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Veröffentlicht am 16.10.2019

Die Satteltaschenbibliothek von Baileyville

Wie ein Leuchten in tiefer Nacht
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1937: Die Engländerin Alice lernt den gutaussehenden Amerikaner Bennett und heiratet ihn quasi ad hoc. Sie erfährt erst auf der Überfahrt mit dem Schiff, dass sie in einer Kleinstadt in Kentucky und nicht, ...

1937: Die Engländerin Alice lernt den gutaussehenden Amerikaner Bennett und heiratet ihn quasi ad hoc. Sie erfährt erst auf der Überfahrt mit dem Schiff, dass sie in einer Kleinstadt in Kentucky und nicht, wie vermutet, in einer Großstadt leben werden - gemeinsam mit dem Schwiegervater, der schon von Anfang an ständig mit dabei ist - sie teilen sogar eine Schiffskabine mit ihm.

Aber es kommt noch schlimmer: er hat ganz bestimmte Vorstellungen davon, wie sie sich verhalten soll und ist gar nicht erbaut davon, dass sie sich meldet, als Bibliothekarinnen für die lokale Satteltaschenbücherei gesucht werden.

Damit ist ein sehr unkonventioneller Vorläufer der Büchereibusse im Kleinstformat gemeint: die Bibliothekarinnen reiten zu den verstreut lebenden Bewohnern der nahen Bergregion und bringen ihnen wöchentlich neue Literatur. Ein ebenso mühseliger wie erfüllender Job, stellt sie bald fest. Denn abgesehen vom Eigentümer des Büchereigebäudes Fred, der sich gelegentlich einbringt und aushilft, sind nur Frauen am Start - unkonventionelle, starke Frauen wie Marge O'Hare, die Leiterin der Bibliothek, die aus freiem Willem in wilder Ehe mit ihrem langjährigen Liebsten Sven lebt - ungeachtet seiner regelmäßigen Heiratsanträge.

Leider gerät Alice in Schwierigkeiten und da zeigt sich die Kraft der Freundschaft der anderen Bibliothekarinnen, in der sie Halt und Unterstützung findet.

Eine sehr erbauliche und eindringliche Unterhaltungslektüre, in der trotz vieler ernster Themen wie der Unterdrückung der Frauen, aber auch der Minenarbeiter, Rassismus und anderen Ungerechtigkeiten der Humor nicht zu kurz kommt. Und so viel mehr als das: ein starker Roman über die Kraft der Frauen, ihre Freundschaft - und Liebe. Denn die Autorin Jojo Moyes zeigt auch, dass es die richtigen Männer gibt, solche, die für Frauen sind und nicht gegen sie. Auch schon in den 1930er Jahren. Ich liebe historische Romane aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dies ist ein ganz besonders gelungener, der mein Herz erfüllt. Auch wenn ich die Romane der Autorin Moyes schon vorher schätzte - dies ist mit ganz großem Abstand mein bisheriges Lieblingsbuch von ihr, das ich hegen und pflegen werde!

Veröffentlicht am 13.10.2019

Motti zieht hinaus in die weite Welt

Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin
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Nachdem Motti im ersten Teil seiner Geschichte von seiner Familie verstoßen wurde, zieht er nun hinaus in die weite Welt. Und zwar haben ihn die "Verlorenen Söhne Israels" entdeckt und nehmen ihn in ihre ...

Nachdem Motti im ersten Teil seiner Geschichte von seiner Familie verstoßen wurde, zieht er nun hinaus in die weite Welt. Und zwar haben ihn die "Verlorenen Söhne Israels" entdeckt und nehmen ihn in ihre Gemeinschaft auf. Was allerdings nichts mit Familienersatz, sondern vielmehr mit einem Kampf der Welten zu tun hat!

