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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.09.2018

Eine tiefgreifend prägende Bildungsgeschichte, die einem die Sprache verschlägt

Befreit
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Lange habe ich überlegt, wie ich das Gelesene in Worte fassen soll. Das Cover und die eigene Meinung zu diesem Buch sind eigentlich sekundär. Wichtig sind die gelesenen Zeilen, die mich zum Teil sprachlos ...

Lange habe ich überlegt, wie ich das Gelesene in Worte fassen soll. Das Cover und die eigene Meinung zu diesem Buch sind eigentlich sekundär. Wichtig sind die gelesenen Zeilen, die mich zum Teil sprachlos gemacht haben.

Vorweg muss ich etwas zum Titel „Befreit- Wie Bildung mir die Welt erschloss“ mitteilen. Als ich zum ersten Mal diesen Titel las, dachte ich an ein Sachbuch, eine Art Anleitung, die mir helfen könnte die Welt zu verstehen. Weniger an eine tiefgreifende Autobiographie. Vergleicht man diesen Titel mit dem englischen Original, so ist er mit dem Inhalt des Buches nicht ganz stimmig: „Educated“ hat die Bedeutung, sich Wissen anzueignen. Daraus resultiert die Übersetzung „gebildet“. „Befreit“ widerum erschließt sich mir aus dem vorhergehenden Status des Gefangenseins und eines neuen Lebens, das daraus beginnen kann. Dabei dominiert meines Erachtens eher die körperliche Gefangenschaft, anstatt die geistige.

Tara Westover lebt mit ihren Eltern und Geschwistern auf einem Berg Idahos. Sie wächst in einer Familie auf, die streng mormon lebt. Wobei es im Laufe der Geschichte viele Aspekte gibt, die dies widerlegen. Ihr Vater, bipolar gestört, ihre Mutter eine illegale Hebamme, die ihr Geld mit heilerischen Ölen verdient und ein Bruder, der gewalttätig ist. Jede heikle und problematische Situation, wird mit ihrem Glauben erklärt. Unfälle und Verletzungen werden nicht vom Arzt behandelt, sondern mit Mutters Tinkturen. Alles ist gottgewollt. Tara geht nicht zur Schule und muss auf dem Schrottplatz ihres Vaters aushelfen. Bildung ist ihr fern, alles was ihr Vater sagt, ist Gesetz. Eigentlich ist sie sich sicher, dass sie bald einen Mann heiraten wird, der sich in dieser Familie miteinbringt und sie mit ihrer Mutter weiter als Hebamme arbeiten wird. Mit großen Schritten kommt dann jedoch alles anders. Sie schafft es aufs College, dann nach Cambridge. Ein Sprung, der nach und nach das Bild, das sie von ihrer Familie hatte, sprengen lässt.

Viele Passagen dieses Werkes muss man gelesen haben. Gerade auch die Beziehungsgeflechte und Handlungen, die meistens so gar nicht nachzuvollziehen sind, haben mich oft nachdenken lassen, was Menschen bewegt, so zu handeln. Tara, die bis zum Ende ihre Familie trotz allen Geschehnissen nicht aufgeben wollte, ist zu bewundern. Manchmal ist es doch besser, mit Familie zu brechen, als andauernd eine Last mit sich rumzutragen, die wie in ihrem Fall, auch zur Gefahr werden kann. Ich bin erstaunt über so viel Kraft, Mut und Ausdauer. Danke für dieses Buch. Es ist so wichtig, solche Geschichten aufzuschreiben, denn es gibt auf dieser Welt Menschen, dessen Geschichte wir lesen müssen. Einfach um daraus lernen zu können.

Und nochmal zum Titel: Tara ist während dieser Geschichte nie wirklich gefangen. Nur ungebildet. Natürlich befreit sie sich durch Bildung aus ihrem alten Leben. Das Gewicht und der Fokus sollten dennoch auf Bildung liegen. Denn dieser ist nun mal der Schlüssel zu Taras Befreiung.

Veröffentlicht am 13.09.2018

Die Spannungskurve steigt erst gegen Ende auf!

Palace of Silk - Die Verräterin
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Im zweiten Band der Palace Reihe flüchtet Rea nach Paris. Ihr altes Leben als Leibwächterin am englischen Königshof hat sie hinter sich gelassen. Sie hofft auf ein besseres Leben in Freiheit und ohne Berührungsverbot ...

Im zweiten Band der Palace Reihe flüchtet Rea nach Paris. Ihr altes Leben als Leibwächterin am englischen Königshof hat sie hinter sich gelassen. Sie hofft auf ein besseres Leben in Freiheit und ohne Berührungsverbot in Frankreich. Die in England so gefürchteten Magdalenen dürfen dort nämlich ihre Fähigkeiten ganz ohne Strafe ausleben. Doch die Vergangenheit holt sie dort wieder ein. Ausgerechnet Prinz Robin kommt nach Frankreich und hält um die Hand von ihrer Freundin und Schwester des französischen Königs, Ninon an. Madame Hiver, die Mätresse des Roi, macht ihr das Leben auch nicht einfacher. Welches Spiel verfolgt sie?
Der zweite Band der Reihe ist deutlich schwächer als der vorherige. In den ersten 200 Seiten geht es viel um die Beziehungen der Charaktere zueinander. Oft musste ich überlegen, wie die Beziehungsverhältnisse zueinander sind. Auch die Handlung plätscherte vor sich hin, was sich im letzten Drittel des Buches deutlich verbesserte. Die Auflösung war dann doch wieder überraschend und nachvollziehbar. Ich bin gespannt, ob der dritte Band es nochmal rausreißen kann.

