich mit ihrem Schreibstil wieder vollkommen gepackt. Einerseits ist alles total spannend, actiongeladen und interessant, andererseits aber auch sehr gefühlvoll, detailreich und auch die andere Spannung kommt nicht zu kurz. Mir hat’s super viel Spaß gemacht, es zu lesen!

Die Charaktere:
Fangen wir mit Nicolette Besson an, oder wie sie sich selbst nennt Nikki. Wie so oft, war ich mir bei ihr zu Anfang total unsicher. Ihre Schwärmerei für einen älteren Kerl, die Nähe zu den Eltern und ihre Unerfahrenheit lassen zuerst den Eindruck enstehen, es handle sich hierbei um eine schüchterne Protagonistin, die erst noch zu sich selbst finden muss. Das stimmt auch, aber ganz anders als gedacht. Denn genug Schmackes steht bei Nikki schon längst dahinter. Sie weiß, wie der Hase läuft und lässt sich nicht für dumm verkaufen. Immer wieder liest man Passagen, die aus ihrer Vergangenheit erzählen (sie werden aber zum Glück echt kurz gehalten) und weiß somit als Leser genau, wo ihre Schwächen liegen, aber das weiß Nikki auch und kann somit dagegenarbeiten. Ihre größte Schwäche ganz klar: Gabriel de Vincent. (Lasst euch nicht von dem Gerede ihrer angeblich größten Schwäche, „sie müsse jedem helfen“, ablenken, für die Geschichte spielt es so gut wie keine Rolle.)
Ich war nicht selten total beeindruckt von ihr, weil sie ohne Umschweife durchschaut, was Gabriel oder wer auch immer mit ihr abzieht und entsprechend reagiert. Und diese Reaktionen sind dann mehr als selbstbewusst und auch selbstkontrolliert. Sie zeigt ihm, dass sie nicht alles mit sich machen lässt und keineswegs das junge Mäuschen ist, dass andere in ihr sehn.
Für mich war sie die ideale Protagonisten, weil sie natürlich manchmal zweifelt und sich eigentlich hoffnungslos verliebt hat, gleichzeitig aber auch nicht nervt, selbstbewusst und emotional ist.

Weiter geht´s mit Gabriel de Vincent. Anders als Nikki, kannte ich ihn schon aus dem ersten Band der Reihe. Dort lernte man ihn als den ruhigsten und normalsten der Brüder kennen. Er klang geradezu, als wäre er der Good Guy schlechthin. Aber natürlich schlummert auch in ihm noch viel mehr. Stille Wasser sind tief… Aber so still ist Gabriel gar nicht. In diesem Buch beweist er, dass er ein unglaublich leidenschaftliches Leben führt, auch wenn es vielleicht ruhiger ist, als das der anderen.
An ihm hat mir gut gefallen, dass er einerseits älter ist und schon eine gewisse Lebenserfahrung hat (mit den de Vincent-Brüdern braucht man das auch) , andererseits aber immer noch etwas lernen muss, sich dabei aber glücklicherweise nicht ganz so dumm anstellt. Er war schon einmal verliebt und hat diese große Liebe verloren. Deshalb will er sich ungern zu schnell auf etwas Neues einlassen und überlegt sich vor allem vorher gut, was es für Auswirkungen für seine Zukunft hat. Klar, am Ende ist alles trotzdem nicht einwandfrei gelaufen, aber irgendwann bekam er die Kurve und man hat richtig gemerkt, wie er sich nicht nur verliebt hat, sondern auch mit einem Teil seiner Vergangenheit abschließen konnte.
Als Charakter fand ich ihn unheimlich gut, weil er sehr einfühlsam war, Nikki nie bedrängt hat, ihr aber trotzdem immer ein gutes Gefühl gegeben hat, und trotzdem schlummerte da in ihm noch eine dunklere Seite, die zutage kommt, wenn er leidenschaftlich für etwas kämpft. Und das tut er.
Für mich persönlich hätte er sich aber ruhig noch etwas älter (Nikki auf gar keinen Fall jünger) verhalten können, denn der Unterschied wird im Handlungsverlauf als Problematik aufgeführt, zwischen den beiden bemerkte man ihn jedoch nicht. (Allerdings kann man dies auch positiv auffassen, denn so war die Sympathie zwischen ihnen natürlich größer und man konnte die beiden als Leser leichter als Paar sehen.)
Er war einfach das perfekte Gegenstück zu Nikki und ich kann mir die beiden sehr gut als Paar vorstellen, dass irgendwann mal heiratet und Kinder bekommt.

