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The_Lord_Pepper

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2026

Ein echter Pageturner!

Kripo Nordsee – Hasserfülltes Borkum: Küstenkrimi
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"Kripo Nordsee - Hasserfülltes Borkum" von Roland Hebesberger ist 2025 im Empire-Verlag erschienen. Ich habe das e-Book als Rezensionsexemplar auf einer Bücherplattform erhalten, vielen Dank dafür.

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"Kripo Nordsee - Hasserfülltes Borkum" von Roland Hebesberger ist 2025 im Empire-Verlag erschienen. Ich habe das e-Book als Rezensionsexemplar auf einer Bücherplattform erhalten, vielen Dank dafür.

In einem Wort zusammengefasst ist "Hasserfülltes Borkum" für mich ein echter Pageturner! Roland Hebesberger versteht es grossartig, die üblichen Charakteristika eines Regio-Krimis bzw. einer Kommissar-Serie mit einem Fall zusammenzubringen, der nicht nur eine oberflächliche Komödie ist. Heftige, ernsthafte Themen werden in sehr deutlichen Worten beschrieben, womit auch die Triggerwarnungen im Buch wohl gerechtfertigt sind.

Kommissarin Hanna Jannsen ist nach Jahren als Undercover-Ermittlerin erst vor kurzen aus Frankfurt in ihre Heimat an der Nordsee zurückgekehrt und hat eben erst ihren Dienst in Oldenburg angetreten. Die persönlichen Gründe für die Rückkehr bleiben vorerst im Dunkeln. Statt dem erwarteten eher ruhigen Einstieg wird Hanna prompt gleich als erster Fall die Aufklärung des tragischen Tods des 13-jährigen Tim Schulze auf Borkum zugewiesen. Und dabei ist ausgerechnet Kommissar Lasse Klaasen Hannas Partner - die beiden verbinden gemeinsame Erlebnisse in der Schulzeit, an die sich Lasse aber nicht mehr erinnern kann. Es entspinnt sich ein wilder Ritt durch menschliche Abgründe, Mobbing, schmerzhafte Erinnerungen an die Vergangenheit, verschlossene "Insulaner" und ausgegrenzte Zugezogene, der zwar am Ende zur Lösung des Falle, aber nicht zur Erlösung von allen Wunden und Schmerzen führt.

Ich empfehle das Buch allen Liebhabern von ernsthaften Krimis, die auch mit brutalen Themen umgehen können.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Eintauchen in die düstere Welt der Spionage auch nach dem kalten Krieg

Moskau X (CIA-Agentin Artemis Procter, Bd. 2)
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CIA-Agentin Artemis Procter wacht nackt und mit Brummschädel an einem fremden Ort auf - und als sie einem russischen Geheimdienstoffizier gegenübersteht, realisiert sie, dass ihre Zeit als Station Chief ...

CIA-Agentin Artemis Procter wacht nackt und mit Brummschädel an einem fremden Ort auf - und als sie einem russischen Geheimdienstoffizier gegenübersteht, realisiert sie, dass ihre Zeit als Station Chief in Duschanbe zu einem jähen Ende gekommen ist.
Zurück in Langley findet sie eine Spur, die die CIA zu Putins' Banquiers führen kann und setzt die Agenten Max und Sia auf den riskanten Plan an. Der Weg zum Geld soll über Vadim und seine Frau Anna führen - doch was ahnen diese beiden, und was ist ihre eigene Agenda? Schon bald finden sich Sia und Max auf einem Gestüt an einem abgelegenen Ort in Russland wieder, abgeschnitten von Kontakten und Hilfe im Westen, und ein Wettlauf mit der Zeit beginnt...

Moskau X von David McCloskey, 2025 auf Deutsch im Gutkind Verlag erschienen, ist ein actionreicher, düsterer Spionagethriller, der den Leser mit Gänsehaut zurücklässt. Ich habe das e-Book als Rezensionsexemplar auf einer Bücherplattform erhalten, vielen Dank dafür.

Ich bin mir auch einige Zeit nach dem Lesen noch nicht ganz sicher, wie mein Urteil über Moskau X wirklich ausfällt. Auf der einen Seite ist das Buch sehr spannend und gut geschrieben bzw. auch gut übersetzt, und der Autor hat gemäss Angaben im Buch gar selbst einen CIA-Hintergrund, kann wohl also zumindest ein Stück weit in seinen Beschreibungen auf eigene Erfahrungen aufbauen. Auf der anderen Seite ist die Story so dunkel, dass selbst die eigentlich "Guten" nur wenig sympathischer erscheinen als die "Bösen", und beim Lesen nie richtig Lesefreude aufkommt.

