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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.05.2025

Ein toller Sppanungsroman

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Elijah plante ein erfolgreicher Schriftsteller werden, als er seinen kleinen Heimatort Point Orchards bzw. seine Jugendliebe Nakita sowie seinen kranken Vater verließ. Nun, viele Jahre später, kehrt er ...

Elijah plante ein erfolgreicher Schriftsteller werden, als er seinen kleinen Heimatort Point Orchards bzw. seine Jugendliebe Nakita sowie seinen kranken Vater verließ. Nun, viele Jahre später, kehrt er erfolglos zurück, was ihn viel Überwindung kostet, denn er schämt sich. Er fühlt sich eine Weile lang verloren und einsam, doch allmählich schafft er es ein lebenswertes Leben zu führen, auch wenn die Rückschläge, die er verkraften muss, ihn immer wieder fast resignieren lassen. Aber dann passiert etwas, dass all diese Dinge wie Nichtigkeiten aussehen lässt: plötzlich geht es nicht mehr “nur” um ein erfülltes Privat- und Berufsleben, sondern um seine Freiheit, denn er wird zum Hauptverdächtigen in einer Mordermittlung.

Der Schreibstil ist grandios atmosphärisch, die Charaktere sind großartig gezeichnet und ich fand die Handlung sehr facettenreich, wendungsreich sowie packend, aber: das Motiv empfand ich als wenig glaubwürdig gestaltet. Dabei ist die Auflösung an sich genial, für mich ist lediglich die Umsetzung bzw. der Kern des Ganzen zu “vage” ausgearbeitet. Für meinen Geschmack ist die Handlung auch immer mal wieder zu kitschig geraten, insgesamt war “Middletide” jedoch ein intensives, interessantes Leseerlebnis für mich!

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Veröffentlicht am 30.04.2025

In der Ehe begraben

Blaues Wunder
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Drei Frauen haben sich dazu überreden lassen, den Sommer mit ihren Ehemännern und deren Geschäftspartnern zu verbringen: zu siebt, denn der 21-jährige Sohns des Gastgebers ist auch mit dabei, auf der luxuriösen ...

Drei Frauen haben sich dazu überreden lassen, den Sommer mit ihren Ehemännern und deren Geschäftspartnern zu verbringen: zu siebt, denn der 21-jährige Sohns des Gastgebers ist auch mit dabei, auf der luxuriösen Yacht in den Philippinen. Sie lassen es sich gut gehen, das ist jedoch nur oberflächlich - hier ist nichts wie es schein: Der manipulative Gastgeber liebt Machtspielchen und lässt seine Angestellten und deren Ehefrauen durch Reifen springen – was tut man nicht alles für die Karriere, um den Lebensstandard zu erhalten? Und so kommt es, dass hinter manch höflicher, freundlicher Fassade chaotische, zerstörerische, aber auch berauschend befreiende Gefühle toben ...

Die scharfsinnigen, geistreichen Erzählstimmen voller gediegenem Zynismus (knallhart realistischen Blicken auf sich selbst und andere) der diplomatischen (oder doch eher berechnenden?), klugen, mutigen Frauen ist psychologisch interessant, faszinierend verstörend sowie amüsant!

Die Frauen hinterfragen ihre Entscheidungen: wieso haben sie sich von ihren erfolgreichen Männern dazu überreden lassen, keinem Beruf nachzugehen? Von ihnen abhängig zu sein? Ihnen Unverzeihliches verziehen?

Die Frauen kämpfen sich allmählich frei, mal eher friedlich, versöhnlich, sodass sie UND der Ehemann davon profitieren, mal eher radikal, sodass jemand sein “blaues Wunder” erlebt ...

Anne Freytag seziert toxische Anpassung, unzeitgemäße Konventionen, Erwartungen, Enttäuschungen, unrealistische sowie unfaire Anforderungen (an Frauen), anmaßende Männer, unerfüllte Bedürfnisse bzw. das Hervorquellen unterdrückter Gefühle: gründlich, schonungslos, relevant und absolut packend!

Die Sprecherin Sandra Voss nutzt ihre angenehme Stimme optimal – sie macht einen perfekten Job!!!

