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Veröffentlicht am 26.05.2025

Witzig, bewegend, spannend!

Very Bad Widows
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Als die Ü60-Freundinnen Pam, Nancy und Shalisa erleben, wie sehr eine weitere Freundin nach dem Tod ihres Ehemannes aufblüht, kommen sie ins Grübeln: ihre Männer haben die Ersparnisse verzockt, einer ist ...

Als die Ü60-Freundinnen Pam, Nancy und Shalisa erleben, wie sehr eine weitere Freundin nach dem Tod ihres Ehemannes aufblüht, kommen sie ins Grübeln: ihre Männer haben die Ersparnisse verzockt, einer ist homophob gegen den eigenen Sohn und sie sind auch sonst eher unangenehme Zeitgenossen geworden. Kein Wunder also, dass die Frauen, als sie von den hohen Lebensversicherungen erfahren, die ihre Männer heimlich abgeschlossen haben, mörderische Pläne schmieden, um ebenfalls glückliche Witwen zu werden.

Die Lage ist allerdings kompliziert, denn ihre Männer sind in etwas verwickelt, dass den Frauen in die Queere kommt, und ein entscheidender Mann steht zwischen den Fronten: dumme Zufälle, Missverständnisse sowie Fehleinschätzungen nehmen ihren Lauf ...

Dann ist da noch die ambitionierte junge Padma aus Mumbai, die Chefin von Pams Mann, die sich und ihrer einflussreichen Mob-Mutter beweisen will, dass sie eine toughe Geschäftsfrau sein kann. Doch das erweist sich als nahezu unmöglich: ihre dominante Mutter macht sie ständig runter, drängt auf eine arrangierte Ehe und schickt ihr sogar “Babysitter” ...

Jetzt ist das Chaos perfekt, denn die entgegengesetzten Interessen der Möchte-Gern-Witwen, verzweifelten Ehemänner, eines eigentümlichen Auftragskillers und Padmas prallen aufeinander, was wirklich urkomisch ist, aber auch gefährlich ...

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven: aus Pams, der ihres Ehemannes, der des Auftragskillers und Padmas, was interessante Einblicke liefert sowie für Abwechslung sorgt.

Pam hat mir besonders gut gefallen, denn ihre coole “Komm mir nicht blöd”- Art ist beeindruckend!

“Very Bad Widows” ist eine großartige Krimi-Komödie: Der witzig spritzige, geistreiche Schreibstil, die kauzigen Charaktere, die sich toll weiterentwickeln, und die turbulente Handlung, voller Irrungen und Wirrungen, machen dieses Buch unwiderstehlich!

Ich habe nonstop mitgefiebert, denn die ereignisreiche, facettenreiche Handlung ist absolut packend sowie voller Wahnsinns-Wendungen!

Das Buch ist nicht “nur” spannend und herrlich schwarzhumorig, es wirft auch scharfsinnige, kluge, herzerwärmende Blicke auf Ehe, Freundschaft, Familie, Emanzipation sowie den Herbst des Lebens.

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Nervenaufreibend spannend und ergreifend!

Eine von uns
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Das Haus der Ehefrau und Mutter Ginas wird bei einem Feuer zerstört, doch glücklicherweise bietet ihre langjährige Freundin Annie, die auf Reisen ist, an, eine Weile in ihrem Haus an der Südküste Englands ...

Das Haus der Ehefrau und Mutter Ginas wird bei einem Feuer zerstört, doch glücklicherweise bietet ihre langjährige Freundin Annie, die auf Reisen ist, an, eine Weile in ihrem Haus an der Südküste Englands zu wohnen. Dann taucht Mary auf, die Haushälterin, die Annie in den höchsten Tönen lobt, und diese macht sich schnell unentbehrlich - ist das nicht ein bisschen zu schön, um echt zu sein? Während Gina darüber nachdenkt, zweifelt sowie immer unsicherer wird, wird sie zudem langsam aber sich von einem verheerenden Ereignis aus ihrer Vergangenheit eingeholt, denn: Annies Haus steht in ihrer gemeinsamen Heimatstadt, aus der Gina vor über 20 Jahren regelrecht geflohen ist ...

