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Veröffentlicht am 04.06.2024

Toller Reihenauftakt!

Trial of the Sun Queen
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Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin war total fesselnd und mitreißend. Ich war sofort in der Geschichte drin und konnte mir alles sehr gut vorstellen. Zudem gefiel es mir, dass man alles so gut nachvollziehen ...

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin war total fesselnd und mitreißend. Ich war sofort in der Geschichte drin und konnte mir alles sehr gut vorstellen. Zudem gefiel es mir, dass man alles so gut nachvollziehen konnte, obwohl man durch eine komplett fremde Welt stolpert. Man lernt sie durch die Augen von Lor kennen und fühlt sich an keiner Stelle alleingelassen oder orientierungslos.

Zur Geschichte allgemein:
Lor ist eine kleine Kratzbürste, was einem dazu verhilft, super schnell in die Geschichte hineinzufinden. Auch, wenn der Kerker, in dem sie sich anfangs befindet, zunächst langweilig und karg scheint, brodelnd in ihm das Leben. Lor macht das beste aus ihrer Situation, sucht sich Vergnügen und hat ihre Geschwister, die sie über alles liebt. Das Spannende für uns Leser:innen an all dem ist, dass Lor nicht wirklich weiß, weshalb sie in diesem Kerker ist. Und gleichzeitig verschweigt sie uns ganz bewusst, weshalb sie es geheim hält, dass ihre Geschwister ihre Geschwister sind. Es beginnt also sehr geheimnisvoll und damit spannend, denn schon jetzt suchen wir nach Antworten, überlegen und fiebern mit und lassen uns dadurch vollkommen mitreißen.
Die Handlung nimmt dann ziemlich schnell Fahrt auf, indem Lor sich in eine brenzlige Lage bringt. Und das ist super typisch für sich. Ich mochte sie total gerne, weil sie keiner Konfrontation aus dem Weg geht und trotzdem nicht so kopflos vorgeht. Sie möchte einfach etwas erreichen. Entweder für sich oder für andere (ihr größter Antrieb sind ihre Geschwister) und da lässt sie sich nicht von anderen beeinflussen oder zurückhalten.

Jetzt beginnt die Geschichte so richtig. Und ja, sie erinnert ein ganz klein wenig an die Tribute von Panem. Aber ich habe jetzt schon mehrere Bücher gelesen, die dieser Idee ähneln und ich fand es bei keiner schlimm. Solange ich die Unterschiede erkennen kann und jede Geschichte für sich noch ihr eigenes hat, verzeichne ich die Idee von Panem einfach als so grandios, dass sie nachahmenswert ist. Ähnlich wie das Prinzip von Romeo und Julia oder andere Motive der Literatur, die immer wieder aufgegriffen werden. Wieso etwas Gutes ausklammern, wenn man es weiterverwenden kann? Und genau das hat die Autorin hier auch gemacht. Sie hat die Idee weiter- oder zumindest etwas umgedacht. Deshalb hat es mich keineswegs gestört und ich habe es einfach genossen.

Das Spannende an allem war für mich, dass man ziemlich ahnungslos zusammen mit Lor durch die Welt stapft. Man wird genauso wie sie von der plötzlichen Brutalität der Spiele überrascht und scheint gleichzeitig ihre einzige Konstante zu sein, denn sie kann weder den anderen Teilnehmerinnen, noch anderen am Hof vertrauen. Zarte Bande werden erst nach und nach geschlossen und auch dann noch ist es fraglich, ob der Schein nicht trügt. Lor zeigt sich in dem allen aber sehr sozial und hilfsbereit. Sie ist emphatisch und schließt sich der allgemeinen Zwietracht nicht an. Das fand ich, war eine sehr schöne Konstante, die mir zumindest viel Vertrauen in die Protagonistin gegeben hat. Ihre Ziele und Motive sind die ganze Zeit klar und ihr Charakter bleibt konstant erkennbar.

Das Spannendste an den Spielen ist wohl, dass Lor sich selbst oft genug nicht sicher ist, ob sie nun gewinnen möchte oder nicht. Ihr Antrieb ist kein egoistischer, sondern bezieht sich auf ihre Mitmenschen. Nur, wie kann man für etwas kämpfen, dass einen vielleicht in eine Falle lockt und möglicherweise dem romantisierten Bild, das man sich erschaffen hat, gar nicht entspricht? Genau das fragt Lor sich und auch das fand ich super. Sie setzt sich damit auseinander, was es für sie bedeuten würde, Sonnenkönigin zu sein und das obwohl sie irgendwo ja auch schon dem Sonnenkönig verfallen ist. Nur ist diese Liebe real und beständig?

Der Sonnenkönig ist eine sehr spannende Figur in diesem Konstrukt. Er ist nett zu Lor, scheint erstmal auch nett zu seinen Untertanen und keiner sagt so wirklich etwas gegen ihn. Außerdem ist er natürlich schön und schlau und und und. Aber irgendwo scheint er auch ein Spiel zu spielen und obwohl Lor sich gerne auf ihn einlässt, behält sie doch im Hinterkopf, dass sie eigentlich ich viel über seine Welt und die äußeren Umstände ihrer Teilnahme weiß. Das fand ich super, weil es sie davon abhielt, naiv und dumm durch die Handlung zu irren.

