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Veröffentlicht am 13.08.2018

Was passiert in einer Welt ohne Bienen?

Die Geschichte der Bienen
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Das Buch der norwegischen Autorin Maja Lunde erzählt sie Geschichte der Bienen in drei Handlungssträngen in drei Zeiten: der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.

1. 2098: Die junge chinesische ...

Das Buch der norwegischen Autorin Maja Lunde erzählt sie Geschichte der Bienen in drei Handlungssträngen in drei Zeiten: der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.

1. 2098: Die junge chinesische Arbeiterin Tao muss gemeinsam mit vielen tausenden Arbeiterinnen und Arbeitern die Bäume von Hand bestäuben, denn Bienen gibt es nicht mehr. Die Welt versinkt in Armut und Nahrungsmittelknappheit. Eines Tages verünglückt ihr kleiner Sohn bei einem Ausflug und plötzlich ist nichts mehr, wie es einmal war.

2. 2007: Der amerikanische Imker George wünscht sich nichts sehnlicher, als dass sein Sohn Tom eines Tages seinen Hof übernimmt. Doch der will lieber Journalist sein. Ängstlich beobachtet er die Meldungen über das Bienensterben, fühlt sich aber noch nicht bedroht. Bis eines Tages auch seine Bienen nicht mehr zurückkehren.

3. 1852: Der englische Naturwissenschaftler William hat seinen Forschungsdrang für seine Familie geopfert und ist darüber in eine schwere Depression verfallen. Bis ihm eines Tages die Idee kommt, einen einzigartigen, neuen Bienenstock zu bauen, der es möglich machen soll, die Bienen zu zähmen und als Nutztiere zu halten.

Ich bin ein Fan von Büchern, die die Perspektiven wechseln. In diesem Buch begleitet man die drei Protagonisten abwechselnd und lernt dabei einiges über die Anfänge der Bienenzucht, deren Ausbeutung in der Gegenwart und der erschreckenden möglichen Zukunft, wenn die Bienen durch Landwirtschaft und Pestizide ausgestorben sind. Anfangs fand ich die Zukunft am spannendsten, doch im Verlauf der Geschichte wurden auch die beiden anderen Handlungsstränge sehr interessant. Denn es hängt alles zusammen. Das Ende des Buches fand ich sehr gelungen, denn hier erfährt der Leser, wie die Geschichten der drei Portagonisten zusammenhängen.

Die Message der Autorin ist eindeutig, denn das Bienensterben ist keine Fiktion, sondern eine Tatsache. Umso erschreckender ist die Zukunftsvision, die uns die Autorin zeigt. Ein Buch, das nachdenklich macht, und auch ein wenig Angst.

Ich freue mich schon auf das nächste Buch des „Klimaquartetts“, das die Autorin plant. „Die Geschichte des Wassers“ erscheint Ende März und auch bei diesem Buch bin ich sicher, es wird wieder fesseln. Und erschrecken.

Veröffentlicht am 13.08.2018

Drei unterschiedliche Leben und doch miteinander verknüpft

Der Zopf
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„Der Zopf“ erzählt von drei starken Frauen auf drei Kontinenten, der Leben auf unterschiedlicher nicht sein könnten und trotzdem miteinander verbunden sind.

Smita lebt in Indien und ist eine Dalit. Als ...

„Der Zopf“ erzählt von drei starken Frauen auf drei Kontinenten, der Leben auf unterschiedlicher nicht sein könnten und trotzdem miteinander verbunden sind.

Smita lebt in Indien und ist eine Dalit. Als „Unberührbare“ muss sie den Dreck der anderen wegmachen. Damit ihre Tochter es eines Tages besser hat als sie, verlässt sie ihr Heimatdorf.

Giulia arbeitet auf Sizilien in der Perückenfabrik ihres Vaters. Eines Tages muss sie entdecken, dass das Familienunternehmen vor dem Ruin steht. Sie fasst einen mutigen Plan.

Die kanadische Anwältin Sarah ist durch und durch auf ihre Karriere fixiert. Ihr Privatleben vernachlässigt sie. Als sie schwer erkrankt, zieht sich erst zurück und fasst dann neuen Mut.

Der Schreibstil ist flüssig und ermöglicht einen schnellen Lesefluss. Abwechselnd werden die Geschichten der drei Hauptfiguren in kurzen Kapiteln erzählt, wodurch der Leser animiert wird, zügig weiter zu lesen. Was mir direkt aufgefallen ist: es gibt keine wörtliche Rede im Buch, wohl aber redende Personen. Aber auch das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch, im Gegenteil, es ist irgendwie besonders.

