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Veröffentlicht am 18.11.2016

Über Geschichten, die Generationen verbinden

Für immer in deinem Herzen
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Arden und ihre Tochter Lauren leben ihr Leben in Chicago. Ihre Mutter bzw. Großmutter Lolly haben sie schon lange nicht mehr im beschaulichen Scoops am Lost Land Lake besucht. Eines Tages bekommen beide ...

Arden und ihre Tochter Lauren leben ihr Leben in Chicago. Ihre Mutter bzw. Großmutter Lolly haben sie schon lange nicht mehr im beschaulichen Scoops am Lost Land Lake besucht. Eines Tages bekommen beide gleichzeitig einen Brief von Lolly. Darin befindet sich ein persönlicher Anhänger für jede von beiden, ein guter Rat fürs Leben und die Bitte, sie doch mal wieder zu besuchen. Obwohl Arden weder von den Anhängern, die ihre Familie seit Generationen begleiten, noch von einem Besuch in Scoops viel hält, überredet ihre Tochter Lauren sie, endlich mal wieder Urlaub zu nehmen und in die alte Heimat zu fahren. Denn beide machen sich Sorgen um Lolly, die ganz allein in ihrem alten Blockhaus lebt und langsam komisch wird. Dort angekommen beginnt für alle drei eine Zeit voller Familiengeschichten, Träumen und einer Reise zu sich selbst mit der Erkenntnis, dass man tun sollte, was man selbst möchte und nicht, was andere wollen. Immer dabei: Die klirrenden Bettelarmbänder mit ihren vielen Geschichten. Und natürlich auch ein bisschen Liebe.

Im Zentrum des Romans stehen Bettelarmbänder, deren Anhänger in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben werden. Jeder Anhänger ist ein Symbol eines Lebensabschnitts, und jeder hat seine eigene Geschichte. Lolly erzählt Arden und Lauren nach und nach die Geschichten hinter ihren Anhängern, die so viel für sie bedeuten.

Jeder der 11 Kapitel ist einem Anhänger gewidmet. So geht es im 1. Kapitel zum Beispiel um einen Heißluftballon - Für ein Leben voller Abenteuer. Meine Lieblingsanhänger sind Das Puzzlestück - Für ein Leben mit Freunden, die sich ergänzen und Der Seetaucher - Für eine Liebe, die dich immer nach Hause ruft.

Der flüssige, sehr bildliche Schreibstil lässt einen ganz in die kleine heile Welt in Michigan eintauchen. Der Ort, die Anhänger, die Personen sind so detailliert beschrieben, dass sich mühelos ein Bild im Kopf formt.
Zwischen der Geschichte in der Gegenwart - die drei Frauen, die sich näher kennen lernen, Geheimnisse lüften und Ängste teilen - wird immer mal wieder in die Vergangenheit gewechselt, nämlich dann, wenn Lolly die Geschichte eines Anhängers erzählt. Diese Rückblenden sind so passend in die Geschichte integriert, dass einen die kleinen Episoden nicht aus dem Lesefluss reißen.

Mich hat das Buch sehr berührt. Immer wieder sind kleine Weisheiten versteckt und immer wieder habe ich über mich selbst, meine Familie und unsere Geschichte nachgedacht. Ich habe auch selbst ein Bettelarmband, auch bei mir hat jeder Anhänger eine Geschichte und ist ein Symbol für ein Ereignis in meinem Leben. Leider lag das Armband viel zu lange in einer Schublade, nun habe ich es wieder rausgeholt.
Natürlich ist diese Geschichte an vielen Stellen kitschig, die Welt in Scoops ein wenig zu heil. Aber das macht in diesem Buch nichts. Denn am Ende schlägt man es mit einem Lächeln zu, mit einigen Weisheiten mehr, und mit der Erkenntnis, dass Familie wichtig ist, dass jeder seine Geschichte hat und man zuhören sollte, solange man kann.

Von mir eine klare Leseempfehlung für alle, die ein schönes, ergreifendes Sommerbuch suchen.