Die Gegenseite von allem bildet der Schattenprinz. Ich muss zugeben, ich habe mal wieder den Klappentext nicht gelesen oder ihn zumindest wieder erfolgreich verdrängt. Ich hasse es ja, mich zu Spoilern und möchte lieber beim Lesen erfahren, wer das Love Interest ist. Hier war es tatsächlich gar nicht so einfach auszumachen. Der Schattenprinz erzählt aus seiner eigenen Perspektive und hat vornehmlich mit seinem ungeliebten Vater zu tun. In die Ereignisse um Lor stolpert er eher durch Zufall und auch nicht gerade willig. Er hat seine eigenen Motive, die ganz andere sind als die des Sonnenkönigs, seines Vaters oder die von Lor. Das bringt natürlich einen ganz anderen Blick auf die Dinge ins Spiel. Ich fand es spannend, seine „Schnitzeljagd“ zu beobachten und zu rätseln, wie er auf Lor treffen würde. Und obwohl er die zweite Erzählperspektive bildet, war es dennoch für mich nicht von Anfang an klar, welcher „Prinz“ nun derjenige sein würde, der Lor letztlich verfallen würde. Das legt den Fokus auf jeden Fall auf die Handlung selbst und nicht so sehr auf die Liebesgeschichte, was ich für diesen ersten Band ganz gut fand. So war die Fantasy der Geschichte einfach mehr im Vordergrund und konnte mich mit seiner Spannung überzeugen, statt dass man nur mit dem Liebespaar mitfiebert.

So muss ich alle enttäuschen, die hier auf richtige Romantasy offen. Es ist Slow Burn und ich denke, erst im zweiten Band wird es so richtig in Fahrt kommen. Die ersten Funken sprühten zum Ende hin auf jeden Fall schon und ich bin sehr gespannt.

Fazit:
Für mich eine rundum gelungene Fantasygeschichte. Die Protagonistin Lor ist sehr sympathisch, stark und überlegt. Die Handlung erinnert ein bisschen an Panem, was mich aber nicht gestört, sondern eher beflügelt hat. Es ist durchgehend spannend. Man möchte die Welt verstehen lernen, die Motive der einzelnen Figuren durchdringen und fiebert mit dem Wettkampf mit. Die Liebesgeschichte ist hier noch sehr zart. Ich denke, da kommt in Band 2 mehr. Ich fand es aber super, weil so der Fokus auf den Fantasiegeschehnissen lag. So bin ich schon sehr gespannt auf den nächsten Band und kann diesen Reihenauftakt empfehlen!

5 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 28.05.2024

An einigen Punkten noch ausbauwürdig

Infinity Falling - Change My Mind
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Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich okay. Ich habe lange gebraucht, um so richtig warm mit den Figuren zu werden, weil zunächst alles sehr zusammenfassend wirkt. Es passiert viel, abgehandelt ...

Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich okay. Ich habe lange gebraucht, um so richtig warm mit den Figuren zu werden, weil zunächst alles sehr zusammenfassend wirkt. Es passiert viel, abgehandelt in wenigen Sätzen und die Figuren haben dazwischen nur bedingt Zeit, um sich richtig zu zeigen. Nach ungefähr der Hälfte des Buches war ich dann aber richtig drin und kam gut voran. Ich hätte mir vielleicht nur gewünscht, dass Szenen länger gezogen worden wären, anstatt dass ein möglichst großer Zeitraum abgedeckt wird.

