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Veröffentlicht am 13.10.2018

Ein niederländisches Mädel

Das Kind aus dem versteckten Dorf
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Das ist Mentje die mit ihrem Vater auf einem Bauerhof in den Niederlanden lebt und ihm - obwohl erst neun Jahre alt - tatkräftig bei der täglichen Arbeit hilft. Wir schreiben das Jahr 1943 und eines Tages ...

Das ist Mentje die mit ihrem Vater auf einem Bauerhof in den Niederlanden lebt und ihm - obwohl erst neun Jahre alt - tatkräftig bei der täglichen Arbeit hilft. Wir schreiben das Jahr 1943 und eines Tages bringt der Vater eine jüdische Familie mit, die er auf dem Dachboden versteckt.

Mentje weiß, dass das unglaublich gefährlich ist, doch der Vater erklärt ihr, dass sie als Christen gar nicht anders handeln können. Doch das Risiko erweist sich als zu groß und eines Tages steht Mentje ganz alleine da - die Familie und der Vater wurden verhaften. Nach ihr wird auch noch gesucht, doch kann sie sich verstecken. Und retten - zu Menschen, die im Untergrund agieren, wie von ihrem Vater weiß.

Diese bringen sie an einen ganz besonderen Ort und zwar in das versteckte Dorf mitten im Wald. Dieses geheime Lager, in dem vor allem Juden, aber auch andere, bspw. verwundete alliierte Soldaten versteckt wurden, hat tatsächlich existiert und in der Tat sind alle beschriebenen Personen absehen von Mentje tatsächliche Lagerbewohner gewesen. Es ist sowohl berührend, als auch erschütternd, vor allem jedoch unglaublich spannend, dieses Lagerleben zu verfolgen.

Nach einem Jahr ist diese Unterkunft für Mentje nicht mehr sicher und sie wird nach Arnheim zu ihr bislang unbekannten Verwandten ihrer Mutter gebracht. Dort trifft sie auch auf den zweiten Protagonisten, den Südafrikaner Tinus, der in der britischen Armee kämpft. Vielmehr rettet sie ihm das Leben. Und ihre Schicksale sind nun auf ganz besondere Weise miteinander verknüpft, wie sich noch zeigen wird!

Mit Verlust muss sich Hildegard schon früh auseinandersetzen und leider bleibt ihr dies auch weiterhin nicht erspart, der zweite Weltkrieg erschüttert ihr bislang ruhiges Leben grundlegend.

Ein tragisches Schicksal in den Niederlandenin der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie ich es so bislang noch nicht gelesen habe. Beziehungsweise gleich zwei davon - das eines Kindes und das eines jungen Soldaten.

Ich habe bereits einige Bücher der südafrikanischen Autorin Irma Joubert gelesen und bin mittlerweile zum Fan geworden. Denn sie eröffnet neue Perspektiven, Blickwinkel und Aspekte und zwar nicht nur durch akribische Recherchen. Nein, auch der Glaube und sein Einfluss auf die Menschen spielt stets eine Rolle, wobei er in diesem Roman ganz besondere Bedeutung erlangt - hier geht es sowohl um den christlichen Glauben als auch um das Judentum. Ich habe viel gelernt durch dieses Buch, bin Irma Joubert mit Begeisterung in die Niederlande und auch nach Südafrika gefolgt. Auch wenn die Geschichte in großen Teilen eine traurige ist, entbehrt sie doch nie der Hoffnung. Mitreißend, aufwühlend, ab und an auch überraschend: ein eindringlicher Roman über zwei Lebenswege, die sich in schweren Zeiten kreuzen und der ausgesprochen lesenswert ist!

Veröffentlicht am 09.10.2018

August in Brooklyn

Ein anderes Brooklyn
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Das findet in diesem Roman ganzjährig statt: weil nämlich August nicht der besagte, oft sehr heiße Monat, sondern ein Mädchen ist, ein schwarzes dazu und es hat es nicht leicht in den 1970ern, in denen ...

Das findet in diesem Roman ganzjährig statt: weil nämlich August nicht der besagte, oft sehr heiße Monat, sondern ein Mädchen ist, ein schwarzes dazu und es hat es nicht leicht in den 1970ern, in denen es dort aufwächst - als Tochter eines alleinerziehenden Vaters und Schwester eines erheblich jüngeren Bruders, auf den sie stets ein Auge hat.

Ihre Mutter ist für eine Weile weg oder auch für länger - oder was hat die Urne mit der Asche zu bedeuten? Nein, August hat es nicht leicht, in keiner Hinsicht.

Wobei ihre Freundinnen ihre Stütze sind. Ohne sie würde sie es nicht aushalten. Bis sie sich selbst und einander verlieren.

