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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.07.2023

Emotionale Achterbahnfahrt der Geschlechterrollen

Die Wut, die bleibt
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Helene ist Mutter von drei Kindern. Während des Abendessens steht sie plötzlich auf, geht zum Balkon und stürzt sich ohne ein Wort in die Tiefe. Die Familie ist völlig geschockt und fühlt sich plötzlich ...

Helene ist Mutter von drei Kindern. Während des Abendessens steht sie plötzlich auf, geht zum Balkon und stürzt sich ohne ein Wort in die Tiefe. Die Familie ist völlig geschockt und fühlt sich plötzlich leer, da ihnen alles genommen wurde, was sie bisher zusammengehalten hat: Liebe, Fürsorge und Sicherheit.
Helenes beste Freundin Sarah, die Helene wegen ihrer Familie sowohl beneidet als auch bemitleidet hat, wird in den Strudel der Trauer und des Chaos gezogen. Die älteste Tochter, Lola, versucht auf ihre eigene Weise, mit ihren Emotionen umzugehen, und kämpft besonders mit einem überwältigenden Gefühl: Wut. Sie sucht nach einem Ausweg aus dieser schmerzhaften Realität.

„Die Wut, die bleibt“ widmet sich einer Geschichte über die patriarchalische Gesellschaft, die Rolle der Frau und einer überwältigenden Wut. Die von Helene zurückgelassenen Charaktere müssen unerwartet Verantwortung übernehmen und in ihre neuen Rollen hineinwachsen. Doch nicht alle schaffen es, sich diesen Herausforderungen zu stellen, was zu einer tiefen emotionalen Achterbahnfahrt führt.

Besonders fokussiert sich die Geschichte auf Helenes Tochter Lola, die durch den Verlust ihrer Mutter anfängt, die Stellung der Frau und die Konstruktion von Geschlechterrollen zu hinterfragen. Ihre Transformation ist radikal und beeindruckend, doch einige der Charakterentwicklungen erscheinen übertrieben und dadurch nicht immer nachvollziehbar.

Einige Aspekte des Buches wirkten ein wenig befremdlich, da die Wendungen der Charaktere manchmal zu extrem waren. Die Darstellung von Schwarz und Weiß, in der die Frau immer das Opfer und der Mann immer der Täter ist, fühlte sich für mich einfach zu eindimensional und plakativ an.

Der Schreibstil der Autorin ist außergewöhnlich gut und packend. Die Art, wie sie die Emotionen der Charaktere vermittelt, lässt die Worte und Ereignisse noch lange nachhallen.

Es ist offensichtlich, dass die Autorin mit diesem Buch auf systemische Lücken und den Feminismus aufmerksam machen möchte. Doch an einigen Stellen wirkte es einfach zu überladen und nicht mehr authentisch.

Insgesamt ist „Die Wut, die bleibt“ eine intensive Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und einem System, das Veränderung braucht. Obwohl einige Aspekte übertrieben wirken, schafft es der außergewöhnliche Schreibstil, die Leser:innen tief in die Emotionen der Charaktere zu ziehen. Es ist eine kritische, aber gleichzeitig mitreißende Lektüre, die zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 17.07.2023

Packend und mit überraschenden Wendungen

Die Geheimnisse der anderen
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Lily Bradley, eine Psychotherapeutin, ist sich bewusst, dass jeder Mensch etwas zu verbergen hat. Um ihre eigene Vergangenheit geheim zu halten, kontrolliert sie akribisch jeden Aspekt ihres Lebens: ihre ...

Lily Bradley, eine Psychotherapeutin, ist sich bewusst, dass jeder Mensch etwas zu verbergen hat. Um ihre eigene Vergangenheit geheim zu halten, kontrolliert sie akribisch jeden Aspekt ihres Lebens: ihre Praxis, ihre Familie und ihr idyllisches Leben an der Pazifikküste. Doch als die attraktive Künstlerin Arwen Harper auftaucht, geraten die Geheimnisse der Bewohner in Gefahr.

Als eine grausam zugerichtete Leiche am Fuße der Klippen gefunden wird, gerät Lilys Ehemann unter Verdacht und lang versteckte Wahrheiten drängen ans Licht. Detective Rue Duval vom Morddezernat übernimmt die Ermittlungen. Rue hat bereits vielen tödlichen Geheimnissen auf die Spur gebracht, aber sie wäre bereit, fast alles zu tun, um ihre eigenen zu schützen ...


„Die Geheimnisse der anderen“ hat mich von Anfang bis Ende gefesselt und ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Es setzt sich aus verschiedenen Handlungssträngen zusammen, die am Ende geschickt miteinander verwoben werden. Manchmal wirkte die Konstruktion etwas artifiziell, aber dennoch konnte mich die Geschichte insgesamt überzeugen.

Die Grundstory des Buches war spannend und gleichzeitig grausam. Besonders die Hintergrundinformationen zu den einzelnen Charakteren ließen mein Blut in den Adern gefrieren. Obwohl die Charaktere nicht perfekt ausgearbeitet waren, reichte es dennoch aus, um ihre Authentizität und die Tatsache, dass jede:r von ihnen etwas zu verbergen hatte, zu vermitteln.

Ich habe bis zum Schluss gerätselt, wer der:die Täter:in sein könnte, und die Auflösung hat mich positiv überrascht. Es gab unerwartete Wendungen, die die Spannung bis zum Ende aufrechterhielten. Obwohl die Verflechtungen der Handlungsstränge gelegentlich konstruiert wirkten, konnte das Buch insgesamt durch seine packende Erzählweise und die überraschenden Wendungen überzeugen.

„Die Geheimnisse der anderen“ ist ein lesenswerter Thriller für Fans von spannenden und überraschenden Geschichten. Wer gerne miträtselt und sich von einer düsteren Atmosphäre fesseln lässt, wird von diesem Buch definitiv nicht enttäuscht sein.

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Veröffentlicht am 17.07.2023

Ein düsterer Thriller, der unter die Haut geht

Wolfskinder
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Die spurlose Verschwinden von Rebekka, einer sechzehnjährigen Jugendlichen, wirft Fragen auf. Sie ist jedoch nicht die einzige, die in den Bergregionen vermisst wird. Smilla, eine investigative Reporterin, ...

Die spurlose Verschwinden von Rebekka, einer sechzehnjährigen Jugendlichen, wirft Fragen auf. Sie ist jedoch nicht die einzige, die in den Bergregionen vermisst wird. Smilla, eine investigative Reporterin, erkennt sofort Verbindungen zu dem Fall ihrer langjährigen Freundin Juli, die vor langer Zeit in derselben Gegend verschwand. Als ihr ein vernachlässigtes Mädchen mit frappierender Ähnlichkeit zu Juli vor das Auto rennt, werden vergessene Schmerzen wieder zum Leben erweckt. In einer abgeschiedenen Gemeinschaft namens Jakobsleiter, die hoch oben in den Bergen liegt und sich von der modernen Welt abschottet, lebt Jesse. Er und die anderen Einwohner des Bergdorfs werden von den Stadtbewohnern argwöhnisch beobachtet. Das Misstrauen gegenüber Jakobsleiter steigt unaufhörlich an und gipfelt in gewaltsamen Angriffen auf Jesse und andere unschuldige Kinder. Währenddessen stößt Smilla auf ein schockierendes Geheimnis, das alle vermeintlichen Wahrheiten ins Wanken bringt.

Vera Buck hat mit ihrem Roman "Wolfskinder" ein Werk geschaffen, das von Anfang bis Ende eine atmosphärisch dichte, leicht düstere Stimmung vermittelt. Es fiel mir wirklich schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Die Autorin setzt auf einen leichten und eleganten Schreibstil. Es gelingt ihr, die Leser:innen mit ihren sorgfältig ausgearbeiteten Charakteren sofort in ihren Bann zu ziehen. Vor allem die kleine, wilde und zugleich beunruhigende Edith weckt einerseits Mitgefühl und Sympathie, lässt andererseits aber auch Gänsehaut entstehen.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Stück für Stück werden die Geheimnisse gelüftet. Gut platzierte Cliffhanger und geschickt eingestreute Hinweise tragen zur wachsenden Spannung bei, bis sich am Ende alles überraschend anders und doch überzeugend schlüssig zusammenfügt.

„Wolfskinder“ ist ein packende Thriller, der unter die Haut geht und mich noch immer nicht loslässt. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 17.07.2023

Eine fesselnde und überzeugende Fantasy-Geschichte

Fourth Wing – Flammengeküsst
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Violets Traum, Schriftgelehrte am renommierten Basgiath War College zu werden, zerplatzt jäh, da sie als Tochter der Generalin am Auswahlverfahren der Drachenreiter teilnehmen muss. Das erste Jahr wird ...