Zur Geschichte allgemein:
Aus den oben genannten Gründen, habe ich viel Zeit gebraucht, um richtig in die Geschichte zu finden. Es lag aber bestimmt auch mit daran, dass ich den Band davor nicht gelesen hatte. So musste ich erstmal in das Leben der Figuren und die Umstände ihrer Arbeit hineinfinden. Dann passiert aber auch erstmal nicht so viel. Man rauscht mit den Figuren zusammen durch ein Jetset-Leben, das kaum genug Zeit für längere Szenen bot. Da hätte ich mir vielleicht gewünscht, dass Holly und Ruben über Textnachrichten oder ähnliches in Kontakt geblieben wären. So aber lernt man beide durch die Perspektivwechsel erstmal vornehmlich in ihrer Position als Manager:in kennen. All ihre Freunde sind ebenfalls Manager:innen, sodass der Alltag hier vollkommen auf der Strecke bleibt. Was ja auch total okay ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass nur wenige Freunde solch einen Lebensstil mitmachen. Angedeutet wird außerdem, dass beide einen schwierigen Familienhintergrund haben. So richtig zu fassen bekommt man das aber zunächst nicht.
Vermutlich wurde in Band 1 bereits deutlich, dass die beiden sich gut finden. Hier musste ich es einfach so hinnehmen. Zwischen den Zeilen versteht sich. Das fand ich erstmal ganz gut gemacht. Die beiden giften sich an, habe ihre Grundsätze und können doch nicht voneinander lassen. Klassisch spannend. Während Hollys größtes Problem ihre Schwester ist, von deren Geschichte wir nur vage erfahren (auch das kann in Band 1 erzählt worden sein. Wie ihr seht, ist es an dieser Stelle anscheinend echt schlau, zunächst den ersten Band, der von Aven und Hayes handelt, zu lesen), hat Ruben ganz andere Probleme. Er ist psychisch belastet, was sehr gut herausgestellt wurde. Es wurde immer wieder Thema, hat seinen Alltag, seine Beziehung zu seiner Familie und letztlich auch zu Holly beeinflusst und wurde bis zum Ende durchgezogen. Schade fand ich allerdings, dass u.a. angedeutet wurde, er hätte Schlafprobleme. Das wurde aber nicht weiter aufgegriffen. So ist es gegenüber Holly letztlich ein Offenlegen statt eines Hinweise sammeln. Das nimmt natürlich ein wenig der möglichen Dynamik und Spannung für die Leser:innen.
Hollys Problem dagegen bezieht sich nicht auf sie selbst, sondern auf ihre Schwester. Dieses wurde zwar bis zuletzt problematisiert, aber nicht richtig aufgelöst bzw. entwickelte sich nicht. Da hätte ich mir gewünscht, dass sie aus der Beziehung zu Ruben etwas mitnimmt und einen klaren Cut oder eine andere Art von Entwicklung antreibt, die es für sie erträglicher macht.
So haben beide Figuren für mich Schwächen in der Entwicklung gehabt, die mir etwas der Tiefe gestohlen haben und das, obwohl Ruben ansonsten sehr schöne Fortschritte gemacht hat. Das Ende zeigt das super und war sehr passend für ihn und seine Geschichte, während Holly auf der Stelle trat.

Jetzt aber zu der Beziehung zwischen den beiden. Es ist ein Enemies to Lovers – naja, jedenfalls fast. Denn eigentlich heißt es ja, was sich liebt, dass neckt sich und so ist es auch bei diesen beiden. Ich fand es super schön, wie sie sich ganz langsam und unbemerkt nähern. Wie sie quasi so tun, als würden sie nicht merken, dass sie sich schon ziemlich nahe stehen. Wie sie sich verlieben, ohne es darauf anzulegen. Das hat eine tolle Spannung erzeugt, die uns Leser:innen auf jeden Fall mitreißt. Das Tempo, in dem alles geschieht, fand ich super und auch, wie sie es machen. Man merkte richtig, wie das Vertrauen wuchs, wie aus Sex mehr wurde und wie sie ihre selbst gesetzten Grenzen übertraten, ohne es aktiv zu wollen oder zu akzeptieren. Es ist wirklich keine klassische Liebesgeschichte und auch kein klassisches „Aus Bettgefährten werden Liebende“. Die beiden lassen sich Zeit und geben Stück für Stück mehr an den anderen weiter, ohne es so richtig zu verstehen und zu wollen. Ich fands super und konnte es auch gut nachvollziehen und nachfühlen.

Bei all diesem „oberflächlichen Getue“, geht es in der Geschichte aber auch viel um die tieferen Ebenen von Beziehungen. Egal ob zwischen Partner:innen oder zwischen Personen, die in einer Arbeitsbeziehung stehen. In Band 1 wurde Hayes Geschichte erzählt. Auch hier treffen wir wieder auf ihn und Aven und irgendwie stecken auch die beiden in der ganzen Thematik drinnen. Denn in dem Kreis, in dem alle vier sich bewegen, sind die Regeln andere. Es geht um Leistungsdruck und Prestige, Ansehen und äußeren Schein. Viel mehr als es sollte. Und so wird Hayes wieder getriggert, wie auch Holly und Ruben sich auf unterschiedliche Art und Weise damit auseinandersetzen müssen. Ich fand es sehr gut, dass hier so tiefgreifend etwas problematisiert wird, was erstmal unscheinbar und nur wenige betreffend wirkt. Es wird eine Moral der Geschichte weitergegeben, die sehr wichtig ist und uns alle betrifft, egal ob reich oder berühmt oder eben nicht. Einzig gestört an dem Ganzen hat mich ein wenig Hollys wirklich sehr harte Einstellung. Ihre Ansichten in Bezug auf Frauen in dem Konstrukt ihrer Berufswelt hatten zwar definitiv einen wahren Kern und waren teilweise auch durchaus begründet und leider wahr, aber sie hatte eine sehr harte Meinung gegenüber Frauen in ihrer Welt. So hart, dass sie sich damit selbst im Weg stand und auch gerne anderen Vorurteile entgegengeworfen hat. Dass das zwar schlimm, ungerecht und wahr ist, will ich nicht bestreiten, aber oft kamen Frauen so schwach bei ihr rüber, dass es nicht mit ihrem Auftritt in der Welt zusammenpassen wollte. Letztlich hat sich diese harte Einstellung dann auch darin bestätigt, dass die vorher scheinbar unüberwindbaren Grenzen dann doch überwindbar waren. Also ein Hauch von Überdramatisierung kann man sagen.

