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Suzi

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.05.2022

Hart und Hertzlich

Düsterhof (Thriller)
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Eine junge Frau wurde brutal ermordet und alles deutet auf ihren eifersüchtigen Freund Robin, der als Therapeut auf einem Pferdehof arbeitet, hin. Als Pflichtverteidigerin wird Annabelle Hart beauftragt, ...

Eine junge Frau wurde brutal ermordet und alles deutet auf ihren eifersüchtigen Freund Robin, der als Therapeut auf einem Pferdehof arbeitet, hin. Als Pflichtverteidigerin wird Annabelle Hart beauftragt, die selbst mit den an Stalking grenzenden Nachstellungen ihres Ex zu kämpfen hat. Anfänglich unsicher, glaubt sie nach und nach ihren Mandanten und setzt alles daran, Beweise für seine Freilassung aus der Untersuchungshaft zu finden.
Sie setzt dabei auf die Unterstützung von Privatdetektiv Felix Hertzlich, der aufgrund seiner autistischen Schwester ganz eigene Motivationen hat, Robins Unschuld zu beweisen. Kaum ist Robin wieder auf freiem Fuß, wird eine weitere Frau ermordet..
Leider konnte mich das Buch trotz guter Ansätze nicht wirklich überzeugen. Die Grundidee ist dabei gar nicht so schlecht, jedoch ahnt man recht schnell, das die präsentierten Verdächtigen, im Lauf der Handlung als Täter ausscheiden. Es kristallisiert sich letztendlich schon bald der wirkliche Täter heraus, weil er der Einzige ist, den niemand wirklich auf dem Schirm hat.
Die Zusammenarbeit von Annabelle und Felix beginnt holperig bis sie das gemeinsame Ziel enger zusammen schweißt. Dabei bleiben die Charaktere jedoch sehr oberflächlich. Eher nebensächliche Personen wie Annabelles Ex wird dagegen recht viel Platz eingeräumt - wahrscheinlich um den Bogen zum Ende zu schließen. Dass sie gegen seine Belästigungen trotz aller rechtlichen Kenntnisse jedoch nicht vorgeht, verwundert mich dann doch schon etwas.
Insgesamt eine Story, die sich mal zwischendurch ganz gut liest, jedoch bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

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Veröffentlicht am 28.04.2022

Lebenswege

Mutters Lüge
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Mit 15 flieht Martha zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Tomek und beider Mutter illegal aus Polen nach Deutschland. Das Leben ist schwer, die Mutter oft geistig abwesend und Martha ist schon beizeiten ...

Mit 15 flieht Martha zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Tomek und beider Mutter illegal aus Polen nach Deutschland. Das Leben ist schwer, die Mutter oft geistig abwesend und Martha ist schon beizeiten auf sich allein gestellt. Mit ihrem Ehrgeiz beisst sie sich in dem neuen Land und neuer Sprache durch und wird zu einer angesehenen und erfolgreiche Psychologin in der Schweiz.
Mit der Beurteilung dieses Buches habe ich mich sehr schwer getan.
Manche Episoden, u. a. zur Zeitgeschichte, waren durchaus interessant, dann wiederrum erschwerten Gedankensprünge sowie der Wechsel der Zeitformen in den Schilderungen das Verständnis. Die ganze Zeit des Lesens habe ich auf die Auflösung der Geschichte um die Lüge gewartet. So richtig konnte mich das Ende dann allerdings nicht befriedigen. "Mutters Lüge" ist ein Buch in dem zur Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit sehr viel Mühe steckt, deren Inhalt mich jedoch nicht ganz erreichen konnte.

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Veröffentlicht am 27.04.2022

Von Liebe und Leben im Krieg

Es ist schon fast halb zwölf
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Die zunehmende Demenz ihres Ehemann Karl zwingt Hilde dazu über einen Umzug ins Altenheim nachzudenken. Doch zuvor möchte sie ihr Gewissen noch mit der Offenbarung eines wohlgehüteten Geheimnis erleichtern. ...

