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Veröffentlicht am 21.05.2018

Kreidezeit 1986 und 2016

Der Kreidemann
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Und zwar nicht in geologischer Hinsicht! Und auch nicht als Kinderspiel bzw. als das von Jugendlichen, obwohl es das zunächst zu sein scheint. Aber schnell wird klar, dass es um Mord und Todschlag bzw. ...

Und zwar nicht in geologischer Hinsicht! Und auch nicht als Kinderspiel bzw. als das von Jugendlichen, obwohl es das zunächst zu sein scheint. Aber schnell wird klar, dass es um Mord und Todschlag bzw. anderweitige Todesfälle geht. Nicht eine dieser Varianten - nein, es kommen alle vor in diesem eher ungewöhnlichen Thriller und zwar nicht zu knapp.

Wie schon erwähnt, spielt die Geschichte auf zwei Zeitebenen im Abstand von dreißig Jahren. Erzähler und damit maßgeblicher Protagonist ist jeweils Ed Adams, zunächst als zwölfjähriger Junge, später dann als über 40jähriger Lehrer.

Beim Spielen im Wald stoßen Ed und seine Clique auf Leichenteile - die unschwer als Teile eines Mädchens zu erkennen sind, die Ed kennt. Eines sehr schönen Mädchens, das neulich auf dem Rummelplatz zum Opfer eines Unfalls wurde und fast ein Bein verlor. Sie konnte gerettet werden - nur, um kurz danach zum Mordopfer zu werden.

Dreißig Jahre später - Ed wohnt immer noch im elterlichen Haus und ist alleinstehend - ist der Mord immer noch nicht aufgeklärt. Ebenso wie einige andere sehr rätselhafte Gegebenheiten. Was sollen die Kreidehinweise, die es damals wie auch in der Gegenwart gibt? Alte, seit Jahrzehnten vergrabenene Emotionen kommen nicht nur bei Ed wieder zutage.

Ein wirklich ungewöhnlicher Thriller, der auch dadurch punktet, dass er in einem ganz "normalen" Setting - einer englischen Kleinstadt - spielt. Die Akteure - das sind Familien. Es kommt zwar ein geheimnisvoller Fremder in die Stadt, dessen Identität jedoch rasch preisgegeben wird und nicht allzu spektakulär ist. Ebenso wenig geht es um politisch brisante Themen, nein, die gesamte Handlung spielt sich im Rahmen der dort ansässigen Familien und deren Umfeld ab und gerade dieser Umstand - dass eigentlich alles, jeder einzelne Hinweis, jedes Indiz zum Greifen nahe ist - macht die Handlung ebenso spannend wie geheimnisvoll.

Und tatsächlich ergeben sich am Ende Verstrickungen und Verbindungen, die ganz anders sind, als es bisher anzunehmen war. Ein wirklich spannender Thriller, den ich nicht aus der Hand legen konnte. Gerade die naheliegende Realität, die dann doch so anders war als angenommen, hat mich so fasziniert. Besonders eindringlich wurde dargestellt, wie bestimmte Umstände suggeriert werden können, indem sie als selbstverständliche Tatsachen dargestellt werden und so entweder eine allgemeine oder auch subjektive Gültigkeit erlangen, eine, die dann schwer zu brechen ist. Intelligent spielt die britische Autorin C.J. Tudor, deren Erstlingswerk dies ist, mit den Fakten und lässt den Leser - mich zumindest - immer wieder mal ins Leere laufen. Das einzige, was mich gestört hat, waren paranormale Szenen bzw. Traumsequenzen, die aus meiner Sicht wirklich nicht hätten sein sollen!

Ansonsten jedoch kann ich diesen raffinierten Thriller über das Grauen in der eigenen Nachbarschaft von ganzem Herzen empfehlen.