Was ich in Bezug auf ihren Job schade fand, war, dass sie im Vergleich zu Ruben (und diesen Vergleich konnte man ja sehr direkt anstellen) ein größeres Team und mehr unterschiedliche Aufgaben hatte, man davon aber gar nicht richtig was mitbekommen hat. Neben Aven managt sie nämlich auch noch Megan, dass blieb aber völlig auf der Strecke. Ich weiß nicht, ob das ebenfalls im ersten Band mehr herausgestellt wurde, aber hier fehlte es mir etwas. Generell fragte man sich einfach, inwiefern ihre Aufgaben nicht auch ein Assistenten/eine Assistentin hätte übernehmen können, da beide, Ruben und sie, so miteinander beschäftigt waren, dass sie sowieso nicht allzu viel mit ihren Klienten geredet haben.

Fazit:
Ich muss sagen, dass ich selten ein Buch gelesen habe, in dem man die Protagonisten so gut miteinander vergleichen konnte und in dem mir quasi „Theorie“ an die Hand gegeben wurde, die ich auf ihre Funktionalität überprüfen konnte. So fiel hier stark auf, dass die Erzählung an vielen Punkten verkürzt/verknappt wirkt und einiges auf der Strecke bleibt, was zu erklären viel Tiefe erzeugt hätte. Die Entwicklung der Protagonisten fand nur teilweise statt und hat viele Facetten nicht ganz bis zum Ende mitgezogen. Gerade bei Holly gab es da Schwächen.
Zudem muss man sagen, dass vieles einfach als gegeben hingestellt wird. Auch, wenn es ein zweiter Band ist, so fehlte mir hier oft der persönliche Zugang zu den beiden, ohne dass ich mich darauf verlassen muss, dass es schon im ersten Band erzählt wurde, in dem es ja gar nicht vorrangig um die beiden ging. Der Schreibstil unterstützt diesen Eindruck bloß.
Gut fand ich allerdings die komplette Thematik sowie die Infragestellung von Geschlechterrollen und den Fokus auf psychische Traumata und Krankheiten. Es war keine oberflächige „Stargeschichte“ und die beiden ergaben ein sehr schönes Paar, das definitiv für Spannungen sorgte.
Alles in allem also eine Geschichte, die mir noch ausbauwürdig scheint, mir aber dennoch einige schöne Lesestunden beschert hat.

3 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 24.05.2024

Sehr unterhaltsam, etwas dramatisch

Yours Truly
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Schreibstil:
Das Buch ließ sich super flüssig und schnell lesen. Der Schreibstil war sehr locker und leicht, sodass die ersten hundert Seiten sich wie zehn anfühlten und ich gar nicht aufhören wollte, ...

Schreibstil:
Das Buch ließ sich super flüssig und schnell lesen. Der Schreibstil war sehr locker und leicht, sodass die ersten hundert Seiten sich wie zehn anfühlten und ich gar nicht aufhören wollte, zu lesen. Ich mochte die große Portion Humor, die auf fast jeder Seite mitschwang und die ernsten Themen der Geschichte etwas abmilderte. Alles in allem werdet ihr aber durch das Buch fliegen!

Zur Geschichte allgemein:
Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt. Erstere ist Briana Ortiz — lebensfrohe Ärztin, die von allen Seiten gemocht wird, aber familiär einiges durchzustehen hat. So wird sie einem jedenfalls gleich zu Anfang vorgestellt. Ich habe mit ihr gut in die Geschichte reingefunden. Die Seiten begannen bereits jetzt durch den lockeren Schreibstil und die zügig voranschreitende Handlung zu fliegen. Was mir allerdings schwer fiel, war, Briana zu durchschauen. Ziemlich lange hatte ich das Gefühl, dass mir zwar gesagt wird, wie sie ist und warum man sie mag, aber es wurde mir nicht begreiflich gemacht. Das Gefühl für sie hat zunächst gefehlt.
Ganz anders war das bei Jacob. Er tappt zunächst etwas sehr unbeholfen durch die Geschichte, aber man kann gar nicht anders, als sich in ihn zu verlieben. Er ist super süß, aufmerksam und lieb und hat im Vergleich zu Briana keine gefestigten Strukturen. Dadurch erlebt man die Handlung aus seiner Sicht nochmal ganz anders und lernt auch Briana ganz anders kennen.

