Profilbild von Sucres

Sucres

Lesejury Profi
offline

Sucres ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Sucres über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2025

Zu viel gewollt, aber fesselnd

Schweben
0

Amira Ben Saouds Debüt „Schweben“ spielt in einer düsteren Zukunft, in der der Klimawandel bereits Vergangenheit ist. Die Menschen leben isoliert in kleinen patriarchalen Siedlungen, ohne Kontakt zur Außenwelt. ...

Amira Ben Saouds Debüt „Schweben“ spielt in einer düsteren Zukunft, in der der Klimawandel bereits Vergangenheit ist. Die Menschen leben isoliert in kleinen patriarchalen Siedlungen, ohne Kontakt zur Außenwelt. Fragen nach dem "Davor" oder "Draußen" sind unerwünscht, das System bestimmt den Alltag. Die namenlose Protagonistin verdient ihren Lebensunterhalt, indem sie die Rolle anderer Frauen annimmt, um beispielsweise eine Ehefrau zu ersetzen.

Der Roman liest sich schnell und entwickelt eine gewisse Sogwirkung – nicht zuletzt durch die einfache Sprache und die sich zunehmend verdüsternde Atmosphäre. Anfangs ist die Spannung hoch, es liest sich faszinierend und beklemmend zugleich. Doch je weiter die Handlung voranrückt, desto verworrener wird sie. Es gibt viele Themen und Fäden, aber nicht alle führen zu einem klaren Abschluss. Die Autorin verzichtet bewusst auf Erklärungen.

Allerdings bleibt auf den knapp 190 Seiten nicht genug Raum, um allen Ideen gerecht zu werden, das Ende kommt zu abrupt. Am Schluss hatte ich nicht das Gefühl, das Gesamtbild wirklich greifen zu können. Dennoch bleibt Schweben ein atmosphärisch starker Roman, der in seinen besten Momenten fesselt, auch wenn er am Ende nicht alle Erwartungen erfüllt hat und mich etwas ratlos zurücklässt. 2,5/5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2025

Aufrüttelnde Gesellschaftskritik

Halbe Leben
0

Susanne Gregor erzählt in ihrem Roman „Halbe Leben“ eine spannende und tiefgründige Geschichte. Auf wenigen Seiten behandelt sie ein wichtiges Thema: Ungleichheit und Abhängigkeit in der häuslichen Pflege.

Gleich ...

Susanne Gregor erzählt in ihrem Roman „Halbe Leben“ eine spannende und tiefgründige Geschichte. Auf wenigen Seiten behandelt sie ein wichtiges Thema: Ungleichheit und Abhängigkeit in der häuslichen Pflege.

Gleich zu Beginn erfährt man vom plötzlichen Tod von Klara. Sie ist eine erfolgreiche Architektin, Mutter und Ehefrau. Doch als ihre eigene Mutter nach einem Schlaganfall Pflege braucht, holt sie Paulína aus der Slowakei als 24h Pflege in ihr Haus. Zunächst scheint alles gut zu funktionieren, doch wird das so bleiben?

Gregor schreibt klar und eindringlich. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind toll ausgearbeitet. Besonders die Frauenfiguren sind vielschichtig, inklusive der zu pflegenden Mutter. Der Roman wirft wichtige Fragen auf: Wer kümmert sich um unsere Angehörigen? Und welche Auswirkungen hat die Pflegearbeit auf die Pflegenden und deren Familien?

Das Buch macht nachdenklich. Es zeigt, wie schwierig und ungerecht die Situation oft ist. Ein wichtiges Thema, über das viel zu wenig gesprochen wird und das mich noch lange beschäftigen wird. Absolut lesenswert! 4,5/5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.03.2025

Lesehighlight mit Lachgarantie

Greta & Valdin
0

„Findest du, dass mein Fuß wie ein Tapir aussieht?“ „Inwiefern?“ Mein Dad ist ein Mensch, der jede Frage ernst nimmt, und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob sich diese Tatsache positiv auf mich ausgewirkt ...

„Findest du, dass mein Fuß wie ein Tapir aussieht?“ „Inwiefern?“ Mein Dad ist ein Mensch, der jede Frage ernst nimmt, und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob sich diese Tatsache positiv auf mich ausgewirkt hat. (Greta & Vladin, S.99)

Mich hat schon lange kein Buch mehr so überrascht und zum Lachen gebracht wie Greta & Vladin. Es ist aber nicht nur witzig, sondern auch herzerwärmend und klug.

Greta und Vladin sind Geschwister und wohnen zusammen in Auckland. Die beiden sind sich auf eine Art sehr ähnlich, aber vor allem in Liebesdingen läuft es bei ihnen ähnlich katastrophal. Greta ist unglücklich in ihre Kollegin verliebt, und Vladin trauert seinem Ex-Freund hinterher. Das Buch ist abwechselnd aus beiden Perspektiven erzählt und ihre große, sehr chaotische und unglaublich liebenswürdige Familie ist auch immer dabei.

Diese Familie war, neben dem Humor, wirklich der allerbeste Punkt in diesem Buch. Sie ist einfach so herzerwärmend – ich habe mir oft gewünscht, Teil dieser Familie zu sein und mit ihnen am Tisch zu sitzen, am Ende wollte ich mich gar nicht von ihnen und vom Buch verabschieden.