Veröffentlicht am 08.09.2018

Spannende Achterbahnfahrt der Gefühle!

Der Abgrund in dir
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Rachel Childs erschießt auf einem Boot ihren Mann. Bereits zu Anfang der Geschichte geht es turbulent her. Was bewegt diese Frau zu solch einem fürchterlichen Schritt? Man will es wissen, doch zu Beginn ...

Rachel Childs erschießt auf einem Boot ihren Mann. Bereits zu Anfang der Geschichte geht es turbulent her. Was bewegt diese Frau zu solch einem fürchterlichen Schritt? Man will es wissen, doch zu Beginn lernen wir erst einmal Rachel kennen. Die Suche nach ihrem Vater steht im Vordergrund der Story und lässt tief in ihren Charakter und ihre Gefühlswelt blicken. Zu Beginn ist es eher eine Charakterstudie der Protagonistin, dann eine Liebesgeschichte, die sich letztendlich in einen hochkarätigen Thriller wandelt. Dabei sind es die Irrwege und Wendungen, die dieses Buch so einzigartig machen, ohne es aus der Hand legen zu können. Bis zum Schluss bleibt dann der Spannungsbogen aufrecht, sodass man nach dem Ende in sich kehrt und das Ganze erstmal sacken lassen muss.
Die Erzählweise ist einfach faszinierend und sehr individuell. In manchen Passagen konnte ich auch gesellschaftskritische Aspekte herauslesen. Besonders tiefgreifend ist die Bemerkung über den Genderaspekt. „Trotz allen Geredes über den Fortschritt, über Gleichberechtigung, über eine postsexistische Generation konnte eine Frau immer noch nicht allein an einem Tresen sitzen und etwas trinken, ohne angestarrt zu werden.“ Mein persönliches Highlight!
Ganz klare Leseempfehlung. Überraschend. Individuell. Verwirrend. Atemberaubend.

Veröffentlicht am 15.08.2018

Das London der 20er Jahre

Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht
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Louisa, ein einfaches Mädchen, bewirbt sich um eine Anstellung im Hause Mitford als Kindermädchen. Sie träumt von einem besseren Leben und kümmert sich nun um 6 Mitfordtöchter, darunter die nur zwei Jahre ...

Louisa, ein einfaches Mädchen, bewirbt sich um eine Anstellung im Hause Mitford als Kindermädchen. Sie träumt von einem besseren Leben und kümmert sich nun um 6 Mitfordtöchter, darunter die nur zwei Jahre jüngere Nancy. Als die Krankenschwester Florence Nightingale , eine Freundin des Hauses, während einer Zugfahrt umgebracht wird, gehen Nancy und Louisa auf Mörderjagd.
Dieser Roman beinhaltet historische Aspekte, gepaart mit einem Kriminalroman. Das England nach dem ersten Weltkrieg, im Fokus der Rolle der Frauen, die ihre Männer im Krieg verloren haben. Es liest sich sehr locker und leicht. Dies stellt das erste Buch einer ganzen Reihe dar, die sich um die Mitfordschwestern drehen wird. Insgesamt ist das Buch zu empfehlen. Die Handlungsstränge und Louisas Beweggründe während der Ermittlungen sind nicht immer ganz nachzuvollziehen. Die historische Genauigkeit ist auch zu hinterfragen, da die Ermittlungen von zwei Frauen im Jahrzehnt der zwanziger Jahre bestimmt nicht immer so einfach war, wie dargestellt. Alles in allem ist es ein Buch, das kurzweilig und spannend ist. Jedoch fehlen an manchen Stellen die Ecken und Kanten.

Veröffentlicht am 28.07.2018

Eine Liebe, umringt von soviel Kälte

Berühre mich. Nicht.
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Sage startet einen mutigen Neuanfang, nachdem sie jahrelang von ihrem Stiefvater misshandelt wurde. Ihre ersten Nächte sind hart, in einem Transporter ohne feste Bleibe, ebnet sie sich ihren Traum zu erfüllen. ...

Sage startet einen mutigen Neuanfang, nachdem sie jahrelang von ihrem Stiefvater misshandelt wurde. Ihre ersten Nächte sind hart, in einem Transporter ohne feste Bleibe, ebnet sie sich ihren Traum zu erfüllen. Ein Psychologiestudium. Wären da doch bloß nicht ihre Angstzustände, die sie Menschenmassen scheuen lassen und regelrecht Panik in ihr auslösen. Zwei Leute, die so langsam zu Freunden werden, helfen ihr wo sie nur können und lassen sie sogar in ihrer Wohnung auf der Couch übernachten. Luca und April sind Geschwister, die alles haben, was sie brauchen. Trotz allem sind sie Mensch genug, um zu sehen, dass Sage Hilfe benötigt. Ohne zu zögern, helfen sie ihr auf die Beine zu kommen. Währenddessen entwickelt sich zwischen Luca und Sage ein ganz besonderes Verhältnis, was sich langsam zu Liebe entwickelt. Doch zwischen ihnen stehen immer noch Sages Ängste, die dazu führen, dass sie Luca nicht immer alles erzählen kann. Als Alan, ihr Stiefvater, sich wieder bei ihr meldet, und sie an ihre Vereinbarung erinnert, steht Sage zwischen den Stühlen. Soll sie die Liebe ihres Lebens aufgeben um ihre Familie zu schützen ?