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Veröffentlicht am 19.01.2021

Bodenständige Oberin ermittelt

Ein niederträchtiger Mord. Mutter Oberin Aquinas ermittelt
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Eigentlich hat mir "Ein niederträchtiger Mord" sehr gut gefallen, aber ich brauchte einen langen Atem, um ihn zu lesen.

Beim Eintritt ins Kloster kann jede Ordensfrau ihren Ordensnamen selbst wählen. ...

Eigentlich hat mir "Ein niederträchtiger Mord" sehr gut gefallen, aber ich brauchte einen langen Atem, um ihn zu lesen.

Beim Eintritt ins Kloster kann jede Ordensfrau ihren Ordensnamen selbst wählen. Meistens sind es Namen von Heiligen, die die Nonnen auswählen und entweder an ihren Geburtsnamen anhängen oder alleinstehend verwenden. Aquinas ist abgeleitet vom italienischen Theologen und Scholastiker Thomas von Aquin, der sagte, dass Vernunft und Glaube sich nicht ausschliessen. Auf diese Auslegung stützt sich Mutter Aquinas, die total bodenständig ist.

Mutter Aquinas leitet die Klosterschule im irischen Cork und unterrichtet die ärmsten Kinder der Stadt. Sie stammt aus einem guten Elternhaus, deshalb kennt sie die Unterschiede der Gesellschaftsschichten aus eigener Erfahrung. Ihre Verbindungen kommen den Schülerinnen zugute, und Aquinas versteht besser als andere Nonnen wie die jungen Mädchen im Jahr 1923 ticken.

In diesem ersten Band (einer im englischen Original bisher dreiteiligen Reihe) findet Mutter Aquinas eine vom Hochwasser angespülte junge Frau vor den Pforten des Klosters. Die Ordensschwester und Schulleiterin sieht schnell, dass die Frau nicht einfach nur ertrunken, sondern getötet wurde.

Zusammen mit ihrem ehemaligen Schüler Patrick Cashman, der mittlerweile als Sergeant amtet, und Arzt Dr. Scher geht sie der Sache auf den Grund. Unkonventionelle Hilfe bekommt Mutter Aquinas von Eileen, ebenfalls eine ehemalige Schülerin, die sich den Republikaner angeschlossen hat und anonym für die Zeitung schreibt.

Cora Harrison bringt ganz viel Zeitgeist in diesen Krimi mit rein. Sei es der irische Unabhängigkeitskampf, der Unterschied zwischen armer und reicher Bevölkerung, das sehr oft wiederkehrende Hochwasser, die Macht der Männer über ihre Ehefrauen - und liefert einen schockierenden Einblick ins damalige Psychiatriewesen.

Das alles ist enorm interessant, es macht den Krimi aber auch langatmig. Denn vieles wird zu oft wiederholt, die Sache mit dem Hochwasser zum Beispiel. Aquinas Rückblicke helfen zwar jeweils die Situation oder die familiären Verstrickungen zu verstehen, nehmen aber enorm Tempo aus der Ermittlung raus.

Zudem störte mich, dass Mutter Aquinas Tun und Handeln als Oberin eines Konvents wenig glaubwürdig gezeichnet ist. Sie kann sich wahnsinnig viele Freiheiten herausnehmen. So muss sie nie zu einer bestimmten Zeit zurück im Kloster sein, nie an Gottesdiensten (nur wenn es für die Ermittlungen zweckdienlich ist) oder Gebetszeiten teilnehmen und wenn sie weg will, werden ihre Schulklassen einfach von anderen Schwestern übernommen. Cora Harrison hat sich hierbei grosse schriftstellerische Freiheiten genommen, denn mit dem realen Klosterleben hat das nicht viel zu tun.

Ich hoffe, dass die Autorin in ihren weiteren Bänden an meinen Kritikpunkten schraubt, denn dann wären diese Kriminalromane richtige Leckerbissen. So aber kann ich keine vier volle Punkte vergeben, dafür hätte ich den Krimi fesselnder empfinden müssen, aber ich kam nicht wirklich vorwärts - die Repetitionen hielten mich davon ab.

Fazit: Thematisch toll, aber viel zu langatmig durch die vielen wiederkehrenden Wiederholungen.
3.75 Punkte.

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Veröffentlicht am 18.01.2021

Toller Irlandkrimi mit vielen Geheimnissen

Der Tag beginnt mit Mord
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Ein neuer Irland-Krimi - den musste ich lesen! Mit nur 240 Seiten ist er nicht gerade lang, aber überraschend interessant und spannend.