Der Prolog schildert etwas Entsetzliches und macht neugierig, da viele Fragen aufgeworfen werden!

Die Haushälterin Mary wirkt von Anfang an subtil aufdringlich und ich fand es faszinierend verstörend, wie raffiniert dreist sie sich bei Gina einnistet: sie nutzt ihre Schwächen - Höflichkeit und Bequemlichkeit! Denn: obwohl Gina ein vage ungutes Gefühl hat, nimmt sie Marys Hilfe nach kurzem Zögern an, vertraut ihr schließlich sogar ihre Kinder an.

Aus Mary Perspektive erfährt man sehr schnell, dass sie nicht ist, wie sie vorgibt zu sein: ihr wahres Gesicht (ihre kalte, berechnende Art) ist ein drastischer Gegensatz zu der Fassade, die sie Gina zeigt.

Aus Ginas Perspektive gibt es Andeutungen über Schuldgefühle bezüglich einer Nacht vor vielen Jahren.

Einblicke in die Vergangenheit liefern allmählich Antworten, parallel zur fortschreitenden Handlung in der Gegenwart.

“Eine von uns” ist von Anfang an rätselhaft sowie packend! Der flüssige Schreibstil und die ereignis- plus temporeiche Handlung sind mitreißend und die Charaktere sind interessant. Ich finde allerdings, dass einige Elemente ein bisschen oberflächlich bzw. eher wenig plausibel sind. Das letzte Drittel ist jedoch so nervenaufreibend spannend, voller verblüffender Überraschungen sowie absolut erschütternd, dass mich das kaum störte.

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Veröffentlicht am 21.05.2025

WOW!

Mittsommer
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Francesca stammt aus einer reichen Familie und sie hat ein Anwesen an der südenglischen Küste geerbt. Sie verwandelt es in ein Luxus-Retreat und veranstaltet, obwohl noch nicht alles fertig ist, eine Wochenend-Eröffnungs-Feier ...

Francesca stammt aus einer reichen Familie und sie hat ein Anwesen an der südenglischen Küste geerbt. Sie verwandelt es in ein Luxus-Retreat und veranstaltet, obwohl noch nicht alles fertig ist, eine Wochenend-Eröffnungs-Feier rund um Mittsommer.

Der Dorfgemeinschaft gefällt das gar nicht, denn nun darf man den angrenzenden Wald und Stand nicht mehr betreten. Einige Jugendliche mit der Einstellung “Eat the Rich” sorgen während des Eröffnungswochenendes mehrmals für Ärger, dann sind da noch gruselige Gerüchte über einen heidnischen Geheimbund, deren Mitglieder sich für Gerechtigkeit außerhalb des Rechtssystems einsetzen, und der “Aberglaube” der Einheimischen ist weitreichend.

Das Einweihungswochenende verläuft alles andere als reibungslos und die Stimmung wird zunehmend chaotischer, feindseliger, finsterer. Wahre Identitäten werden aufgedeckt, unheimliche Vorfälle häufen sich, dunkle Geheimnisse werden enthüllt, lange gehegter Groll bricht sich Bahn und während des Mittsommer-Festgelages überschlagen sich die Ereignisse schließlich: nicht alle überleben die kürzeste Nacht des Jahres.

“Mittsommer” ist eine unwiderstehliche Mischung aus düsteren Legenden, verheerenden Begegnungen und verhängnisvollen Sommernächten.

Der atmosphärische, eindrückliche Schreibstil ist mitreißend, genau wie die Handlung, die von Anfang an unheilvoll, mysteriös sowie wirklich packend ist. Und der berühmte britische Humor, der extremen Situationen einen tragisch komischen Touch verleiht, ist wirkungsvoll und wohldosiert platziert!

Erzählt wird auf mehreren Zeitebenen (vor 15 Jahren, während der Eröffnungsfeierlichkeiten, kurz danach) und aus verschiedenen Perspektiven: aus Francescas (die Retreat-Besitzerin), aus Owens (ihrem Ehemann), aus Bellas (eine Gästin), aus Eddies (ein 19-jähriger Angestellter) und aus DI Walkers (der Detective, der auf dem Anwesen ermittelt).