Die zunehmende Demenz ihres Ehemann Karl zwingt Hilde dazu über einen Umzug ins Altenheim nachzudenken. Doch zuvor möchte sie ihr Gewissen noch mit der Offenbarung eines wohlgehüteten Geheimnis erleichtern. Die auf dem Dachboden verwahrte Kiste mit ihrer beiden Briefwechsel während ihrer Verlobungszeit lässt Hilde auf eine Reise in die Vergangenheit gehen, wo das NS-Regime ihr Glück überschattete.
Einmal begonnen konnte ich dieses Buch nicht aus der Hand legen. Es liest sich wunderbar flüssig und fesselt sehr durch die leisen, aber eindrucksvollen Schilderungen.
Hildes Haltung in jungen Jahren, sich unterzuordnen und Gedanken bzw. Überlegungen nicht laut zu äußern, dürfte zum einem die Erziehung (Frauen haben zu gehorchen und sind vom Mann abhängig) als auch der dörflichen Abgeschiedenheit geschuldet sein. Dementsprechend verstehe ich ihre Geduld in der langen Verlobungszeit. Beider Briefe sprechen von der tiefen Liebe und Zuneigung, bieten allerdings auch einen Einblick in die Zeitgeschichte. Entsprechend ihrer Erziehung vielleicht aber auch ihrem Wesen entsprechend, möchte sie es voller Pflichtgefühl allen recht machen und pendelt zwischen der Wohnung in Berlin und ihrem Herkunftsort ständig hin und her. Kein Wunder das sie kein Heimatgefühl empfindet, sie funktioniert ja nur, anstatt zu leben - ihr Leben zu leben.
Wie hart das Leben ist wird mit vielen Randbemerkungen deutlich. Es ist erschreckend, wie groß die Furcht vor Bestrafung ist, das dafür sogar der mögliche Tod dafür in Kauf genommen wird.
Stellenweise streckt sich Hildes Erzählung, jedoch ist dies trotzdem gut zu lesen und keinesfalls langatmig. Vor allem die Zeitzeugenschilderungen in den Briefen sind sehr interessant. Obwohl aus Furcht vor Repressalien nichts konkret ausgesprochen wird, wird die belastende Stimmung sehr deutlich.
Der Schluss des Buches lässt mich nachdenklich zurück. Jedoch bin ich auch nur der Zuschauer und kann deshalb wohl nicht richtig nachfühlen, wie es beiden mit ihrer Schuld geht. Dass es sehr schlimm ist bzw. war, steht außer Frage. Jedoch darf man die Tat nicht aus dem Zusammenhang reißen. Es waren furchtbare Zeiten und letztendlich ging es in diesen Ausnahmesituationen auch immer ums eigene Überleben: er oder ich. Das soll keinesfalls eine pauschale Entschuldigung sein, aber mitunter machen wir es uns mit dem jetzigen Wissensstand in unserem "moralischen Sessel" sehr bequem und urteilen ggf. auch zu vorschnell. Ich kann nicht sagen, ob ich beispielsweise in Karls Situation anders reagiert hätte. Und gerade daraus entsteht Mitläufertum.
Das beide trotz aller Grausamkeiten keine Monster sind, zeigt beider menschliche Reaktion. Doch gerade das Verschweigen (um den Partner zu schonen) macht es mit der Zeit immer schwerer, das Geheimnis zu lüften. Während Karl mit seiner Demenz verschwindet, lässt es vor allem Hilde keine Ruhe, und die will ihr Gewissen vor dem Tod noch entlasten. Das rührt und ist mutig.
Ein wundervolles Buch der leisen Worte, das ich sehr gern weiter empfehle!

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Veröffentlicht am 27.04.2022

Nichts ist wie es scheint. Die Wahrheit hat viele Gesichter. (Katharina Eisenlöffler)

Kaltblütige Abrechnung
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Der pensionierte Gynäkologe, Medizinalrat Doktor Friedhelm Leiter, wird am gynäkologischen Stuhl gefesselt und verstümmelt in seiner Privatpraxis aufgefunden. Bei der Leiche findet sich ein gestrickter ...