Denn viele der Beteiligten haben Geheimnisse, über die sie nicht ...

Ein neuer Irland-Krimi - den musste ich lesen! Mit nur 240 Seiten ist er nicht gerade lang, aber überraschend interessant und spannend.

Denn viele der Beteiligten haben Geheimnisse, über die sie nicht gerne sprechen. Egal ob es Protagonistin Fiona oder Inspector Aidan Connolly ist, Pater Michael Moran oder andere Einwohner des kleinen Dorfes Ballinwroe.

Fiona führt dort ein B&B, wird aber von den vorurteilsbehafteten Dorfbewohnern abgelehnt - weil sie mit gutem Grund vor Jahren wegzog. So richtig feindselig verhält sich allerdings nur Bürgermeister Nathan Flynn und schiebt ihr den Mord an ihrem Hotelgast in die Schuhe.

Doch Ballinwroe hat nicht mit dem gründlichen Dubliner Inspector Aidan Connolly gerechnet, der zu Beginn zwar auch nicht vorurteilsfrei ist, aber jeden Stein umdreht, um herauszufinden, was in der alten Mühle tatsächlich geschah.

Der Kriminalfall ist sehr gut geschrieben. Aber erst die Kombination aus spannendem Fall, Dorfgeheimnissen und sympathischen, sehr interessanten Charakteren, die alle ihre eigene Geschichte mit sich herumtragen, macht die Faszination dieses Irland-Krimis aus.

Ich habe den Krimi total genossen und wäre sehr enttäuscht, wenn es nur bei diesem einen Band bleiben würde. Gerne würde ich Fiona, Aidan, Michael und Eanair weiterhin begleiten, denn ich fühle mich fast schon freundschaftlich verbunden.

Aber auch spannungsbedingt gäbe es noch soviel mehr zu entdecken. Deshalb bin ich sehr neugierig, wie sich Scott und Gemma entwickeln.

Fazit: Ein toller Krimi, von dem ich schwer hoffe, dass es noch weiter Bände geben wird. Absolute Leseempfehlung!
5 Punkte.

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Veröffentlicht am 14.01.2021

Zwischen Pädagogik, Politik und der Liebe zur Bergwelt

Elsas Glück
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Viele Jahre später, nachdem Lotte und Jakob zusammen gefunden haben, bekommen wir nun die Geschichte ihrer Kinder zu lesen, vor allem jene der titelgebenden Tochter Elsa.

Elsas Bruder Conrad liebt die ...

Viele Jahre später, nachdem Lotte und Jakob zusammen gefunden haben, bekommen wir nun die Geschichte ihrer Kinder zu lesen, vor allem jene der titelgebenden Tochter Elsa.

Elsas Bruder Conrad liebt die Berge, aber sein Vater will, dass er sich beruflich anders aufstellt. Jakob sieht es mittlerweile gar nicht mehr gerne, wenn Lotte auf eine Bergtour geht oder nur davon spricht: der Krieg hat Jakob stark verändert. Aber auch Lotte ist älter und grauer geworden, ihr ist langweilig zu Hause.

Elsa studiert Pädagogik, interessiert sich obendrein für Reformpädagogik und besucht weitere Vorlesungen. Die sympathische Elsa ist nicht so stark von ihrem Tun überzeugt wie früher ihre Mutter Lotte, die ganz genau wusste, was sie wollte. Ob Elsa später als Lehrerin arbeiten möchte, weiss sie eben noch nicht. Diese Unentschlossenheit ruft bei ihren Freunden Unverständnis hervor. Sie kommen alle aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, deshalb verheimlicht Elsa lange ihren Familiennamen. Dass das Sinn machte, merkt sie später, als sie den Sozialdemokraten Otto Pfeiffer kennenlernt, der zwar hübsch ist, aber auch voller Vorurteile. Elsa ist auf eine Art fasziniert von ihm, allerdings mag sie ihren sympathischen Mitstudenten Moritz Grün, der wie sie nicht alles erzählt und eher scheu ist, auch sehr gerne.

In diesem Kontext begleiten wir Leser die Familie Sonnstein einige Monate und erfahren ausserdem wie sich Wien im Laufe der Jahre - seit "Lottes Träume" - verändert hat. All die neuen Erfindungen wie zum Beispiel das Telefon, Autos (und wie es mit der Lizenz, sie zu fahren, war), Taxis, das Leben in Kinderheimen und einiges mehr bindet Beate Maly fliessend in den Roman mit ein.