Die Handlung nimmt dann schnell Fahrt dadurch auf, dass die beiden Protagonisten sich durch eine Begegnung auf dem falschen Fuße erstmal nicht so gerne mögen. Bzw. ist Briana abgeneigt, während Jacob eher verzaubert ist;) Das führt dazu, dass sie sich Briefe schreiben. Wer jetzt Angst hat, auf einen Briefroman zu treffen – diese kann ich euch nehmen. Das mit dem Briefeschreiben hört wieder auf, aber so am Anfang war es eine super Abwechslung und hat die Geschichte ganz unkompliziert fix voran gebracht. Das Besondere an den schön und humorvoll geschriebenen Briefen ist nämlich, dass sowohl Jacob als auch Briana darin ausgesprochen ehrlich sind. So lernen sie sich sehr unbefangen näher kennen und können das ursprüngliche Missverständnis schnell hinter sich lassen.
Generell ist die Erzählung lange Zeit sehr ehrlich. Vor allem Briana nimmt kein Blatt vor den Mund und prescht oft genug lieber vor, als zu zögern. Das hat mir super gefallen.
Leider wird es dann nach der Hälfte des Buches circa etwas komplizierter. Die Ehrlichkeit geht verloren und das Drama nimmt Überhand. Teilweise etwas zu viel, was meiner Euphorie über das Buch einen kleinen Dämpfer verpasst hat.

Um das näher zu erklären, muss ich etwas ausholen. Bei der Lovestory hier handelt es sich um Slow Burn mit vielen Faktoren, die sie sehr special machen. Einer davon ist das Thema Fake-Beziehung, aber auch Jacobs antisoziale Störung (das ist definitiv nicht das richtige Wort dafür, aber er kommt auf jeden Fall nicht so gut mit fremden und vielen Menschen klar und fokussiert sich lieber auf gewohntes und kontrollierbares.) spielt da mit rein.
Ich war tatsächlich sehr überrascht darüber, wie lange das mit der Fake-Beziehung andauert. Aber was sie ganz natürlich mitbringt, ist natürlich eine gezwungene Nähe, die zu echter Zuneigung werden kann. So ist es auch bei Jacob und Briana, wobei sie es langsam angehen lassen und auch erst einmal Freunde werden. Beide sind eher unsicher, wenn es um Beziehungen geht, und wollen sichergehen, dass sie nichts falsch verstehen. Das ist teilweise echt süß anzusehen gewesen und es entstehen viele lustige Szenen, in denen man unter anderem auch die wundervollen Nebencharaktere der Geschichte kennenlernt. Sowohl Brianas Freundin Alexa wie auch Jacobs crazy Family inklusive Kettenraucher-Opa und Papagei sind einfach zu cool und haben mir immer wieder ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.

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Jacob hat dazu aber noch mit einer anderen Schwierigkeit zu kämpfen, bzw. muss er mit ihr umgehen: er hat eine Störung, die es ihm schwer macht, sich in ungewohnten Situationen und mit fremden Menschen zurechtzufinden. Für mich war es das erste Mal, dass ich von einer Figur mit dieser Störung gelesen habe und deshalb konnte ich es erst auch so gar nicht fassen. Ich konnte mir nichts darunter vorstellen und die Beschreibungen waren dann zunächst etwas gering. Nach und nach fand ich aber, konnte man das immer besser greifen. Es kamen mehr Situationen dazu, in denen die Störung Thema wurde, in denen Briana darauf Rücksicht nahm und letztlich nahm sie dann auch Einfluss auf das Ende. Für mich war das eine runde Sache mit einer schönen persönlichen Entwicklung. Nicht in dem Sinne, dass Jacob am Ende geheilt ist oder so, sondern dass er da völlig offen und vertraut mit Briana und seinem Umfeld mit umgeht und sich dadurch gar nicht mehr so einschränken muss.

Die Beziehung zwischen den beiden war ein Auf und Ab. Mal dachte ich: Okay, auf der nächsten Seite küssen sie sich, fünf Seiten später habe ich mich gefreut, wenn sie nur nett miteinander gesprochen haben. Aber es war ein sehr amüsantes und unterhaltendes Auf und Ab. Es ist süß, wie sie sich kabbeln, unsicher umeinander herumschleichen, gleichzeitig überraschend offen sind und dann wieder in völlig abstrusen Situationen voreinander stehen und plötzlich alles glasklar scheint. Noch besser wurde es, als ich nach und nach mehr Zugang zu beiden erhielt. Durch die unterschiedlichen Perspektiven konnte man den jeweils anderen immer durch die Augen des anderen beobachten und so direkt miterleben, wie sie sich in ihre Eigenarten und Charakterzüge verlieben.

Schade fand ich etwas, dass es relativ wenig Krankenhauscontent gab. Wer hier eine Story a la Greys Anatomy erwartet, der wird enttäuscht. Stattdessen kommt aber noch ein wichtiges medizinisches Thema hinzu, dass definitiv eine Moral der Geschichte bietet und hier in all seinen Facetten beschrieben wird. Es geht um das Thema Organspende. Die Abhängigkeitsbeziehung, die dadurch zwischen Spender:in und Empfänger:in entsteht (und womöglich auch zwischen anderen Angehörigen) hat mir erst ziemlich Bauchschmerzen bereitet. Ich finde sowas als Basis für eine Liebesbeziehung nicht gerade unbedenklich. Zum Glück wurde die Problematik eher umschifft bzw. anders aufgebaut, sodass es nicht so sehr auf diese Weise in den Fokus rückte.
Schön fand ich weiter, dass die Autorin in ihrem Nachwort einen Bezug zu diesem Thema herstellte. Es wirkte dadurch sehr persönlich und authentisch und stößt bestimmt den ein oder anderen Leser:in zum Nachdenken an.