Bei den Personen hat mich vorallem Artemis Procter irritiert - offenbar ist sie eine wiederkehrende Person auch aus anderen Büchern, aber eigentlich erscheint sie irgendwie nebensächlich (und zudem auch sehr unangenehm). Zentrale Charaktere sind Max und Sia, und als Leser fragt man sich zwischendurch, wie freiwillig diese beiden ihren Job wirklich machen, oder ob es noch irgendwo heimliche Erpressung dazu gibt?

Die Ereignisse, die sich am Ende geradezu überstürzen, erscheinen teilweise so absurd, dass sie nicht mehr glaubwürdig wirken, aber dann denkt man dennoch "es könnte aber schon so sein, was wissen wir denn über diese Welt?" - das ist sehr clever geschrieben. Insgesamt ein gutes Buch, auch wenn ich nicht restlos davon überzeugt bin.

Ich empfehle dieses Buch allen Fans von actionreichen Spionagethrillern, die kein Problem mit Brutalität und ambivalenten Hauptfiguren haben.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Royale Rache und verwirrende Gefühle

Royal Heist
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"Royal Heist" von Lena Kiefer, im November 2025 beim LYX Verlag erschienen, ist der Auftakt einer dreiteiligen Reihe rund um die Trickbetrüger Darcy und Linus mit ihrer Crew, sowie die englische Königsfamilie ...

"Royal Heist" von Lena Kiefer, im November 2025 beim LYX Verlag erschienen, ist der Auftakt einer dreiteiligen Reihe rund um die Trickbetrüger Darcy und Linus mit ihrer Crew, sowie die englische Königsfamilie mit Queen Sophie, Kronprinz Spencer, "Spare" Tristan und den beiden jüngeren Schwestern Matilda und Lydia. Ich habe das Buch auf einer Bücherplattform als Rezensionsexemplar erhalten, vielen Dank dafür.

Zu Beginn der Erzählung begegnen wir erst Darcy und anschliessend ihrer ganzen Crew, wie sie gerade einen grossen "Job" - oder eben Heist - über die Bühne bringen. Als Robbin' Hoods rächen sie sich stellvertretend für jene, die sich nicht wehren können, an den grossen, korrupten Big Shots in Wirtschaft und Gesellschaft, und verteilen ihre Beute an jene, die ursprünglich darum betrogen wurden. Die Crew ist aus 5 Individuen zusammengewürfelt, die alle ihr eigenes Päckchen zu tragen und hier eine Ersatzfamilie gefunden haben. Plötzlich bietet sich der Crew die Chance zum grossen Coup, auf den Darcy und ihr Bruder Linus seit Jahren hingearbeitet haben - die Rache an der Royal Family, in ihren Augen verantwortlich für alles Schlimme, was den beiden seit ihrer Kindheit widerfahren ist. Schritt für Schritt erfahren wir, was Darcy und Linus mit der königlichen Familie verbindet, und sie hecken einen abenteuerlichen Plan aus, um diesmal für ihre eigene Gerechtigkeit zu sorgen. Darcy schlüpft in die Rolle der jungen adligen Davina McLean und macht sich auf, Gerechtigkeit zu erringen - aber schon rasch muss sie feststellen, dass auch hinter den Schlossmauern nicht alles so ist wie es nach aussen den Eindruck macht, und dass auch hier Menschen ohne Schuld zu Schaden kommen können. Und so findet sich Darcy als Davina plötzlich mitten in einem unlösbar scheinenden Chaos aus Gefühlen und Machenschaften, aus dem sie nicht mehr entkommen kann, ohne die Menschen rundum zu verletzen. Während sie sich von ihren Gefühlen leiten lässt und zugleich verzweifelt einen Ausweg sucht, überstürzen sich plötzlich die Ereignisse - und was weiter passiert, das wird sich im nächsten Band erst zeigen.

Ich mochte den Schreibstil dieses Buches grundsätzlich gut, wenn auch teilweise etwas zu langatmig. Es ist mir nicht leicht gefallen, in das Buch hineinzukommen, die Vorgeschichte könnte kürzer oder packender angelegt sein. Nach etwa 50-60 Seiten findet man sich dann zurecht, und wird neugierig wie es weitergeht.