Besonders spannend und erschreckend fand ich den Handlungsstrang um Smita aus Indien. Hier werden die gesellschaftlichen Unterschiede, die in dem Land noch heute herrschen, besonders deutlich gezeigt. Ist man in die falsche Familie, die falsche Kaste hineingeboren, gibt es keinen Ausweg, es hilft nur das Hoffen auf ein besseres Schicksal im nächsten Leben.

Das verbindende Element in dem Roman kommt nicht sonderlich überraschend, aber darum geht es auch nicht in diesem Buch. Neben ernsten Themen wie Krankheit, Diskriminierung, Familientraditionen und sozialen Ungerechtigkeiten geht es im Roman vor allem um starke Frauen, die kämpfen: Um ihren Familienbetrieb, um ein besseres Leben, um ihre Gesundheit. Und die es auch heute noch schwer haben, sich durchzusetzen. Weil sie Frauen sind, weil sie in der falschen Gesellschaftsgruppe sind.

Das Buch hat mich sehr beeindruckt und berührt. Die Autorin hat es geschafft, mich mit ihren geschickt verknüpften Handlungssträngen in den Bann zu ziehen. Ein schönes Debüt!

Veröffentlicht am 13.08.2018

Rasante Fortsetzung – und noch besser als der erste Band

Scythe – Der Zorn der Gerechten
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Nach ihrer Scythe-Ausbildung ist aus Citra Terranova nun Scythe Anastasia geworden. Sie hat ihre eigene Nachlesemethode entwickelt und in ihrer einstigen Mentorin Scythe Curie eine Vertraute gefunden. ...

Nach ihrer Scythe-Ausbildung ist aus Citra Terranova nun Scythe Anastasia geworden. Sie hat ihre eigene Nachlesemethode entwickelt und in ihrer einstigen Mentorin Scythe Curie eine Vertraute gefunden. Ihr ehemaliger Mit-Lehrling und Konkurrent Rowan verfolgt derweil als inoffizieller Scythe Luzifer all diejenigen Scythe, die aus unmoralischen Gründen und Spaß am Töten nachlesen. Als es einen Anschlag auf Anastasia und Curie gibt, wird schnell klar: Die Scythe der „neuen Ordnung“ drängen an die Macht.

Schon von Band 1 der Scythe Trilogie war ich begeistert. Die Welt, die Shusterman erschaffen hat, ist faszinierend und beängstigend zugleich. In einer Zukunft, in der es keine Krankheiten und keinen natürlichen Tod mehr gibt haben nur die Scythe die Macht über Leben und Tod. Wie in Band 1 bereits angedeutet wurde, wandelt sich das Scythetum, die Scythe der „neuen Ordnung“ genießen ihr Leben und die Nachlese und wollen sich weniger Regeln unterwerfen. Der Konflikt zwischen alter und neuer Ordnung spitzt sich im Verlauf der Geschichte zu.

Nachdem man in Band 1 Ausschnitte aus den Tagebüchern der Scythe lesen konnte, kommt in diesem Band nun der Thunderhead zu Wort. Die cloudbasierte künstliche Intelligenz, die das krankheitsfreie, friedliche Leben erst möglich gemacht hat und im Dienste der Menschheit steht. In die Scythe-Angelegenheiten darf der Thunderhead sich nicht einmischen und beobachtet von außen und mit wachsendem Unmut die Entwicklungen. Ein sehr spannender, mitunter beängstigender Einblick in die „Gedanken“ dieser künstlichen Intelligenz und eine Bereicherung für den Erzählstil. Nicht umsonst heißt die Originalausgabe des Buches „Thunderhead“.

Neben den bekannten Figuren lernt der Leser auch viele neue Protagonisten kennen, die alle für sich spezielle Charaktere sind und den Verlauf der Geschichte bereichern. Von einigen wird es noch Spannendes zu lesen geben.

Shusterman versteht sein Handwerk als Jugendbuchautor und obwohl ich eigentlich nicht (mehr) zur Zielgruppe gehöre, konnte mich das Buch von Anfang an fesseln. Das liegt zum einen an der Grundidee des Scythetums, der Unsterblichkeit und all seinen Folgen, zum anderen aber an den immer wieder überraschenden Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Das Ende lässt mich fassungslos und neugierig zurück, die Wartezeit bis Band 3 scheint unerträglich. Respekt an den Autor dafür.

Band 2 konnte mich noch mehr fesseln als Band 1, ist überraschender, fulminanter, aber auch düsterer und bereitet auf ein hoffentlich spektakuläres Finale in Band 3 vor. Ich kann es kaum erwarten.

Veröffentlicht am 13.08.2018

Spannend, mit einigen unerwarteten Wendungen

The Woman in the Window - Was hat sie wirklich gesehen?
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Nach einem traumatischen Erlebnis lebt Anna allein in ihrem großen Haus in New York. Sie leidet unter Agoraphobie und kann das Haus nicht verlassen. Um sich die Zeit zu vertreiben, beobachtet sie ihre ...

Nach einem traumatischen Erlebnis lebt Anna allein in ihrem großen Haus in New York. Sie leidet unter Agoraphobie und kann das Haus nicht verlassen. Um sich die Zeit zu vertreiben, beobachtet sie ihre Nachbarn. Eines Tages ziehen nebenan neue Nachbarn ein: die Russels. Zu dem Sohn Ethan und der Frau Jane baut Anna schnell ein inniges Verhältnis auf. Bis sie eines Nachts ein schreckliches Verbrechen beobachtet. Doch am nächsten Tag scheint es, als sei nichts passiert. Niemand will ihr glauben. Hat Anna sich den Überfall im Alkohol- und Tablettenrausch tatsächlich nur eingebildet? Welche Geheimnisse verbergen die Russels?

Das Buch hat mich schnell in seinen Bann gezogen. In klassischer Thriller-Manier wird Annas Vergangenheit und der Grund für ihre psychische Störung nur nach und nach enthüllt. Das gepaart mit den recht kurzen Kapiteln erhöht die Spannung und die Lesegeschwindigkeit ungemein. Schnell findet man sich auch in Annas Psyche wieder, weiß irgendwann selber nicht mehr, was man glauben soll. Es gelingt dem Autor sehr gut, den Leser in die Irre zu führen, zweifeln und rätseln zu lassen und vor allem irgendwann jeden, auch Anna, irgendwie in Verdacht zu haben.

Ein kleines Gimmick im Buch: Anna liebt alte Schwarz-Weiß Filme, insbesondere Hitchcock Filme, die oft zitiert werden und Parallelen zur Handlung aufweisen. Für mich als absoluter Nicht-Kenner dieser Filme war das zwar eher anstrengend, für alle Leser, die sich damit identifizieren können, kann das durchaus eine Bereicherung der Handlung sein.

Das Debüt des Autors hat mich gut unterhalten, mich an der einen oder anderen Stelle überrascht, manchmal auch etwas zu viele Längen gezeigt. Alles in allem ein kurzweiliger Lesegenuss mit etwas Thrill.

Autor: A. J. Finn

Veröffentlicht am 13.08.2018

Eine schöne Familiengeschichte mit Fernwehgarantie

Drei Schwestern am Meer
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Katharina arbeitet als Ärztin in Berlin. Endlich hat sie Urlaub, und den möchte sie mit ihrem Freund bei ihrer Oma auf Rügen verbringen, bei der sie aufgewachsen ist. Doch schnell ist nichts mehr, wie ...

Katharina arbeitet als Ärztin in Berlin. Endlich hat sie Urlaub, und den möchte sie mit ihrem Freund bei ihrer Oma auf Rügen verbringen, bei der sie aufgewachsen ist. Doch schnell ist nichts mehr, wie es war. Ihr Freund Daniel macht ihr einen Antrag, und dann bricht ihre Oma auch noch zusammen und muss ins Krankenhaus auf die Intensivstation. Katharina und ihre Schwestern Pia und Jana machen sich Sorgen um ihre Oma und decken nebenbei ein lange gehütetes Familiengeheimnis auf.

Sommer, Rügen und Meer. Das Setting des Buches hat mich sofort angesprochen, denn was kann es schöneres geben? Und auch die Geschichte um Katharina, ihre Schwestern und ihre Oma hat mir sehr gut gefallen. Anne Barns schreibt angenehm und leicht, arbeitet die einzelnen Charaktere gut heraus und schenkt dem Leser eine angenehme Reise auf die schöne Insel an der Ostsee. Die Geschichte wird geradlinig und gefühlvoll aus Sicht von Pia erzählt, mit vielen kleinen Details und der einen oder anderen Wendung. Es ist toll zu erleben, wie die drei Schwestern zusammenhalten, sich gegenseitig analysieren, necken und stützen. Einen wichtigen Stellenwert im Buch haben auch Omas leckere Rezepte, bis einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Als kleine Überraschung findet man am Ende die Rezepte aus dem Buch zum Nachkochen. Eine schöne Idee, denn beim Lesen kommt in der Tat Lust auf Ofenfleisch, Haselnusspaste und Karamellbonbons auf.

Auch wenn mir das Ende dann etwas zu schnell und zu glatt kam, hatte ich wunderbare Lesestunden gemeinsam mit Katharina und ihren Schwestern. Sehnsucht nach Meer, nach Rügen und Sonnenschein sind nach diesem Buch garantiert.