Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten
Real AmericansWie der Titel fast schon ahnen lässt, lesen wir hier einen amerikanischen Roman, wie er fast typischer nicht sein kann. Es ist die Geschichte einer chinesischen Einwandererfamilie, deren Hintergrund wir ...
Wie der Titel fast schon ahnen lässt, lesen wir hier einen amerikanischen Roman, wie er fast typischer nicht sein kann. Es ist die Geschichte einer chinesischen Einwandererfamilie, deren Hintergrund wir aus der Sicht von drei Generationen erfahren.
Im ersten Abschnitt gibt es Mutter Lily im Jahr 1999, die sich in den aus reichen Verhältnissen stammenden Amerikaner Matthew verliebt und von ihm Sohn Nick bekommt. Dessen Leben, aufgewachsen ohne Vater, steht dann 2021 im Mittelpunkt, Nick macht sich auf die Suche nach dem unbekannten Vater und kann mit dessen Hilfe an einer Elite-Universität studieren. Schließlich lernen wir im letzten Abschnitt die Großmutter May kennen, aufgewachsen in China und als junge Frau in die USA gekommen.
Das Buch erzählt vor allem eine Geschichte von fehlender Zugehörigkeit, Heimatlosigkeit, ein zwischen-den-Fronten-Stehen. Gerade die Großmutter- und Mutter-Generation haben es nie geschafft, für sich ein eigenes Zuhause zu finden, sowohl in China als auch in den USA waren sie Fremde oder fühlten sich zumindest so. Auch der große Konflikt zwischen Arm und Reich in einem Land, in dem alles möglich scheint und in dem doch wieder jeder kämpfen muss, wird hier thematisiert, angeführt auch von einer immer schwelenden Sprachlosigkeit zwischen den Generationen.
Sehr feinfühlig, zwischendurch aber durchaus auch ungeschönt ist der Sprachstil der Autorin, die selbst asiatischer Herkunft ist und daher sicherlich einige autobiographische Züge in ihre Erzählung hat einfließen lassen. Ein großes Werk, das mir einen interesssanten Teil der amerikanischen Multi-Kulti-Kultur um einiges nähergebracht hat und das ich sehr empfehlen kann!