Überraschenderweise gibt es nämlich einen parallelen Handlungsstrang, der der im April 1945 einsetzt und von einem nahtlosen Fortbestehen der Nazis berichtet - natürlich im Geheimen, doch durchaus mit Anspruch auf eine Weltmacht. Doch diesen haben nicht nur die Nazis...

Zunächst hatte ich Angst - nämlich dahingehend, ohne mame Wolkenbruch, Mottis mehr als eigenwillige Mutter auskommen zu müssen. Doch braucht man lediglich ein wenig Geduld, bis man reich belohnt wird - Mutter Wolkenbruch stellt sich, von Sehnsucht nach dem verlorenen Sohn übermannt, sogar dem Clinch mit der Cyberwelt!

Ein ausgesprochen schräger und im Gegensatz zum ersten Teil eher surrealer Roman.

Im Gegensatz zu Band 1 ist der Roman in "normalem" Deutsch verfasst, wenngleich es durchaus auch wieder mit Begriffen aus dem Jiddischen gespickt ist. Da ich gerade erst den ersten Teil beendet hatte, war ich noch drin im Modus, ansonsten hätte ich ein Glossar sicher vermisst.

Sehr unterhaltsam und auf gewisse Weise ungewöhnlich ist dieser Roman von Thomas Meyer - ich fühlte mich in eine völlig andere Welt entführt, eine Parallelwelt sozusagen. Beziehungsweise zwei davon - eine jüdische und eine Nazi-Welt. Es hat etwas Märchenhaftes, andererseits aber in Zeiten von AfD und anderen Bünden am rechten Rand der Gesellschaft oder gar jenseits davon durchaus auch realistisch-bedrohliche Züge - die ich jedoch tapfer weggelacht habe. Aber Thomas Meyer hat mich aufgerüttelt - ich bleibe wachsam und zwar in jeder Hinsicht!

Veröffentlicht am 12.10.2019

Bückeburger Historien - alte und neue

SchattenSchuld
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Im beschaulichen Bückeburg ist so einiges los - zunächst werden alte Knochen gefunden, die auf einen längst vergangenen Mord an einer adligen Dame hindeuten - und dann gibt es frische Körpeteile, die auf ...

Im beschaulichen Bückeburg ist so einiges los - zunächst werden alte Knochen gefunden, die auf einen längst vergangenen Mord an einer adligen Dame hindeuten - und dann gibt es frische Körpeteile, die auf mehrere aktuelle Verstümmelungen verweisen und - furchtbar, aber leider wahr - die passenden Vermissten dazu sind bereits gemeldet.

Klar, es ist der zwölfte Teil einer Serie und so findet ein Wiedersehen mit einer ganzen Reihe von Kripobeamten statt - im Mittelpunkt stehen wie immer die Kommissare Wolf Hetzer und Peter Kruse, für mich liebe und alte Bekannte.

Der Fall bzw. die Fälle selbst purzeln nur so ins Geschehen hinein, so dass es nicht langweilig wird. Allerdings hat sich die Aufschlüsselung für mich ein wenig überstürzt und nicht ausreichend begründet, zudem steht am Ende ein dicker fetter Cliffhanger, der - so finde ich - den Leser ein wenig zu sehr im Regen stehen lässt - fast so, als würde dieser Band zusammen mit dem nächsten einen geschlossenen Zweiteiler ergeben.

Dennoch als Teil dieser sehr atmosphärischen Reihe sehr lesenswert, nicht zuletzt wegen der eindringlich porträtierten Figuren!

Veröffentlicht am 12.10.2019

Eine jiddische Familie in moderner Zeit

Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse
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Doch hat sich in den Traditionen und (Vor)Bestimmungen kaum etwas geändert - die mame hält das Heft in der Hand, ist quasi die Matriarchin der Familien (und bei den Nachbarn ist es nicht anders) und hat ...

