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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2025

Ein Leben zwischen zwei Kulturen

Onigiri
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Das teilen Aki, aus deren Sicht dieser Roman erzählt wird und ihre Mutter Keiko, die einst aus Japan nach Deutschland kam, um zu singen, sich in einen Deutschen ver- und dann wieder entliebte, ...

Das teilen Aki, aus deren Sicht dieser Roman erzählt wird und ihre Mutter Keiko, die einst aus Japan nach Deutschland kam, um zu singen, sich in einen Deutschen ver- und dann wieder entliebte, aber mit ihren beiden Kindern dennoch in Deutschland blieb.

Inzwischen ist sie dement - aber ihre kulturelle wie auch nationale Verlorenheit besteht weiterhin. Auch in ihrem Heimatland? Aki, inzwischen selbst verheiratet und Mutter mehrerer Kinder fliegt kurzerhand mit der Mutter nach Kobe, deren Heimatstadt, nachdem sie verspätet erfährt, dass ihre Großmutter verstorben ist.

Die Leser:innen erleben nicht nur die Reise der beiden, sondern tauchen während der Lektüre tief in die Biographien beider Protagonistinnen - und auch einiger mehr - ein.

Eine faszinierende, ungewöhnliche Lektüre, während der ich mir wieder und wieder die Frage stellte, ob bzw. inwiefern Akis Geschichte mit der der Autorin übereinstimmt. Wie auch immer, ich könnte es mir sehr gut vorstellen und mich hat diese Darstellung immer wieder sehr bewegt. Zugehörigkeit und Ausgeschlossensein in einem Land, in das man nicht, oder nur teilweise (in Akis Fall zur Hälfte) geboren ist, das sind große zeithistorische Themen, die auch mich selbst betreffen. Autorin Yuko Kuhn vermag das Dilemma derer, die "dazwischen" leben, eindringlich darzustellen - nur an einigen Stellen springt sie ein wenig zu sehr hin und her, die jeweiligen Sequenzen wirken dadurch etwas zerfahren bzw. verwirrend. Doch habe ich immer wieder in die Handlung zurückfinden und mich an den teils traurigen, teils sehr unterhaltsamen oder gar lustigen Schilderungen bereichern können.

Veröffentlicht am 27.07.2025

Schönes Thema, teilweise unangemessen umgesetzt

Die Geschichte des Klangs
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Ja, ja - die Liebe - ist es vor allem Lionels und Davids Liebe zur Musik oder doch die zueinander? Die ich im übrigen möglicherweise überlesen hätte, wäre ich nicht über das in diesem Kontext überaus unpassende ...

Ja, ja - die Liebe - ist es vor allem Lionels und Davids Liebe zur Musik oder doch die zueinander? Die ich im übrigen möglicherweise überlesen hätte, wäre ich nicht über das in diesem Kontext überaus unpassende Wort "vögeln" gestoßen.

Während des Ersten Weltkriegs in friedlichen Gefilden: Lionel, ein junger Musiker, vor allem Sänger, lernt David in einem Pub kennen und wird Monate später von diesem eingeladen, ihn auf einer beschwerlichen Reise unter Mitnahme eines alten Aufnahmegerätes - hier soll Lionel beim Tragen helfen - auf der Suche nach alten Folksongs im ländlichen Nordamerika zu begleiten.

Die Schilderung dieser Reise (abgesehen vom Vögeln) hat mir sehr zugesagt, was für ein wunderbares Projekt, dieses Sammeln und Aufzeichnen der Lieder, quasi eine Art Oral History in Liedern. Die ansonsten eher platonisch formulierte Zuneigung der beiden jungen Männer zueinander ist stimmungsvoll und einfühlsam geschildert. Der zweite Teil, der etwa 70 Jahre später, in den 1980er Jahren angesiedelt ist, kann damit aus meiner Sicht leider nicht mithalten und so verläuft diese Novelle für mich ein wenig im Sande....


Veröffentlicht am 24.07.2025

Was vor langer Zeit geschah, wirkt bis heute nach

Brackwasser - Stille Wasser sind tief. Und manche sogar tödlich …
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Svea ist dorthin zurückgekehrt, wo sie nie wieder sein wollte. Der Grund: das Haus ihres geliebten Onkels Sören, das er, der offensichtlich durch die eigene Hand verstarb, ihr vererbt hat. Einerseits freut ...

Svea ist dorthin zurückgekehrt, wo sie nie wieder sein wollte. Der Grund: das Haus ihres geliebten Onkels Sören, das er, der offensichtlich durch die eigene Hand verstarb, ihr vererbt hat. Einerseits freut es sie, ihm dadurch nahe zu sein, auch wenn er selbst nicht mehr da ist - sein Hund muss versorgt werden und in dem Haus erinnert alles an ihn.