August kommt nach Jahren zurück - zur Beerdigung ihres Vaters. Die erfolgreiche Anthropologin wagt einen Blick zurück - in eine Kindheit in Armut. Oder auch nicht - es kommt eben darauf an, wie man es sieht.

Autorin Jacqueline Woodson braucht für ihr Stimmungsbild nicht viele Worte. Aber denjenigen, die sie wählt, wohnt eine seltsame, ganz besondere Kraft inne.

Ein schwaches Buch, ein starkes Buch. Es ist traurig und gleichzeitig zuversichtlich, wild und sanft zugleich - und ungeheuer eindringlich, auf eine ganz bestimmte Art. Man hat es schnell gelesen, aber man wird es nicht leicht los danach. Dennoch: es ist ein Gewinn, keine Last, auch wenn ich August und ihre Freundinnen nicht um ihre Jugend beneide. Aber vielleicht um ihre Freundschaft. Oder um bestimmte Facetten bzw. Episoden davon. Sie sehen, dieser Roman haftet mir an, ich werde ihn so schnell nicht los und versuche es auch gar nicht. Auch wenn er mich auf gewisse Weise lähmt.

Ein verwirrendes Buch, das alles mögliche mit seinen Lesern anzustellen vermag, wenn man sich denn darauf einlässt.

Veröffentlicht am 09.10.2018

Harold und Maude mitten in Europa

Ich komme mit
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Eine alte Frau und ein junger Mann - da musste ich gleich an Harold und Maude denken, an einen Film, der mich schon in jungen Jahren sehr begeistert hat. Der Vergleich trifft es auch - so glaube ...

Eine alte Frau und ein junger Mann - da musste ich gleich an Harold und Maude denken, an einen Film, der mich schon in jungen Jahren sehr begeistert hat. Der Vergleich trifft es auch - so glaube ich - ganz gut, obwohl es in "Ich komme mit" nicht um eine Liebesgeschichte zwischen alt und jung, sondern um eine Art Seelenverwandtschaft geht, allerdings um eine, die sich erst schleichend einstellt.

Denn Vita und Lazar, genannt Lazy, kennen sich schon seit Ewigkeiten - also soweit etwas, an das sich ein 21jähriger erinnern kann, als ewig bezeichnet werden kann. Denn genau so alt ist Lazy. Vita geht so langsam auf die 75 zu, ist also fast dreieinhalb mal so alt, ihr Sohn Morris - ehemals Moritz -, der ins ferne Australien ausgewandert ist, könnte locker Lazys Vater sein. Sie kennt Lazy aus dessen Kindheit, als er schon einmal im Haus wohnte - nun ist er zurückgezogen, hat die Wohnung von seinem verstorbenen Vater geerbt.

Damals mochte Vita Lazy nicht und er hatte sich in Bezug auf ihre Person überhaupt keine Meinung gebildet. Nun findet eine zunächst zögerliche Annäherung in einer Krisensituation statt: Lazy ist nämlich sehr, sehr krank, viel zu krank für einen jungen Mann seines Alters. Und Vita hat das Gefühl, endlich gebraucht zu werden und mehr als das. Sie kümmert sich um Lazy, doch sie werden auch bald zu Vertrauten, zu solchen, die sich alles erzählen. Und alles verkraften, was sie vom anderen zu hören bekommen. Was nicht immer unbedingt einfach ist.

Aber es schweißt sie zusammen - so sehr, dass sie sich auf eine gemeinsame Reise begeben. Obwohl das definitiv unvernünftig ist!

Ein wunderschönes Buch mit tollen Sequenzen und manchmal schönen Sätzen - so dachte ich zunächst. Aber ab der Mitte ging etwas durch, verlor der Roman aus meiner Sicht seine Kraft, die zunächst sich daraus resultierende Botschaft verpuffte irgendwie. Ich hatte ein bisschen das Gefühl, dass die Autorin - selbst schon im gesegneteren Alter - einfach etwas Freches, Lockeres, Unerwartetes schreiben wollte. Was ihr auch gelungen ist - aber nicht so, dass es mich bis zum Schluss beeindrucken konnte!

Veröffentlicht am 08.10.2018

Ein Haus, in dem ganz schön etwas steckt

Alles ist lebend tot
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Tagebücher, Möbel und anderes nämlich - denn Barbara Aubert, die ihre Wiener Firma aufgibt und im beschaulichen Tulln ein neues Leben beginnt, hat das Haus mit allem drum und dran gekauft. Und das hat ...

Tagebücher, Möbel und anderes nämlich - denn Barbara Aubert, die ihre Wiener Firma aufgibt und im beschaulichen Tulln ein neues Leben beginnt, hat das Haus mit allem drum und dran gekauft. Und das hat es in sich, wird der frühere Besitzer doch mit Egon Schiele, ja, genau, dem heute bekannten Maler, in Verbindung gebracht. Sein Jugendfreund soll er gewesen sein. Steckt mehr dahinter? Vielleicht ja sogar Wertvolles? Warum wohl geistert so ein merkwürdiger Zeitgenosse um das Haus herum, der behauptet, es hätte seinem Opa gehört und er wolle mal reinschauen.