Zum groben Handlungsverlauf möchte ich noch sagen, dass es flott vorwärts ging und die bereits erwähnten positiven Punkte definitiv dem Lesevergnügen beimaßen. Die Geschichte kratzt aber vermehrt in der Mitte und auch später noch manchmal etwas zu sehr an der Überdramatisierung. Da hätte man sich meiner Meinung nach lieber etwas mehr Zeit für einige Szenen nehmen können oder auch die Briefe nochmal wieder zum Gegenstand werden lassen können, um mehr Tiefe zu erzeugen.

Das Ende überzeugt aber dennoch durch seine passende Zusammenführung aller Handlungsstränge und einem Happy End, wie man ihm anfangs entgegenfieberte.

Fazit:
Eine wirklich unterhaltsame Geschichte mit vielen liebevollen Details, humorvollen Szenen und Figuren, die zudem noch wichtige Themen integriert. Mir hat es manchmal etwas an der Tiefe gemangelt, stattdessen wurde dann oft in die Dramatikkiste gegriffen. Das war für mich aber nicht so dramatisch, dass ich deshalb in meinem Lesefluss gestört worden wäre. Es ließ sich super lesen und hat einfach Spaß gemacht!

4 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 06.04.2024

Absolutes Wohlfühlbuch mit Suchtfaktor!

Because of You I Want to Stay
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Schreibstil:
Die Autorin Nadine Kerger schreibt wirklich sehr schön locker und leicht, flüssig und wohlig. Ich war sofort in der Geschichte drin, konnte alles super nachvollziehen, habe mitgefiebert und ...

Schreibstil:
Die Autorin Nadine Kerger schreibt wirklich sehr schön locker und leicht, flüssig und wohlig. Ich war sofort in der Geschichte drin, konnte alles super nachvollziehen, habe mitgefiebert und habe die Beschreibungen des Ortes und der Menschen dort geliebt. Es ist alles unheimlich fassbar und kommt sehr natürlich rüber. Eine absolute Wohlfühlstimmung, die einen schnell in ihren Bann zieht und nicht mehr loslässt.

Zur Geschichte allgemein:
Die Handlung beginnt gleich mit der Reise nach Martha’s Vineyard. Josies Vergangenheit erfahren wir so nur durch gestreute Bemerkungen in Gesprächen. Erst hatte ich noch die Befürchtung, dass mir das zu wenig ist, aber tatsächlich war es so klug gemacht, dass man Josie dennoch sehr schnell sehr gut kennengelernt hat und auch ihre Vergangenheit schnell begreifen konnte. Eigentlich ist es nämlich ganz einfach: Josies Eltern hatten in ihrem Leben bisher nicht allzu viel Zeit für ihre Tochter und ihr Exfreund hat mit ihr zusammengearbeitet, bis er schließlich mit ihr Schluss gemacht hat. Statt sich jetzt aber fallen zu lassen, freut Josie sich auf das, was kommt und nimmt den kleinen Ort auf der Insel mit all ihren Sinnen auf. Das macht sie gleich unheimlich sympathisch. Auch die Lovestory lässt nicht lange auf dich warten. Es ist eine Art von „Liebe auf den ersten Blick“. Nur wird danach natürlich alles kompliziert. Was ich gut fand: es wird nicht künstlich dramatisiert. Obwohl es eine Art von „Forbidden Love“ ist, wird es nicht so Romeo-und-Julia-like. Blake und Josie gehen einfach langsam vor. Lernen sich kennen. Und lieben.

Also zunächst noch einmal zu Blake. Macht euch schonmal darauf gefasst, dass ihr hier drei tolle, sexy Brüder kennenlernt, die alle absolutes Boyfriend-Material sind. Blake ist der Älteste und auch der, mit der meisten Verantwortung. Das merkt man natürlich in seinem Alltag. Er ist aber auch ein sehr gefühlvoller, sich kümmernder Mensch. Und er hat seine Hobbys und Interessen. Perfekt eigentlich, jedenfalls für mich, denn er kann Verantwortung übernehmen, hat sein eigenes Leben und ist dennoch bereit, Teile dafür für seine Freundin aufzugeben bzw. zu teilen. Ich mochte es, wie er auch seine Schwächen eingesteht, seine Vergangenheit mit Josie teilt und fast immer im richtigen Moment auf Josie zugeht, um unnötiges Drama zu vermeiden. Klar, ein paar ungeklärte bzw. verzwickte Situationen gibt es trotzdem zwischen ihnen, denn irgendwoher muss die Spannung ja kommen. Aber es war eine sehr schöne Spannung. Eine Spannung, die sich auf die Ungewissheit bezieht: Sind wir jetzt ein Paar oder nicht? Empfindet er/sie das Gleiche für mich wie ich für sie/ihn? Was fühle ich für sie/ihn? Es war genau die richtige Mischung aus Schmetterlinge im Bauch, Zweifeln und Herzschmerz.

Der Handlungsverlauf hatte so keinerlei Längen für mich, sondern ließ sich flüssig durchlesen. Ganz nebenbei lernt man nicht nur Josie und Blake lieben, sondern auch die anderen Figuren. Fynn und Jacob, die anderen beiden Brüder, Wendy, Hannah und ihre Granny und all die anderen in dem kleinen Dorf, die es zu einem Wohlfühlort machen. Ganz allgemein gab es super viele schöne Beschreibungen und auch Szenen, die aus der Umgebung gegriffen waren, sodass das Setting jederzeit präsent war und seine Wirkung entfalten konnte. Das hat mir sehr gut gefallen.

Weiter hat mir sehr gut gefallen, wie leicht die Protagonisten hier Tiefe bekommen haben. Ja, in anderen Büchern hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass die Hintergrundstorys noch etwas weitreichender hätten behandelt werden müssen. Hier waren sie aber nur das: der Hintergrund. Und eigentlich gar nicht so wichtig für die Story, bis die Vergangenheit und das, was sie unterbewusst mit einem gemacht hat, Blake und Josie einholt. Das kam bei beiden für mich an einer total passenden Stelle und fügte sich super in den Gesamtzusammenhang. Für mich war es der Clou zur passenden Tiefe für die Geschichte, die alles erst richtig rund gemacht hat, weil es die Entwicklung der Charaktere aufgezeigt hat. Dazu passte dann auch das Ende richtig gut.

Im Epilog gibt es dann nochmal einen kleinen Ausblick in die Zukunft. Super süß und genau das, was ich mir für die beiden gewünscht habe. Es gibt noch ein paar offene Themen, die aber, denke ich, durch die Geschichten der Brüder erzählt werden. Deshalb und einfach, weil das Setting und die anderen Figuren so schön und sympathisch sind, freue ich mich schon unheimlich auf die nächsten Bände!

Fazit:
Ein absolutes Wohlfühlbuch, das sich mit Leichtigkeit durchsuchten lässt. Das Setting ist wunderschön und ist sehr präsent, die Figuren sind sehr sympathisch und neigen nicht zum Überdramatisieren. Also kein genervtes Augenverdrehen trotz Klischees, sondern pures Vergnügen. Ich habe jede Seite genossen und war mit dem Gesamtpaket mehr als zufrieden. Die nächsten Bände werde ich auf jeden Fall lesen!

5 von 5 Sterne von mir.

3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest:
1. Du suchst nach einem absoluten Wohlfühlbuch.
2. Du willst dich nicht nur in die Protagonisten, sondern auch in das Setting verlieben.
3. Du suchst nach einem schnelllesigen Buch, mit genug träumerischer Spannung.
On top: Absolute Empfehlung als Buch für den Sommer!

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Veröffentlicht am 03.04.2024

Starker Anfang, schwacher Verlauf

Godkiller
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Zum Schreibstil:
Ich habe überraschend gut in die Geschichte reingefunden. Der Schreibstil ist schnörkellos und eher ruhig. Dadurch, dass längere Beschreibungen aber wegfallen, geht es trotzdem gut voran. ...

Zum Schreibstil:
Ich habe überraschend gut in die Geschichte reingefunden. Der Schreibstil ist schnörkellos und eher ruhig. Dadurch, dass längere Beschreibungen aber wegfallen, geht es trotzdem gut voran. Es wird aus mehreren Perspektiven in relativ kurzen Kapiteln erzählt. Dadurch erlangt man Einblick in mehrere Figuren. Dennoch blieb einem der Zugang zu Gefühlen und die Gedankenwelt der Figuren verwehrt. Es wirkte etwas emotionslos und unpersönlich geschrieben. Für die Geschichte an sich war das kein Problem, weil die auch ohne Emotionen zurechtkommt, für die Beziehungen zwischen den Figuren und die Tiefe der Handlung stellte dieser praktisch veranlagte Schreibstil aber ein Hindernis dar. Weiter hatte ich manchmal das Gefühl, dass die Perspektiven verschwimmen. Ob das letztlich ein Übersetzungs- oder ein Schreibfehler war, kann ich nicht sagen, aber es fiel mir auf und verwirrte mich.

Zur Geschichte allgemein:
Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht. Der Prolog wirft viele Fragen auf und deutet schonmal an, in was für einer Welt man sich bewegt. In der Gegenwart folgt man dann zunächst einer der Hauptfiguren: Kyssen. Die Godkillern, oder auch Veiga, ist eher verschlossen, hat anscheinend Traumata, die sie uns Leser:innen aber nicht so richtig offenlegt und wird gleichermaßen gefürchtet wie verachtet. Ich habe mich von ihr einfach mitnehmen lassen in die Geschichte.
Der Handlungsverlauf nimmt schnell Fahrt auf. Wir lernen die Welt kennen und auch gleich das Problem, vor dem Kyssen steht: Inara und ihren kleinen Gott.
Inara selbst ist zugänglicher als Kyssen. Obwohl wir über beide etwas von ihrer Vergangenheit und ihrer Familie erfahren, bleibt Kyssen die meiste Zeit hart und emotionslos. Sie lässt nur selten etwas durchblicken, oft auch nur so dezent, dass man es als Leser:in selbst deuten muss. Inara dagegen lässt immer wieder ihre Emotionen durchblicken, auch wenn es selbst über die Entwicklung der Handlung hinweg schwierig ist, sie zu fassen zu bekommen. Denn Inara ist nicht nur Kyssens Problem, sondern irgendwie auch die Hauptthematik der Geschichte. Das größte Rätsel. Denn mehr und mehr wird klar, dass sie anders ist. Nur weiß man nicht so recht wie anders und leider wird man mit der These etwas allein gelassen. Kyssen und auch Elo, die dritte Hauptfigur, lassen dahingehend keine Gedanken durchblicken.
Auch Elo hat Geheimnisse. Genau wie bei den anderen Figuren werden wir auch bei ihm vor vollendete Tatsachen gestellt. Er war Ritter, sein bester Freund ist der König und mehr oder minder freiwillig begibt er sich auf seine Mission. Zusammen ergeben sie ein Trio plus Skediceth, das einigermaßen dynamisch durch die Handlung schreitet. Das Ziel aller ist klar, nur die Beweggründe für das Ziel und die Hintergründe nicht so ganz. Einiges wird nach und nach erklärt, anderes blieb für mich bis zum Ende rätselhaft bzw. nicht ganz ausgefeilt. Ich konnte die Welt einfach nicht richtig greifen, weil mir die groben Erklärungen zu einigen Sachen fehlten, während Details immer wieder in Rückblicken oder ähnlichem aufgegriffen wurden. Diese groben Erklärungen gingen leider über die Leerstellen, die Neugier auf den nächsten Band machen und ruhigen Gewissens unerklärt bleiben dürften, hinaus.

Als stärkste Figur empfand ich deshalb in dem ganzen Gebilde Skediceth. Sein anfängliches Ziel ist klar, jedoch legt er eine nachvollziehbare Entwicklung hin und sorgt durch seine zwielichtigen Gedanken und sein Naturell immer wieder für Spannungen. Das fand ich gut gemacht und zeigte sehr gut, wie persönlich Götter sein können und wie sie Menschen beeinflussen und ihre eigenen Ziele verfolgen können.
Weitere Elemente der Spannung waren die Flüche und damit verbundenen Angriffe. Auch da, bin ich aber zu keiner Zeit auf den Gedanken gekommen, weshalb sie letztlich erfolgen. Klar, man möchte nicht alles vorhersehen können. Man möchte sich überraschen lassen und eine „neue Idee“ lesen. Trotzdem nimmt selbst die genialste Handlung uns Leser:innen mit und lässt uns unsere eigenen Ideen spinnen. Bei diesem Buch jedoch habe ich einfach nur weiter und weiter gelesen und letztlich gemerkt, dass ich nicht so wirklich mitgedacht habe. Ich habe nicht mitgerätselt und mitgefiebert, weil ich gar nicht so recht wusste, was meine vorhandenen Puzzleteile sind.

Als ebenfalls enttäuschend empfand ich die angedeutete Beziehung zwischen Elo und Kyssen. Es war so dezent und angedeutet, dass es etwas plump daherkam. Ich glaube, ich hätte es besser gefunden, wenn die beiden einfach auf freundschaftlicher Ebene geblieben wären. Dann hätten sie die wenige intensivere Zeit zusammen für mehr Tiefe nutzen können.

Interessant fand ich wiederum Kyssens Lebensgeschichte und auch die Story über Arren und Elo war eigentlich ganz spannend, nur fehlte es an Inhalt. Sie alle gehen nach Blenraden und ich habe glaube ich erst im letzten Kapitel so richtig verstanden, was diese Stadt für sie bedeutet. Das ist zu spät. Ich war bloße Beobachterin und nicht so richtig Teil der Geschichte.

Fazit:
Das Buch hat gut angefangen. Der schnörkellose Schreibstil passt zur Protagonistin und schildert einem schnell Tatsachen. Durch die Reise ging es immer voran und man konnte der Handlung gut folgen. Jedoch wurden viele Hintergründe erst recht spät oder gar nicht richtig erklärt. Dazu kam, dass die Figuren recht emotionslos blieben. So habe ich das Buch zwar flüssig durchgelesen und fand es phasenweise auch spannend, das Mitfiebern, die Tiefe und die Emotionen haben aber gefehlt. So ist die eigentlich starke Idee nicht ganz so gut umgesetzt worden. Ich denke, in einem nächsten Band gibt es noch viel zu erzählen, aber ich weiß nicht, ob ich ihn lesen würde.

3 von 5 Sterne von mir.

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