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Atmosphärisch, düster, rätselhaft

Das Retreat
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Sommer im Südwesten Englands, auf der Insel “Reaper's Rock” (Fels des Sensenmanns): der Ort gilt als verflucht, denn er hat eine dunkle Geschichte voller Tragödien und Tod. Vor Kurzem hat jedoch ein Wellness-Retreat ...

Sommer im Südwesten Englands, auf der Insel “Reaper's Rock” (Fels des Sensenmanns): der Ort gilt als verflucht, denn er hat eine dunkle Geschichte voller Tragödien und Tod. Vor Kurzem hat jedoch ein Wellness-Retreat eröffnet, das den Ruf der Insel ändern soll, aber dann häufen sich die Todesfälle wieder ...

DS Elin Warner beginnt zu ermitteln, es ist allerdings kompliziert, weil die Schwester ihres Lebensgefährten das Retreat führt, dass er als Architekt entworfen hat. Zudem haben die rätselhaften Todesfälle mit dem Eintreffen einer Reisegruppe begonnen, in der ein toxisches, undurchschaubares Miteinander herrscht.

Der Erzählstil ist sehr atmosphärisch eindrücklich - ich konnte die drückende Hitze, die beklemmende Stimmung, Elins Unbehagen, die wabernden Geheimnisse sowie Lügen nahezu spüren, mir die Gegebenheiten der Insel lebhaft vorstellen!

Elins Innenleben wird intensiv und nachvollziehbar geschildert, sie leidet unter verschiedenen traumatischen Erfahrungen bzw. daraus resultierenden Panikzuständen, die während der Ermittlungen mehrmals getriggert werden. Aber auch andere Figuren haben in der Vergangenheit Traumatisches erlebt und werden nun von den dunkelsten Kapiteln ihrer Lebensgeschichte heimgesucht.

Die Figuren sind interessant und glaubwürdig gestaltet, zudem ist die Dynamik zwischen ihnen faszinierend verstörend: es wimmelt von Unsicherheiten, Vorwürfen, Entschuldigungen, Groll, Missgunst, Wut sowie Hass ...

Die Handlung schreitet mMn zwar langsam voran, aber das sorgt dafür, dass sich das “Verfluchte-Insel-Flair", die erschütternden Erkenntnisse, die überraschenden Zusammenhänge sowie die komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen eindringlich entfalten können. Nervenaufreibende Spannung kam für mich jedoch erst spät auf.

“Das Retreat” ist ein psychologisch interessanter, raffiniert verschachtelter Spannungsroman voller entsetzlicher Enthüllungen und unerwarteter Wendungen – bis ganz zum Schluss.

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Naja ...

Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins
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Universität Oxford: Sir James Osborne, der bornierte Prorektor eines Colleges, hat gerade eine misslungene Dinnerparty mit einem potenziellen Geldgeber hinter sich, und als er frustriert nach Hause kommt, ...

Universität Oxford: Sir James Osborne, der bornierte Prorektor eines Colleges, hat gerade eine misslungene Dinnerparty mit einem potenziellen Geldgeber hinter sich, und als er frustriert nach Hause kommt, liegt auch noch eine Leiche in seinem Arbeitszimmer.

Auftritt DI Ryan Wilkins und DI Ray Wilkins (ich finde die sehr ähnlichen Namen leicht verwirrend, ich nehme an das soll witzig sein!?), die kaum unterschiedlicher sein könnten. Ryan, der unter prekären Umständen aufgewachsen ist, kann mit der elitären Welt der Universität Oxford nichts anfangen und eckt mit seiner groben Art ständig an. Ray hingegen kommt aus einer wohlhabenden Familie, ist ein Oxford-Absolvent, was sich in seinem gesamten Auftreten widerspiegelt. Ray ist somit eher für Taktgefühl während der Ermittlungen zuständig, was in diesem einflussreichen Umfeld besonders wichtig ist, und Ryan eher für scharfsinniges Beobachten, denn das kann er wirklich gut. Die beiden rennen nichtsdestotrotz lange gegen Wände, bis sich endlich eine Tür auftut ...

