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Veröffentlicht am 30.12.2024

Wunderschöne und faszinierende Fantasywelt

Anicor - Jenseits der Nebelbrücken
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Liv hat schwerwiegende körperliche Probleme, weshalb ihr immer wieder gekündigt wurde und sie gerade wieder einen neuen Job sucht. Als sie traurig nach Hause läuft, fällt ihr zufällig ein Buchladen auf, ...

Liv hat schwerwiegende körperliche Probleme, weshalb ihr immer wieder gekündigt wurde und sie gerade wieder einen neuen Job sucht. Als sie traurig nach Hause läuft, fällt ihr zufällig ein Buchladen auf, der eine Stelle anbietet. Der Inhaber Keylam fasziniert sie direkt und er stört sich auch nicht an ihrer Krankheit. Während Liv nun trotz ihrer tödlichen Krankheit glücklich ist, beobachtet sie Keylams außergewöhnlichen Buchclub und hört seltsame Gespräche mit an.

Livs Eltern und beste Freundin Taylor gehören den „Kindern Anicors“ an, deren Religion Liv seit ihrer Jugend abgeschworen hat. Ich finde es interessant und toll gemacht, dass wir Leser/innen mal am Anfang der Geschichte mehr wissen, als die Protagonistin, da uns direkt klar ist, dass es sich nicht um eine Religion, sondern eine ganze Fantasywelt handelt. Somit können wir zunächst Liv kennenlernen und mit ihr die Arbeit und Atmosphäre in der Buchhandlung genießen. Als Treffpunkt in unserer realen Welt ist diese Kulisse passend und wunderschön. Die deckenhohen Regale, Wendeltreppe, Lampen, Karten an den Wänden und Keylam eher altmodisch mit einer Weste herausgeputzt, hat der Laden einen Touch Dark Academia und ich hab mich dort sehr wohlgefühlt. Bis es für uns Leser/innen auch neues zu entdecken gibt und die Handlung spannend wird, vergehen jedoch einige Kapitel. Und dann wird uns eine faszinierende Fantasywelt eröffnet, die ich sehr mag, mit ihren richtig tollen Wesen und Verbundenheit zur Natur bzw. dieser fantastischen Welt. Eine schöne bunte Welt, die jedoch leider auch ihre Probleme hat, die die Charaktere alsbald lösen müssen. Die Autorin hat hier sehr schöne Ideen eingebaut, die Entwicklung aufgebaut und den besonderen Ort sehr gut dargestellt. Ich konnte mir beim Lesen die Wesen Anicors sehr gut vorstellen und war beeindruckt, genau deshalb möchte ich zu gerne Illustrationen dazu sehen.

Liv ist ein sehr sympathischer und nahbarer Charakter, die ihre Krankheit akzeptiert und deshalb sehr stark ist. Gelegentlich empfand ich sie aber als zu perfekt in ihrer Einstellung, wobei sie manche Personen und Handlungen verurteilt, während sie Akzeptanz von anderen fordert. Sie erkennt später aber auch, dass es den anderen Charakteren trotz anderer Situation eben ganz genauso geht. Zu perfekt war mir auch Keylam in ihren Augen. Zugegeben, er sieht elegant aus und ist herzlich, da kann ich auch nur schwärmen, aber dass er bald eine engere Bezugsperson ist, weil Liv denkt, sie kann ihrer langjährigen Freundin und ihren Eltern nicht mehr trauen, fand ich unfair und sehr schade. Zumal die Liebesgeschichte, nachdem sich die beiden küssen, sehr schnell an Fahrt aufnimmt, während Keylam noch dachte, er möchte sich etwas Zeit lassen. Ein bisschen langsamer und emotionaler hätte ich schöner gefunden.

>>Von hier oben sah der Laden einfach toll aus, die Regale und die Bücher, dazwischen Sessel, alte Lampen, die uralte Landkarten an den Wandbereichen, an denen mal kein Regal stand, es war einfach ein Traum, mein Traum. Der perfekte Job für mich.<<, 19 %


Fazit:
„Anicor“ ist nicht nur eine tolle Geschichte, sondern auch eine faszinierende und wunderschöne Fantasywelt. Die Autorin hat hier eine beeindruckende und spannende Welt geschaffen. Auch wenn mich Kleinigkeiten gestört haben, hatte ich sehr viel Spaß beim Lesen und es genossen.