Veröffentlicht am 18.05.2018

Asapissimo

Ans Meer
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will Magister Breithammer den Busfahrer Anton sprechen - und das heißt: sehr schnell. Anton hat aber keine Zeit, denn er muss dringend nach Italien ans Meer. Und zwar mit dem ganzen Bus. Wegen Carla, einer ...

will Magister Breithammer den Busfahrer Anton sprechen - und das heißt: sehr schnell. Anton hat aber keine Zeit, denn er muss dringend nach Italien ans Meer. Und zwar mit dem ganzen Bus. Wegen Carla, einer jungen Mutter, die Krebs hat und unbedingt noch mal das Meer sehen will und zwar nicht irgendwo, sondern in ihrer Heimat Italien, und zwar nach San Marco. Das liegt bei Duino an der oberen Adria, also gar nicht sooo weit. Und deswegen hat Anton keine Zeit für Magister Breithammer, obwohl dieser das Sagen hat. In Bezug auf den Bus und leider auch auf Antons Arbeitsvertrag.

Aber an diesem Tag ist es ihm gänzlich egal und so finden sich weitere Passagiere, um mit Carla und ihrer Tochter Annika ans Meer zu fahren: natürlich Annikas beste Freundin Helene. Dann kommen noch das Emo-Mädchen Eva und der eher unwillige Ferdinand, Helenes großer Bruder, hinzu. Und blinde Passagiere gibt es auch, doch was es mit denen auf sich hat, das verrate ich nicht.

Anton lenkt den Bus mit übervollem Herzen, denn er liebt seine Nachbarin Doris und kann keine Sekunde ohne sie sein, zumindest nicht in seinen Gedanken. Dass sie ihn auch toll finden könnte, kann er sich gar nicht vorstellen... aber vielleicht gibt es ja noch eine Überraschung für ihn.

Es wird eine Reise mit Hindernissen, denn bald sind nicht nur Magister Breithammer und der überaus besorgte Vater von Helene und Ferdinand, sondern auch die Polizei hinter Anton und dem Bus her - angeblich hat er Kinder entführt. Doch sein Schwarm Doris weiß es besser und tut, was sie tun muss.

Ein bezauberndes, absolut warmherziges und berührendes Buch, das von den wirklich wichtigen Werten im Leben handelt. Aber auch davon, dass man sich nicht alles gefallen lassen muss und durchaus mal seinen eigenen Weg gehen kann. Und davon, wie schön es sein kann, etwas für andere zu tun. Ich habe es sehr genossen und werde es sicher wieder in die Hand nehmen - bevorzugt in Momenten, in denen ich Trost brauche. Der kann nämlich auch mal durch ein fröhliches Lachen erzeugt werden - denn dieses rührende Buch ist alles andere als rührselig. Dafür über weite Strecken sehr lustig, auch wenn Freude und Trauer hier Hand in Hand gehen - wie auch im Leben. Ich werde es auf jeden Fall denen schenken, die mir wichtig sind und gerade ein wenig Wärme und Geborgenheit brauchen können - auch, wenn ihr Geburtstag gerade erst vorbei ist oder ich gar nicht weiß, wann sie ihn begehen! Denn ich bin überzeugt, dass die wunderbare Geschichte von Autor Rene Freund die Welt für jeden ein kleines bisschen heller aussehen lassen kann! Und zwar asapissimo, denn ich bin sicher, dass sich kaum jemand vor dem Ende losreißen können wird!

Veröffentlicht am 17.05.2018

Hoch in den Norden Europas

Das Geheimnis der Mittsommernacht
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nämlich in die norwegische Berarbeiterstadt Roros verschlägt es den Leser dieses opulenten Romans - und darüber hinaus landet er in einer längst vergangenen Zeit. Der Roman spielt nämlich 1895, als es ...

nämlich in die norwegische Berarbeiterstadt Roros verschlägt es den Leser dieses opulenten Romans - und darüber hinaus landet er in einer längst vergangenen Zeit. Der Roman spielt nämlich 1895, als es die 25jährige Rheinländerin Clara dorthin, in die Heimat ihres Ehemannes Olaf verschlägt. Durch ein furchtbares Unglück sind sie und ihr Sohn Paul bald auf sich gestellt und lernen gleichsam zusammen mit der Leserschaft Roros und seine Einwohner kennen, von denen ihnen leider nur die wenigsten mit Wohlwollen begegnen. Warum eigentlich?