Zur Geschichte allgemein:
Ich möchte es bald nicht schreiben, weil die Geschichte mir super gefallen hat, aber die ersten 80-100 Seiten fand ich ziemlich lahm. Es passierte so gut wie nichts und der Leser erfuhr ein klein wenig zu viel, um die ganze Situation noch spannend zu finden.
Dann wurde es aber zum Glück besser. Spannung baut sich auf, sowohl zwischen den Protagonisten als auch mithilfe von Action. Wie bereits im ersten Band bietet dieses Buch nämlich weitaus mehr, als eine bloße Liebesgeschichte. Der Spuk im Haus der de Vincents schlägt wieder zu. Diesmal fand ich es jedoch sehr geschickt gemacht. Man war sich als Leser nie sicher, ob es jetzt wirklich ein Geist sein könnte oder ob nicht doch wer anders dahinter steckt. Die Auflösung war dann fulminant. Packend, erschreckend, überraschend und genial. Soviel hätte ich wirklich nicht erwartet.
Aber auch die Liebesgeschichte konnte bei mir punkten. Zwischen Nikki und Gabriel steht von Anfang an sehr viel, sodass es langsam aber stetig vorangeht. Es hatte für mich genau das richtige Tempo und ich konnte richtig schön mitverfolgen, wie die Liebe zwischen ihnen immer größer wird. An den Stellen, an denen es krieselte, sah man das Drama schon kommen, einfach, weil die vorangegangenen Handlungen dies nach sich ziehen mussten. Aber gehört es sich bei Liebesgeschichten und Nikki hat dafür gesorgt, dass sich alles für den Leser zufriedenstellend entwickelt.
Ich war total begeistert und hätte es mir vom Ablauf her nicht anders gewünscht.

Fazit:
Dieses Buch hat mich echt positiv überrascht. Die Liebesgeschichte zwischen Nikki und Gabriel war ergreifend und emotional und dazu kam noch eine ordentliche Portion Action, der die Geschichte sehr spannend und interessant gemacht hat. Das Spukhaus der de Vincents ist wirklich mal etwas ganz anderes in diesem Genre und konnte mich dieses Mal vollkommen überzeugen.
Einzig der Anfang des Buches war etwas lahm, aber darüber sehe ich gerne hinweg, bei dem, was es noch zu bieten hat:)

5 von 5 Sterne von mir!

Veröffentlicht am 28.08.2019

Das Feeling stimmt

Die Prinzessinnen von New York - Scandal
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Klapptentext:
Mädchen, die in schönen Kleidern nächtelang feiern. Junge Männer mit verführerischem Lächeln und gefährlichen Absichten. Das ist die Welt, in der Elizabeth und Diana Holland leben. Eine Welt ...

Klapptentext:
Mädchen, die in schönen Kleidern nächtelang feiern. Junge Männer mit verführerischem Lächeln und gefährlichen Absichten. Das ist die Welt, in der Elizabeth und Diana Holland leben. Eine Welt voller Luxus und Vergnügen, aber auch Intrigen und Verrat. Denn dort, wo es nur auf den äußeren Schein ankommt, kann ein Fehltritt den Ausschluss aus der High Society bedeuten. Als sich It-Girl Elizabeth jedoch in den mittellosen Will verliebt, droht sich das Leben der Schwestern für immer zu verändern …

Der Schreibstil:
Am Anfang des Buches war ich total verwirrt. Erst ein Prolog, in dem jede Menge Namen genannt wurden, und dann ging es mit Kapiteln weiter, die jedes Mal aus einer anderen Perspektive erzählten. Aber keine Angst, die erste Orientierungslosigkeit legt sich nach fünf Kapiteln, die übrigens sehr interessant sind. Dann wiederholen sich nämlich die Erzähler und man verspürt das erste Mal Gossip-Girl Feeling, denn die Erzähler sind sehr verschieden.
Den Schreibstil fand ich ansonsten sehr schön fließend und gut lesbar. Es war durchweg spannend und leicht zu lesen. Die Sprache ist ein Mischmasch aus altmodischer Sprache und modernen Wörtern. So wird man zwar in die Zeit zurückversetzt, aber es wird nicht zu altbacken und vielleicht holprig zu lesen. Der Stil hat mir in seiner Mischung einfach sehr gut gefallen:) Dazu gab es unheimlich viele Beschreibungen der Kleider und Anziehsachen, sodass mir die Zeit die ganze Zeit bewusst war, gleichzeitig war aber auch klar, dass ich es mit der Oberschicht zu tun habe.

