Letztlich fehlten ein paar Seiten
Don’t Fall for the Single DadIch bin super gut und schnell in die Geschichte eingestiegen. Charlotte lässt so ziemlich gar nichts anbrennen und entpuppt sich schnell als Frau, die sich holt, was sie will. Das war aber nicht immer ...
Ich bin super gut und schnell in die Geschichte eingestiegen. Charlotte lässt so ziemlich gar nichts anbrennen und entpuppt sich schnell als Frau, die sich holt, was sie will. Das war aber nicht immer so, was die Rückblicke in ihre und Garretts Vergangenheit bewiesen. Durch diese bekam die Geschichte eine Vielschichtigkeit und die Gefühle der beiden zueinander gewannen an Tiefe.
Dort, wo es anfangs ziemlich flott vorwärts geht und sich amüsante wie humorvolle, aber auch ernste Szenen aneinanderschmiegen, macht die Storyline ab der Hälfte circa einen Cut und dieser hängt mit der Entwicklung der Protagonisten zusammen.
Dort wo Charlotte forsch ist, ist Garrett zurückhaltend. Für ihn steht viel auf dem Spiel: Charlotte ist die Schwester seines besten Freundes und er hat eine Tochter und eine traurige Vergangenheit, die ihn immer noch beschäftigt. So wird aus einer heißen Bettgeschichte bei den beiden schnell etwas Tiefergehendes, denn mit diesen Dingen im Gepäck, ist nichts einfach einfach. Garrett und Charlotte müssen sich mit ihren Gefühlen füreinander und sich selbst gegenüber erkunden. Sie machen jeder für sich eine beeindruckende Entwicklung durch, in der sie ihre Zukunft für sich herausstellen. Was möchte ich? Was ist mir wichtig? Wo sind meine Baustellen? Das wird wirklich gut gemacht und fügt sich perfekt in die Lebenssituation von Garrett ein, in die Charlotte Einzug nimmt.
Drumherum geht es um Trauerbewältigung, die Erziehung einer Pubertierenden und die Frage danach, was man sich selbst erlaubt und was nicht. Ich fand, dass die Geschichte dies auf gute Art und Weise aufgriff und anhand beider Protagonisten bezüglich der verschiedenen Themen in Kurzversion gut die Problematik und Entwicklung darstellte. Da ist dann aber auch schon der Knackpunkt der Geschichte für mich. Zwar waren die Ansätze alle da und es war im Grunde genommen letztlich auch eine runde Sache, aber man merkte schnell, dass die Story zu kurz ist. Ich habe auf dem Kindle gelesen und mich irgendwann gewundert, dass ich so schnell mit den Prozenten vorankomme. Und das vor allem, weil ich überrascht davon war, wie plötzlich Charlotte und Garrett die Rollen tauschen bzw. Entwicklungssprünge tun. Quasi von einem auf den anderen Moment geht es von 0 auf 100 bzw. andersherum.
Dazu kam, dass ich Charlotte manchmal als extrem aufdringlich empfand. Klar, sie ist eine, die voran prescht und sich holt, was sie will, aber das bedeutet für mich nicht, dass sie das Recht hat einen Mann zu bedrängen. Vor allem, wenn sie das andersherum auch nicht will. Das fand ich etwas komisch und hat mich verwirrt zurückgelassen. Ich denke, ein paar Seiten mehr hätten dem Buch da nicht geschadet, um hier die nötige Zeit für authentisch wirkende Annäherungen und später für eine langsame Entwicklung in realistischem Tempo zu erzählen. So wirkte es oft einfach ein wenig überdramatisiert und konnte mich emotional nicht so erreichen.
Fazit:
Für mich ein Buch, dass sich Zwischendurch sehr schnell weglesen lässt und gute Ansätze für Tiefe macht. Hier werden sehr gut Themen aufgegriffen und problematisiert, sodass die Protas beide eine tolle Entwicklung zeigen können. Für mich wirkte es manchmal etwas schnell und unauthentisch. Ich denke, da fehlen einfach ein paar Seiten. Ansonsten gefiel es mir aber.
3 von 5 Sterne von mir.