Aber dieses Buch ist nicht nur herzerwärmend und witzig, sondern auch sehr vielschichtig und klug. Es geht beispielsweise viel um Identität, und man merkt dem Buch an, dass die Schriftstellerin selbst Māori ist. Zudem ist mir die sehr gute Übersetzung aufgefallen – es ist wirklich ein Lesegenuss und mein Highlight in diesem Monat. 5/5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2025

Neuanfang mit Humor und Herz

Breakups and Butterflies
0

„Breakups & Butterflies“ ist eine Neuauflage des 2020 erschienenen „Gar kein Plan ist auch eine Lösung“ und kann, bis auf ein paar kleine Schwächen, durchaus mit ihren neueren Büchern mithalten.

Mara ...

„Breakups & Butterflies“ ist eine Neuauflage des 2020 erschienenen „Gar kein Plan ist auch eine Lösung“ und kann, bis auf ein paar kleine Schwächen, durchaus mit ihren neueren Büchern mithalten.

Mara führt ein Leben, das auf den ersten Blick perfekt durchgeplant scheint, ein sicherer Job, eine solide Beziehung und eine geschmackvoll eingerichtete Wohnung. Doch als ihr Verlobter Sebastian sie unerwartet verlässt und sie plötzlich ohne Plan dasteht, wird sie gezwungen, sich selbst und ihre Vorstellungen vom Leben neu zu hinterfragen.

Kyra Groh erzählt Maras Geschichte mit einem wunderbar leichten und humorvollen Schreibstil, der es leicht macht, direkt in die Geschichte einzutauchen. Durch die fein gezeichneten Charaktere gewinnt die Geschichte an Tiefe, besonders Maras Bruder Veda und Kitty sind Figuren, die man einfach ins Herz schließen muss.

Was „Breakups & Butterflies“ besonders macht, ist die gelungene Mischung aus Humor und ernsten Themen. Maras Vergangenheit und ihre persönliche Entwicklung geben der Geschichte emotionale Tiefe, ohne dass es dabei zu schwer oder melodramatisch wird. Sie ist keine perfekte Heldin, sondern eine Figur mit Schwächen, die sie selbst reflektiert. Einzig die Thematik rund um den Namen ihres Bruders hätte noch intensiver behandelt werden können. Da habe ich mich sehr über die Protagonistin geärgert, gerade in der Neuauflage hätte es sich angeboten, in den Annotationen darauf einzugehen.

Insgesamt ist das Buch weit mehr als eine typische RomCom. Kyra Groh schafft es, mit viel Gefühl und Leichtigkeit, Themen wie mentale Gesundheit und persönliche Weiterentwicklung einfließen zu lassen. Eine charmante Geschichte über Neuanfänge.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2025

Für Fans Von Holly Jackson + tolle ME Repräsentation

Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.
0

Alle Fans der "A Good Girl’s Guide to Murder"-Reihe aufgepasst – mit Hotel Ambrosia gibt es spannenden Nachschub! Dieses Buch hat mich von Anfang an gefesselt und begeistert, doch es gibt auch einen Kritikpunkt, ...

Alle Fans der "A Good Girl’s Guide to Murder"-Reihe aufgepasst – mit Hotel Ambrosia gibt es spannenden Nachschub! Dieses Buch hat mich von Anfang an gefesselt und begeistert, doch es gibt auch einen Kritikpunkt, dazu später mehr.

Die Geschichte dreht sich um Robin, die an ME/CFS leidet und daher ihr Zimmer nicht verlassen kann. Gegenüber ihres Fensters befindet sich ein altes Hotel, in dem immer wieder mysteriöse Ereignisse geschehen. Eines Tages wird Robin Zeugin eines Verbrechens, das sich dort abspielt – und damit beginnt eine packende Story voller Spannung und Geheimnisse.

Was mich an diesem Buch besonders fasziniert hat, ist nicht nur die mitreißende Handlung, sondern auch die gelungene Erzeugung von Atmosphäre und Nervenkitzel. Der Roman arbeitet mit kreativen Stilmitteln wie Tagebucheinträgen, Chatverläufen und Zeichnungen, die die Story auflockern und zum MIträtseln einladen.

Ein weiteres Highlight ist die authentische Darstellung von ME/CFS. Ich habe bisher kaum ein Buch gelesen, das sich mit dieser Krankheit befasst, und fand die Repräsentation enorm wertvoll. Als Betroffene konnte ich mich in Robin hineinversetzen, ihre Herausforderungen nachfühlen und war tief berührt von der äußerst realistischen Darstellung. Dies ist eine Repräsentation, die diese Krankheit dringend benötigt.

Vorsicht ab hier kommt ein Spoiler

Doch hier kommt mein großer Kritikpunkt: Am Ende wird offenbart, dass Robin gar nicht wirklich an ME/CFS leidet, sondern durch das Münchhausen-by-Proxy-Syndrom krank gemacht wurde. Diese Wendung relativiert die zuvor so feinfühlige Darstellung der Krankheit und gibt den Eindruck, als wäre sie nur eine Einbildung oder durch äußere Einflüsse verursacht. Das ist nicht nur frustrierend, sondern auch problematisch. Eine solche Enthüllung kann leicht dazu führen, dass Leser:innen, die nicht mit ME vertraut sind, die Krankheit nicht ernst nehmen oder sie für weniger gravierend halten als sie ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere