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Veröffentlicht am 25.07.2023

Kann man in einer digitalen Welt seine Privatsphäre wahren?

Going Zero
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Cover:
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Der Fingerabdruck als Identifizierungsmerkmal ist schlicht, passt aber sehr gut für diesen Cyber-Roman, in dem es darum geht, ob und wie viele Spuren wir im Alltag hinterlassen bzw. ob ...

Cover:
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Der Fingerabdruck als Identifizierungsmerkmal ist schlicht, passt aber sehr gut für diesen Cyber-Roman, in dem es darum geht, ob und wie viele Spuren wir im Alltag hinterlassen bzw. ob wir dies vermeiden können.

Inhalt:
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10 verschiedene Personen werden für ein geheimes Projekt ausgewählt. Nachdem sie die Nachricht "Go Zero!" erhalten haben, sollen sie untertauchen für 30 Tage. Schaffen sie es, erhalten sie steuerfrei drei Millionen US-Dollar. Verfolgt werden sie dabei von den besten Leuten des CIA und der Firma Fusion, die Software für Social Media und diverse Überwachungsmethoden programmiert. Die Bibliothekarin Kaitlyn Day ist eine der Testpersonen und zunächst scheint es so, als hätten Cy Baxter (Gründer von Fusion) und seine Leute leichtes Spiel mit ihr. Doch sie entkommt immer wieder und je länger das Projekt andauert, desto mehr wird klar, dass sie cleverer ist als vermutet und eigene Pläne verfolgt.

Mein Eindruck:
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"Ein Recht auf Privatsphäre gibt es nicht mehr, die ist längst verloren oder jedenfalls so löchrig geworden, dass sie im Grunde keinerlei Wert mehr hat. Nein, die wahre Gefahr für die jetzige Zeit und die Zukunft ist die Manipulation – bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen werden ahnungslosen Bürgern eingeimpft, unmerklich vollzieht sich der Übergang von der Überwachung durch den Staat zur Steuerung, das letzte Kapitel in der langen Geschichte der Demokratie, der freie Wille verformt zu bedingungslosem Gehorsam."

Da ich mich sowohl beruflich als auch privat viel mit IT-Sicherheit beschäftige, klang dieser Roman verlockend für mich. Der Einstieg war jedoch für mich langatmig. Es wird viel Zeit auf die Beschreibung des Projekts, das Leben von Kate und Cy Baxter und seiner Firma verwendet. Aber dann nahm der Roman Fahrt auf. Die Kapitel sind wie ein Countdown betitelt nach der Zeit, die bis zum letzten Projekt-Tag noch verbleibt. Das Geschehen wird abwechselnd aus Sicht der Testpersonen und der Projekt-Mitarbeiter erzählt. Anfangs fand ich es sehr spannend, mit welchen Tricks die einzelnen Personen untertauchen wollen. Jeder hat eine andere Strategie und zwischendurch gibt es auch einige amüsante Momente.
Die meisten Techniken kannte ich schon, allerdings war mir in dieser Gänze nicht bewusst, zu welchen Situationen ihre Anwendung führen kann.
Mit Ausnahme von Kaitlyn, Cy und Erika erhält man wenig Einblicke in die Charaktere. Es geht vorwiegend um die Sicherheitstechnik und welche Möglichkeiten sie bietet (im positiven und negativen Sinn).

Besonders spannend fand ich die Entwicklung von Kaitlyn. Nicht nur das Projektteam führt sie in die Irre, auch der Leser bleibt lange im Unklaren, welche Pläne sie und welchen Hintergrund ihre Teilnahme hat. Zunehmend geht es nicht nur um das Abtauchen, sondern auch CIA-Geheimnisse geraten in den Fokus und das Blatt wendet sich. Es ist unklar, wer vertrauenswürdig ist, wer gegen wen spielt und auch, ob Kaitlyns Plan am Ende aufgeht. Auch Cy Baxter hat zu Beginn scheinbar noch moralische Werte, aber sein Charakter verändert sich in erschreckender Weise. Den letzten Teil fand ich extrem spannend, allerdings driftete mir die Handlung dabei etwas zu sehr ins Unrealistische ab. Und auch das letzte Kapitel, das in einer Art Cliffhanger mündete, sodass auf einen zweiten Roman spekuliert werden kann, haben mich nicht befriedigt.
Alles in allem eine gute Story zum Thema digitale Spuren, Überwachung und Privatsphäre in der heutigen Zeit. Die CIA-Story hat das Ganze etwas unrealistisch werden lassen und das Ende konnte mich leider nicht ganz befriedigen.

Fazit:
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Sehr spannender und größtenteils realistischer Cyber-Roman über das Ende der Privatsphäre und wie wir manipuliert werden

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Veröffentlicht am 17.07.2023

Wenn ein Krimiautor und sein Protagonist gemeinsam ermitteln

Wenn Worte töten
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Gestaltung:
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Das Titelbild ist vorwiegend in dunklen Blautönen gehalten und zusammen mit den Blutflecken auf dem Felsen stimmt es wunderbar ein auf einen britschen Cosy Crime auf ...

Gestaltung:
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Das Titelbild ist vorwiegend in dunklen Blautönen gehalten und zusammen mit den Blutflecken auf dem Felsen stimmt es wunderbar ein auf einen britschen Cosy Crime auf einer Insel: Die perfekte Mischung aus Idylle und Unheil. Als Hardcover mit Schutzumschlag ist das Buch hochwertig verarbeitet. Zur Perfektion fehlt nur das Lesebändchen.

Inhalt:
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Der Schriftsteller Anthony Horowitz wird zusammen mit Daniel Hawthorne, der Hauptfigur seiner Kriminalromane, zu einem Literaturfestival auf die Insel Alderney eingeladen. Sie sollen dort Werbung für ihren ersten Roman machen. Doch dann wird der Geldgeber des Festivals plötzlich ermordet und Hawthorne als Berater der Polizei beauftragt. Horowitz steckt somit tiefer in einem Krimi, als ihm lieb ist.

Mein Eindruck:
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"Das also war das Ensemble: ein Fernsehkoch der Kategorie fett, süß und ungesund, eine blinde Hellseherin, ein Kriegshistoriker, eine Kinderbuchautorin, eine französische Performance-Dichterin, Hawthorne und ich. Nicht gerade die glorreichen Sieben, ging es mir durch den Kopf." (S. 31)

Dies ist der dritte Teil der Hawthorne-Reihe, spielt aber von der Zeitebene her vor dem Erscheinen des ersten Romans. Ich kenne die Vorgängerbände noch nicht, daher habe ich keinen Vergleich. Fest steht, dass man diesen Band unabhängig zu den anderen lesen kann. Er ist in sich geschlossen und alles hinreichend erklärt. Doch die Anspielungen auf die anderen Fälle machen natürlich neugierig. Der Roman ist aus der Perspektive von Horowitz in der Ich-Form geschrieben. Der Autor hat somit sein fiktives Ich in die Geschichte eingewoben und für den Leser scheinen Realität und Fiktion zu verschmelzen. Man kann am Ende nicht sagen, wie viel der Figur Horowitz mit dem echten Schriftsteller übereinstimmt bzw. welcher Teil erfunden ist. Amüsant zu lesen sind die vielen, manchmal ironischen Bemerkungen über andere Literaturgenres und natürlich über das Krimigenre.

"Es war das erste Mal, dass ich jemanden sah, der die Zusammenarbeit mit Hawthorne rundheraus ablehnte. So etwas passiert überhaupt ziemlich selten ... zumindest in Krimis. Wenn der Detektiv Fragen stellt, werden sie von den Verdächtigen stets beantwortet. Es gehört zu den Konventionen des Genres, dass die Schuldigen stets Antwort geben, auch wenn sie Angst haben müssen, dass sie sich verplappern und etwas sagen, was sie verrät." (S. 179)