Veröffentlicht am 30.12.2024

Mystische und spannende Geschichte

Jane und die Geheimnisse von Branwell Hall
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Die junge Jane möchte in das geerbte Cottage ihrer Großmutter ziehen. Dafür verlässt sie ihre Heimat und beginnt auf Branwell Hall als Au-Pair zu arbeiten. Im Dorf findet sie bald eine gute Freundin und ...

Die junge Jane möchte in das geerbte Cottage ihrer Großmutter ziehen. Dafür verlässt sie ihre Heimat und beginnt auf Branwell Hall als Au-Pair zu arbeiten. Im Dorf findet sie bald eine gute Freundin und das kleine Mädchen ist sehr lebendig und liebenswert. Nur ihr großer Bruder ist etwas schroff und abweisend und es geschehen auch so einige unerklärliche Dinge, wie Seerosen im Ballsaal….

Die Geschichte ist sehr geheimnisvoll und mystisch. Auf Branwell Hall und auch im Dorf bzw. der Umgebung geschehen seltsame Dinge. Jane findet sie natürlich unerklärlich, bis sie Stück für Stück immer mehr erfährt. Die Ereignisse geben eine mystische und manchmal düstere Atmosphäre, wird aber nie zu unbehaglich oder gruselig. Ich finde es sehr gut geschrieben, wie Mechthild Gläser die Erlebnisse sehr anschaulich schildert und immer mehr die Spannung anzieht. Das Ende ist fesselnd, bedrohlich und ereignisreich.

Ein Grund (neben der tollen Autorin) dieses Buch zu lesen, war für mich, dass es sich um eine Neuerzählung von „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë handelt. Ich finde, es ist nicht allzu sehr am Original angelehnt. Mechthild Gläser hat hier mit den zentralen bedeutenden Elementen des Klassikers eine schöne Geschichte mit Fantasyanteil geschaffen.


Fazit:
„Jane und die Geheimnisse von Branwell Hall“ ist ein wunderbare Romantasy-Geschichte. Mit einem anschaulichen und gut zu lesenden Schreibstil hat Mechthild Gläser hier eine spannende und mystische Geschichte geschaffen, die ich nicht weglegen konnte.

Veröffentlicht am 27.11.2024

Feministisch, viktorianisch, spannend & romantisch

Agency for Scandal
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Nach dem Tod von Izzys Vater ist ihre Familie verschuldet. Damit sie das Ansehen der Familie wahren kann, knackt sie Schlösser und verdient als Straßenjunge Kes Geld: Izzy ist Teil einer weiblichen Detektei, ...

Nach dem Tod von Izzys Vater ist ihre Familie verschuldet. Damit sie das Ansehen der Familie wahren kann, knackt sie Schlösser und verdient als Straßenjunge Kes Geld: Izzy ist Teil einer weiblichen Detektei, die im Untergrund arbeitet um andere Frauen zu helfen, die zu der damaligen Zeit, 1897, keine Rechte und Handhabe hatten. In dem damit zusammenhängenden Juwelendiebstahl ist plötzlich auch ein Duke verwickelt – Max, in den Izzy sich schon vor einiger Zeit verliebt hat.

Ich liebe die Atmosphäre in dem Buch! Wir folgen Izzy auf rauschende Bälle oder in die Oper, wo sie mit ihrer besten Freundin am gesellschaftlichen Leben teilnimmt. Eine schöne Kulisse des viktorianischen Zeitalters, dem Izzys geheime Seite als Straßenjunge und Kämpferin für die Frauenrechte in der Detektei entgegensteht. Ich habe die Geschichte sehr genossen, gleichzeitig auch mitgefiebert. Laura Wood hat einen wunderschönen leichten Schreibstil gespickt mit humorvollen und romantischen Momenten.

