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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.10.2021

vielseitig

Wahi – süß, sauer, salzig, scharf
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Auf wenigen Seiten wird die Lebensgeschichte Alex Wahis geschildert. Genug, um einen Eindruck von der Person und seinen Werdegang als Koch zu bekommen. Im Mittelpunkt des Kochbuches stehen jedoch die Gerichte ...

Auf wenigen Seiten wird die Lebensgeschichte Alex Wahis geschildert. Genug, um einen Eindruck von der Person und seinen Werdegang als Koch zu bekommen. Im Mittelpunkt des Kochbuches stehen jedoch die Gerichte aus aller Welt, entgegen herkömmlichen Kapiteln nicht in Vorspeise, Hauptspeise, Dessert gegliedert, sondern unterteilt in Entfernungen zu seinem Geburtsort Hamm. Alle Gerichte sind ein Crossover der Zutaten und Geschmacksrichtungen, westfälische Küche wird mit asiatischen Gewürzen versehen, fruchtiges mit herzhaften Fleischgerichten kombiniert. Hoch interessante Gerichte sind daraus entstanden, ich habe mir auf Anhieb ein paar herausgesucht um sie nach zu kochen. Die Zutatenliste ist übersichtlich und auch in durchschnittlichen Supermärkten und Wochenmärkten zu finden, die Zubereitungsdauer recht kurzgehalten, die Beschreibung der Zubereitung klar und einfach. Und wem die bereits außergewöhnlichen Rezepte nicht reichen, für den gibt es Variationsangaben.
Für mich ein rund rum gelungenes Kochbuch, zu jedem Rezept gibt es ein Foto. Die Zutatenkombinationen versprechen ein ganz neues Geschmackserlebnis der Rezepte teils mit Fleisch, größtenteils jedoch vegetarisch.

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Veröffentlicht am 04.10.2021

Kind ohne Kindheit

Shuggie Bain
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Im Glasgow der 70er und 80er Jahre wächst Hugh Bain, genannt Shuggie, auf. Von dem Vater seiner älteren Geschwister habt sich seine Mutter Agnes getrennt, er hat ihr nicht das Leben geboten, was sie sich ...

Im Glasgow der 70er und 80er Jahre wächst Hugh Bain, genannt Shuggie, auf. Von dem Vater seiner älteren Geschwister habt sich seine Mutter Agnes getrennt, er hat ihr nicht das Leben geboten, was sie sich vorgestellt hat. Ein wenig Luxus sollte schon sein. Ihr 2. Mann, Big Shug, ist ein Lebemann, er versprach ihr alles und hat nichts gehalten. Als Taxifahrer war er viel unterwegs und war auch mit Taxikundinnen intim. Der Umzug in ein eigenes Haus, von Agnes erseht, entpuppte sich als Enttäuschung. Agnes hat schon immer getrunken, doch nun wurde sie Alkoholikerin. Nach der Trennung von Shug hatte sie ihre 3 Kinder zu versorgen, doch das Geld von der Stütze vertrank sie. Selbst der kleine Shuggie hat schnell gelernt, wie er mit seiner alles geliebten Mutter umgehen musste, wie er es schaffte, Geld für Lebensmittel beiseite zu legen. Als seine Schulzeit begann wurde es für ihn immer schlimmer. Er hatte auf seine Mutter aufzupassen und somit so manchen Schultag verpasst. Andererseits wurde er in der Schule gehänselt und verprügelt, er war anders als die anderen Jungs, kein Draufgänger, keiner, der noch vor der Pubertät hinter den Mädchen herlief und unflätige Aufdrücke benutze. Er war zu weich für das harte Glasgow, in dem Arbeitslosigkeit, Armut und Tristesse allgegenwärtig
waren.
Wir erleben die Jugend von Shuggie, sein Kampf, seine Mutter vom Trinken abzuhalten, von den Männern, die seine Mutter ausnutzen aber auch das Ausnutzen der Männer seitens seiner Mutter. Eine verpasste Jugend und durch die mangelnde Schulausbildung auch eine schwierige Zukunft eines Kindes ohne Kindheit. Sehr gut lesbar, ein Roman, der einem nahe geht.

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Veröffentlicht am 04.10.2021

Überlebenskampf

Der schwarze Winter
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Rosemarie und Silke Bensdorf sind Geflüchtete. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges hatten sie ihre Heimat im Osten zu verlassen, ihr angesehenes Tuchgeschäft blieb zurück und bei dem Bauer, bei dem sie anfänglich ...

Rosemarie und Silke Bensdorf sind Geflüchtete. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges hatten sie ihre Heimat im Osten zu verlassen, ihr angesehenes Tuchgeschäft blieb zurück und bei dem Bauer, bei dem sie anfänglich Arbeit fanden, konnten sie nicht mehr bleiben. Hamburg sollte ihr Ziel sein, auch wenn dort nach dem verheerenden Feuer keine Menschen mehr aufgenommen werden konnten, fanden sie dennoch einen Weg. Erst Egon und dann der Krüppel Hans halfen ihnen in ihrer Not weiter, sie bekamen zu Essen und einen Platz zum Schlafen. Silke, die erfinderische Geschäftsfrau verschaffte sich mit kleinen genähten Blumen ein Zubrot während die jüngere Rosemarie im Schwarzmarkt mit ihren neuen Freundinnen aus der Notunterkunft aktiv war. Silke Tüchtigkeit fiel auf, Hans verschaffte ihr die Lizenz für eine Bar und obwohl sie diese Tätigkeit für unsittlich hielt, ebenso wie die gesangliche Abendunterhaltung die Rosemarie beisteuerte, war sie mit ihrem Erfolg vom Krieg heimgekehrten Soldaten ein Dorn im Auge. Die Bar wurde nur von der britischen Besatzungsmacht besucht und bald war Alan nicht nur ein ständiger Gast sondern auch als Beschützer wichtig.
Wir erleben in diesem Roman den kalten Nachkriegswinter 45/46 mit seinen hungernden und frierenden Überlebenden. Der Überlebenskampf um die spärlichen Rationen verlagerte sich auf den Schwarzmarkt, der wiederum von den Besatzern bekämpft wurde. Geflüchtete aus dem Osten, Waisenkinder, Entlassene aus der Kriegsgefangenschaft und Altnazis, die wieder in hohe Positionen strebten, wie auch die Besatzungsmacht sind die Protagonisten dieses hoch interessanten Romans, in dem auch die Liebe eine große Rolle spielt.

