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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.10.2018

Fast ziehen?

Faszientraining
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Nein, Faszien!
Ich bin mal wieder nicht im Trend und musste mich einlesen, was das überhaupt ist. Klar habe auch ich Faszien und leider auch Probleme mit ihnen. Nehme ich jedenfalls an, denn es könnte ...

Nein, Faszien!
Ich bin mal wieder nicht im Trend und musste mich einlesen, was das überhaupt ist. Klar habe auch ich Faszien und leider auch Probleme mit ihnen. Nehme ich jedenfalls an, denn es könnte gut sein, dass einige Schmerzherde, die ich bislang nicht einordnen konnte, genau von dieses Faszien, also den Fasern des Bindegewebes herrühren.

Und wie so vieles am Körper kann man auch die trainieren. Wie - das ist in vorliegendem Buch ausführlich erläutert - gottseidank, nachdem zunächst ebenso ausführlich erklärt wird, was es mit diesen Faszien überhaupt auf sich hat - und kommt meistenteils ziemlich sportlich daher. Offen gesagt, zu sportlich für mich, wenn auch ein paar Übungen dabei sind, die auch ich "wuppen" kann.

Ein hilfreiches Buch in jeder Hinsicht, aber ganz klar eher für den sportlichen Typ - ich bleibe bei meinem Qi Gong und hoffe (und glaube), dass das auch den Faszien hilft!!

Veröffentlicht am 20.10.2018

Was man so mit sich rumträgt

Sechs Koffer
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Das sind in diesem Falle die Päckchen einer ganzen Familie, der Vater, der Tate, Schmil Grigorewitsch nämlich und dessen vier Söhne, von denen zwei eine eigene Familie haben. Jedenfalls eine, die in diesem ...

Das sind in diesem Falle die Päckchen einer ganzen Familie, der Vater, der Tate, Schmil Grigorewitsch nämlich und dessen vier Söhne, von denen zwei eine eigene Familie haben. Jedenfalls eine, die in diesem Roman vorkommt. Maxim Biller selbst ist ein Enkel: Sohn von Sjoma, dem jüngsten Sohn. Es sind russische Juden, der Tate selbst wurde 1960 in der Sowjetunion hingerichtet.

Im Geburtsjahr Maxim Billers, dessen Wiege allerdings in Prag stand. Man sieht, die Verhältnisse in diesem kurzen, keine zweihundert Seiten langen Roman sind überaus komplex. Zunächst deswegen, weil die Protagonisten alle echt sind: die tatsächlichen Familienmitglieder des Autors, hauptsächlich seine Vorfahren.

Und sie alle stehen im Kreuzfeuer, wenn es um die zentrale Frage geht: wer trägt die Schuld am Tode des Taten, wer hat ihn denunziert? Einer der Söhne? Wenn ja, welcher?

Denn diese sind zum Todeszeitpunkt des Vaters bereits weit in der Welt verstreut, zwei befinden sich in Tschechien, die beiden anderen in Berlin (West) und in Brasilien.

Der Autor spielt sowohl mit den Ereignissen als auch mit den Figuren und mir als Leserin blieb seine Intention ein wenig fremd. Auch er selbst - als Ich-Erzähler ist ein wichtiger Faktor in der Geschichte. Ist es also sein Standpunkt, den er wiedergibt? Oder ein Standpunkt, den er sich ausleiht? Sind es Fakten oder ist es Fiktion, die hier wiedergegeben wird. Ich könnte mir vorstellen, dass er oder sein Verlag mir antworten würden, das sei nicht von Belang.

Was mich allerdings durchaus erfasst, ist das Thema Exil, das sich wie ein roter Faden durch den Roman zieht - Exil und stellenweise Verfolgung, das sind Elemente, mit denen auch meine Familie über Jahrzehnte hinweg konfrontiert war - dieses Getriebensein, diese Unruhe, die sich durch die gesamte Handlung zog, die konnte ich sehr gut nachempfinden.