Ansonsten jedoch hat sie nur traurige bzw. gar böse Erinnerungen an den kleinen Ort: ihre beste Freundin Julia verschwand damals auf Nimmerwiedersehen und deren Freund, den sie bis heute des Mordes an ihr verdächtigt, ist seit Jahr und Tag mit ihrer eigenen Schwester verheiratet, mit der sie früher sehr eng war. Doch seit diese unter dem Einfluss dieses seltsamen Menschen steht, haben sie keinen Kontakt mehr.

Es sind also vor allem zumindest unangenehme, teils sogar sehr schwierige Umstände, die Svea bei ihrer Rückkehr vorfindet, doch dann taucht ein Knochen auf, der laut Untersuchungsergebnis zu ihrer Freundin Julia gehört. Ab dann sieht sich Svea als Ermittlerin im Auftrag ihrer toten Freundin - unbedingt muss sie herausfinden, was passiert ist. Doch bald wird klar, dass sie selbst in großer Gefahr schwebt..

Veröffentlicht am 20.07.2025

Knallt leider nicht so richtig

Knallkrebse
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Beziehungsweise im Klartext: die Handlung vermag mich nicht so recht zu erreichen. Als Leserin dieses Romans um einen jungen Mann und angehenden Wissenschaftler, der sich um einen jungen Flüchtling aus ...

Beziehungsweise im Klartext: die Handlung vermag mich nicht so recht zu erreichen. Als Leserin dieses Romans um einen jungen Mann und angehenden Wissenschaftler, der sich um einen jungen Flüchtling aus Afghanistan kümmert, bleibe ich außen vor.

Auf dem Rücken des Umschlags ist festgehalten, dass hier die Komplexität menschlicher Beziehungen ausgeleuchtet wird. Nicht aus meiner Sicht - ich bleibe hier völlig außen vor, habe nicht den Hauch einer Chance bei dem Beziehungsgeflecht des Ich-Erzählers durchzusteigen. Es sind eher Blitzlichter, Momentaufnahmen, die aus meiner Sicht das Miteinander nicht nachhaltig abbilden, es ist eher eine launenhafte Revue der Begegnungen von Tom mit seinem Schützling Farid, wobei drumherum noch seine Freundin Laura, sein Bruder Lukas und dann noch Yev, den ich so gar nicht einzuordnen vermag. Später kommt dann Sofie in Frankreich dazu, bei der Tom zeitweise unterkommt. Doch in diesen eigentlich doch vorhandenen Beziehungen findet sich keine Dichte und noch weniger Dynamik.

Von mir daher leider nur 2,5 Sterne!

Veröffentlicht am 20.07.2025

Heftig, berührend, fesselnd

Wir sehen uns wieder am Meer
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Das sind nur drei - allerdings die stärksten - Emotionen, von denen ich während der Lektüre dieses Romans gepackt wurde und zwar so, dass ich - gelobt seien freie Sonntage - ihn in einem Zug gelesen habe, ...

Das sind nur drei - allerdings die stärksten - Emotionen, von denen ich während der Lektüre dieses Romans gepackt wurde und zwar so, dass ich - gelobt seien freie Sonntage - ihn in einem Zug gelesen habe, ja lesen musste!
Diesmal steht vor allem Krankenschwester Birgit, eine enge Freundin der im Regen tanzenden Großmutter Thekla aus dem ersten Band der "lockeren" Trilogie der Autorin Trude Teige um Schicksale im Zweiten Weltkrieg, im Mittelpunkt.

Birgit begibt sich als Krankenschwester in den Norden Norwegens und wird dort Zeugin diverser grauenvoller Kriegshandlungen, die vor allem durch die deutschen Besatzer vollzogen werden. Doch sie begegnet auch der Liebe...

Neben ihr stehen aber vor allem andere Frauen im Zentrum der Handlung: vor allem die erst 16jährige Zwangsarbeiterin Nadja aus der Ukraine, aber auch deren Freundin und Schicksalsschwester und eine Kollegin von Birgit. Wieder ist Trude Teige ein packender Roman gelungen, in dem ich viel Neues über Norwegen im Zweiten Weltkrieg erfuhr - wie immer verpackt in eine spannende Handlung. Auch die Figuren sind sehr gelungen; ich hatte Birgit und die anderen während der Lektüre stets vor Augen.

Wer zu diesem Buch greift, sollte sich allerdings im Klaren darüber sein, dass es stellenweise so grausam zugeht, dass man es während der Lektüre kaum verarbeiten kann - die Leser werden nicht geschont, das Leid der Bevölkerung Norwegens wie auch der aus anderen Teilen Europas dorthin verschleppten Menschen wird ausgesprochen eindringlich dargestellt. Ein Buch, das viele Leser verdient!