Barbara bleibt vorsichtig und das ist gut so: denn erstens hat sie alle Hände voll zu tun. Sie hat sich nicht nur ein neues Zuhause geschaffen, sondern mit dem Erwerb der Mehrheitsanteile an der örtlichen Gärtnerei auch ein neues Standbein versorgt - auch wenn Gärtnerin Leonie, gleichzeitig die frühere Besitzerin, sie aus dem Tagesgeschäft raushalten möchte. In ihrem eigenen oder in Barbaras Interesse?


Barbara hat kaum Zeit, darüber nachzudenken, denn bald schon gibt es Tote. War es Selbstmord oder Mord und wie hängt das Ganze mit Fällen zusammen, die vor Barbaras Zeit geschahen? Gut, dass Barbara Freunde in Wien hat, die sie zur Hilfe holen kann.


Ein ebenso stimmiger wie stimmungsvoller Kriminalfall, bei dem ich vor allem die Einbindung des Malers Egon Schiele, seiner Bilder und seiner mir bislang unbekannten Texte genossen habe. Das hat wettgemacht - dass es mir manchmal zu voll wurde in dem Krimi - sowohl in Bezug auf das Personal als auch bezüglich vorheriger Ereignisse, Verbindungen und Animositäten. Denn in dem Band kommen eine ganze Reihe von Figuren vor, die bereits in früheren Büchern der Autorin eine Rolle gespielt haben - da fühlte ich mich als Leserin des Öfteren mal vor vollendete Tatsachen gestellt.


Dem interessierten Leser würde ich also raten, die vorher erschienenen Werke der Autorin zu genießen, bevor er sich an dieses macht - das erspart mit Sicherheit die ein oder andere Verwirrung und trägt dazu bei, den Genuss vollkommen werden zu lassen!

Veröffentlicht am 06.10.2018

Nigerianische Verhältnisse

Bleib bei mir
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lernen wir in diesem tragischen und gesellschaftskritischen, dabei literarisch durchaus anspruchsvollen Roman der Autorin kennen: Yejide und Akin haben aus Liebe geheiratet. Doch das ersehnte Kind bleibt ...

lernen wir in diesem tragischen und gesellschaftskritischen, dabei literarisch durchaus anspruchsvollen Roman der Autorin kennen: Yejide und Akin haben aus Liebe geheiratet. Doch das ersehnte Kind bleibt zunächst aus - in der hier beschriebenen sozialen Struktur ein No Go. Deswegen führt die Schwiegermutter eine Zweitfrau für ihren Sohn ein, was er sich - zwar nicht begeistert, aber dennoch - gefallen lässt.

Zunächst lebt diese Junge Frau woanders, bis sie ihren eigenen Willen spielen lässt und dies ändert. Und so nehmen die Ereignisse ihren verhängnisvollen Lauf.

Ein Roman, dessen Inhalte für mich so fremd sind wie ein Märchen, auch wenn sie so gar nichts Märchenhaftes an sich haben. Und - wie so oft in fremden Kulturen - sehr, sehr schwer nachzuvollziehen. Denn Yejide ist eigentlich eine moderne Frau, eine mit viel Kraft und Charisma, die auf ihren Mann einen gewissen Einfluss hat. Eigentlich. Denn gewisse Verhaltensweisen, Kenntnisse und Fertigkeiten, die für Westeuropäer vollkommen normal sind, sind in ihren Kulturkreisen absolut tabu.

Ein in eindringlichem Stil verfasster Roman, der an die Grenzen geht - allerdings an vollkommen andere als die mir bisher bekannten. Und zwar in jeder Hinsicht. Ein aufwühlender Roman mit einigen kraftvollen Szenen, die sich aber aus meiner Sicht nicht durch das ganze Buch ziehen.

Für mich bleibt die Frage, ob es in der Gesellschaft Nigerias legitim bzw. überhaupt möglich ist, anders zu reagieren in der vorliegenden Situation. Natürlich hat die Autorin den Roman nicht primär für westeuropäische oder auch nordamerikanische Leser geschrieben - dennoch fühlte ich mich schlecht informiert über Nigeria in jeglicher Hinsicht, während ich das Buch las. in der Regel hilft mir in derartigen Situationen die Beschäftigung mit Geschichte und Politik des Landes, auch mit weiteren Phänomenen beim Verständnis der Lektüre - hier war das nicht der Fall. So blieb ich mit dieser durchaus faszinierenden Geschichte ein wenig hilflos zurück.