Dark Romance in extra dark
Hurt Me, Deeply | Mit wunderschönem FarbschnittZur Info: Dies ist der dritte Teil der „Last Respects“-Reihe. Die Bücher sind unabhängig voneinander lesbar.
Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist recht einfach, aber dennoch sehr bildlich, roh ...
Zur Info: Dies ist der dritte Teil der „Last Respects“-Reihe. Die Bücher sind unabhängig voneinander lesbar.
Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist recht einfach, aber dennoch sehr bildlich, roh und spannungsgeladen. Ich bin durch die Seiten geflogen. Was mir aber etwas unverständlich geblieben ist, sind die Emotionen der Figuren. Zwar wurden sie beschrieben, aber es war schwer für mich, mich in dieses vollkommen andere Denken über das Leben anderer reinzuversetzen. Das hätte man glaube ich noch nahbarer machen können, um uns Leser:innen zumindest in dem Moment von der Rechtschaffenheit der Figuren zu überzeugen. So wie es jetzt war, passte es für mich dann einfach nicht so ganz in die wirklich Welt.
Auf der anderen Seite war es aber auch einfach spannend und interessant, die Mischung aus Folter, S** und bissigen Dialogen mitzuverfolgen. Manchmal wollte ich das Buch vor Ekel am liebsten weglegen, habe es dann aber doch nicht gemacht, weil mich die Handlung so mitgezogen hat. Diese Mischung sorgte also definitiv für eine Art Dynamik, die den Handlungsverlauf positiv beeinflusst hat.
Zur Geschichte allgemein:
Hauptfiguren dieser Geschichte sind Isla und Demjan, die beide Teil einer Familienkonstellation sind, die alles andere als friedliebend ist. Für Demjan ist Menschen töten an der Tagesordnung. Vor Gewalt schreckt er nicht zurück, nein er liebt sie geradezu. Und auch seine Freunde leben so und unterstützen ihn also in seinem Tun. Einerseits passt das natürlich sehr zum Genre und es war auch ganz spannend, einen solch „untypischen“ Beruf zu erleben, aber gleichzeitig blieb mir das alles auch sehr vage. Die meiste Zeit wirkten Demjans Aktionen sehr unüberlegt, impulsiv und voreilig. Einfach, um dann überzogen brutal zu sein. Ich weiß, wir sind hier im Genre Dark Romance, aber es wirkte auf mich einfach manchmal etwas random, da dies statt Geschehen, die die Handlung vorangebracht hätten, eingefügt wurden.
Isla mochte ich als Charakter ganz gerne. Sie ist in den besten Freund ihres Bruders verknallt, was natürlich verboten, dadurch für sie aber natürlich auch irgendwo super spannend ist. Cool fand ich an ihr, dass man eine Entwicklung ihres Charakters miterleben konnte. Anfangs ist sie recht unsicher, lässt sich noch viel herumschubsen, hat aber gleichzeitig schon ein schlagfertiges Mundwerk. Die Grundlagen sind also da, um mit Demjan mitzuhalten. Nach und nach findet sie dann heraus, was ihr Spaß macht, was sie zu ihrem Glück im Leben braucht und wie sie mit Demjan umgehen will. Manchmal auch auf einer tieferen Ebene, von der sie gar nicht weiß, dass sie existiert. So hat sie mir besser gefallen als Demjan, bei dem alles etwas oberflächlich bleibt.
Schade fand ich, dass Islas Bruder gar nicht viel Platz in der Geschichte bekommen hat, obwohl diese „verbotene“ Beziehung anfangs eigentlich ein Aufhänger ist, dann aber gar nicht weiter thematisiert wird. Außerdem war es mir so im Verhältnis ziemlich viel Folter und recht wenig Techtelmechtel. Bei Dark Romance erwarte ich schon irgendwie mehr Romance. Stattdessen ging es hier echt mehr um Demjans Vorlieben und dem Finden von Gemeinsamkeiten zwischen den beiden. Grundsätzlich ja nicht schlecht, aber die daraus entstandenen Szenen haben mich doch manchmal verstört. Das war mir einfach zu viel, weil ich es, wie oben schon beschrieben, nicht ganz nachempfinden konnte, weil ich keinen Zugang zu Demjan hatte und es mir so weit weg von der Realität schien. Denn ganz ehrlich (Achtung Spoiler): Demjan ist ein Serienmörder, wie er im Buche steht. Und das muss man mögen oder zumindest tolerien wollen, um dieses Buch wirklich genießen zu können.
Weiter zum Handlungsverlauf fand ich es ebenfalls etwas random, warum die beiden zusammen in den Urlaub gefahren sind, aber es sorgte natürlich für eine gewisse Nähe, die dann zu weiteren Verwicklungen geführt hat. Das war einfach gut für den Handlungsverlauf, sodass keine Längen entstanden und die beiden sich ja zwangsläufig miteinander auseinandersetzen mussten.
Auch auf anderen Ebenen überzeugt die Geschichte mit spannender Handlung. So gibt es noch einen Erzählstrang, der Gefahr in die Story bringt und gleichzeitig die Brücke zur Firma der Jungs schlägt und ebenso zu Islas Beruf.
Allerdings hat mich etwas enttäuscht, dass Isla trotz ihres Berufs etwas naiv wirkte. Da hätte irgendwie noch ein Kniff gefehlt, um mich zu überzeugen, dass die Verstrickungen für sie unabsehbar waren.
Fazit:
Insgesamt war „Hurt Me, Deeply“ für mich ein Buch mit Höhen und Tiefen. Der Schreibstil hat mich echt mitgezogen – bildlich, roh und voller Spannung. Ich mochte auch die Dynamik zwischen Isla und Demjan, vor allem weil sie sich gegenseitig herausfordern und dadurch etwas in Bewegung gerät. Isla war mir als Figur deutlich näher, bei Demjan blieb mir vieles einfach zu extrem und wenig greifbar. Auch wenn die Handlung stellenweise echt packend war, hat mir bei der Romance etwas die Tiefe gefehlt – es ging oft mehr um Gewalt und Macht als um echte Gefühle. Für mich war das teilweise zu drüber und dadurch nicht mehr wirklich nachvollziehbar. Wer Lust auf eine richtig dunkle Geschichte hat, die auch mal verstört, könnte hier trotzdem auf seine Kosten kommen – für mich persönlich war es aber eher ein „okay“, kein „wow“.
3 von 5 Sterne von mir.
Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar!