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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.06.2025

Eine großartige Reihe, die mit jedem Band auf Neue begeistert!

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
1

Nachdem sich der ruppige, regeln-ignorierende BKA-Ermittler Art in Band 1 und 2 mit seiner bzw. der Vergangenheit einer Jugendfreundin auseinandersetzen musste, geht es in Band 3 um die Vergangenheit seiner ...

Nachdem sich der ruppige, regeln-ignorierende BKA-Ermittler Art in Band 1 und 2 mit seiner bzw. der Vergangenheit einer Jugendfreundin auseinandersetzen musste, geht es in Band 3 um die Vergangenheit seiner Nachbarin. Dana wird seit 1,5 Jahren vermisst und Art kümmert sich seither um ihre 8-jährige Tochter Milla, da der Vater abgehauen und die demenzkranke Großmutter überfordert ist. An Millas Schule gibt es einen verdächtigen Vorfall, kurz darauf erhält Art einen anonymen Hinweis bezüglich Danas Verschwinden - dieser führt ihn und seine Kollegin Nele zu einer verlassenen Wohnwagensiedlung, wo sie Entsetzliches entdecken ...

“Die Nacht” ist von der ersten bis zur letzten Seite mysteriös sowie spannend! Und aufgrund des atmosphärischen, ausdrucksstarken, tiefgründigen Erzählstils kommt alles hautnah an!

Art hat immer noch komplizierte Gefühle bezüglich seiner Vergangenheit, die immer wieder nachhallt, er macht sich aber vor allem Sorgen angesichts Millas Lage bzw. der ihrer Mutter. Nele ist in Elternzeit und vermisst ihre Arbeit, weshalb sie mit Art inoffiziell nach Millas Mutter sucht. Nele ist das vernünftige, umgängliche Gegengewicht zu Arts ausgeprägtem Eigensinn, doch sie kann auch anders (hat sie das womöglich von Art gelernt?), wenn man ihre Grenzen überschreitet. Das Zwischenmenschliche ist genauso packend wie die Ermittlungen, die mal aus Arts, mal aus Neles Perspektive geschildert werden.

In Rückblicken erfährt man aus Danas Sicht, was sie als Jugendliche erlebte. In ihrer Familie (Sie, ihr Bruder, ihre Mutter & ihr Stiefvater) herrschte stets eine angespannte Stimmung. Dana wollte das Leben dennoch genießen, mit ihrer Clique Spaß haben, in ihrem Umfeld war allerdings nichts so wie es schien und während einer verheerenden Sommernacht lief alles aus dem Ruder – mit fatalen Folgen!

Es gibt wieder Verbindungen zu hohen Tieren, doch der Bundeskanzler Henrik Westphal und seine Frau Juli spielen dieses Mal nur sehr indirekt eine Rolle.

“Die Nacht” ist ein wahrer Pageturner: rasant, ereignisreich, durchweg fesselnd sowie voller überraschender Wendungen! Marc Raabe hat das Talent absolut authentische Begebenheiten und Charaktere (auch alle Nebenfiguren!) zu erschaffen, ohne dass es je banal wirkt! Die einzelnen Handlungsstränge dieses verästelten Thrillers werden allmählich raffiniert sowie überzeugend zusammengeführt und neue Erkenntnisse, die offene Fragen mit sich bringen, machen Appetit auf den 4. Band!

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Realsatire!?

Geht so
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Marisa betrachtet ihre kreative Tätigkeit in einer Madrider Werbeagentur als stumpfsinnig, sie findet fast alles und alle lächerlich: die Meetings, die vermeintlichen Krisen, ihren Chef, ihre Kollegen, ...

Marisa betrachtet ihre kreative Tätigkeit in einer Madrider Werbeagentur als stumpfsinnig, sie findet fast alles und alle lächerlich: die Meetings, die vermeintlichen Krisen, ihren Chef, ihre Kollegen, ihre Kolleginnen etc.

Sie zieht immer eine Show ab: tut so, als würde sie arbeiten, während sie sich in Wirklichkeit ewig lange YouTube Videos reinzieht, überträgt ihre Aufgaben geschickt an andere und gibt nichtssagende zufriedenstellende Antworten, um ihre Ruhe zu haben. Man erfährt aber auch Interessantes sowie Bewegendes über ihr Liebesleben, die Beziehung zu ihren Eltern sowie ihre Freundschaften.

Marisas nimmt ständig Beruhigungstabletten, trinkt viel Wein (zu sündhaft teuren Delikatessen) und ist ständig auf der Suche nach weiteren Ablenkungen, nach Motivation, nach Sinn, nach Gleichgesinnten, nach etwas, das die Leere füllt ...

Als ein Teambuilding-Wochenende ansteht, schlägt ihre “Lebensuntauglichkeit” voll zu: sie besorgt sich Drogen, um diesen skurrilen Horror (alberne Aktivitäten, pseudo inspirierende Vorträge) zu überleben und dann hat sie noch eine ganz dumme Idee - und letztendlich Glück im Unglück oder so ähnlich ...

OMG, was für ein grandioses Buch!!! Die Autorin erkennt all die kleinen wie großen Kuriositäten des Arbeitslebens, der Medienlandschaft sowie vorherrschende gesellschaftliche Gegebenheiten als überkonstruiert, überbewertet und/oder absurd (z. B. frischgebackene Eltern voller Stolz, wichtigtuerische Idioten in Anzügen, die den Ton angeben etc.). Marisas Erfahrungen, Ansichten sowie Erkenntnisse werden messerscharf, geistreich, selbstironisch selbstkritisch, sarkastisch, unterhaltsam und meiner Meinung nach ziemlich zutreffend beschrieben. Ja, manches wirkt evtl. ein bisschen überzogen, das dient jedoch der Verdeutlichung und ist zum Brüllen komisch, manchmal auch tragisch komisch oder gar melancholisch, bis hin zum bittersüßen Ende!

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Unterhaltsam und packend!

People Pleaser
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Die junge, schöne Maggie ist dank der beliebten Dating-Show LoveShack berühmt und reich geworden! Sie und ihr Reality-TV-Ehemann führen ein glamouröses Leben, doch dann wird sie brutal ermordet. Emma ist ...

Die junge, schöne Maggie ist dank der beliebten Dating-Show LoveShack berühmt und reich geworden! Sie und ihr Reality-TV-Ehemann führen ein glamouröses Leben, doch dann wird sie brutal ermordet. Emma ist das absolute Gegenteil ihrer betörenden Schwester und nach Maggies Reality-TV-Erfolg haben sie sich ein bisschen auseinandergelebt. Nichtsdestotrotz hat Maggies Tod sie in eine tiefe Depression gestürzt und als das LAPD den Mord ungelöst zu den Akten legt, will sie den Mörder ihrer Schwester finden.

In “People Pleaser” wird die Welt der Reichen und Schönen, die Oberflächlichkeit zu der Writer, Producer, Reality-TV-Stars sowie Influencer gezwungen werden, kritisch beleuchtet und ein bisschen durch den Kakao gezogen, was herrlich selbstironisch und unterhaltsam ist!

Erzählt wird, lebendig und ausdrucksstark, aus vier Perspektiven: aus Maggies, Emmas, Amandas (eine Drehbuchautorin/Produzentin) sowie Jills (Emmas beste Freundin & die Assistentin von Amanda). Maggies ungeklärter Mord ist zu einem True Crime Spektakel und einer Belastung geworden - ihre Fans fordern Gerechtigkeit, sie ergehen sich in Verschwörungstheorien. Emma ist nur noch ein phlegmatischer, lebensuntauglicher Schatten ihrer selbst. Jill versucht sie unterstützen, ist aber auch ein bisschen genervt von ihrer Rolle als Babysitter. Amanda will helfen den Mord aufklären, weil sie eine sinnvolle Beschäftigung braucht, um nicht wieder den Drogen zu verfallen, und weil sie sich verantwortlich fühlt ...

Von Maggie gibt es Einblicke in die Vergangenheit, man erfährt, warum sich auf eine Dating-Show einließ, wie es ihr dabei erging und weshalb sie schließlich sogar ihren Reality-TV-Traumpartner geheiratet hat. Emma, Jill und Amanda tun sich zusammen, um zu ermitteln, was amüsant, ereignisreich, psychologisch interessant sowie packend gestaltet ist.

Die Amateur-Ermittlerinnen stoßen auf Rätselhaftes, auf Dinge, die keinen Sinn zu ergeben scheinen und es sieht so aus, als hätte Maggie heikle Geheimnisse gehütet - dabei dachte Emma, dass sie und ihre Schwester alles voneinander wissen! Maggie ist jedoch nicht die Einzige, die einiges verheimlicht ...

“People Pleaser” ist eine spritzige “Showbusiness-Satire”, schwarzhumorige Gesellschaftskritik und ein fesselnder, wendungsreicher Thriller - zudem ein großartiges Debüt! Die verschiedenen Perspektiven liefern faszinierend verstörende Einblicke ins Showgeschäft und in das Leben der Charaktere, die allmählich ein erschütterndes Bild ergeben.

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Meinen Geschmack traf es nicht

Die feindliche Zeugin
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Emmett, ein schwarzer Jugendlicher, wird in London wegen Mordes an einem weißen Mann verhaftet. Die Beweislage spricht gegen ihn und die Vorverurteilung in den Medien ist niederschmetternd, doch seine ...

Emmett, ein schwarzer Jugendlicher, wird in London wegen Mordes an einem weißen Mann verhaftet. Die Beweislage spricht gegen ihn und die Vorverurteilung in den Medien ist niederschmetternd, doch seine ambitionierte schwarze Strafverteidigerin Rosa Higgins hat den Verdacht, dass hier etwas faul ist und forscht hartnäckig nach ...

Erzählt wird aus Rosas und Emmetts Sicht. Aus Rosa Perspektive erfährt man viel über die Abläufe eines Strafverfahrens im britischen Rechtssystems und darüber, wie es hinter den Kulissen zugeht. Konservative weiße Männer mit Upperclass-Herkunft geben den Ton an. Ihre Möglichkeiten bzw. Verbindungen bedeuten zudem entscheidende Vorteile - vor, während sowie nach der Ausbildung! Aus Emmets Sicht erfährt man wie er die Untersuchungshaft erlebt und ansatzweise, wieso er sich kaum zum Tathergang äußert.

Rosa ist absolut glaubwürdig, mit echten Fehlern: ihre Alltagsorganisation, ihre Beziehung und ihre Familienangelegenheiten sind chaotisch sowie kompliziert, da sie alles vernachlässigt, was nicht mit der Arbeit zu tun hat. Sie hat es wirklich nicht leicht, als schwarze Frau ohne Oberschicht-Herkunft muss sie gegen Nachteile ankämpfen!

Die Ignoranz, die Vorurteile und die Diskriminierung kommen hautnah an. Man spürt die Ohnmacht bzw. den Frust aufgrund der vielen kleinen wie großen, leichtfertigen gleichzeitig tiefschürfenden Ungerechtigkeiten gegenüber Rosa sowie Emmett.

Ich fand den Schreibstil weder besonders gut noch schlecht, manches war mir zu ausführlich und einige Kapitel bzw. Passagen waren für mich nichtssagend. Die Handlung hätte mMn ein bisschen mehr Tempo vertragen können und die meisten Charaktere waren mir wenig sympathisch und ich empfand viele als klischeehaft gezeichnet. Die Dynamik zwischen ihnen ergab für mich auch kaum Sinn, denn irgendwie sind alle meistens kalt bzw. schroff zueinander, sogar diejenigen, die sich nahestehen und viel bedeuten.

“Die feindliche Zeugin” wurde für mich erst zum Ende hin spannend. Die Geschichte an sich, mit all den wichtigen Themen, und der Auflösung ist toll, doch die Umsetzung traf meinen Geschmack einfach nicht. Die eindringlichen Darstellungen der Ignoranz der Überprivilegierten gegenüber den Interessen der “anderen”, von “Alltagsrassismus” sowie “Alltagsfrauenfeindlichkeit” fand ich wirklich gelungen, genau wie Rosas übermäßiges Engagement – beides ist bewegend und erschreckend gestaltet!

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Ein Buch für eine Nacht!

Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein
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Julia und Nicki sind beste Freundinnen, doch seit knapp einem Jahr haben sie aus verschiedenen Gründen kaum noch Kontakt. Dann taucht Nicki plötzlich auf, um Julia zu einem Junggesellinnenabschied der ...

Julia und Nicki sind beste Freundinnen, doch seit knapp einem Jahr haben sie aus verschiedenen Gründen kaum noch Kontakt. Dann taucht Nicki plötzlich auf, um Julia zu einem Junggesellinnenabschied der besonderen Art zu “entführen” - nur sie beide auf dem abgelegenen Kungsleden-Wanderweg für eine Woche. Die Stimmung zwischen den beiden ist allerdings angespannt und als die Freundinnen sich schließlich aussprechen wollen, werden sie unterbrochen. Kurz darauf Nicki ist weg und Julia verläuft sich - ohne Wasser, Karten, Kompass, Wechselkleidung und ausreichend Nahrung muss sich allein in der feindlichen Natur zurechtfinden, mit der nagenden Frage, was mit Nicki passiert ist.

Erzählt wird aus zwei Perspektiven: aus Julias und in Form von Tagebucheinträgen aus Nickis. Die beiden könnten kaum unterschiedlicher sein, Julia ist harmoniebedürftig und entsprechend fügsam. Sie gibt schnell nach, macht was andere wollen. Nicki ist sie selbst, auch wenn es für andere unangenehm ist und sie weiß sich durchzusetzen, meistens jedenfalls ...

Der atmosphärische, bildstarke Schreibstil, die rätselhafte Dynamik zwischen Julia und Nicki und die ereignisreiche Handlung sind absolut packend! Es gibt “verdächtige” Ereignisse, beunruhigende Andeutungen sowie offene Fragen, die wirklich neugierig machen, weshalb ich das Buch in zwei Zügen innerhalb eines Abends bzw. einer Nacht verschlungen habe! Das Setting ist genial: Der einsame Kungsleden-Wanderweg in Schwedens wilder, rauer Natur im Herbst ist der perfekte Rahmen für einen Survival-Thriller, und die Autorin schöpft das Potential voll aus! Die eindringlichen Schilderungen der Umgebung (ich konnte den kalten Wind und den Regen fast spüren) sowie Julias Leid angesichts ihrer Lage kommen hautnah an!

“Der Weg” ist ein nervenaufreibender Thriller voller düsterer Geheimnisse, entsetzlicher Erkenntnisse sowie erschütternder Wendungen, die meisten empfand ich jedoch als wenig glaubwürdig gestaltet, was mein Leseerlebnis zum Ende etwas trübte. Die unerwarteten Twists an sich sind großartig, ich finde nur, dass sie wenig plausibel umgesetzt sind.

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