Gesellschaftskritische oder neue kulturelle Dinge wie Jazzmusik bekommen ihren Platz, insbesondere werden zudem politische und diverse pädagogische Strömungen beleuchtet.

Mir war der erste Teil des Roman viel zu politisch und ich befürchtete schon, dass sich dies durch die ganze Geschichte durchziehen wird, doch nach der Hälfte geht es dann zum Glück auch um anderes. Familiengeheimnisse kommen ans Licht und das Skifahren bekommt erneut Platz, nicht sehr viel zwar, aber immerhin ein wenig und dieses Wenige ist sehr gut eingebaut.

"Elsas Gück" ist gut geschrieben, bis auf das Politische interessant und manchmal sehr spannend. Dennoch vermisste ich das spezielle Thema aus "Lottes Träume".

Es ist natürlich sehr schwierig, an den einzigartigen Vorgängerband anzuknüpfen, der alleine wegen seines tollen Themas (den Skisport alltagstauglich zu machen) grandios war. Obwohl ich den Roman, vor allem die zweite Hälfte, gerne gelesen habe, hätte es mir besser gefallen, wenn das Augenmerk auch hier wieder auf dem Bergsport gelegen hätte - denn darüber gibts keine oder zumindest kaum Romane, über Politik in den 1920er Jahre hingegen schon.

Fazit: Interessanter zweiter Band, dem aber der Charme und das spezielle Thema von "Lottes Träume" fehlte.
4 Punkte.

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Veröffentlicht am 07.01.2021

Auf der Suche nach dem goldenen Käfer

Miss Bensons Reise
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Ich muss gestehen, ich war lange unsicher, ob ich den neuen Roman von Rachel Joyce lesen soll oder nicht. Doch dann bekam ich ganz tolle Ansichtskarten mit Zitaten aus dem Buch zugeschickt.

"Es passiert ...

Ich muss gestehen, ich war lange unsicher, ob ich den neuen Roman von Rachel Joyce lesen soll oder nicht. Doch dann bekam ich ganz tolle Ansichtskarten mit Zitaten aus dem Buch zugeschickt.

"Es passiert so leicht, dass man sein Leben mit Dingen verbringt, für die man kein bisschen brennt. Aber jetzt waren sie endlich unterwegs."

"Das Gefühl, wenn man schafft, was man sich niemals zugetraut hätte, ist unbeschreiblich."

Den Zitaten nach hörte es sich nach einer spannenden Reise für die zwei unterschiedlichen Frauen an. Also machte ich mich ans Lesen.

Doch ich kam nicht vom Fleck. "Miss Bensons Reise" konnte mich einfach nicht fesseln. Obwohl - und das muss ich dem Roman zugute halten - die Story immer wieder neue unvorhersehbare Wendungen nimmt, mit denen man wirklich nicht rechnen konnte.

Es passiert recht viel, angefangen von Margery Bensons Aussetzer in ihrer Schule, wo sie Hauswirtschaft unterrichtet, über den Vorsatz nun doch endlich nach Neukaledonien zu reisen um den goldenen weichflügeligen Rosenkäfer zu suchen, wie auch um mögliche Reisebegleiter zu finden, sich endlich auf die Reise zu begeben und anzukommen - und dann gings ja erst richtig los. Trotz pausenlosen Ereignissen und in dem Sinne nicht langweilig, war der Roman es doch: irgendwie langweilig.

Schuld daran ist das Gesamtpaket zwischen zu viel los und einer total überspitzten und übertriebenen Charakterzeichnung, zudem das Gefühl, dass sich fast alles eher nach 1890 denn nach 1950 anhörte, alles märchenhaft wirkte. Item, die Geschichte konnte mich nicht für sich einnehmen.

Es ist praktisch keine normale Figur vorhanden: Margery lebt gewissenhaft nach Plan, fast schon langweilig, gehemmt, tut nichts spontanes und wirkt viel älter, als sie ist. Enid Pretty ist die Extrovertierte mit einem grossen Geheimnis, schafft es aber Menschen für sich zu gewinnen durch ihre Schwatzhaftigkeit und hat absolut keine Hemmungen. Dann gibts noch eine Figur, sagen wir mal sowas wie ein dunkler Schatten, der sehr unsympathisch ist und dem Roman einen Hauch von Thriller gibt. Alle haben sie eine tragische Vergangenheit, die nach und nach erzählt wird.