Francesca ist das Klischee einer furchtbaren reichen Person: selbstherrlich, oberflächlich, rücksichtslos, manipulativ sowie pseudo spirituell bzw. möchte-gern naturverbunden. Ihre Art Lügen schönzureden und Grausamkeiten zu rechtfertigen hat etwas Psychotisches, doch ihr Mann ist so sehr mit seinen heiklen Geheimnissen beschäftigt, dass er ihr wahres Gesicht hinter der “Zen-Fassade” lange nicht sieht. Bella, Eddie, DI Walker und einige Einheimische sind interessant: manche bleiben hinter ihren eigenen Erwartungen zurück, andere wachsen über sich hinaus und einige sind nicht wer sie zu sein scheinen ...

“Mittsommernacht” ist ein mitreißender, raffinierter Thriller mit faszinierend verstörenden Figurendynamiken: mysteriös, vielschichtig sowie absolut fesselnd! Die Erkenntnisse, die sich Stück für Stück ergeben, sind bewegend, die entsetzlichen Zusammenhänge sind überraschend und die verblüffenden Wendungen scheinen kein Ende zu nehmen!

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Veröffentlicht am 20.05.2025

Spannend, ergreifend, wendungsreich

Der dunkle Sommer
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Ein Haus für einen Euro – da kann die deutsch-italienische Architektin Tilda nicht NEIN sagen. Die verfallene Villa auf Sardinien, in dem (fiktiven) Geisterdorf Botigalli in den Bergen, ist ein Projekt, ...

Ein Haus für einen Euro – da kann die deutsch-italienische Architektin Tilda nicht NEIN sagen. Die verfallene Villa auf Sardinien, in dem (fiktiven) Geisterdorf Botigalli in den Bergen, ist ein Projekt, in das sie all ihre Energie stecken will, denn: sie braucht nach einer traumatischen Erfahrung, die sie privat und beruflich erschüttert hat, einen Neuanfang.

Doch ihr neues Zuhause erweist sich nicht wie erwartet als wild romantisch, sondern gruselig: seltsame Vorfälle, feindselige Botschaften sowie vage Warnungen häufen sich ...

Nach und nach erfährt Tilda von den Horrormärchen, aber auch von den verstörenden historischen Fakten, die Botigalli ausmachen. Als Tildas jüngerer, leichtsinniger, abgebrannter Bruder um Asyl bittet, nimmt sie ihn widerwillig auf. Sie hilft ihm auf die Beine, in der Hoffnung, dass der chaotische Hausgast bald wieder verschwindet – und das tut er, allerdings unter rätselhaften Umständen.

Plötzlich scheint alles mit allem zusammenzuhängen: Die finstere Geschichte von Botigalli. Täter und Opfer von alten sowie neuen Verbrechen. weitrechender Verrat. Familiengeheimnisse. Lebenslügen. Und nur einer kann das Puzzle zusammensetzen ...

Der spektakulär atmosphärische, ausdrucksstarke Erzählstil, die hoch interessanten, teilweise undurchsichtigen, Figuren, die mysteriös unheilvolle Handlung sowie das Italien-Flair haben mich von Anfang an gepackt und nicht mehr losgelassen!!!

Erzählt wird aus drei Perspektiven: aus Tildas, aus der eines Investigativ-Journalisten und aus Francas, die in Botigalli im Jahr 1982 einen dunkelschwarzen Sommer erlebte.

Ich mochte Tilda sehr, sie ist tough, direkt, jedoch nicht barsch, sondern empathisch und sie geht die Dinge pragmatisch rational an, obwohl ihr das oft nicht leichtfällt. Der engagierte bis besessene Journalist Enzo war mir auch sympathisch, am tiefsten hat mich allerdings Franca bewegt. Botigalli, wo es 1982 zuging wie in archaischen Zeiten, war ein gefährlicher Ort für die emanzipierte, unerbittliche Franca, die für das einstand, was ihr wichtig war, die sich von NICHTS und NIEMANDEM einschüchtern ließ.