Der Fall selber ist anfangs gemächlich, es deutet anfangs wenig auf einen Krimi hin, der Mord geschieht erst nach dem ersten Viertel des Buches. Danach gestalten sich die Ermittlungen ganz im Stil von Agatha Christie und Co.: Es gibt viele Verdächtige, viele Geheimnisse und manche Dinge entwickeln sich anders als erwartet. Zudem gibt es noch Hawthornes Vergangenheit, die in diesem Fall auch eine tragende Rolle spielt. Es gibt also wenig Nervenkitzel, aber dafür interessantes und amüsantes Rätselraten mit einer überraschenden, aber schlüssigen Auflösung. Am Ende gibt es noch einen kleinen Cliffhanger, der neugierig auf die weiteren Hawthorne-Fälle macht.

Für alle, die britische Krimis im Stil von Agatha Christie mögen und sich zudem über ein wenig Selbstironie des Krimiautors erfreuen, ist dieser Krimi genau das Richtige! Ich werde auf jeden Fall die anderen Fälle noch lesen und freue mich darauf, wenn der vierte Band auch ins Deutsche übersetzt wird.

Fazit:
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Unterhaltsamer Cosy Crime im Agatha-Christie-Stil mit amüsanten Seitenhieben auf das Krimigenre. Sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 13.07.2023

Wenn Freundinnen ihre Fassaden fallen lassen

One of the Girls
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Cover:
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Das Titelbild mit dem Blick aus der griechischen Villa hinaus aufs Meer kombiniert mit den Blutspuren, macht neugierig auf diesen Thriller. Durch die rote Titelschrift fällt es einem ...

Cover:
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Das Titelbild mit dem Blick aus der griechischen Villa hinaus aufs Meer kombiniert mit den Blutspuren, macht neugierig auf diesen Thriller. Durch die rote Titelschrift fällt es einem direkt ins Auge. Mich hat es angesprochen.

Inhalt:
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Die bisher immer beliebte und erfolgreiche Lexi hat in Ed unerwartet ihren Traummann gefunden und will ihn heiraten. Doch zuvor organisiert ihre beste Freundin Bella noch einen Junggesellinnenabschied für sie. Mit dabei ihre gemeinsame Freundin Robyn, Bellas Partnerin Fen, Lexis zukünftige Schwägerin Eleanor und Lexis neue Freundin aus dem Yogakurs Ana. Sie wollen vor allem, dass diese "Hen Party" für Lexi fröhlich und unvergesslich wird. Doch jede der sechs Frauen hat ihr seelisches Gepäck mit dabei, das nach und nach ausgepackt wird. Auf jeden Fall werden diese Tage unvergesslich für Lexi, wenn auch ganz anders als erwartet.

Mein Eindruck:

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"Wir waren sechs Frauen, die einen Junggesellinnenabschied feierten, aber wir waren alles andere als eine homogene Gruppe.
[...]
Wir waren alle aus unterschiedlichen Gründen gekommen. Doch eine von uns hatte sich mit einem ganz bestimmten Hintergedanken auf dieses Partywochenende eingelassen.
Dumm nur, dass wir anderen das erst erkannten, als es bereits zu spät war." (S. 22)

Ich hatte noch keinen Roman der Autorin gelesen, aber ich mag Geschichten, bei denen nach und nach die Fassade bröckelt und immer mehr Geheimnisse schließlich zu einem großen Knall am Ende führen. Diesbezüglich wurde ich nicht enttäuscht.
Die Handlung ist in die verschiedenen Tage eingeteilt und wird abwechselnd aus den Perspektiven der sechs Frauen geschildert. Unterbrochen werden diese noch durch die Stimme eines unbekannten Erzählers, der teilweise die Handlung durch geheimnisvolle Beschreibungen andeutet. Dies hat für mich besonders die Spannung gesteigert. In ständiger Erwartung auf das Unglück und weil sich die Beziehungsverflechtungen der Frauen nur schrittweise auflösen, habe ich das Buch in einem Rutsch durchlesen müssen. Vieles, das ich mir durch die Andeutungen anfangs gedacht hatte, wurde dann anders aufgelöst als vermutet.
Ich hatte bei den Frauen keine Favoritin, keine, mit der ich richtig mitgefiebert habe. Beim Lesen habe ich eher gedacht, dass ich froh bin, keine solch typische Frauenfreundschaft zu haben. Hier werden alles Klischees bestätigt und die Figuren orientieren sich stark an Stereotypen. Und last, but not least kommen bei dem Ganzen sehr viele Zufälle zusammen am Ende. Aber letztendlich ist das bei den meisten Kammerspielen so und wenn ich solche Bücher lese, dann genieße ich das Zuspitzen der Situation und das Rätselraten, wer mit wem wie zusammenhängt bzw. eine Beziehung hat/hatte, auch wenn dabei die Glaubwürdigkeit ein wenig auf der Strecke bleibt. Den Roman als Thriller zu bezeichnen, trifft es nicht ganz. Eher als Drama mit Spannungsmomenten.