Violets Traum, Schriftgelehrte am renommierten Basgiath War College zu werden, zerplatzt jäh, da sie als Tochter der Generalin am Auswahlverfahren der Drachenreiter teilnehmen muss. Das erste Jahr wird nicht einmal die Hälfte aller Bewerber überleben, denn Drachen binden sich nicht an schwache Menschen, sie fackeln sie nieder. Die meisten Kadetten wollen Violet allein aufgrund ihrer Herkunft niederstrecken – besonders Xaden, der mächtigste und skrupelloseste unter den Geschwaderführern. Und ohne Frage auch der attraktivste. Ausgerechnet ihm wird Violet unterstellt. Sie wird jeden Vorteil nutzen müssen, wenn sie überleben will. Denn am Basgiath War College haben alle eine Agenda und es gibt nur zwei Wege hinaus: den Abschluss machen oder sterben.


"Fourth Wing" war mein erster Ausflug in die Welt der Fantasy-Literatur, und ich wurde nicht enttäuscht. Von Anfang an haben mich die beeindruckenden Charaktere in ihren Bann gezogen, insbesondere die Protagonistin, deren Stärke und Tapferkeit mich überrascht haben, obwohl ihre äußere Erscheinung dies nicht vermuten ließ. Es hat Spaß gemacht, zu sehen, wie sie mit Köpfchen gehandelt hat, um in dieser gefährlichen Welt zu überleben.

Auch die Nebencharaktere haben mich positiv überrascht, besonders Liam, dessen besondere Stellung ich zunächst unterschätzt hatte. Die Beziehungen zwischen den Charakteren waren gut ausgearbeitet und fesselnd, auch wenn die Romanze zwischen der Protagonistin und Xaden vorhersehbar war. Trotzdem hat sie mich in den Bann gezogen und war ein wichtiger Aspekt der Geschichte.

Der Aufbau der Welt war wirklich fesselnd. Die Autorin oder der Autor hat eine faszinierende Welt geschaffen, die mit ihren Regeln und vielfältigen Natur-Settings beeindruckte. Als Einsteigerin in das Genre der Fantasy fand ich es erfreulich, wie verständlich und zugänglich diese Welt für mich war.

Alles in allem verdient "Fourth Wing" meiner Meinung nach eine glatte 5-Sterne-Bewertung. Die Geschichte hat mich von Anfang bis Ende überzeugt und mich in eine fesselnde Fantasiewelt entführt. Ich kann das Buch jedemjeder empfehlen, derdie auf der Suche nach einer packenden und gut geschriebenen Fantasy-Geschichte ist.

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Veröffentlicht am 12.07.2023

Enttäuschend

Zwei Fremde
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Remie Yorke ist Managerin eines Hotels, das an ihrem letzten Arbeitstag von einem frühen Schneesturm heimgesucht wird und sie von der Außenwelt abschneidet. Telefon und Internet sind tot, lediglich das ...

Remie Yorke ist Managerin eines Hotels, das an ihrem letzten Arbeitstag von einem frühen Schneesturm heimgesucht wird und sie von der Außenwelt abschneidet. Telefon und Internet sind tot, lediglich das Notstromaggregat sorgt für Strom. Zum Glück muss sich Remie nicht um allzu viele Gäste kümmern, denn außer ihr sind nur zwei weitere Personen im Hotel. Bis nacheinander zwei Fremde vor der Türe stehen. Jeder von ihnen behauptet, ein Polizist zu sein, der auf der Suche nach einem geflohenen Mörder ist und sowohl Remie als auch die zwei Gäste schützen möchte. Aber nur einer von ihnen erzählt die Wahrheit und ist der richtige Polizist. Doch welcher von ihnen ist es und von dem geht Gefahr aus?

Die Idee des Buches fand ich total spannend und ansprechend. Da ich noch nichts von dem Autor gelesen hatte, war ich offen für alles. Leider hat mich das Buch letztendlich nicht überzeugen können.

Mein größer Bauchschmerzpunkt waren die unausgereiften Charaktere. Sie handelten und dachten so unglaubwürdig, dass ich eigentlich nur den Kopf schütteln konnte. Vor allem Remie war unfassbar naiv und sehr blass, obwohl ich mir von einer Protagonistin etwas anderes erwartet hatte.

Ich hatte gehofft, ein wenig selbst miträtseln zu können, welcher der beiden Fremden denn nun der Mörder und welcher der echte Polizist ist. Denn die Situation an sich hatte so viel Potenzial atmosphärisch und bedrohlich zu sein. Leider gab es kaum Möglichkeiten, das eigene Einschätzungsvermögen zu challengen. Zusätzlich war man die meiste Zeit damit beschäftigt, sich an den Kopf zu fassen und alle Charaktere infrage zu stellen.

Der Schreibstil an sich war flüssig und hätte die Basis für etwas wirklich gutes sein können, aber das Potenzial wurde verschenkt.
Auch das Ende war für mich wenig überzeugend und an vielen Stellen unglaubwürdig und unlogisch.

Schade, das schien einfach nicht mein Buch zu sein.

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