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Veröffentlicht am 24.11.2018

Die erfolgreiche Annabelle zurück im heimischen Puxdorf

Ich küss dich tot
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Irgendwas ist da falsch gelaufen für die erfolgreiche Annabelle, die auf der Karriereleiter im Hotelfach gerade auf dem Weg nach ganz oben ist. Von ihrem erfolgreichen Job in New York aus ist sie nach ...

Irgendwas ist da falsch gelaufen für die erfolgreiche Annabelle, die auf der Karriereleiter im Hotelfach gerade auf dem Weg nach ganz oben ist. Von ihrem erfolgreichen Job in New York aus ist sie nach Singapur verpflichtet worden.

Doch statt in der asiatischen Metropole findet sie sich auf einmal im heimischen Puxdorf wieder, im elterlichen Hotelbetrieb "Edelweiß", in dem nicht nur der Name für sie alt und angeschlagen ist. Nein, das ganze Haus inklusive Gaststätte ist den Bach runter gegangen und die Eltern erwarten etwas von Annabelle. Die hier übrigens Anna oder sogar Anni heißt.

Und sich sowas von fehl am Platz fühlt. Denn gleichzeitig scheint ihr ganzes Leben inklusive Freundschaften und Beziehungen den Bach runter zu gehen. Außerdem durchdringen Baulöwen die Ortschaft und gerade auch das Edelweiß und wollen neuen touristischen Schwung in die Region bringen. Und warum sterben auf einmal die Leute wie die Fliegen, unmittelbar in Annabelles Umfeld? Ganz klar - das ist der Anfang vom Ende!

Oder doch nicht? Denn jedem Anfang- und gewissermaßen ist auch dies einer - wohnt bekanntlich ein Zauber inne.

Wie sich Annabelle in Puxdorf schlägt, was es mit der Not der Eltern auf sich hat und ob sie sich wirklich von allen Jugendfreunden entfernt hat - all das und noch viel mehr lässt sich im spritzigen Weihnachtsroman - richtig, Annabelles Rückkehr findet unmittelbar vor den Feiertagen statt - nachlesen. Einem weihnachtlichen Roman, der so gar nicht besinnlich ist, aber ordentlich zur Aufbesserung der Feiertagsstimmung beiträgt - wie eine Rakete im Silvesterfeuerwerk. Denn auch Silvester ist noch Bestandteil der Geschichte - eine runde Sache also, mit der man sowohl Freunde als auch Verwandte erheitern kann - zuallererst aber am besten sich selbst. Sehr empfehlenswert als Lektüre in der nahenden Adventszeit wie auch als Weihnachtsgeschenk!

Veröffentlicht am 23.11.2018

Zurück in ihre Vergangenheit

Trügerischer Sommer
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nämlich aus Berlin in ein kleines Dorf in Niedersachsen, kehrt die Malerin Barbara, nachdem sie die Nachricht erhalten hat, dass ihr Vater im Sterben liegt. Ihr Vater, mit dem sie seit Jahren kaum Kontakt ...

nämlich aus Berlin in ein kleines Dorf in Niedersachsen, kehrt die Malerin Barbara, nachdem sie die Nachricht erhalten hat, dass ihr Vater im Sterben liegt. Ihr Vater, mit dem sie seit Jahren kaum Kontakt hatte. Mit dabei: ihr Sohn Tore. Beide sind selbst gerade dabei, sich umzuorientieren, nachdem Barbaras Lebensgefährte und Tores Vater Holger ihnen den Rücken gekehrt hat - eigentlich ja nur Barbara, aber seine neue, viel jüngere Freundin beschäftigt ihn so, dass er kaum Zeit für seinen Sohn findet.

Natürlich soll dies nur ein Aufenthalt für kurze, für sehr kurze Zeit sein, denn nichts will Barbara weniger, als in den engen Mief des Dorfes zurückzukehren. Doch immerhin erwartet sie dort eine Freundin, nämlich Karen, der sie seit ihrer Kindheit verbunden ist und die ihr auch eine große Stütze ist.

Mit der Rückkehr verbunden ist ein Wiedersehen mit Bruder Kristian, einem Tierarzt, mit dem der Kontakt aus vielerlei Gründen auch kaum noch vorhanden ist. Aber warum hat Kristian den Vater noch nicht im Krankenhaus besucht? Und was hat es mit seiner Arbeit auf sich? Er hat nämlich nicht, wie es auf dem Land ja durchaus sinnvoll wäre, eine eigene Praxis, sondern arbeitet als Angestellter beim lokalen Großunternehmer Lüken, der seine Nase in alle, aber wirklich alle Geschicke des Dorfes steckt.