“Der dunkle Sommer” ist grandios und mMn das bisher beste Buch der Autorin!!! Die greifbar unheimliche Stimmung, die durch den schwül heißen Sommer verstärkt wird, die lebensechten, toll gezeichneten Charaktere, ihr Zusammenspiel, die abwechslungsreiche, clever aufgebaute, spannende, zutiefst erschütternde Handlung voller Überraschungen und die Wahnsinns-Auflösungen haben mich restlos begeistert!

Im Nachtwort wird erklärt, dass ein entsetzliches Handlungselemente (das infam frauenfeindlich ist, da es eine perfide Täter-Opfer-Umkehr darstellt bzw. die Opfer bestraft!!!), in Italien bis in die 1980er Jahre per Gesetz verankert war!

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Ein mutiges Werk!

Das Geflüster
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Die Nachbarschaft der Harlow Street trifft sich zu einem Gartenfest: Alle scheinen eine gute Zeit zu haben, doch das ist nur Fassade, unter der schönen Oberfläche brodelt es. Dann verliert die Gastgeberin ...

Die Nachbarschaft der Harlow Street trifft sich zu einem Gartenfest: Alle scheinen eine gute Zeit zu haben, doch das ist nur Fassade, unter der schönen Oberfläche brodelt es. Dann verliert die Gastgeberin die Fassung, sie schreit ihren neunjährigen Sohn wütend an, so dass alle es mitbekommen. Als er einige Zeit später aus seinem Kinderzimmerfenster fällt, machen Verdächtigungen die Runde, diese verwandelt sich schnell in Verurteilungen, der Skandal wird passiv aggressiv ausgeschlachtet. In der Harlow Street ist allerdings kaum jemand ehrlich, alle haben etwas zu verbergen ...

Es geht um vier unglücklich, verstörte Frauen, die mit ihren Rollen als Ehefrau und (verwaister) Mutter zu kämpfen haben. Eine geht in ihrer Mutterrolle auf, entwickelt jedoch Hass auf ihren Mann. Eine erträgt ihre Kinder nur in “homöopathischen” Dosen. Eine 82-jährige ist zutiefst verbittert. Eine ist einem Albtraum gefangen, aus dem sie lange nicht aufwachen will, weil sie glaubt, ihn in einen schönen Traum verwandeln zu können.

“Das Geflüster” ist wirklich einzigartig: packend, intensiv, psychologisch interessant, verstörend, vor allem mutig!!!

Der “Sinn” des Buches erschließt sich mir allerdings nicht. Mir ist klar, dass die “offene Struktur” höchstwahrscheinlich ein Stilmittel ist, für mich fühlt es sich dennoch irgendwie unvollständig an. Ich fand die eindringlichen Schilderungen von Verzweiflung, Obsession, (Selbst)Zerstörung, Wut und (Selbst)Hass interessant sowie bewegend, aber mir fehlt eine tiefere Botschaft bzw. ein übergeordneter Kontext.

Geht es darum, dass die meisten Menschen anscheinend mit naiven Vorstellungen in die Familiengründung starten? Dass sie die Hinweise drauf, dass Elternschaft große Herausforderungen mit sich bringt bzw. Opfer erfordert, nicht ernst genommen haben? Dass die Kluft zwischen Erwartung und Realität unvermeidlich zu Frust führen muss?

Oder geht um gesellschaftliche Strukturen, verinnerlichte veraltete Rollenvorstellungen etc., die es Frauen unmöglich machen sich nicht schuldig zu fühlen - entweder weil sie nicht ihrer Mutterrolle aufgehen, weil sie mehr wollen oder weil sie zu sehr darin aufgehen und keine weiteren nennenswerten Ambitionen haben?

Soll das Buch eine Warnung sein?

Ist die Vorstellung von einer guten Ehe UND harmonischen Familie, mit echter Lebensqualität, eine Illusion? Gibt es realistische Möglichkeiten, trotz scheinbar unvereinbarer Wünsche, alles unter einen Hut zu kriegen?

Oder ist es Sinn und Zweck, dass all diese Fragen aufkommen?

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