Der Kriminalfall baut sich parallel zur Liebesgeschichte auf. Ich habe die spannende Recherche und Wendungen mit angehaltenem Atem verfolgt. Bis zum Schluss konnte mich dieser fesseln. Zwischendurch gibt es auch mal ruhige und vor allem gefühlvolle Momente. Die kurze Phase des Fake-Datings fand ich etwas übertrieben, weil die beiden Protagonisten bereits Gefühle füreinander aufbauen. Vielleicht will die Autorin damit dem distanzierten Verhalten der damaligen Zeit entgegenwirken? Trotzdem hat mir die Liebesgeschichte von Izzy und Max gefallen und immer wieder berührt.


Fazit:
„Agency for Scandal“ ist eine schöne und geschickte Mischung aus Krimi und Liebesgeschichte. Die Autorin hat einen leichten, humorvollen und fesselnden Schreibstil. Trotz eines Aspekts in der Liebesgeschichte konnte diese mich berühren und hat mein Jane-Austen-Herz höher schlagen lassen.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.11.2024

Starke und berührende Geschichte

Hot Mess
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Drei Frauen, die an einem Wendepunkt ihres Lebens stehen: Lexi betreibt zusammen mit ihrer besten Freundin und ihrem Partner als Manager einen Podcast. Doch die Beziehungen leiden zunehmend unter dem unternehmerischen ...

Drei Frauen, die an einem Wendepunkt ihres Lebens stehen: Lexi betreibt zusammen mit ihrer besten Freundin und ihrem Partner als Manager einen Podcast. Doch die Beziehungen leiden zunehmend unter dem unternehmerischen Druck. Währenddessen bekommt Joanne mit ihrem Freund ein Kind, doch die Elternschaft setzen sie beide unter ungeahnte Herausforderungen. Sie fühlt sich ausgegrenzt, weil ihr Baby ihren Tagesablauf diktiert und sie nicht mehr mit ihren Freundinnen feiern und trinken gehen kann. Claires Leben hingegen scheint momentan völlig normal, doch ihre Freundinnen haben vermutlich eine neue Chat-Gruppe ohne sie gegründet und entfernen sich immer mehr von ihr: Warum?

Drei Frauen um die 30, deren Freundschaften auf die harte Probe gestellt werden. Die Autorin hat die Situationen von Lexi, Joanne und Claire anschaulich und sehr intensiv dargestellt. Das Geschehen wird auch aus den drei unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Somit erhält man einen tiefen Einblick in die verschiedenen Charaktere und deren Lebenssituationen. Und auch wenn wir Leserinnen nicht dasselbe wie sie erlebt haben, ist das Geschehen trotzdem hautnah und berührend dargestellt. Dazu kommen die kurzweiligen Ereignisse und das Ergebnis ist ein emotionales Buch, das mich immer mitgerissen hat. Sophie Whites Geschichte hat mich aufgrund der auseinanderbrechenden und teils toxischen Beziehungen berührt, sodass sich mein Herz über die schmerzvollen Erfahrungen der drei Protagonistinnen zusammengezogen hat, ich wütend auf deren Freundinnen war, die sie schlecht behandelt haben, aber auch völlig mitgerissen von der Spannung war, die sich bis zum Ende hin immer mehr zuspitzt.

>>Warum geht es in all den Filmen und Songs eigentlich immer um gescheiterte Liebe? Zerbrochene Freundschaften waren weitaus schmerzhafter und komplizierter.<< S. 489

Einzig gestört hat mich, dass die Geschichte neben den realistischen und nachvollziehbaren Frauenfreundschaften teilweise sehr überzogen ist. Vor allem in Joannes Teil hab ich oft ungläubig und entrüstet mit dem Kopf geschüttelt. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Es wird auf einer Beerdigung über das nun doch durch Krankheit erreichte Wunschgewicht der Toten geredet. Außerdem benimmt sich Joanne meiner Meinung nach oft einfach unmöglich! Ihre neue Mutterrolle ist schwer, aber deswegen verhält man sich doch nicht selbst wie ein Kind? Wenn es humorvoll die Geschichte auflockern sollte, finde ich es nicht witzig. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass Joanne aufgrund der späteren Geschehnisse ein vergleichender Gegenpol sein könnte. Ich mag glauben, dass diese überspitzten Situationen ein sprachliches Mittel von Sophie White sind, denn die Autorin hat einen wirklich anschaulichen und geschickten Schreibstil.