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Veröffentlicht am 01.09.2021

zerstörende Eifersucht

Die Zeit der Kirschen
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Über ein Jahr ist inzwischen vergangen als die Köchin Aurelie und der Schriftsteller und Lektor Andre ein Paar wurden. Durch Andres Roman, das Lächeln der Frauen, sind sie zusammen gekommen. Für alle sind ...

Über ein Jahr ist inzwischen vergangen als die Köchin Aurelie und der Schriftsteller und Lektor Andre ein Paar wurden. Durch Andres Roman, das Lächeln der Frauen, sind sie zusammen gekommen. Für alle sind die Beiden das Traumpaar schlechthin, jetzt wird es doch mal Zeit, dass sie zusammenziehen und heiraten. Andre trägt schon länger den perfekten Verlobungsring bei sich, doch die Gelegenheit für einen Heiratsantrag wird immer wieder verhindert. Am Valentinstag soll es nun soweit sein, alles ist vorbereitet. Da erfährt Aurelie, dass ihr kleines Restaurant, das le temps des cerises, die Zeit der Kirschen, mit einem Michelinstern ausgezeichnet wurde. Alles steht Kopf, so bleibt der Ring in der Schatulle. Wenig später stellt sich heraus, das Restaurant wurde verwechselt. Über dieses Missverständnis hinweg treffen sich die beiden Köche zum Austausch und freunden sich an, sehr zum Missfallen des immer eifersüchtiger werdenden Andre. Er lässt sich so einiges einfallen, um die Treffen der beiden Köche zu stören und macht es damit nur noch schlimmer. Auch Aurelie reagiert eifersüchtig, als sie die Buchhändlerin kennenlernt, die Andre regelmäßig anruft.
Die Geschichte um die gegenseitige, zerstörende Eifersucht und die halbherzigen Versuchte Andres sind amüsant geschrieben. Die Kulisse Paris sieht man vor seinen Augen. Leider reicht der Fortsetzungsroman nicht an das Lächeln der Frauen heran. Der erste Teil des Buches befasst sich immer wieder mit teilweise ermüdenden Rückblenden auf das Kennenlernen. Interessant ist die Sichtweise der Protagonisten, die immer abwechselnd das gleiche Geschehen sehr unterschiedlich beurteilen.

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Veröffentlicht am 01.09.2021

Milieustudie Harlem der 60er Jahre

Harlem Shuffle
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Colson Whitehead führt uns anhand des Schwarzen Ray Garney durch das Leben eines Schwarzen im Harlem der 60er Jahre. Ray verlebte seine Jugend bei seiner Tante und dem Cousin Freddie, der für ihn wie ein ...

Colson Whitehead führt uns anhand des Schwarzen Ray Garney durch das Leben eines Schwarzen im Harlem der 60er Jahre. Ray verlebte seine Jugend bei seiner Tante und dem Cousin Freddie, der für ihn wie ein Bruder wurde. Rays Vater war ein Kleinganove und das einzige, was er seinem Sohn hinterließ war ein Pick-up. Ray war gut in der Schule und er hätte ein gutes, gesetzestreues Leben führen können, wenn er durch Freddie nicht in Diebstahl und Hehlerei hineingezogen worden wäre. Mit einem Anfangskapital schaffte Ray sich ein Möbelgeschäft aufzubauen, die legale Fassade für alles andere. Um seiner Familie, Elisabeth und den beiden kleinen Kindern ein Leben außerhalb der Slumgegend bieten zu können, war er immer wieder nebenbei illegal tätig. Immer in Sorge um das Leben seiner Familie, Freddies und auch sich selbst. Rivalisierende Banden und handaufhaltende Cops gaben sich in seinem Laden die Klinke in die Hand.
Elisabeth war für Anfang der 60er Jahre eine selbstbewusste Frau, sie arbeitete in einem Reisebüro, dass sichere Reisen für Schwarze organisierte. Viele Gegenden, Restaurants oder Unterkünfte waren für die Schwarzen gefährlich. Wie gefährlich zeigte sich bald auch in New York, als ein jugendlicher Schwarzer grundlos von einem Cop erschossen wurde. Es kam zu Aufständen.
In drei Kapiteln mit Zeitsprüngen wird das Leben und Überleben eines typischen Schwarzen in Harlem erzählt. Schwarz gegen Weiß, Arm gegen Reich, Korruption und Vetternwirtschaft sind die Hauptthemen dieses hochinteressanten Romans. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, erst ab dem 2. Kapital kam ich besser in die Geschichte hinein. Sehr viele abgehackte Sätze und Andeutungen erschweren es, der Handlung zu folgen. Dennoch, für die Aussagekraft dieser Geschichte lohnt es sich.

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