Doch hat sich in den Traditionen und (Vor)Bestimmungen kaum etwas geändert - die mame hält das Heft in der Hand, ist quasi die Matriarchin der Familien (und bei den Nachbarn ist es nicht anders) und hat ihrer eigenen Ansicht nach eine zentrale Bestimmung - ihre Kinder zu Verheiraten. Das sind in Frau Wolkenbruchs Fall drei Söhne, von denen sie bereits zwei erfolgreich verkuppeln konnte, bei dritten, nämlich Motti, gestaltet sich das etwas sperrig.

Denn: wie kann er es wagen, nicht so zu wollen, wie sie! Nein, er will kein prall watschelndes Ebenbild seiner Mutter, sondern schielt vielmehr nach einer schickse, nämlich nach seiner Kommilitonin Laura an der Uni Zürich.

Dass er nicht einfach so seinen Weg gehen kann, wird ihm erst spät - nach einem Abstecher nach Israel zu überaus verständnisvollen Verwandten - klar.

Was den Leser einiges an Konzentration abverlangt, denn der Roman ist mehr oder weniger in jiddisch verfasst bzw. wimmelt er vor Begriffen in dieser Sprache. Wobei man den zu Beginn stehenden Rat, sich diese laut vorzulesen, durchaus ernst nehmen sollte - in den meisten Fällen hilft es weiter und wenn nicht, gibt es immer noch ein Glossar am Ende des Bandes. Trotzdem hat mir die Lektüre höchste Konzentration abverlangt

Sehr unterhaltsam und auf gewisse Weise ungewöhnlich ist dieser Roman von Thomas Meyer - ich fühlte mich in eine völlig andere Welt entführt, eine Parallelwelt sozusagen. Wer Spaß hat an dieser jüdischen Welt, dem jüdischen Alltag mit all seinen Widrigkeiten, dem sei der Roman von Herzen empfohlen!

Veröffentlicht am 11.10.2019

Ein Kochbuch für jeden Haushalt

kochen.
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Gibt es ein Kochbuch, das für jeden Haushalt passt? Da habe ich schon öfter drüber nachgedacht und hätte mir - wenn ich denn entsprechende Fertigkeitkeiten besessen hätte - gern selber eines gestaltet. ...

Gibt es ein Kochbuch, das für jeden Haushalt passt? Da habe ich schon öfter drüber nachgedacht und hätte mir - wenn ich denn entsprechende Fertigkeitkeiten besessen hätte - gern selber eines gestaltet. Was es enthalten muss? Nun, Vorschläge für jeden Geschmack, die leicht abzuwandeln sind, sowohl für Feste, als auch für den Alltag. Speisen, die man mit halbwegs einfachen Mitteln zubereiten und, wenn sie sich denn bewährt haben, unkompliziert abwandeln kann.

Und natürlich sollte es Fotos enthalten, die dem Betrachter das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen!

Aber vor allem anderen: die Tipp- und Trickkiste sowie die Empfehlungen eines erfahrenen und guten Kochs! Das, was eine normale Hausfrau (oder ein Hausmann) eben nicht auf dem Schirm hat, nicht haben kann.

Auch wenn es nicht alle meine Wünsche erfüllte, war "Alle meine Rezepte" von Wolfram Siebeck für mich jahrzehntelang etwas in der Art. Doch abgesehen davon, dass es nicht so viele Tipps & Tricks und null Fotos enthält, hat es sich selbst inzwischen ein bisschen überholt, finde ich.
Und es ist "Kochen" von Stevan Paul an seine Stelle getreten, ein Kochbuch, das wirklich jeden Wunsch erfüllt. Ein toller Koch mit einem tollen Buch - ich sehe mich die nächsten paar Jahrzehnte mit ihm an der Seite in meiner Küche werkeln! Zudem ist es DER Geschenktipp schlechthin! Ich bin hin & weg von dem wundervollen Kochbuch, nicht zuletzt, weil auch die baltische Küche - sozusagen diejenige meiner Ahnen - bedacht wurde!