Aber ich bin eine Leserin, die ganz gerne die Kontrolle behält über ihre Lektüre. Die sich ungern treiben lässt, zumindest hinsichtlich des Wahrheitsgehalts ihrer Lektüre. Hier kann alles sein, muss aber nicht. Ohne Frage ein wahnwitziges Unterfangen, aber eines, das mich ziemlich befremdet zurück lässt.

Veröffentlicht am 18.10.2018

Mit einem Edelweiß in die Vergangenheit

Das Mädchen mit dem Edelweiß
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Kalifornien 1989: Ein Edelweiß ist alles, was Katie hat - nein, stimmt nicht ganz: Es ist ein Mädchen mit einem Edelweiß. Auf einem Briefumschlag, denn es handelt sich um eine Briefmarke. Und zwar um ...

Kalifornien 1989: Ein Edelweiß ist alles, was Katie hat - nein, stimmt nicht ganz: Es ist ein Mädchen mit einem Edelweiß. Auf einem Briefumschlag, denn es handelt sich um eine Briefmarke. Und zwar um eine aus dem Besitz von Katies dementem Vater, der ein ebenso begeisterter wie eifriger Sammler war. Bis es nicht mehr ging. Jetzt lebt er in einem Heim und erkennt manchmal seine eigene Tochter nicht.

Katie zeigt die Sammlung dem Experten Benjamin, um sowohl materiellen als auch möglichen geistigen Wert schätzen zu lassen. Darunter auch diesen im Übrigen ungeöffneten Brief.

Es kommt heraus, das es sich um Post aus dem von den Nazis bereits eingegliederten Österreich handelt. Und wir treten ein in eine längst vergangene Welt: in eine österreichische Kleinstadt im Jahr 1938, als alles begann.

Jedenfalls alles, was für die Handlung dieses Romans von Belang ist. Ein Roman, der auf zwei Ebenen spielt, von denen die eine 1989, die andere 1938 ihren Anfang nimmt. In zwei verschiedenen Ländern, auf zwei unterschiedlichen Kontinenten. Und doch fließt alles zusammen.

Die amerikanische Autorin Jilian Cantor hat für dieses Roman ein spannendes Thema gewählt und die Stationen, die zur Auflösung des Plots beschritten werden, sind ebenso spannend. Manchmal jedoch etwas zu sehr ins Sensationslüsterne tendierend - wogegen andere wichtige Punkte gar nicht tangiert werden.

Daher aus meiner Sicht ein interessantes und wichtiges Buch, aber mit viel Luft nach oben!

Veröffentlicht am 18.10.2018

Antike Götter neu aufgelegt

Mythos
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Griechische Heldensagen fand ich zwar immer ganz anregend, doch nur für kurze Zeit: zu farblos wurden sie erzählt und außerdem waren mir die ganzen Verbindungen der munteren Kerle (und Kerlinnen) auf ...

Griechische Heldensagen fand ich zwar immer ganz anregend, doch nur für kurze Zeit: zu farblos wurden sie erzählt und außerdem waren mir die ganzen Verbindungen der munteren Kerle (und Kerlinnen) auf dem griechischen Olymp und später auch in der römischen Glaubenswelt überhaupt nicht klar.

Damit räumt Tausendsassa Stephen Fry in seiner ureigenen Art nun auf - nämlich sowohl strukturiert als auch unterhaltsam. Und vor allem steckt da eine Unmenge von Wissen dahinter: sowohl in Bezug auf die Sagenwelt selbst als auch auf ihre Rezeption. Dass sich nämlich Sujets daraus bei Shakespeare, Goethe und auch in der viel jüngeren Literatur wiederfinden, hat mich zwar nicht überrascht, die konkreten Beispiele, die der Autor wieder und wieder benennt, haben mich aber dann doch das Staunen gelehrt.