"Sie schnitt weiter die Melone auf. Das Lustige an Messern war, dass sie in einem Moment ein Küchenwerkzeug und im nächsten eine Waffe sein konnten. Das Messer selbst veränderte sich nicht, nur die Absicht der Person, die es hielt." (S. 255)

Die Intrigen und ihre Auflösung am Ende finde ich geschickt konstruiert und gut erzählt. Und auch einige Monologe über Freundschaft und das Leben waren schon fast philosophisch und gefielen mir sehr. Das Ende ist anders als zu Beginn erwartet und hat mich positiv überrascht. Im letzten Kapitel gibt es noch eine Aussicht auf das Leben der Frauen 16 Monate später. Für meinen Geschmack ist die Auflösung zwar etwas zu harmonisch, aber hat die Handlung für mich rund gemacht.

Fazit:
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Spannend erzählter Roman über Frauenfreundschaften, Lügen und Geheimnissen, die sich zu einem Drama zuspitzen

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Veröffentlicht am 02.07.2023

Familie ist mehr als man denkt

Das alles ist Familie
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Inhalt:
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Lars findet vor seinem Haus ein Päckchen, adressiert an eine Familie in seiner Straße. Jedoch kann man Namen und Hausnummer nicht mehr entziffern, da es feucht geworden ist. Damit ...

Inhalt:
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Lars findet vor seinem Haus ein Päckchen, adressiert an eine Familie in seiner Straße. Jedoch kann man Namen und Hausnummer nicht mehr entziffern, da es feucht geworden ist. Damit niemand umsonst auf die Postsendung wartet und vielleicht enttäuscht ist, beschließt Lars, bei allen Häusern der Straße persönlich anzufragen. Dabei lernt er viele seiner Nachbarn kennen, erkennt, dass Familie viele Formen annehmen kann und gewinnt neue Freunde.

Mein Eindruck:
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Das Buch spricht einen von den bunten und liebevollen Illustrationen an, die sich nicht nur auf dem Titelbild befinden, sondern über alle Buchseiten erstrecken. Heutzutage sollte es selbstverständlich sein, dass eine Familie nicht immer nur das Modell "Vater, Mutter und Kind(er)" umfasst, sondern aus sehr unterschiedlichen Konstellationen bestehen kann. Dennoch ist dieses alte Rollenmodell immer noch in vielen Köpfen verankert. Der Autor hat es geschafft, in einer locker und ungezwungen erzählten Geschichte dem Leser nahe zu bringen, dass es nicht auf Alter, biologische Zuordnung, Herkunft, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung ankommt, ob man sich als "Familie" bezeichnen darf. Da gibt es eine internationale Familie, ein Mehrgenerationenhaus, eine Familie mit Adoptivkindern, eine Patchworkfamilie, Alleinerziehende, homosexuelle Paare mit Kind uvm. Auch Lars merkt, dass er trotz der Scheidung seiner Eltern immer noch in einer Familie lebt. Und mir gefiel, dass er durch diese Aktion erstmals viele seiner Nachbarn kennenlernt und neue Freunde gewinnt. Das ist ein gutes Vorbild, sich mit seiner eigenen Nachbarschaft genauer auseinanderzusetzen.
Am Ende des Buches werden die einzelnen Familien in Kürze konkreter vorgestellt, das war ein runder Abschluss und half, das Gelesene kurz zu rekapitulieren. Außerdem kommt man dadurch mit seinem Kind auch noch mal ins Gespräch über das Thema. Und man kann sogar ein Bild der eigenen Familie dazu kleben. Toll gemacht!