In diesem Spannungsfeld wird nach dem Goldkäfer in Neukaledonien gesucht. Abenteuerlich und gewagt eigentlich. Mit durchaus schönen Beschreibungen des Urwalds. Aber die beiden Frauen hätten sich nie gefunden in England, so gegensätzlich wie sie sind. Und doch entsteht eine etwas komplizierte Freundschaft, Rachel Joyce will die Frauen jedenfalls unbedingt so sehen - sie haben ja niemand anders auf der Reise, als sich selbst. Mich konnte die Autorin nicht von dieser Freundschaft überzeugen, sie hatte etwas Seltsames an sich.

"Miss Bensons Reise" ist nicht so eindrücklich wie "Harold Fry" und "Queenie", nicht so traurig wie "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte", nicht so hoffnungslos wie "Mister Frank", aber sehr sehr tragisch.

Fazit: Das Ende ist in etwa die Zusammenfassung des ganzen Romans: komisch, tragisch und unausgereift zugleich.
3 Punkte.

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Veröffentlicht am 06.01.2021

Geht runter wie Honig

Sweet like you
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Mein erstes Buch im 2021 konnte mich so gar nicht fesseln, deshalb brauchte ich als anschliessende Lektüre was Schönes, was Leichtes - und griff zu "Sweet like you".

Der Griff hätte ein Fehlgriff sein ...

Mein erstes Buch im 2021 konnte mich so gar nicht fesseln, deshalb brauchte ich als anschliessende Lektüre was Schönes, was Leichtes - und griff zu "Sweet like you".

Der Griff hätte ein Fehlgriff sein können - war es aber nicht. Im Gegenteil: ich hätte den Roman liebend gerne am selben Abend ausgelesen, die Nacht durchgelesen. Aber weil am nächsten Morgen der Wecker viel zu früh klingen würde, musste ich mich bis zum nächsten Abend gedulden, um den Roman fertig zu lesen.

Die Geschichte um Cassie, die zur Testamentsverlesung nach Honey Springs fliegt und drei Wochen als Bürgermeisterin der Kleinstadt amten soll, nahm mich von der ersten Seite an gefangen.

Mein Herz an die Story und an Honey Springs verloren habe ich bereits bei Cassies erstem Gang durch den kleinen Stadtkern, in dem alle - bis auf einen, aber um den geht es dann im 2. Band - Läden im Namen einen Bezug zu Bienen oder Honig haben. Auch kein Gebäck im Roman kommt ohne Honig aus. Kein Wunder brauchte ich am nächsten Morgen Honig zum Frühstück und nachmittags Honig im Tee.

Cassie und Nick waren mit 15 Jahren ein Paar, nur für drei Monate, bis Cassie mit ihrer Mutter überraschend wegzog. Doch Cassie und Nick denken noch immer an diese drei Monate und als sie sich nun wiedersehen, sind beide auf den jeweils anderen gespannt. Ihre Lebensentwürfe scheinen aber so gar nicht aufeinander abgestimmt zu sein, auch die Sache mit dem Erbe passt beiden nicht. Und so darf man gespannt sein, wie die Geschichte am Ende ausgeht.

Ich empfand die Charaktere des Romans erfrischend. Die einen erfrischend normal, die anderen erfrischend anders. Wie Hank zum Bespiel, den Cassie im Büro schlafend kennenlernte, der aber unerwartete Fähigkeiten besitzt. Oder wie die Bienenkönigin des Ortes, Bea Davies, die hervorragend bäckt und Leute zu versammeln weiss, aber deren Freundschaft man nur schwerlich angeboten bekommt.

Der Star des Romans ist aber weder Hank noch Bea, weder Darla noch Maddie und auch nicht Cassie oder Imker Nick, sondern die Katze Belle. Diese kleine weisse Fellkugel hat nämlich ein spezielles Talent: durch sie weiss ganz Honey Springs wenn Liebe in der Luft liegt.

Und das tut es tatsächlich. Es riecht nach Liebe, nach Honig sowieso und so erwartet die Leserinnen mit "Sweet like you" nicht nur ein "Purrfect Match" sondern auch ein wahrlich "sweeter" Roman mit Schauplatz in einer tollen Kleinstadt, die man gar nicht mehr verlassen möchte.

Fazit: Geht runter wie Honig!
5 Punkte.

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