Mir ist ganz klar, dass dieses Buch seit Jahrzehnten, wenn nicht seit Jahrhunderten fällig war - die Welt hat nur auf jemanden wie Stephen Fry gewartet, der dazu fähig ist, dieses so umfassende Thema auf ebenso freche wie respektvolle Art und Weise (lesen Sie selbst, dann werden sie merken, dass dies möglich ist) darzulegen.

Herrlich, wie prall und üppig sich die Welt der Göttermythen vor uns ausbreitet: es ist ein bunter und vielschichtiger Teppich voller Spannung. Wie verhält sich Zeus zu Hades beziehungsweise der Olymp zur Unterwelt. Wie ist Orpheus da hineingeraten?

Inzest is best - was man in der Gegenwart tunlichst meiden wollte, war in der Welt der griechischen bzw. römischen Götter gang und gäbe - Mütter trieben es mit Söhnen, Geschwister untereinander sowieso und sogar als keusch geltende Damen wie Demeter konnten mit Nachwuchs aufwarten.

Dass aus dem griechischen Hermes bei den Römern Merkur, aus Aphrodite Venus wurde, das ist hinlänglich bekannt, dass aber eigentlich alle oder fast alle griechischen Gottheiten ein römisches Pendant hatten, das überrascht dann doch. Und noch einiges mehr, denn Stephen Fry führt uns mit Stil und Charme durch die Welt der Götter - vor allem jedoch mit einer gehörigen Portion britischen Humors!

Veröffentlicht am 18.10.2018

Den eigenen Abgang vorbereiten

Alles Glück eines Lebens
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Dazu sieht sich die 43jährige Karen gezwungen: denn bereits seit über zwei Jahren weiß sie, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist - dieser kann zwar aufgehalten, aber nicht mehr bezwungen werden.

Ein ...

Dazu sieht sich die 43jährige Karen gezwungen: denn bereits seit über zwei Jahren weiß sie, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist - dieser kann zwar aufgehalten, aber nicht mehr bezwungen werden.

Ein Schock für die alleinerziehende Mutter eines sechsjährigen Sohnes, nämlich Jake, die sich bemüht, diesen nicht nur auf ihr Ende vorzubereiten, sondern auch, ihm jeden Wunsch zu erfüllen.

Doch eigentlich hat der kleine Junge nur einen Wunsch - nämlich den, seinen Vater, mit dem es gar keinen Kontakt gibt, kennenzulernen.

Und gerade den zu erfüllen, fällt Karen so unendlich schwer!

Ein Roman mit Herz und Gefühl, bei dem es der Autorin definitiv gelungen ist, ihn nicht kitschig werden zulassen. Wobei das sicher nicht einfach war, denn sie hat eine höchst emotionale Form gewählt, nämlich die eines langen Briefes bzw. eines Buchs, das Karen an ihren Sohn schreibt. Er ist sozusagen der alleinige Adressat, der direkt angesprochen wird.

Dabei breitet Karen ihr gesamtes Leben vor ihm aus: ihren Werdegang, ihre Kindheit - und auch die Beziehung zu Jakes Vater. Wie realistisch das ist? Aus meiner Sicht eher wenig, denn ich glaube, es ist fast unmöglich, so schonungslos ehrlich mit sich selbst und dem gesamten Umfeld umzugehen, die Zusammenhänge so besonnen einzuordnen, wie Karen das hier tut.

Doch spielt das aus meiner Sicht im Hinblick auf die Bedeutung, den Wert des Romans keine Rolle. Die Autorin Lauren Grodstein hat sich - meiner Meinung nach durchaus erfolgreich - darum bemüht, ein realistisches Bild der Empfindungen einer unheilbar Kranken darzustellen und tatsächlich. So könnte es sein. Muss es aber natürlich nicht.

Doch es ist ein erschütternder und auch warmherziger Blick hinter die Kulissen einer bösartigen Krankheit, mit der man sich nicht auseinandersetzen will, solange es nicht notwendig ist. Hier kann man einen ersten Schritt darauf zugehen.