Fazit:
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Wunderschönes Buch über die Vielfalt von Familienkonstellationen, nicht nur für Kinder!

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Veröffentlicht am 02.07.2023

Neuanfang mit Mordermittlungen im Nordwesten Italiens

Abschied auf Italienisch
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Gestaltung:
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Das Klappenbrochur ist wunderschön mit dem Titelbild der Steilküste Liguriens und im hinteren Teil eine Karte, mit deren Hilfe man sich im Krimi zurechtfinden kann.

Inhalt: ...

Gestaltung:
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Das Klappenbrochur ist wunderschön mit dem Titelbild der Steilküste Liguriens und im hinteren Teil eine Karte, mit deren Hilfe man sich im Krimi zurechtfinden kann.

Inhalt:
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Nachdem der Vater von Commisario Vito Grassi gestorben ist und ihm ein Haus in Levanto (Ligurien) vererbt hat, beschließt er, sich von Rom nach Ligurien versetzen zu lassen. Seine Kinder sind längst ausgezogen und mit seiner Ehe steht es nicht mehr besonders. Ein Neuanfang kann also nicht schaden, findet er. Außerdem hat er das Bedürfnis, seinem verstorbenen Vater auf diese Weise näher zu kommen, mit dem er in den letzten Jahren wenig Kontakt hatte.
Im Haus trifft er auf die zunächst schroffe und etwas jüngere Toni, die seinen Vater gekannt hat. Als ungewöhnliche WG raufen sich die beiden mit der Zeit zusammen. Nachdem sich Vito an seinem ersten Tag bei einem Leichfund in einem Tunnel einmischt und eine Woche später auf seinem Grundstück mit Toni über eine weitere Leiche stolpert, hat er bereits seine ersten Mordfälle zu lösen.

Mein Eindruck:
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Der Anfang des Krimis war sehr gemächlich. Die Landschaft und die sonstigen Gegebenheiten werden langatmig beschrieben und der Leser taucht tief in die Gedanken und Trauergefühle des Commisario ein. Der Leichenfund im Tunnel scheint zunächst ein Unfall zu sein und der Fall nimmt erst so langsam Fahrt auf. Erst ab der Hälfte des Buches werden die Ermittlungen intensiver, die Verdachtsfälle verstärken sich und die Auflösung ist dann etwas anders, als anfangs vermutet.
Mit Vito bin ich nur bedingt warm geworden. Er ist nicht immer sehr empathisch seinen Mitmenschen gegenüber, die Zusammenarbeit gestaltet sich manchmal für seine Kollegen schwierig. Dennoch zeigt er im Verlauf des Romans Besserungen, sodass Hoffnung besteht. Immerhin folgt er seinem Bauchgefühl und stellt sich schützend vor die Personen, für die er Sympathie empfindet.
Insgesamt ist dies hier ein schöner, gemächlicher Krimi mit viel Urlaubsgefühl. Die Mordfälle haben mich jetzt nicht gefesselt, aber im wahren Leben sind diese ja auch nicht immer spektakulär. Es war mal ein etwas anderer Krimi. Für eine Prise Humor sorgt zuweilen der Lieder pfeifende Gerichtsmediziner Penza, dessen Auftreten für mich immer ein kleines Highlight war.
Trotz meiner mittelmäßigen Bewertung freue ich mich auf einen zweiten Teil und bin gespannt, wie es zwischen Vito und Toni weitergeht. Das Interview am Ende des Romans weckt hierfür jedenfalls die Neugierde!

Fazit:
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Gemächlich verlaufender Krimi mit viel Dolce Vita vor der traumhaften Kulisse Liguriens

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