Ryan hat oft recht und meint es gut, wenn es “übers Ziel hinausschießt”, aber seine Art anzuecken geht für mich weit über unangepasst, rebellisch oder provokant hinaus: ich empfand ihn als absolut niveaulos. Ich denke man muss kein zimperlicher “Oxford Snob” sein, um ihn himmelschreiend rüpelhaft finden. Zudem ist er mMn ein egozentrischer Wichtigtuer, der denkt, dass er sich aufgrund seines überdurchschnittlichen Scharfsinns alles erlauben darf. Es erscheint mir unglaubwürdig, dass jemand, der sich kaum an Regeln halten kann bzw. will und sich im Umgang mit anderen wie “Ein Elefant im Porzellanladen” aufführt, Polizist wird bzw. es bis zum DI schafft. Ich wüsste gerne, was sich der Autor gedacht hat, als er Ryan kreiert hat!

Der leitende Ermittler Ray hat mir gut gefallen. Im Vergleich zu Ryan wirkt er evtl. wie ein “konformistischer Spießer”, ich fand ihn professionell und diplomatisch.

Die detailreiche Erzählart ist sehr atmosphärisch, ich finde jedoch, dass einiges zu oft erwähnt wird und somit demonstrativ wirkt. Die Handlung ist von Anfang an ereignisreich, mysteriös sowie unheilvoll und die Nebencharaktere sind herrlich undurchsichtig. Das traditionelle Setting, mit all seinen Sonnen- sowie Schattenseiten, ist ein großartiger Rahmen für diesen englischen Krimi, der clever, wendungsreich, spannend gestaltet ist.

Schade, dass die Leseprobe nicht ein paar Seiten länger ist, dann hätte ich erkannt, wie sehr mich Ryan nervt und mich gegen das Buch entschieden. Achtung: Folgendes könnte man als spoilernd empfinden! Man lernt ihn zwar schon gegen Ende der Leseprobe kennen, er wird allerdings als Jugendlicher bezeichnet und nicht namentlich genannt, weshalb ich nicht dachte, dass es sich um den Ermittler bzw. um einen der Protagonisten handelt!

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Ein Wahnsinns-Thriller!

Bad Tourists
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Drei Frauen in ihren 40ern, haben vor über 20 Jahren aufgrund eines Massakers ein Trauma erlitten: Kate war vor Ort, sie hat als Einzige überlebt, Darcy und Camilla haben eine Person dabei verloren, die ...

Drei Frauen in ihren 40ern, haben vor über 20 Jahren aufgrund eines Massakers ein Trauma erlitten: Kate war vor Ort, sie hat als Einzige überlebt, Darcy und Camilla haben eine Person dabei verloren, die ihnen nahestand. Der Täter gestand zwar, es gab jedoch Ungereimtheiten.

Die Drei kennen sich schon seit der Gerichtsverhandlung vom Sehen, wirklich kennengelernt haben sie sich erst Jahre später, über eine Online-Trauma-Gruppe für Betroffene des brutalen Blutbads und seit einem persönlichen Treffen sind sie Freundinnen, obwohl sie kaum etwas gemeinsam haben.

Jetzt machen sie zusammen Urlaub, um Darcys Scheidung zu feiern, aber als eine Leiche auftaucht, müssen sie sich fragen, ob ihre Verbindung ausreicht, um einander zu vertrauen.

Die Handlung ist von Anfang an fesselnd und rätselhaft gestaltet. Der lebendige, bildstarke Schreibstil lässt das ereignisreiche Geschehen wie einen Film vor dem geisteigenen Auge ablaufen. Erzählt wird aus der Sicht der drei Protagonistinnen, eine junge Touristin, die sich den Frauen anfreundet, und andere Beteiligte, kommen auch sporadisch zu Wort. Trotz der vielen Perspektiven konnte ich den Überblick von Anfang an mühelos behalten, denn die Figuren sind total unterschiedlich bzw. sehr gut charakterisiert! Es gibt Einblicke in die Vergangenheit, sodass allmählich alle Puzzleteilchen an ihren Platz fallen und ein erschütterndes Bild ergeben!

“Bad Tourist” ist ein wirklich packender Thriller: die greifbar beklemmende Atmosphäre, die interessanten Figuren bzw. Figurendynamiken, die vielen mysteriösen Andeutungen dunkler Geheimnisse und die gelungenen Überraschungen haben mich restlos begeistert!

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