Veröffentlicht am 18.11.2016

Erinnere dich, Jenny

Dark Memories - Nichts ist je vergessen
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Die 15jährige Jenny Kramer wird auf einer Party Opfer einer grauenvollen Vergewaltigung. Im Krankenhaus entscheiden sich ihre Eltern dafür, ihre Erinnerungen an die Tat mit Hilfe eines Medikamentes auszulöschen. ...

Die 15jährige Jenny Kramer wird auf einer Party Opfer einer grauenvollen Vergewaltigung. Im Krankenhaus entscheiden sich ihre Eltern dafür, ihre Erinnerungen an die Tat mit Hilfe eines Medikamentes auszulöschen. Jenny kann sich nun nicht mehr an die Vergewaltigung erinnern, weiß aber, dass sie passiert ist. Doch besser geht es ihr dadurch nicht, ihre Gefühle, Angst, Wut, Verzweiflung sind immer noch da, schwirren wie Geister durch ihren Körper und finden keine Erinnerungen, mit denen sie sich verknüpfen können. Nach einem Selbstmordversuch macht sie sich gemeinsam mit einem auf diesem Gebiet erfahrenen Psychologen auf die Suche nach ihren Erinnerungen. Dabei kommen auch viele Geheimnisse ihrer Eltern ans Licht. Geschickt manipuliert rasen alle Charaktere unaufhaltsam auf einen Abgrund zu….

Anders als es vom Klappentext zu erwarten ist steht in diesem Buch nicht unbedingt Jenny im Mittelpunkt. Die Geschichte wird durchgängig aus Sicht des Psychologen und aus der Ich-Perspektive erzählt. Die Charaktere selbst kommen in Kursivschrift dann zu Wort, wenn der Psychologe Unterhaltungen mit ihnen schildert. Anfangs ist es mir nicht leichtgefallen, in diesen Erzählstil hinein zu finden. Gerade am Anfang des Buches wirkt er sehr nüchtern, distanziert und trocken. Erst im Laufe der Zeit wird der Stil durch vermehrte Dialoge aufgelockert und es kommt Spannung auf.

Spannend und sehr informativ sind die Einblicke in die menschliche Psyche, die der Psychiater immer wieder einfließen lässt. Es wird geschildert, wie Erinnerungen im menschlichen Hirn abgespeichert werden, wie sich Emotionen damit verknüpfen, was passieren kann, wenn die Emotionen da sind, die Erinnerungen aber nicht. Viel wird auf die Kindheit einzelner Charaktere eingegangen, in der häufig die Ursache des Verhaltens als Erwachsener zu finden sind. Man dringt tief in die Psyche und Gedanken der Charaktere ein und findet die eine oder andere gut versteckte Emotion.

Durch die intensiven Schilderungen psychologischer Hintergründe, aber auch dem ständigen Abschweifen des Erzählers zu einzelnen Begebenheiten ist das Buch an vielen Stellen langatmig und schwierig zu lesen. Am Ende passen alle Informationen zusammen, zwischenzeitlich stehen sie aber in keinem Zusammenhang und man muss aufpassen, nichts zu überlesen, was am Ende noch wichtig werden könnte.

Der Täter am Ende kam durchaus überraschend, ebenso seine Beweggründe und das große Ganze, das sich entwickelt. Das macht einen guten Thriller ja aus. Der Leser wird mehrmals in die Irre geführt, versucht, aus den Informationen schlau zu werden, die genau zum Zwecke der Verwirrung eingestreut wurden. Trotzdem fehlte mir stellenweise die Spannung, die ich bei einem Thriller des Jahres (so die Ankündigung) erwarte. Trotzdem habe ich das Buch in kurzer Zeit durchgelesen, blieb am Ball und wollte nicht abbrechen. Einen Stern Abzug gibt es für die langatmigen Passagen.