Die Charaktere von Darcy und Tristan gewinnen mit der Zeit etwas an Profil, andere wichtige Figuren bleiben hingegen für mich relativ blass - insbesondere die Queen und Bruder Linus.

Das Buch hat Längen - Darcy's Gedankenwelt ist teilweise sehr repetitiv und ausführlich beschrieben (und natürlich immer in diesem Widerstreit zwischen Herz und Verstand, sie denkt dauern "ich darf das nicht mehr und beende sofort alles", und macht dann 5 Minuten später das genaue Gegenteil; gleiches gilt für Tristan). Es wird relativ viel nachgedacht, aber deutlich weniger gehandelt.

Die Geschichte endet mit einem Cliffhanger, der schon fast bösartig ist - als Leser hängt man hier wirklich gleich im luftleeren Raum. Eigentlich mag ich es gar nicht, wenn ich dermassen plump dazu aufgefordert werde, das nächste Buch doch gefälligst auch zu kaufen. Da mir aber Stil und Handlung ingesamt gefallen haben, werde ich vermutlich den nächsten Band auch lesen.

Insgesamt ist "Royal Heist" ein sehr solider Vertreter seines Genres, an dem junge und - wie ich - auch nicht mehr so junge Freunde von Romance, Verwirrspielen und ein wenig Spice ihre Freude haben.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Hitze, Ramadan und ein junger Kommissar in einem aufsehenerregenden Fall

Schatten über Marrakesch
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James von Leyden erweckt seinen Kommissar Karim Belkacem in einem mit viel Leidenschaft (pun intended) beschriebenen Marrakesch zum Leben. Es ist Hochsommer, der heisseste seit Jahren, und zudem Ramadan, ...

James von Leyden erweckt seinen Kommissar Karim Belkacem in einem mit viel Leidenschaft (pun intended) beschriebenen Marrakesch zum Leben. Es ist Hochsommer, der heisseste seit Jahren, und zudem Ramadan, eine Zeit also, die den Menschen in der Stadt physisch alles abverlangt. Karim sollte sich als Familienoberhaupt - der Vater ist früh verstorben - um die Hochzeit seiner Schwester kümmern. Doch plötzlich stellt der Mord an einer jungen Frau, Tochter einer ehemals befreundeten Familie, alles auf den Kopf. Karim setzt alles daran, der Wahrheit auf die Spur zu kommen um der jungen Frau ein letztes Mal Gerechtigkeit widerfahren lassen zu können. Wer und was steckt dahinter? Fanatische Sittenwächter, rücksichtslose Touristen, arrogante zugewanderte Europäer? Von Leyden verwebt geschickt verschiedene Handlungsstränge - wir begegnen auch einer jungen Engländerin, die nach einem Diebstahl in Marrakesch festsitzt; Kay, ebenfalls Engländerin, die als Auswandererin ein Riad betreibt; Sébastien, Architekt aus Frankreich und Kay's Partner, der je länger desto mehr Opfer seiner eigenen Arroganz wird...

"Schatten über Marrakesch" wird jedem Liebhaber von Regional-Krimis spannende Stunden bereiten - rundum zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht?

Das kleine Café am Gardasee: Stracciatellaküsse
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"Stracciatellaküsse", erschienen im November 2025 im Empire-Verlag, ist der 4. (und letzte?) Band der "Das kleine Café am Gardasee"-Reihe von Sara Pepe. Ich kenne die übrigen 3 Bände nicht, was aber kein ...

"Stracciatellaküsse", erschienen im November 2025 im Empire-Verlag, ist der 4. (und letzte?) Band der "Das kleine Café am Gardasee"-Reihe von Sara Pepe. Ich kenne die übrigen 3 Bände nicht, was aber kein Problem ist, "Stracciatellaküsse" kann auch ohne Vorgeschichte gelesen werden. Ich habe das Buch auf einer Bücherplattform als Rezensionsexemplar erhalten, vielen Dank dafür.

Die bunt zusammengewürfelte Clique rund um das kleine Café "Il sogno di Limone" durchlebt kurz vor Saisonende eine Reihe von Veränderungen: Gina muss ihr Leben nach einer Trennung neu sortieren, Luna überlässt ihr ihr WG-Zimmer zieht zu ihrem Freund, Elena und Diego planen die Eröffnung eines eigenen Restaurants, und Enzo ordnet alles seiner Karriere als Spitzenkoch unter. Auf Diego's Geburtstagsfeier treffen Gina und Enzo zum ersten Mal aufeinander, und spüren von Anfang an eine starke Verbindung und Anziehung - doch diese erste Begegnung steht unter keinem guten Stern. Es entspinnt sich eine Abfolge von Chancen und Missverständnissen, die keine der involvierten Personen kalt lassen können.

Ich bin mit etwas gemischten Erwartungen an das Buch herangegangen - einerseits mag ich das RomCom-Genre sehr gerne, andererseits verleiden mir aber allzu stereotyp erzählte Geschichten sehr schnell. Und ist nicht die inzwischen endlose Reihe an kleinen Cafés, Buchhandlungen, Cottages, und ähnlichen Gebäuden inzwischen allmählich abgefrühstückt? Nun, die Erfahrung war durchaus positiv. "Stracciatellaküsse" ist eine solide RomCom, die liefert was man erwartet. Das Setting am Gardasee ist schön, fliesst aber nur wenig in die Geschichte ein, im Prinzip könnte die Handlung überall spielen. Die "Kuss-Titel" sind eine hübsche Idee, die auch im Buch selber aufgegriffen wird. Die Entwicklung der Beziehung zwischen Gina und Enzo ist schön geschrieben, wenn auch vorhersehbar - das gehört aber bei diesem Genre auch mit dazu und stört nicht. Das Zusammenspiel der verschiedenen Personen ist ziemlich schwierig zu durchschauen - wer ist jetzt wessen Schwester, Bruder, Freund, Freundin, Partnerin oder Partner? Ich glaube, das habe ich bis zum Schluss nicht ganz durchschaut.

Ich empfehle das Buch all jenen, die Freude an leichter, moderner und unterhaltsamer RomCom-Lektüre haben. Es ist nicht mein Favorit in dieser Kategorie, aber es erzählt solide eine sympathische Geschichte.

Was mir nicht so gut gefallen hat ist die Darstellung der Gedankenwelt von Gina: Achtung, Spoiler: Als Gina und Enzo sich kennenlernen, zieht Gina aus einer einzelnen Begebenheit sofort einen falschen - wenn auch verständlichen - Schluss, der einen Grossteil des Buches dominiert und zwischen den beiden steht - es ist der Aufhänger für das Spiel zwischen "ich darf das nicht" und "ich will mich ihm nur noch hingeben", welches zum Genre dazugehört. Das Problem ist hier, dass Gina die längste Zeit weder den Elefanten im Raum anspricht, noch dass dem Leser klar wird, worum es geht. Vielmehr wird immer in Andeutungen von diesem dunklen Ereignis gesprochen, das dem Leser aber vorenthalten wird. Dem Leser eine zentrale Information vorzuenthalten ergibt dann Sinn, wenn er sich das Wissen anschliessend gemeinsam mit dem oder den Protagonisten erarbeitet. Diese bedeutungsschwangeren Andeutungen hingegen sind nur langweilig. Leider ist das ein "Stilmittel", das in jüngster Zeit fast überall so eingesetzt wird, meines Erachtens ist das eine falsche Art von Spannungsaufbau (es erinnert an diese kryptischen Facebook-Posts, mit welchen sich Menschen seinerzeit vor ihren Freunden wichtig machen wollten und die nur Insider verstanden haben, in der Art von "Es ist so traurig, wie egoistisch manche Menschen sind" ohne jeglichen Kontext). In der Geschichte hier ist das umso mehr schade, weil das verborgene Thema durchaus wichtig ist und viel mehr Raum verdient hätte. Das hätte man ganz anders spielen können. Auch nicht so ganz überzeugt hat mich die Queerness von Gina: Zu Beginn der Geschichte hat sie eben die Trennung von ihrer Partnerin hinter sich, die sie nach mehreren Jahren verlassen hat. Sie lernt Enzo also frisch getrennt kennen. Hin und wieder scheint ihre nicht festgelegte Orientierung in ihrem schlagfertigen Verhalten durch, was sehr unterhaltsam beschrieben ist. Aber dann verfällt sie Enzo auf so absolut klassische Art und Weise, dass der Eindruck entsteht, ihre Queerness sei eher als Quotenreferenz an den Zeitgeist denn als echter Charakterzug der Hauptdarstellerin in das Buch aufgenommen worden. Auch hier hätte man sicherlich noch mehr rausholen können.

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