Fazit:
„Hot Mess“ ist eine überaus spannende und berührende Geschichte über drei unbeständige und schmerzhafte Frauenfreundschaften. Ich habe mit Claires, Lexies und Joannes Situation mitgefiebert, was sich immer wieder in meiner erschrockenen, wütenden, traurigen und verletzten Miene beim Lesen gezeigt hat. Auch wenn mir letztere Protagonistin immer unsympathischer wurde, ist dies vielleicht einfach ein Stilmittel der Autorin. Denn sie hat einen wirklich tollen Schreibstil, mit dem sie das Geschehen anschaulich, berührend und nahbar beschrieben hat. Ein schönes und starkes Buch über Frauenfreundschaften und wie sich diese verändern können.

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  • Thema
Veröffentlicht am 01.10.2024

Schöner Liebesroman mit noch schönerem Setting

This could be love
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Louisa ist ein aufsteigender Tennisstar, doch mit ihrer Verletzung muss sie erstmal pausieren. Damit sie wieder fit wird, trainiert sie in der Tennisschule ihrer Patentante Kay auf Hawaii. Als sie beim ...

Louisa ist ein aufsteigender Tennisstar, doch mit ihrer Verletzung muss sie erstmal pausieren. Damit sie wieder fit wird, trainiert sie in der Tennisschule ihrer Patentante Kay auf Hawaii. Als sie beim Joggen am Strand ohnmächtig wird, gabelt Vince sie auf. Während sie fleißig für ihr Comeback trainiert, trifft sie immer wieder auf den Nachbarn Vince und entwickelt mehr und mehr Gefühle für ihn. Doch hat die Liebe der beiden nach ihrer Zeit auf Hawaii überhaupt eine Zukunft?

Als Enemies-to-Lovers würde ich diesen New Adult Roman nicht bezeichnen, weil das Problem schnell gelöst ist. Louisas Tante Kay lebt und arbeitet in ihrer Tennisschule, wo sich direkt daneben Vinces Grundstück befindet. Er möchte dort ein Surfer-Hostel eröffnen, doch Kay ist strikt dagegen, weil sie zu viel Lärm und Unruhe befürchtet. Lou hält sich daraufhin zurück, aber mit der Zeit fühlt sie sich zu Vince hingezogen und verbringt trotzdem Zeit mit ihm. Also stellte Kays Abneigung nicht wirklich ein Problem dar und der Nachbarschaftstreit wurde auch recht einfach gelöst, finde ich.

Die großen Themen in diesem Roman sind Tennis und Hawaii. Von einem anderen Buch hatte ich schon einen guten Einblick in die Tenniswelt, weshalb ich mich bei Lous Trainings direkt gut eingefunden und wohlgefühlt habe. Die junge Sportlerin ist ehrgeizig, liebt den Sport und schießt vielleicht mal kurz übers Ziel hinaus. Vince hingegen ist auch zielorientiert, aber genießt auch das Leben. Somit hat er Lous hartes Training immer wieder entschleunigt. Wobei mich später in ihrer Beziehung gestört hat, dass Vince oft auf ihrer Karriere zu sprechen kommt und immer wieder nachhakt. Hier hatte ich etwas Angst, dass die Beziehung zu unausgewogen werden könnte, aber zum Glück haben sich meine Bedenken schnell in Luft aufgelöst. Wobei das Ende der beiden irgendwie etwas unnötiges Drama beinhaltet hat. Die beiden gehen oft Schnorcheln oder an den Strand. Ich finde die Beschreibungen der Natur- und Tierwelt Hawaiis richtig schön. Die hawaiianischen Besonderheiten und das Setting haben mir sehr gut gefallen.


Fazit:
“This could be Love” ist ein schöner Liebesroman mit toll beschriebenen Setting auf Hawaii. Die Liebe zwischen den beiden Protagonisten fand ich manchmal etwas holprig, aber insgesamt habe ich die Lektüre sehr genossen.