In einem zweiten Handlungsstrang begegnen wir Sophie, einer höheren Tochter, ein paar Jahre jünger als Clara, die gerade ihre Mutter verloren hat und nicht nur deswegen unglücklich ist. Mit ihrem Vater und der älteren Schwester verbindet sie nämlich wenig, denn für die zählen - so sieht es zumindest Sophie - nur Äußerlicherkeiten: der Erfolg und natürlich auch der schnöde Mammon.

Der Leser wird nicht nur mit einer packenden Handlung konfrontiert, sondern auch mit der vielen Details der Geschichte Norwegens vertraut gemacht. Auch den Zeitgeist und die Atmosphäre , die in diesen Jahren sowohl in Deutschland als auch in Norwegen herrschte, vermittelt die Autorin Christine Kabus aufs Eindringlichste. Vor allem der Kontrast der damaligen Strukturen und Einschränkungen für Frauen in beiden Ländern zur vergleichsweisen Freiheit im Leben eines jungen Mannes, zumindest eines Vertreters der Mittel- und Oberschicht ist wirklich sehr gut, bildhaft und einfühlsam dargestellt.

Beide Handlungsstränge bewegen sich aufeinander zu und es macht wirklich Spaß, zu ergründen, was denn Sophie und Clara miteinander verbindet und dabei mitzuverfolgen, wie sich beide jeweils in ihrem Leben einrichten.Ich jedenfalls konnte das Buch nicht aus der Hand legen, bis ich wirklich die ganze Geschichte "erlesen" hatte!

Der Roman hätte aus meiner Sicht gut ein paar Figuren weniger haben können, um sich mehr auf die wirklich Wichtigen und deren Geschichten zu konzentrieren. Wobei dem erzählenden Teil ein Personenverzeichnis vorangestellt ist, das mir sehr geholfen hat, wenn auch leider nicht alle Figuren darin auftauchen. Teilweise wunderte mich dort die Prioritätensetzung - manche der aus meiner Sicht für die Handlung relevanten Charaktere finden keine Erwähnung.

Insgesamt ein packender und mitreißender Roman mit viel Herz, der Freunden und vor allem Freundinnen langer Schmökerabende herzlich zu empfehlen ist!

Veröffentlicht am 11.05.2018

Wo ist Amina?

Das Meer löscht alle Spuren
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Das möchte nicht nur ihr Mann, der berühmte iranische Autor Manash Ishmail erfahren, sondern auch ich. Ishmail und seine Frau haben einander auf der Flucht aus der Heimat verloren. Nun befindet ...

Das möchte nicht nur ihr Mann, der berühmte iranische Autor Manash Ishmail erfahren, sondern auch ich. Ishmail und seine Frau haben einander auf der Flucht aus der Heimat verloren. Nun befindet sich Ishmail als Asylbewerber in Dänemark und hat keine Ahnung, wo seine Frau ist bzw. ob sie in london, ihrem gemeinsamen Zielort jemals angekommen ist.

Journalistin Nora soll ihm helfen, das rauszufinden. Ausgerechnet Nora, die sich mit ihrer gerade wiedergefundenen großen Jugendliebe Andreas auf einer Achterbahnfahrt der Gefühle befindet und eigentlich erstmal ihr Privatleben klären sollte.

Ich habe schon den ersten Band dieser Reihe "Die Mädchen von der Englandfähre" mit Genuss gelesen. Protagonistin Nora, Londonkorrespondentin einer dänischen Zeitung, wie auch ihr ganzes Umfeld waren mir sogleich sympathisch bzw. auf eigenartige Weise vertraut und ich habe gerne Noras Privatleben, das eine recht große Rolle einnimmt, verfolgt. Diesmal läuft alles ein wenig holprig bzw. unstet - teilweise ist es ein wenig unbefriedigend, anderseits läuft in es der Realität ja oft nicht anders, weswegen ich es gerne verfolge. Manchmal allerdings würde ich Nora ein wenig mehr Entscheidungskraft und Nachdruck wünschen.