Die Geschichte wird sowohl aus Barbaras als auch aus Tores Sicht geschildert und nach und nach wird deutlich, dass auch Barbara ihrem Sohn so einiges über die Familie vorenthalten hat und dass es wahre Abgründe sind, denen sie und damit auch ihr Sohn sich stellen müssen. Tore geht mit der Unerschrockenheit eines Teenagers daran, die Sache von hinten aufzurollen. Und droht dabei unter die Räder zu geraten, denn die Verbindungen und Seilschaften umfassen weit mehr als seine eigene Famlie...

Mechthild Lanfermann knüpft mit ihrem Spannungsroman und erstem Stand-Alone in der Hinsicht an ihre Krimireihe mit Protagonistin Emma Vonderwehr an, dass auch hier das Darstellen von Mißständen sowohl familiärer als auch gesellschaftlicher Art ein großes Anliegen ist. Wer Spannung liebt und dabei nicht auf sinnvolle, auf anspruchsvolle Weise transportierte Gesellschaftskritik verzichten möchte, der sollte bei diesem Buch zugreifen.

Ein eindrucksvoller Roman, wenn ich im direkten Vergleich auch die Emma-Vonderwehr-Reihe bevorzuge. Zu fern war mir hier oft das Handeln der Protagonistin, auch einige Entwicklungen konnte ich nicht so ganz nachvollziehen. Doch das ist Kritik auf sehr hohem Niveau und mag andere Leser, die dieses Buch anders wahrnehmen und die Autorin möglicherweise noch nicht kennen, gar nicht betreffen. Auf jeden Fall ist es fesselnd geschrieben und wer in seiner Lektüre gern Spannung mit Anspruch verbindet, ist hier definitiv an der richtigen Adresse!

Veröffentlicht am 22.11.2018

Eine besondere Party

Frau Duan feiert ein Fest
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soll gefeiert werden und zwar der 80ste Geburtstag der Mutter und Großmutter des Familienclans. Sie erwartet so einiges - können ihre drei Kinder ihr das bieten? Eigentlich hat Frau Duan, die gar nicht ...

soll gefeiert werden und zwar der 80ste Geburtstag der Mutter und Großmutter des Familienclans. Sie erwartet so einiges - können ihre drei Kinder ihr das bieten? Eigentlich hat Frau Duan, die gar nicht Duan, sondern Xue heißt (Duan: das war ihr verstorbener Gatte) ja eine festgefahrene Meinung zu jedem ihrer drei Kinder und auch ganz bestimmte Erwartung an jedes der drei - wird das Bestand haben?

Aus meiner Sicht rückt dieser runde Geburtstag, auf den ja eigentlich alles hinausläuft, nur gelegentlich in den Mittelpunkt des Geschehens. Eigentlich steht der jüngere Sohn, Shengjiang, Vater der Erzählerin (über die wir aber rein gar nichts erfahren) und sein wahrhaft liederliches Leben im Fokus. Es ist er, dessen Verhältnis zu allen anderen Akteuren von zentraler Bedeutung ist und der mit seinem leichtfertigen Lebenswandel nicht nur sich selbst Probleme bereitet.

Ein Buch, von dem ich mir viel, nicht zuletzt auch opulente kulinarische Szenarien versprach und das mich - trotz des durchaus fesselnden Stils - in weiten Teilen kalt ließ.

Frau Duan nimmt aus meiner Sicht - auch wenn sie durch ihre Ansichten einen gewissen Einfluss ausübt - eine viel zu geringe Rolle im Handlungsverlauf ein, als dass ihr Name - der noch nicht einmal ihr richtiger ist - Teil des Titels sein sollte. Ich fand einige Darstellungen ziemlich verwirrend, wobei das sicher auch an der Übersetzung liegen könnte - aber nicht muss. Ein Roman für China-Fans? Vielleicht, es lohnt sich, ihn zu testen!

Veröffentlicht am 22.11.2018

Aus der Zeit gefallen

Juli verteilt das Glück und findet die Liebe
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Das ist Juli Mahlo, sozusagen ein spätes Mädchen: sie hat wenig Erfahrung mit Männern und gar keine mit dem Internet und nach dem Tod von Mutter und Großmutter ist sie ganz auf sich gestellt. Und trägt ...

Das ist Juli Mahlo, sozusagen ein spätes Mädchen: sie hat wenig Erfahrung mit Männern und gar keine mit dem Internet und nach dem Tod von Mutter und Großmutter ist sie ganz auf sich gestellt. Und trägt eine Menge mit sich herum - von was, das weiß sie oft selbst nicht so genau.