Der pensionierte Gynäkologe, Medizinalrat Doktor Friedhelm Leiter, wird am gynäkologischen Stuhl gefesselt und verstümmelt in seiner Privatpraxis aufgefunden. Bei der Leiche findet sich ein gestrickter rosa Babyschuh. Einige Tage später wird auch seine Nichte Nathalie umgebracht und wieder findet sich am Tatort ein rosa Babyschuh.
Der gestandene Chefinspektor Toni Wakolbinger und sein Team befürchten, dass in Graz ein brutaler Serienmörder aktiv ist. Jedoch beschäftigt Toni nicht nur dieser knifflige Fall, sondern auch seine neue junge Assistentin Cindy Panzenböck, an der seine schrullige und abweisend Art abzuprallen scheint. Kann das ungleiche Paar diesen Fall lösen.
Auch wenn die Kombination älter grantiger Ermittler und junge neunmalkluge Assistentin nicht neu ist, hat die Autorin mit diesen beiden ein echt liebenswertes Ermittler-Duo erschaffen. Beide Figuren waren mir von Anfang an sympathisch und ich musste über jedes Aneinandergeraten schmunzeln. Dies geht aber definitiv nicht zu Lasten des Falls, ganz im Gegenteil rundet es die gesamte Handlung gelungen ab.
Viele Spuren und mögliche Motive sollen den Leser auf eine falsche Spur führen, wenn man die Zeichen richtig deutet kristallisiert sich meiner Meinung nach jedoch der Täter bald heraus.
Hervorheben möchte ich die detaillierte Auflösung nach Ermittlung des Täter, die keine Fragen offen lässt. Mitunter schwächeln einige Bücher gerade an dieser Stelle.
Omid-Paul Eftekhari macht seine Sache als Sprecher ebenfalls ausgezeichnet, für mich als Laie kam der Dialekt jedenfalls authentisch rüber.
"Kaltblütige Abrechnung" hat mich sehr gefesselt und unterhalten. Klare Lese/Hörempfehlung!!

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Veröffentlicht am 14.04.2022

Makaber und vielschichtig

TEAM HELSINKI
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Vor der Villa des reichen Unternehmers Lemusoja wird in einem firmeneigenen Container eine tote Frau gefunden - welche unter unvorstellbaren Qualen ertrunken ist, als dieser mit Wasser vollgepumpt wurde... ...

Vor der Villa des reichen Unternehmers Lemusoja wird in einem firmeneigenen Container eine tote Frau gefunden - welche unter unvorstellbaren Qualen ertrunken ist, als dieser mit Wasser vollgepumpt wurde...
Das Team Helsinki um Paula Pihlaja steht vor einem Rätsel.
Ich bin gut in die Geschichte gekommen und das Ermittlerteam ist mir sehr sympathisch. Die Familie Lemusoja bedient zwar klar das typische Klischee der Reichen, dies jedoch ohne abgedroschen zu wirken.
Bemerkenswert ist der Fokus auf Details wie den ausgebrochen Nagel, die die Qualen des Opfers mehr als verdeutlichen. Der Motive gibt es viele, so das nach und nach einige Personen in den Fokus der Ermittlungen geraten. Einige Ansätze sind dabei so offensichtlich, dass sie bereits dadurch aus den weiteren Betrachtungen ausgeklammert werden können.
Mit den Schilderungen um die private Paula bietet sich zusätzlich zu der Tat noch ein sehr interessanter zweiter Handlungsstrang .
Das Ende hat es ganz schön in sich, da dort viele Theorien völlig über den Haufen geworfen und somit ausgeschlossen werden. Aber gerade das macht meines Empfindens nach einen guten Krimi aus.
Im Gegensatz zu den Meinungen anderer Lesern, empfand ich dieses Buch somit keinesfalls langweilig oder spannungslos. Einzig die finnischen Namen erschwerten das sofortige Verständnis etwas. Ein Personenverzeichnis zu Beginn wäre wünschenswert gewesen.
Ein spannendes Buch, welches ich gern empfehle.

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