Eigenschaften, die sie im Berufsleben durchaus aufweisen kann, weswegen sie sich wieder und wieder in die Nesseln setzt. Auch hier geht es heftig zu und der Leser wird mit Menschenhandel bzw. ähnlichen Aktionen in einem eher ungewöhnlichen, aber beängstigend realistischen Kontext konfrontiert ebenso wie mit unerlaubten Machenschaften im medizinischen Bereich. Wirklich sehr aufregend, das alles, aber teilweise ein bisschen fahrig. Dennoch: ein ungewöhnlicher Krimi, den ich gerne gelesen habe. Ich würde mich auch sehr freuen, wenn diese Reihe weiterläuft!

Veröffentlicht am 11.05.2018

Ein holpriger Start in eine neue Zukunft

Die geliehene Schuld
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beginnt für die langjährigen Freunde Vera und Jonathan nach dem zweiten Weltkrieg in Berlin. Wie fast alle, müssen sie ganz von vorne anfangen, doch fällt es ihnen, die keine Freunde der Nationalsozialisten ...

beginnt für die langjährigen Freunde Vera und Jonathan nach dem zweiten Weltkrieg in Berlin. Wie fast alle, müssen sie ganz von vorne anfangen, doch fällt es ihnen, die keine Freunde der Nationalsozialisten waren, dennoch leichter als manch anderem, zunächst auf Wohlstand, ja sogar auf Grundlegendes zu verzichten. Zudem sind sie seit neuestem auch Kollegen bei einer eher fortschrittlichen Zeitung - beide als Journalisten.

Umso schockierter ist Vera, als sie vom plötzlichen Tod ihres Freundes während einer Dienstreise in Köln erfährt - rasch wird ihr klar, dass es sich hier nicht um einen regulären Unfall handeln kann. Dazu war Jonathan trotz seiner jungen Jahre viel zu vorsichtig und bedacht. Bei ersten Nachforschung wird deutlich, dass er einer großen Sache auf der Spur war und dass sein Ableben damit in direktem Zusammenhang stehen könnte.

Wie auch mit einer recht frischen Bekanntschaft im Rheinland. Berlinerin Vera steckt trotz anfänglichen Schwierigkeit bald mitten in der Rechereche und kann sogar auf Kosten des Arbeitgebers Jonathans Spur seiner letzten Dienstfahrt aufnehmen, die ihn beileibe nicht nur nach Köln, sondern viel weiter in den Süden, beispielsweise nach Tirol verschlagen hat.

Sehr, sehr geheimnisvoll ist all das - und wie Vera bald merkt, auch sehr gefährlich! Denn sie stößt auf politische Verstrickungen, wie sie sie nicht mehr für möglich gehalten hat.

Ein unglaublich spannendes und gut recherchiertes Buch, in dem dem Schicksal der Altnazis, die das Ruder in der Hand hatten und ihren Verfolgern entwischen konnten, in den ersten Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges - der Roman spielt in den Jahren 1948 und 1949 - nachgespürt wird. Autorin Claire Winter hat, wie man es von ihr nicht anders kennt, ausgiebig und fundiert recherchiert und ihre Ergebnisse in eine ebenso emotionale wie spannende Geschichte eingearbeitet.

Auch wenn ich bereits bekannt war mit Werken der Autorin und diese sehr gerne gelesen habe, hat sie mich diesmal erneut komplett überrascht. Nie hätte ich geglaubt, dass ich einmal das Glück haben würde, einen so spannenden, mitreißenden und auch einfühlsamen Roman über ein derart brisantes und längst nicht "ausgeforschtes" Thema zu lesen. Ich lege ihn allen ans Herz, die gerne mal einen historischen Roman zur neuesten Geschichte Deutschlands lesen, sich dabei aber nicht mit dem Mittelmaß zufrieden geben wollen. Ein wunderbares Buch, das ich mit Sicherheit mehrfach lesen und auch des öfteren verschenken werde!