Ist mir zu amerikanisch
SpellcasterDie Story ist einfach. Eine junge Frau, wohlbehütet mit 4 Geschwistern aufgewachsen kommt an eine für Hexen sehr bekannte Zauberschule, um ihre magische Kraft zu entdecken und sich somit auf ihr künftiges ...
Die Story ist einfach. Eine junge Frau, wohlbehütet mit 4 Geschwistern aufgewachsen kommt an eine für Hexen sehr bekannte Zauberschule, um ihre magische Kraft zu entdecken und sich somit auf ihr künftiges Leben in in einem Hexenzirkel vorzubereiten. Kaum dort angekommen trifft Paisley auf Logen. Zwischen den Familien der beiden besteht eine Blutfehde, so dass sich beide erst einmal eher feindlich gegenüberstehen. Und während das Collegejahr seinen Gang nimmt, kommt es um Paisley herum zu bedrohlichen Ereignissen, die sich auch auf die Schule auswirken. Und auch wenn die junge Frau davon ausgeht, dass Logan dahintersteckt, hilft eben jener ihr doch immer wieder.
Und selbstverständlich, träumt Paisley regelmäßig von ihm und sehnt sich nach körperlicher Nähe seinerseits.
Ich denke so in etwas trifft es die Story.
Was mir gut gefallen hat ist die Beschreibung der Hexengesellschaft, die parallel innerhalb unserer Welt existiert und die Beschreibung der Zauberschule mit ihren akademischen Abläufen.
Und dann bin ich leider auch schon bei dem Punkt angelangt, bei dem das Buch bei mir nicht funktioniert. Für meinen Geschmack ist es einfach zu amerikanisch. Anders vermag ich es nicht auszudrücken.
Paisley ist 22 und erst in diesem Alter beginnt die Collegephase in ihrem Leben. Als Hintergrund dafür wird die Art und Weise, wie Hexen ihre Kinder aufziehen angeführt. Die Schule beginnt erst mit 10 Jahren, davor ist Erziehung im Familienkreis angesagt, der auch anscheinend normalerweise etwas größer ist. Immerhin hat Paisley vier Geschwister, die alle älter sind als sie selbst. Dieses Aufziehen in der Gemeinschaft dient der Vorbereitung auf ihr künftiges Leben innerhalb der Hexenzirkel, also immer innerhalb größerer Gemeinschaften. Hinzu kommt das Verhältnis zwischen (Ehe)Partnern. Hexer haben anscheinend einen all umfassenden Besitzanspruch an ihre Partner und dieser wird durch die Autorin so beschrieben, dass Hexer alles und jeden zerstören würden, der zwischen sie und ihre Partnerin treten würde. Das erinnert bildlich an weiße, ländliche, christliche Bevölkerungsgruppen mit einem sehr traditionellen Familienbild.
Dazu kommt, wie unreflektiert Paisley die Aussagen ihrer Familie annimmt und auf den Umgang mit anderen überträgt. Logan ist dafür das Paradebeispiel. Paisleys Vater gibt klar vor, dass Logan nur ein Feind sein kann, der Paisley etwas antun will. Auch die anderen Geschwister nehmen ihn gleich als Bedrohung für ihre jüngste Schwester wahr. Logan wird als Spellcaster als herausragender Hexer beschrieben, der jedes der Geschwister locker in die Tasche stecken würde. Doch das Bedrohungsszenario wird ausschließlich für die Protagonistin aufgebaut. Das ist mir etwas zu dürftig.
Auch Logan selbst als Charakter ist für mich nur sehr oberflächlich umrissen. Seine Rolle zumindest in diesem Band reduziert sich auf, ja was eigentlich? Am ehesten ist er etwas wie ein introvertierter Machoverschnitt, wenn es denn so etwas geben sollte. Er wird als arrogant beschrieben, was er nach meinem Bild nicht ist, eher introvertiert, da er eben keinen großen Freundeskreis benötigt und auch nicht sehr kontaktfreudig wirkt. Die Machonote zeigt sich im Umgang mit Paisley – in fast jedem Dialog mit der Protagonistin fällt das Word „Kleines“. Hätte er auch nur einmal gesagt „Schau mir in die Augen, ….“, wäre der 40er Jahre Bogart perfekt gewesen.
Zudem hat mir die fast inflationäre Umgang mit dem Wort „Arschloch“ nicht zugesagt.
Und nun zum Thema Romantasy. Ja, das Buch gehört zweifelsohne in dieses Genre. Doch die Entwicklung der beiden Hauptfiguren von Feinden zu Liebenden bleibt in diesem Buch zumindest sehr flach, bisweilen kaum wahrnehmbar. Eigentlich ist hier alles nur um den Spicy-Trope herum aufgebaut. Hauptsache Paisley bekommt irgendwann ihre Träume erfüllt und den ersehnten Sex mit Logan, auch wenn es für sie eigentlich keine erkennbaren Gründe gibt, warum sie sich zu ihm hin gezogen fühlt. Das wird alles immer nur sehr wage, kurz und eher oberflächlich behandelt.
Vielleicht kommt da ja im zweiten Band ja deutlich mehr. Ich werde diesen jedoch nicht lesen, da ich mir nicht vorstellen kann, dass der zweite Band mehr Gehalt bekommen wird.