Doch auf einmal, ihr ist selbst nicht ganz klar, wie das kommt, finden sich Freunde und zwar direkt im Haus: Marie und Max, das Paar, das den ehemaligen Blumenladen von Julis Mutter pachtet.

Und Juli trifft Menschen, die sie in Begegnungen mit ihrer Vergangenheit unterstützt, denen sie Kraft und Stärke gibt, denen sie Farbe, manchmal auch Liebe - also jetzt nicht ihre eigene - ins Leben bringt. Und dann trifft sie nach langen Jahren einen ganz besonderen Mann, nämlich Oskar. Aber seine und ihre Vergangenheit machen ihnen einen Strich durch die Rechnung - oder doch nicht?
Juli hilft Menschen aus der, aber auch in die Vergangenheit. Das Buch ist also definitiv etwas für Leser, die nicht nur, aber auch im Früher leben und die ein Gespür für Vergangenes haben: das eigene, aber auch das anderer Menschen.

Gute Ideen, aber zu sehr an Amélie angelehnt und sprachlich zu gewollt putzig. Wie schon der Titel, erscheint mir auch der Aufbau der Handlung ein wenig umständlich. Und die Sprache war stellenweise gar nichts für mich, das war so überzuckert, dass mir fast ein bisschen kodderig wurde beim Lesen. In der Danksagung wurde dann auch klar, warum: die Autorin Tanja Kokoska bedankt sich u.a. bei ihrer Kollegin Susann Rehlein fürs Durchsehen des Textes. Ihre Handschrift war es, die mir ein deja vu-Erlebnis der unangenehmeren Art bescherte, denn mit deren Texten tue ich mich ausgesprochen schwer. Ich hoffe sehr, dass sich Tanja Kokoska im nächsten Roman stilistisch wieder mehr an ihren Vorgängerroman "Almuth spielt auswärts" annähert, der mir richtig gut gefiel!

Veröffentlicht am 19.11.2018

Familiengeschichte(n) aus der Küche

Ofirs Küche
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Ofir kocht israelisch und palästinensisch? Ist das Lecker? Lohnt es sich?

Ich beschreibe es in aller Kürze: dieses Buch vereint alle Elemente, die eine ordentliche Familiengeschichte mit allem Zipp und ...

Ofir kocht israelisch und palästinensisch? Ist das Lecker? Lohnt es sich?

Ich beschreibe es in aller Kürze: dieses Buch vereint alle Elemente, die eine ordentliche Familiengeschichte mit allem Zipp und Zapp beinhalten sollte: grundlegende Informationen, das ein oder andere Anekdötchen, Klatsch und - na, wer kommt darauf? - jede Menge gelungener Fotos. Denn wer behauptet denn, dass man eine ordentliche Familiengeschichte nicht auch anhand der (Familien)Rezepte schreiben kann? Hier ist es jedenfalls wunderbar gelungen und jeder, der sich Ofir und den Seinen etwas näher fühlen will, kann dies durch die Realisierung der ein oder anderen Rezeptur erreichen. Oder sogar einen seiner vielgerühmten Kochkurse in Berlin besuchen. Wobei: die Rezepte sind so anschaulich beschrieben und so einfach gehalten, dass dies vielleicht gar nicht erforderlich ist. Außer, um Ofir kennenzulernen.

Höre ich da jemanden in der hintersten Reihe meckern? Einfache Rezepte? Man hat Besonderes erwartet! Nun, erstens sind nicht alle Rezepte supereinfach nachzukochen, nein, manche sind auch "nur" ziemlich einfach. Und das Besondere liegt im Geschmack, in der Textur, im ganzen Gericht! Denn aus meiner Sicht ist gerade das die Kunst: die Präsentation eines einfach herzustellenden Gerichts, das vor Rafinesse nahezu überquillt.

Ofir (ich nenne ich jetzt der Einfachheit halber durchgehend so, wie es im Titel steht) gelingt dies in sehr vielen seiner Rezepte und schon allein deswegen ist dies ein Meisterwerk. Ergänzt durch die Histörchen und die Fotos - einfach sensationell.

Ach so: habe ich bereits erwähnt, dass dies ein vegetarisches Kochbuch ist? Nein? Nun, ich bin jemand, der es sowieso lieber fleischlos mag, aber ich bin sicher, dass es hier auch den Fleischfreunden an nichts fehlen wird. Möglicherweise werden sie es gar nicht merken, denn hier werden so viele Leckereien, so viele einzelne Komponenten angeboten, um eine Tafel, ja auch ein einzelnes Gericht abzurunden.

Mein Fazit also: Ein Kochbuch, auf das ich gewartet habe, ohne es zu wissen und das ich ganz sicher nicht so schnell aus der Hand geben werde!