Veröffentlicht am 18.11.2016

Das große Geheimnis

Helenas Geheimnis
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Helena hat von ihrem Patenonkel das Haus mit dem vielversprechenden Namen „Pandora“ auf Zypern geerbt, in dem sie vor mehr als 20 Jahren einen wunderschönen Sommer verbracht hat. Nun kehrt sie mit ihrer ...

Helena hat von ihrem Patenonkel das Haus mit dem vielversprechenden Namen „Pandora“ auf Zypern geerbt, in dem sie vor mehr als 20 Jahren einen wunderschönen Sommer verbracht hat. Nun kehrt sie mit ihrer Familie und Freunden in das Anwesen zurück, um es wieder auf Vordermann zu bringen und einen weiteren schönen Sommer zu verleben. Schnell wird sie jedoch von den Ereignissen und Geheimnissen der Vergangenheit eingeholt, die sie so lange gut versteckt gehalten hat…

Das Buch beginnt aus der Sicht ihres Sohnes Alex, der wiederum einige Jahre später wieder in Pandora ist und sich an die Ereignisse erinnert. Hier wird nur angedeutet, was damals geschehen ist. Das macht neugierig und Lust auf mehr. Schnell wechselt die Erzählperspektive dann regelmäßig zwischen den Ereignissen in Pandora und Alex Tagebucheinträgen. Hier schildert Alex seine Sicht auf die Dinge, beschäftigt sich mit Themen, mit denen sich Teenies eben so beschäftigen und ist auf der immerwährenden Suche nach seinem Vater. Denn Helena hat ihm und auch ihrem Mann William nie gesagt, wer sein Vater ist. Wie sich später herausstellt, aus gutem Grund. Nach und nach werden kleine und große Geheimnisse aufgedeckt, Liebesgeschichten erzählt und die Leben der vielen verschiedenen Protagonisten, die sich auf Pandora tummeln, verwoben.

Ich habe vorher noch kein Buch von Lucinda Riley gelesen und hatte daher keine großen Erwartungen, wie sich Fans der Autorin vielleicht haben. Für mich war das Buch eine nette Lektüre zwischendurch. Zeitweise war es etwas langatmig, und ich habe mich gefragt, was denn das große Geheimnis nun sein soll. Am Ende fand ich es etwas zu konstruiert. Trotzdem hat mir das Buch durchaus Lesevergnügen bereitet, und ich würde auch gern weitere Bücher der Autorin lesen. Die Charaktere sind gut beschrieben und herausgearbeitet, die wechselnden Erzählperspektiven und die vielen kleinen Geschichten, Befindlichkeiten und Problemchen der Protagonisten fand ich durchaus unterhaltsam. Für den Sommer bestens geeignet, zumal das Buch auf Zypern spielt und die Autorin – war sie ja selbst dort und hat auch große Teile des Buches dort geschrieben – vermittelt einen wunderbaren Eindruck der Insel. Da bekommt man zum Lesevergnügen eine große Portion Fernweh gratis dazu.

Veröffentlicht am 18.11.2016

Von einer wunderbaren Reise

Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid
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Elsa ist 7, eigentlich sogar fast 8, sehr belesen (Wikipedia!) und irgendwie schrecklich neunmalklug. Und sie hat nur einen einzigen Freund, nämlich Oma. Oma ist Ärztin, chaotisch, unkonventionell und ...

Elsa ist 7, eigentlich sogar fast 8, sehr belesen (Wikipedia!) und irgendwie schrecklich neunmalklug. Und sie hat nur einen einzigen Freund, nämlich Oma. Oma ist Ärztin, chaotisch, unkonventionell und unfassbar liebenswert. Elsa und sie erleben die tollsten Geschichten im Land Fast-Noch-Wach, eine Märchenwelt, die sich Oma ausgedacht hat.

Eines Tages schickt Oma Elsa auf eine Reise ins wahre Leben. Als sie stirbt, hinterlässt sie Elsa einen Brief. Elsa macht sich auf in eine Schatzsuche, bei der sie viele neue Freunde findet und bei der sie nach und nach den wahren Kern der Märchen und Wesen aus dem Land Fast-Noch-Wach entdeckt.