Die Charaktere:
Zu den Charakteren könnte ich unheimlich viel schreiben, denn es gibt fünf Hauptprotagonisten. Tatsächlich aber halte ich mich dennoch kürzer, denn die Charaktere lassen sich recht gut mit denen von Gossip Girl vergleichen, bzw. einordnen. Da wäre einmal Elizabeth, die das funkelnde Sternchen der Gesellschaft bildet, hinter ihrem Rücken aber von vielen beneidet und gehasst wird, dann Penelope, die hinterlistige Zicke, die weiß, was sie will und nicht davor zurückscheut zu tun was nötig ist, um dies zu bekommen. Weiter ist da Diana, die von vielen unterschätzt wird, aber ein unheimlicher Freigeist ist und in der weit mehr schlummert, als die anderen vermuten. Ich persönlich fand sie am spannendsten. Mit ihr konnte ich mich am besten identifizieren und ihre Hintergrundhandlungen geben dem Leser die Liebesgeschichte, die er unbedingt haben möchte, denn die zwischen Elizabeth und Will ist dann doch etwas zu seicht.
Und dann gibt es noch Lina, die mehr sein will, als sie ist und dafür auch zu unehrlichen Mitteln greift. Im Prinzip ist sie aber nur eine Spielfigur.
Alle Protagonisten konnte man sehr gut kennenlernen. Auch ohne, dass es ihnen direkt zugeschrieben wurde, erkennt man recht schnell ihre Charaktere und versteht ihre Motive. Besonders interessant fand ich es, alle Protagonisten aus den unterschiedlichen Perspektiven betrachten zu können. Das hat das Gefühl in mir verstärkt, es mit einer eingeschworenen Gesellschaft, einer High Society, zu tun zu haben. Vieles ist gespielt, es wird viel getuschelt und gelästert, und es gibt Gefühle dort, wo man sie nicht vermuten würde. Ich fand es wirklich ganz wunderbar, dass so mitverfolgen zu können.

Zur Geschichte allgemein:
Die Story war von Anfang an sehr spannend. Dafür sorgte schon der Epilog, der etwas Entscheidendes vorwegnahm. So wusste man zwar ungefähr, wie es ausgeht, aber nicht wie es dazu kommt. Das hat die Spannung ziemlich hoch gehalten, gerade weil innerhalb der Geschichte nicht viel daraufhin deutete und der Handlungsverlauf so vielschichtig war.
Dieses Vorwegnehmen zieht sich durch das ganze Buch. Am Anfang jedes Kapitels gibt es einen kleinen Ausschnitt aus einem Tagebuch, einem Journal, einer Zeitung oder dergleichen, die das Entscheidende des Kapitels bereits herausstellen. So ist die ganze Geschichte ein ständiges Tauziehen zwischen Wissen und Unwissen und dem, was man als Leser glaubt zu wissen.
Ansonsten fand ich den Aufbau sehr gelungen, da es wirklich alles ineinander verstrickt ist, auch wenn die Story eigentlich gar nicht so viel Inhalt hat. Das muss sie meiner Meinung nach aber auch gar nicht, denn es erfüllt die Erwartungen einer Gossip-Girl Geschichte und darum geht es ja auch ein bisschen.
Mir hat dies in dem Setting sehr gut gefallen.

Fazit:
Wer Gossip-Girl mag, mit all den Intrigen, Zickereien, dem Neid und den verbotenen Liebeleien, der wird mit diesem Buch genau das Richtige finden. Den Schreibstil fand ich für das Thema mit seinen Beschreibungen sehr passend, die unterschiedlichen Charaktere erschaffen das richtige Feeling und es gibt viel Spannung durch die ein oder andere Prolepse. Dazu das interessante Setting des 19. Jahrhunderts. Mir hat das Buch wirklich gut gefallen.

5 von 5 Sterne von mir.

Veröffentlicht am 27.08.2019

Authentisch, realistisch

Alles, was wir liebten
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Klappentext:
Ich denke oft daran, dich zu vergessen, und merke dann, dass das unmöglich ist. Wie könnte ich jemanden vergessen, der ein Teil von mir geworden ist?

Anna und Fitz, die erste große Liebe ...

Klappentext:
Ich denke oft daran, dich zu vergessen, und merke dann, dass das unmöglich ist. Wie könnte ich jemanden vergessen, der ein Teil von mir geworden ist?

Anna und Fitz, die erste große Liebe – zwei, die irgendwie unzertrennlich schienen. Bis zu jenem Tag, an dem Anna flüchtete. Vor Fitz, ihrer Freundin Caro, ihrer Verantwortung und allem, was sie liebte. Erst Jahre später kehrt sie unerwartet nach Hause zurück. Doch in ihrer früheren Heimat führen alle Spuren auch unweigerlich zu Fitz. Die Begegnung mit ihm lässt die intensiven Gefühle zwischen ihnen wieder aufflammen. Anna begreift, dass es eine zweite Chance nur geben kann, wenn sie sich endlich den schrecklichen Ereignissen der Vergangenheit stellt. Doch wann ist es zu spät, um zu bereuen?

Der Schreibstil:
Ich habe die ganze Zeit überlegt, was diesen Schreibstil so besonders macht. Vielleicht sind es die vielen Adjektive, die Beschreibungen, als wäre man dabei und würde nicht nur beobachten, oder die Einblicke in die Vergangenheit, die ebenso spannend sind, wie die Gegenwart, und die Charaktere und Situationen sehr vielschichtig machen.
Mir hat der Stil einfach wunderbar gefallen. Es war durchweg spannend, es ließ sich flüssig lesen, ich wurde richtig in die Story hineingezogen und die Vergangenheitspassagen haben sich wunderbar eingefügt und waren super interessant. Das hat mich besonders erleichtert/positiv überrascht, denn schon öfters habe ich es erlebt, dass solche Passagen unheimlich langweilig waren, weil man so mit der Gegenwart mitfieberte. Hier war es aber tatsächlich so, dass ich unbedingt wissen wollte, was in der Vergangenheit passiert ist, denn anders wäre die Gegenwart nicht vollständig. Das hat die Autorin wirklich wunderbar komponiert.

Die Charaktere:
Jedes Kapitel beginnt mit einem Satz, ein paar Zeilen, die Anna geschrieben hat. Sie versetzen den Leser sofort in die aktuelle Situation: Ein Leben ohne Fitz. Es ist etwas passiert. Aber die Gefühle sind weiterhin da und Anna leidet.
Nun war es anfangs so, dass ich sehr skeptisch in Bezug auf Anna war, da sie doch eigentlich nur den Mund aufmachen müsste. Aber kennt nicht jeder Situationen, in denen das nicht so einfach möglich ist? Anna habe ich es abgenommen. Ich habe mit ihr gefühlt, mit ihr gelitten, und verstanden, welch blasses Abziehbild von sich selbst sie in ihrer Gegenwart nur noch ist. Das hat es mir leichter gemacht, ihre ganzen Handlungen zu verstehen.
So hat sie mir sehr gut gefallen. Trotz allem ist sie stark und hat sich bewiesen.

Fitz war nicht so sehr Hauptfigur wie man bei einer Liebesgeschichte meinen könnte. Das liegt hauptsächlich daran, dass aus seiner Perspektive nicht erzählt wird und Anna in der Gegenwart noch viel Wichtigeres zu bewältigen hat, als nur mit Fitz zu reden oder mit ihm zu knutschen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, ihn kennengelernt zu haben und fand ihn sehr sympatisch. Man versteht, wie Anna sich in ihn verlieben konnte.

Zur Geschichte allgemein:
Die Geschichte wird ungefähr abwechselnd in Kapiteln aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart erzählt. Beide Zeiten haben ihre eigenen Spannungsfaktoren und enthalten sowohl Dramatik als auch viel Traurigkeit. Es geht um viel mehr als eine bloße Liebesgeschichte. Oder vielleicht geht es auch nur darum, aber Anna und Fitz haben es nicht leicht und sind nicht die Einzigen, die mit ihren Gefühlen zu kämpfen haben.
Ich fand die ganze Story sehr eindrücklich, unheimlich tiefgreifend und an einigen Stellen geradezu schockierend realistisch. Die Handlung ist direkt aus dem Leben gegriffen.
Dazu ist es unheimlich emotional. Ich hatte regelmäßig eine Gänsehaut, so nah ging mir alles.

Fazit:
Eine wahnsinnig realistische und emotionale Liebesgeschichte, die Vergangenheit und Gegenwart spannend miteinander verknüpft. Ich war von der ersten Seite an gefesselt, habe mit den wunderbar beschriebenen Charakteren mitgefiebert und habe von einer Liebe gelesen, die aus vielerlei Gründen stark sein muss.
Mir hat das Buch wirklich gut gefallen und ich kann es nur empfehlen!

5 von 5 Sterne von mir!