Ich fand das Buch großartig. Auf seine bereits bekannte und (bei mir geliebte) eigene Art und Weise des Erzählens kreiert Fredrik Backman eine fantastische kleine Welt, in der sich so viel Schönes, Berührendes und Wahres finden lässt. Elsas neunmalkluge Art muss man mögen, ich habe es auf jeden Fall. Es war sehr spannend, die Märchengeschichten von Oma in die echte Welt und die echten Personen, die Elsa dort tagtäglich begegnen, zu übersetzen, Zusammenhänge herzustellen, bevor Elsa es konnte und einfach in die Märchenwelt einzutauchen. Manchmal war es auch nicht so einfach, und manchmal konnte man es einfach nicht fassen, was all die Menschen, die bei Elsas Reise eine Rolle spielen, erlebt haben. Und wie kreativ Oma all diese Erlebnisse in die Märchenwelt übersetzt hat.

Beim Lesen habe ich mich zurück in die Kindheit versetzt gefühlt, als Märchen noch faszinierend wahren, und habe mich manchmal dorthin zurück gewünscht.

Für mich ein wunderbar gelungenes Buch, das einen Träumen lässt, dass innere Kind wieder hervorlockt und einfach fantastisch ist. Unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 18.11.2016

Ein Mann namens Ove schleicht sich in mein Herz

Ein Mann namens Ove
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Ove ist 59, fährt Saab und ist ein Einzelgänger. Jeden Tag steht er zur gleichen Zeit auf, dreht seine Kontrollrunde durch die Eigenheimsiedlung und schaut, ob alles seine Richtigkeit hat. Als er in den ...

Ove ist 59, fährt Saab und ist ein Einzelgänger. Jeden Tag steht er zur gleichen Zeit auf, dreht seine Kontrollrunde durch die Eigenheimsiedlung und schaut, ob alles seine Richtigkeit hat. Als er in den Vorruhestand geschickt wird, beschließt er, seiner geliebten Frau zu folgen und zu sterben. Das plant er natürlich ganz genau. Nur leider kommt ihm immer wieder etwas (oder jemand) dazwischen...

Das Buch startet mit einer sehr schägen Szene in einem Apple Store, in dem Ove ein iPad kaufen möchte. Hier fragt man sich direkt, was Ove denn für ein komischer Vogel ist und steckt ihn erst einmal direkt in die Schublade "nerviger Opa". Ich glaube, jeder kennt so einen. Im Laufe der Geschichte erfährt man aber mehr über Ove und sein Leben. Über seine Kindheit, seine geliebte Frau Sonja und all die Schicksalsschlge, die er so verkraften musste. Und nach und nach merkt man: Der ist gar kein nerviger Opa, der Ove, sondern ein herzensguter Mensch, der eben etwas kautzig ist.

Ich liebe den Schreibstil von Fredrik Backman, der etwas eigenwillig, aber sehr unterhaltsam ist. Mit geschickten Worten und einem feinen Humor zeichnet er ein Bild von Ove und wie Ove seine Welt sieht und weiß, den Leser zu fesseln.

Das Buch hat mir ein Wechselbad der Gefühle beschert. Ich konnte mich über die grantigen Kommentare und Ansichten von Ove amüsieren - wie er beispielsweise über Menschen denkt, die keinen Saab fahren, oder wie er sich mit dem "Katzenvieh" unterhält, das er irgendwie unbemerkt adoptiert hat und das sein ständiger Begleiter wird. Es gibt aber immer wieder Abschnitte, die mich traurig und nachdenklich gemacht haben. Besonders dann, wenn Ove an seine Frau Sonja denkt, die er bedingungslos geliebt hat und schmerzlich vermisst.

Ein wunderschönes Buch über das Gute im Menschen, Liebe, Freundschaft und dass man an Autos durchaus Gefühle ablesen kann.